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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Therapieentscheidung



Hans Simon
28.06.2006, 13:27
Hallo, wer weiß Rat?
Ich stehe vor einer Therapieentscheidung. Diagnose: Prostatakarzinom.
Kurze Vorgeschichte: Vor vier Jahren bereits wurde das Karzinom in der Prostata mit PSA 8,11 entdeckt. Eine Biopsie wurde gemacht und aus dem Stanzmaterial ergaben zwei pathologische Befunde den Malignitätsgrad IIa und gleason 3+3=6. Der zweite Befund war ansonsten etwas differenzierter als der erste. Ich wartete ab und nun Ist der PSA-Wert wesentlich gestiegen.

Heutige Daten: 66Jahre - PSA-Wert im Mai 06: 18,9 - Ein Knochensyntigram am 09.06.06 war ohne Befund. - Ein rektales MRT an der UniKlink Frankfurt/Main hat folgenden Befund ergeben:

"12.06.2006 MR Prostata KM
Aktuell MR-tomogr. zeigt sich in der peripheren Zone der linken Prostata ein konfluierendes Areal, die Kapsel zeigt sich hier infiltriert, Größendurchmesser 15 x15 mm, der Ansatz der Samenblasen erreicht.
Rechtsseitig in der peripheren Zone signalarmes Areal, konfluierend, 15 x 15 x12 mm. Die Kapsel hier noch intakt.
MR-spektroskopisch extrem erhöhtes Cholin zu Kreatin und Cholin zu Citrat im Sinne des Malignoms und bilaterales Befallsmuster.
Beurteilung:

Mr-tomogr. Stad. T3 mit Kapselinfiltration linksseitig, Samenblasenbasis erreicht.
Rechtsseitig ein Tumor, der bis an die Kapsel heranreicht.
Keine sicheren path. vergrößerte Lymphknoten im mitdargestellten Untersvolumen."Der Radiologe an der UniKlinik meinte, nicht alle Urologen würden bei dieser Diagnose noch operieren, eigentlich ginge da nur noch Bestrahlung. Aber ich würde mich ja sicher noch mit meinem Urologen beraten.
Der Urologe sagte, Bestrahlung oder Prostatektomie, beides sei möglich. Auf die Bestrahlung ging er nicht näher ein, was vermutlich damit zu tun hatte, dass ich zwar diese nicht unbedingt ausschloss, jedoch Bedenken wegen Nebenfolgen hatte. Zur Operation sagte er, die Errektionsfähigkeit sei ziemlich sicher nicht zu erhalten, da eine nervenschonende Op nicht mehr möglich sei. Zusätzlich schilderte er die Möglichkeiten von kurz-/längerfristigen Inkontinenz.
Ich neige dazu mich operieren lassen, schließlich bestünde die Chance, wenn auch nur sehr gering, dann Ruhe zu haben. Aber bliebe was im Körper zurück, wäre die Op nach meiner bisherigen Kenntnis vergeblich gewesen. Andere Therapieformen sollten mir dann noch über einige Jahre helfen. Hätte ich unter diesen Umständen bei einer Entscheidung für die Op was falsch gemacht? Was wäre besser? Was meint ihr, nur Mut. Letztendlich entscheide nur ich.
Wer was weiß, kann mir Krankenhausempfehlungen im Rhein-Main Gebiet geben. Und für eine Bestrahlung vielleicht die Anschrift einer Klinik mit einem Onkologen, der in der Lage ist ein gutes Patientengespräch zu führen. Das kann mir auch als Mail bzw. Postfach zugehen. - Mit dem Beratungsgespräch des Urologen war ich sehr zufrieden. Ich will eben nichts unversucht lassen bevor ich mich entscheide.

