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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : HB: Cyproteronacetat + Trenantone - wer hat Erfahrung?



Senza
24.04.2008, 11:32
Hallo liebe Forumsmitglieder,

mein Vater nimmt seit 2 Tagen Cyproteronacetat und soll am Montag mit Trenantone (Spitze) beginnen. Das ist die erste und einzige Therapie, seitdem er den Befund 4+4=8 cT2bNoMo erhalten hat. Mit der Bestrahlung will er noch einige Wochen warten, bis sich die Entzündungswerte komplett beruhigt haben (er gehörte zu den 3%, die nach der Biopsie eine schlimme Sepsis erlitten haben).

Mich treiben folgende Fragen um:

1. Kann diese Medikamenten-Kombination seinem Herzen schaden (er hatte früher Herzrhytmusstörungen, Vorhofflimmern und ist auf Marcumar und Isoptin eingestellt).

2. Wozu müssen zwei Medikamente genommen werden, also Tabletten UND die Spritze?

3. Hat hier jemand Erfahung mit den o.g. Medikamenten?

4. Gibt es irgendetwas, was Angehörige wissen sollten, worüber Ärzte aber nicht sprechen? Im Beipackzettel steht Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen. Habt Ihr Tipps für uns, was wir als Angehörige falsch/ richtig machen können?

Lieben Dank für eure Antworten
Senza

Helmut.2
24.04.2008, 18:08
Hallo, Liebe Senza,

Bei diesem Wirkstoff Cyproteronacetat (http://www.prostatakrebs-bps.de/index.php?option=com_content&task=view&id=125&Itemid=178) habe ich wirklich bedenken für deinen Vater und würde Casodex 50 mg oder gar 150 mg täglich empfehlen!
1. Kann diese Medikamenten-Kombination seinem Herzen schaden (er hatte früher Herzrhytmusstörungen, Vorhofflimmern und ist auf Marcumar und Isoptin eingestellt).
Herzrythmusstörungen hatte ich 2002 auch und hatte nichts am Herzen, daher würde ich Dir raten mit deinem Vater zu einem Kardiologen (http://de.wikipedia.org/wiki/Kardiologie) zu gehen, wegen den Verträglichkeiten der Medikamenten zu bereden!

2. Wozu müssen zwei Medikamente genommen werden, also Tabletten UND die Spritze?
Ja, auf jeden Fall!
3. Hat hier jemand Erfahung mit den o.g. Medikamenten?
Meinst Du Marcumar und Isoptin? nein tut mir Leid, mit den anderen schon!

4. Gibt es irgendetwas, was Angehörige wissen sollten, worüber Ärzte aber nicht sprechen? Im Beipackzettel steht Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen. Habt Ihr Tipps für uns, was wir als Angehörige falsch/ richtig machen können?
Liebe Senza, das ist und wirkt sich individuelle verschieden aus!
Alles Gute, Helmut

Hans-Joachim
24.04.2008, 23:08
Hallo Senza,

2. Wozu müssen zwei Medikamente genommen werden, also Tabletten UND die Spritze?

Die Spritze verhindert, daß Testosteron ( = Futter für den Krebs ) in den Hoden gebildet wird. Die Tablette verhindert, daß das Testosteron, das zusätzlich auch noch in den Nebennieren produziert wird, in die Prostata gelangt.

3. Hat hier jemand Erfahung mit den o.g. Medikamenten?

Ich habe meine Hormontherapie-"Laufbahn" mit Cyproteronacetat begonnen. Siehe mein Profil. Dabei habe ich mir folgende Gedanken gemacht:

Es gibt mehrere Medikamente ( Antiandrogentabletten ) wie zum Beispiel Cyproteronacetat = Androcur, Flutamid, Casodex, etc.. Egal welche Tablette man nimmt, so muß man nach aller Erfahrung davon ausgehen, daß die Tablette nach Monaten oder auch nach Jahren ihre Wirkung verliert. Dies zeigt sich meistens an einem konsekutiven 2-3 maligen Wiederanstieg des PSA-Wertes. Also geht man in die zweite Runde: Man setzt die erste Tablette ab, und versucht es mit einer anderen Tablette. Das funktioniert in vielen Fällen auch ( sieh Dir die verschiedenen Krankheitsgeschichten in den Profilen an ). Im Prinzip ist das wie mit einer Freundin: Wenns mit der ersten nicht mehr klappt, nimmt man sich eine zweite. Aber der Witz liegt - nach meiner subjektiven Meinung - in der Reihenfolge: Nimmt man zuerst die Junge und danach die Ältere, oder macht man es umgekehrt. Das ist natürlich ( wie auch meine Methapher !) immer eine Frage des Geschmacks. Wahrscheinlich scheint Casodex das wirksamere, zumindest das weltweit häufigst eingesetzte Medikament zu sein. Die Frage, die niemand sicher beantworten kann, ist:
Wirkt Caxodex nach Androcur noch, und/oder wirkt Androcur nach Casodex auch noch. Ich habe mich dazu entschieden, das anscheinend "schwächere" Androcur zuerst zu nehmen, um in der zweiten Runde das "wirksamere" Casodex einzuwerfen. In gewisser Weise hat das bei mir auch funktioniert. ( Wobei keiner weiß, wie mein Verlauf gewesen wäre, wenn ich es anders herum gemacht hätte ). Im Moment stehe ich kurz davor, die dritte Tablette ( Freundin ) einzuwerfen.

