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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prostatakrebs mit 58 Jahren



dietmar
19.05.2008, 17:07
Hallo,
ich bin sehr verzweifelt, da mein Knochenszinti überall Metastasen aufweist.
Ich hatte keine Beschwerden, außer Ekel gegen Essen. Bei einer Blutuntersuchung wurde ein AP-Wert von 720 festgestellt. Innerhalb einer Woche ist dieser nun auf über 1020 angestiegen. Der PSA-Wert ist mit 52 festgelegt worden. Vor einem Jahr, bei einem anderen Urologen, war der Wert noch nicht erhöht. Auch der AP Wert wurde im Okt.2007 bei ca. 85 angezeigt.
Es war alles OK. Da ich durch meinen Vater vorbelastet bin, war ich eigentlich in ständiger ärztlicher Obhut... . Lezten Dienstag wurde bei mir eine Prostatabiopsie gemacht. Morgen soll zusätzlich ein CT erfolgen
(Torax,Abdomen usw.). Nachmittags erfahre ich dann wohl, wie lange ich noch leben darf. Die Behandlung erfolgt jetzt eine Woche mit Tabletten. Danach soll ich Spritzen bekommen. Da der Krebs, die Metastasen, sich so rasch bei mir vermehren, habe ich so schreckliche Angst. Hoffentlich habe ich noch Zeit.
Dietmar

Harro
19.05.2008, 17:28
Ruhig Blut

Hallo, Dietmar, die von Dir gemachten Angaben vermitteln noch zu wenig Informationen. Der Biopsiebefund sollte aber doch inzwischen vorliegen. Bitte, nimm sofort Kontakt zu Deinem Urologen auf, um weitere Hinweise zu bekommen, denn immerhin liegt ja der Szintigrammbefund vor. Nach Deiner Schilderung hat man nun erst einmal mit einer Hormonblockade mit z.B. Casodex oder Flutamid begonnen. Danach folgt dann das Implantat (Spritze) mit z.B. Zoladex. Hiermit wird zunächst erreicht, das dem Tumor das zum Wachsen notwendige Testosteron entzogen wird. Es ist wichtig, dass Du trotz der Aufregung, die wir alle mal haben erfahren müssen, versuchen solltest, ruhig Blut zu bewahren, auch wenn es schwer fällt. Und bitte, gib uns weitere Details an.

Gruß Hutschi

dietmar
19.05.2008, 17:56
Lieber Hutschi,

vielen Dank für Deine Antwort. Morgen Abend werde ich hoffentlich die Ergebnisse alle haben. Ich werde diese dann reinstellen. Mein Urologe soll von der Uni HL kommen. Ich habe aber gehört, dass in Kiel die Onkologie weiter ist. Kennst Du den Regensburger Mix???

Schöne Grüße aus Lübeck,
Dietmar

Harro
19.05.2008, 20:02
Regensburger Modell

Hallo, lieber Dietmar, über die Regensburger Studien ist hier im Forum sehr viel berichtet worden. Bevor ich Dir nun als nicht direkt Beteiligter einen möglicherweise unvollständigen Bericht niederschreibe, empfehle ich Dir direkt Kontakt über die Forums-E-Mail-Funktion mit Winfried aufzunehmen. Du findest ihn oben unter Benutzer. Ich drücke Dir die Daumen, dass sich der Biopsiebefund noch in einem für Dich günstigen Rahmen bewegt.

"Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus"
(Alexander von Humboldt, deutscher Naturforscher)

Gruß Hutschi

LiselG
19.05.2008, 21:45
Lieber Dietmar,

so eine Diagnose muss erst einmal verarbeitet werden! Aber in den letzten
5 Jahren haben sich die Möglichkeiten der Behandlung dieses Krebses erheb-
lich verbessert. Am besten Du liest im PSI-DHB nach, ich glaube dort findest
Du Texte von Leibowitz. Man kann sich hier in Deutschland nicht ganz so
behandeln lassen aber manche Ärzte machen es ähnlich und dann hat man
noch Hoffnung. Schau Dich in den Forumsextrakten um, unter "Medikamente"
oder Therapien kannst Du Hinweise finden. Die Hormonunterdrückung jeden-
falls ist meist eine sehr effektive Therapie. Auch wenn morgen das Ergebnis
niederdrückend sein sollte: nicht den Mut verlieren!