Gruß
Hans Simon

RalfDm
28.06.2006, 19:41
Hallo Hans Simon,

Du befindest Dich in der Situation, die jeder von uns männlichen Forumsteilnehmern vor kürzerer oder längerer Zeit durchgemacht hat. Man ist von der Diagnose "Krebs" vor den Kopf geschlagen und weiß nicht, was nun zu tun ist.
Ich vertrete die Meinung, dass jeder Betroffene seine Therapieentscheidung selbst treffen muss, aber er soll dies auf informierter Basis tun. Ich habe darum bereits vor einiger Zeit versucht zusammenzuschreiben, was nach meiner Meinung jeder Neubetroffene wissen, bedenken und beachten sollte, bevor er sich für eine der möglichen Therapien entscheidet, und was ich selbst in den vergangenen 5 1/2 Jahren über die Krankheit und das ganze Drumherum gelernt habe. Du findest diesen Text, wenn Du bei KISP (http://www.prostatakrebse.de) auf den Button "Erster Rat" klickst. Darin enthalten sind auch Hinweise auf weitere Information. Ich möchte Dir empfehlen, diesen Text zu lesen, zu verarbeiten, und das gleiche auch mit Anderem zu tun, auf das ich darin verweise, bevor Du Dich für irgendeine Therapie entscheidest. Dies ist der beste Rat, den ich Dir geben kann.

Ralf

jürgvw
28.06.2006, 21:16
Hallo Hans Simon

Befolge bitte Ralfs Empfehlung und studiere anschliessend die sog. Partin-Tabellen, die Du gerade nach den ersten Ratschlägen findest. Ohne Dich in Deiner Entscheidung beeinflussen zu wollen: Prüfe nicht nur die lokalen Therapien wie Operation und Bestrahlung, sondern angesichts der festgestellten Kapselüberschreitung auch die verschiedenen Hormontherapien.

QAlles Gute wünscht Dir

Jürg

Jörg (O)
01.07.2006, 13:59
Hallo Hans,
sicherlich hast Du Dich bereits eingehend über den Stand Deiner Krankheit informiert.
Ein T3 Tumor, der also die Prostatakapsel schon durchbrochen hat, ist nach den bisherigen statistischen Erfahrungen nicht mehr kurativ zu behandeln, weil er bereits Metastasen gebildet haben könnte, die mit den
bildgebenden Verfahren noch nicht lokalisiert werden können.
Unsere Erfahrungen haben aber gezeigt, dass auch T3 Tumore durch Operation heilbar sind, jedoch sind dies die Ausnahmen.
Zu bedenken ist außerdem, dass durch eine Operation die vorhandene
Tumormasse erheblich verringert wird. Sollte der Tumor bereits gestreut haben, so dürfte eine Hormontherapie infolge der verringerten Zahl der Krebszellen besser und länger ansprechen können.
Ich wünsche Dir bei Deiner Therapiewahl ein glückliches Händchen.
Gruß Jörg (O)

wassermann
02.07.2006, 09:15
Hallo Hans-Simon,
den Ratschlägen der bisher Antwotenden kannst du sicher guten Gewissens folgen. Ich würde jedoch die recht apodiktisch wirkende Äußerung, bei T3 sei kurativ nichts mehr zu machen, nicht ganz wörtlich nehmen. Sicher ist eine T3 Diagnose nicht gerade eine Garantie für ein langes krebsfreies Leben, doch "Heilung" wird meines Wissens als tumorfreier Zustand nach 5 Jahren definiert. Kurative Maßnahmen zielen darauf ab, viele Untersuchungen und Statistiken auch. Was man als Betroffener damit anfangen kann, ist individuell verschieden und hängt auch von anderen Faktoren wie PSA, Gleason oder dem Alter ab. Mit 75 ist eine so definierte Heilungsaussicht vielversprechend, mit 50, wie bei mir, nicht gerade beruhigend.
Ich habe mich für die OP (vor 3 Monaten) entschieden, da ich nach der Biopsie von anderen Werten ausgegangen bin. Postoperativ hat sich mein PCA allerdings als T3a herausgestellt. Mir geht es derzeit bestens, wie lange das anhält, steht in den Sternen.
Ob du daraus eine OP-Empfehlung ableiten kannst, musst du selbst entscheiden.
Alles Gute und einen guten Entschluss!
Wassermann