4. Gibt es irgendetwas, was Angehörige wissen sollten, worüber Ärzte aber nicht sprechen? Im Beipackzettel steht Müdigkeit, Kopfschmerzen, Depressionen. Habt Ihr Tipps für uns, was wir als Angehörige falsch/ richtig machen können?

Auf das Gewicht achten! Manche Ärzte reden darüber garnicht. Es kann aber zum Problem werden. Deshalb möglichst angemessene, regelmäßige Bewegung. Hilft auch gegen depressive Stimmungen. Und nette, gute Gesellschaft.

Eine Wassertablette nehmen, da die Hormontabletten zu Wassereinlagerugen ( Ödeme ) führen, die man nicht mehr los wird. Eventuell Stützstrümpfe tragen, um Embolie-Risiko zu mindern.

Der Krankheitsverlauf muß über entsprechende Marker konsequent fortlaufend kontrolliert werden:

Wurde bei Deinem Vater ein MRT, CT bildgebende Verfahren gemacht, um die Ausdehnung der Krankheit festzustellen? Wie sieht es aus mit dem Osteoporose-Risiko?

Den PSA und den dazugehörigen Testosteronwert monatlich immer im gleichen Labor ermitteln lassen.

Den Marker LH-Wert monatlich ermitteln lassen, um die Wirksamkeit der Spritze zu kontrollieren.

Regelmäßig über ein Blutbild den Allgemeinzustand des Patienten kontrollieren.

Das ist das Minimum, was man labormäßig machen sollte. Das darf man sich auf keinen Fall, mit welchen Argumenten auch immer, von den Ärzten abschwatzen lassen. Ansonsten stochert man nur mit der Stange im Nebel herum.

Sonstige Marker siehst Du aus den Krankengeschichten, und kannst Sie je nach dann vorhandenem Wissensstand und Erfahrung einsetzen.

Über alle Diagnosen, Therapien, Marker-Werte ein Protokoll führen, damit der Verlauf der Krankheit jederzeit von jedem Arzt ohne große neue Untersuchungen nachvollzogen werden kann. Von allen Befunden eine Kopie verlangen, und notfalls energisch darauf bestehen, und diese mit der Krankheitsgeschichte archivieren. Alle Informationen hier ins Forum stellen, damit die Mitleser die Situation richtig einschätzen können, und damit erst in der Lage sind, fundiert beraten zu können.

Die Psychologie im Umgang mit Prostatakarzinompatienten scheint oft recht diffizil zu sein. Über lange Zeit zeigen viele Patienten keine sichtbaren Krankheitssymptome ( außer den mehr oder weniger auftretenden aber aufgrund des Testosteronmangels nicht zu unterschätzenden medikamentösen Nebenwirkungen ) , sodaß sie von Ihrer Umwelt als eigentlich "gesund" angesehen und behandelt werden. Innerlich stehen sie jedoch unter einem enormen bis kolossalen Leidensdruck, da ihre Lebenspläne und Zukunftsperspektiven doch urplötzlich radikal in Frage gestellt sind. Ob der Patient hier ein gemeinsames vertiefendes Gespräch wünscht, oder ob er lieber auf der Verdrängerschiene weiterfahren will, dies zu erkennen, bedarf großer Geduld, Einfühlungs-vermögen und auch Liebe.

Lieben Dank für eure Antworten

Gern geschehen, Joachim

Senza
28.04.2008, 19:24
Lieben Dank für eure hilfreichen Antworten!

weinreich
28.04.2008, 20:17
hallo senza

ich denke auch praktisch. zu überlegen ist auch, öfters mal eine selbsthilfegruppe...shg... hier.. prostata shg köln süd aufzusuchen.

kontaktstelle...kiss köln...kissköln.de
ansonsten...

mit dem wert..8,0 ist wohl gemeint..gleason-score..4und 4,0 ..8,0.
schon hoher wert, da der max wert...10,0 ist. d.h....

m.e. sollte,muß ein knochenszintigramm angefertigt werden.
ggfs, kann man labormedizinisch werte ermitteln und mit den normwerten vergleichen.
die knochenaufnahme ist aber der standart.
bitte ,das zu überlegen.
gruss aus hamburg

manni

Harro
28.04.2008, 20:56
Praktisch denken

Hallo, manni - weinreich, Heribert hat Dich schon mal höflich gebeten, Dich hier zu outen. Wir haben es nicht so gern mit einem Neutrum zu tun, der uns dazu noch meist nichtssagende Hinweise - siehe oben - gibt. Was Standard ist, ist uns auch zur Genüge bekannt.

"Entdecken ist sehen, was jeder sieht, und denken, was noch niemand gedacht hat"
(Albert Szent-Györgyi, amerikanischer Biochemiker)

Gruß Hutschi