Bernhard A.
02.07.2006, 13:33
Hallo Jörg !<O:p</O:p
<O:p</O:p

Dein nachstehendes Zitat ist für mich zu pessimistisch.<O:p</O:p
<O:p</O:p


Ein T3 Tumor, der also die Prostatakapsel schon durchbrochen hat, ist nach den bisherigen statistischen Erfahrungen nicht mehr kurativ zu behandeln, weil er bereits Metastasen gebildet haben könnte, die mit den
bildgebenden Verfahren noch nicht lokalisiert werden können.<O:p</O:p
<O:p</O:p
Im Buch von Dr.Strum werden gerade für das Krankheitsstadium T3 gute Heilungschancen für die kombinierte Bestrahlung aufgezeigt. Wie in meinem „öffentlichen Profil“ zu sehen, deshalb habe ich auch diesen Weg einer 3-fach Therapie gewählt.
<O:p</O:p<O:p</O:p
Gruß<O:p</O:p
Bernhard A.

Jörg (O)
02.07.2006, 15:47
Hallo Bernhard A.,
vielleicht habe ich mich etwas zu drastisch ausgedrückt, was die
tatsächlichen Heilungschanchen von T3 Prostatatumoren betrifft,
zumal ich auch ein diesbezüglicher Betroffener bin.
Ich wollte hier wirklich keinen Pessimismus verbreiten, sondern nur auf eben die Tatsache hinweisen, dass dass sich eine kurative Behandlung
von T3 Tumoren - also Tumoren, die die Kapsel bereits durchbrochen und
unter Unständen schon die Samenblasen infiltriert haben, als schwierig
erweisen könnte.
Wir haben alle die Erfahrung gemacht, dass entgegen des pathologischen
Gutachtens der Biopsie, der Tumor doch weiter fortgeschritten war, als angenommen.
Nicht ohne Grund wird operierten Patienten mit T3 Prostatatumoren geraten, sich einer zusätzlichen Bestrahlung der Prostataloge zu unterziehen, um eine Rezidivbildung möglichst zu vermeiden. Auch dann, wenn die Schnittränder keine Krebszellen aufweisen.
Hans S. wird sich bestimmt darüber informiert haben, dass die statistische
Überlebenszeit bei Prostatakrebs 10 Jahre und mehr beträgt. Das gibt uns die Zeit, in Ruhe über die bestmöglichen Therapien nachzudenken.
Wir sollten aber nie aus den Augen verlieren, dass Prostatakrebs eine
maligne Krankheit ist, die unser Leben beenden kann.
Etwa 40000 Neuerkrankungen und etwa 10000 Todesfälle pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache.

Gruß Jörg (O)

PeterP
16.07.2006, 18:23
Hallo Hans Simon,
als initiale Therapie wäre bei Dir sicherlich eine komplette Hormonblockade mit LHRH-Spritze, Casodex oder Flutamid und Proscar angesagt.
1. Durch diesen "biologischen Stresstest (lt. Dr. Strum)" stellst Du fest, ob eine Hormontherapie eine erfolgreiche Alternative ist. (Informiere Dich mal über die Veöffentlichungen von Dr. Leibowitz!)
2. In Deinem Fall wäre die OP in jedem Fall komplett "radikal", d.h. ohne Nervenerhalt. Da spielt eine vorausgegangene Hormonblockade keine Rolle mehr.
3. Für eine nachfolgende Bestrahlung bedeutet die über mehrere Monate vorausgehende und begleitende Hormonbehandlung einen nachgewiesenen Überlebensvorteil.
Alles Gute für das Weitere
PeterP

Hans Simon
16.07.2006, 21:52
Hallo,
ich danke für die Anworten. Bin dabei mich klug zu machen, auch vertraut, um mich besser auf Situation und Nebenwirkungen einstellen zu können. Die DHB wird wohl zunächst die Therapie werden. Eine OP schließe ich aus. Diese Woche wurde ein Urologe ungeduldig. Ich brauche einen neuen Arzt. Ich frage deswegen bei Ralf Damm an. Er bietet das in seinem Text "Ratschläge zum Beginn einer DHB". Ich lasse wieder von mir hören.
Gruß
Hans

jürgvw
17.07.2006, 04:13
Hallo Hans

Ralf ist in seinem wohlverdienten Urlaub. Bei der Suche nach einem Arzt kann Dir aber auch der BPS behilflich sein. Falls Du via KISP in das Forum gelangt bist, wähle auf der Homepage im Rahmen auf der linken Bildschirmseite den Link "Zur BPS-Seite" und dort dann (es braucht einige Klicks) eine der Kontaktmöglichkeiten, am einfachsten wohl die Kontaktanfrage via Internet. Wichtig ist die Angabe des Postkreises, wo der Arzt benötigt wird.

Gruss

Jürg

Reinardo
17.07.2006, 05:23
Hallo Hans. Ich bin, nachdem ich den Thread bisher gelesen habe, auch der Meinung, dass eine DHB nach Leibowitz in Deinem Fall die bestmögliche Therapie wäre. Die Frage, ob Samenblasen befallen oder die Kapsel erreicht ist spielt keine so entscheidende Rolle. Wesentlich ist der Gleason-Score, der mit 3+3 darauf schliessen lässt, dass noch ein wenig entartetes Karzinom mit einer peridiploiden DNA-Struktur vorliegt. Diese Karzinome haben auch ohne jedwede Therapie ein sehr langsames Wachstum und können mit einer Hormontherapie nicht nur im Progress gestoppt und zerstört sondern auch gehindert werden, zu grösserer Malignität zu mutieren. Ausserdem hat die Hormontherapie nach dem Therapieprotokoll von Leibowitz den hoch einzuschätzenden Vorteil, dass man - abgesehen von der 13-monatigen Therapiezeit - die Lebensqualität ad infinitum erhält und das Immunsystem voll intakt bleibt.
Du kannst Dich über diese Zusammenhänge gut informieren, wenn Du die von der Gmünder Ersatzkasse herausgegebene und im Internet als PDF-Datei herunterladbare Schrift "Prostatakrebs: Diagnose und Prognose" liest. www.gek.de (http://www.gek.de) Bereich Service - Broschüren - Therapie Broschüren.
Die Gmünder Ersatzkasse hat als erste deutsche Krankenkasse die Initiative ergriffen, der weitverbreiteten Übertherapie bei der Behandlung des Prostatakrebses entgegenzuwirken.
Gruss und alles Gute, Reinardo

Reinardo
17.07.2006, 12:15
Hallo Dieter.
Wie würdest Du es sagen? Ich sagte ". . . darauf schliessen lässt, dass . ."
Genau weiss man das allerdings nur, wenn man ein DNA-Bildzytogramm anfertigen lässt, möglichst von einem Urologen in Auftrag gegeben, der den Befund auch prognostisch interpretieren kann. In der zitierten Broschüre steht darüber Näheres. Dieses DNA-Bildzytogramm kann vom gleichen Stanzmaterial aus der Ersstbiopsie gefertigt werden und wird als sog. Zweitgutachten von der Kasse übernommen, ansonsten entstehen Kosten von ca. 150 EUR.
Aber auch ohne DNA-Diagnostik würden viele konventionell therapierende Urologen wegen der schon stattgefundenen Progression einen systemischen Ansatz für vertretbar halten.
Gruss und Danke für Deinen berechtigten, eine Klarstellung verlangenden Einwand.
Reinardo

Hans Simon
17.07.2006, 14:07
Hallo Dieter, hallo Reinardo,
ich pass' schon auf. 100%iges kann mir schließlich auch nicht die Medizin sagen. Trotzdem scheint mir, ich muss jetzt handeln. Obwohl ich zunächst mal 4Jahre abgewartet habe, werde ich mich auf Grund von Wahrscheinlichkeiten für meine Therapie entscheiden.
Danke für den Hinweis auf die GEK. Bei dieser Kasse bin ich versichert.
Gruß
Hans