Beste Wünsche
LiselG

Anonymous2
20.05.2008, 14:38
Hallo,
das sich abzeichnende Krankheitsbild wird von Ihnen jetzt unmittelbar harte Entscheidungen abverlangen. Sie haben nicht sehr viele Therapiemöglichkeiten zur Auswahl. Deshalb würde ich Ihnen empfehlen sehr schnell mit einer Selbsthilfegruppe
in Verbindung zu treten. Dort erhalten Sie brauchbare Hinweise und sicherlich auch Angaben darüber wo Sie einen Onkologen finden. Wichtig ist, dass Sie einen Arzt finden, der tatsächlich die Behandlung einen fortgeschrittenen Prostatakrebses vornehmen kann (also hiermit Erfahrungen hat).
Ich nenne Ihnen eine SHG in der unmittelbaren Nähe:
Günter Pause, Nordlandring 55, 23570 Lübeck-Travemünde
Telefon 04502 - 74289 Fax 04502 - 74289

shgmeldorf,Werner Roesler
20.05.2008, 17:40
Hallo,
ich bin sehr verzweifelt, da mein Knochenszinti überall Metastasen aufweist.
Ich hatte keine Beschwerden, außer Ekel gegen Essen. Bei einer Blutuntersuchung wurde ein AP-Wert von 720 festgestellt. Innerhalb einer Woche ist dieser nun auf über 1020 angestiegen. Der PSA-Wert ist mit 52 festgelegt worden. Vor einem Jahr, bei einem anderen Urologen, war der Wert noch nicht erhöht. Auch der AP Wert wurde im Okt.2007 bei ca. 85 angezeigt.
Es war alles OK. Da ich durch meinen Vater vorbelastet bin, war ich eigentlich in ständiger ärztlicher Obhut... . Lezten Dienstag wurde bei mir eine Prostatabiopsie gemacht. Morgen soll zusätzlich ein CT erfolgen
(Torax,Abdomen usw.). Nachmittags erfahre ich dann wohl, wie lange ich noch leben darf. Die Behandlung erfolgt jetzt eine Woche mit Tabletten. Danach soll ich Spritzen bekommen. Da der Krebs, die Metastasen, sich so rasch bei mir vermehren, habe ich so schreckliche Angst. Hoffentlich habe ich noch Zeit.
Dietmar

Hallo Dietmar,

unser guter Freund Hutschi hat ja bereits ausgedrückt, was momentan wichtig für Dich ist: Ruhig Blut !

Dein Leben ist aktuell durch diese Erkrankung nicht unmittelbar bedroht. Zuerst werden jetzt noch weitere Untersuchungen (wie die bereits durchgeführte Biopsie usw.) erfolgen. Dein Arzt wird Dir aber wahrscheinlich jetzt schon verschiedene Medikamente anbieten.
Das erste Medikament wird ein sog. Anti-Androgen sein, z.B. "Flutamid" oder "Casodex" (dieses ist besser verträglich), und dann dürfte er nach ca. 14 Tagen ein 3 - Monats-Depot (z.B. "Eligard" oder "Zoladex" etc.) verabreichen.

Bei den meisten Patienten (so sicherlich auch bei Dir) wird sich dann das Prostatakrebsvolumen signifikant reduzieren. Das gilt übrigens auch für die Knochenmetastasen.

Dann kannst Du in den nächsten Monaten und Jahren mit Deinen Ärzten die weiteren Therapieschritte planen.

Also, Du merkst, Dein Leben ist nicht unmittelbar bedroht. Bitte komm daher erstmal zur Ruhe.

Wir kennen Männer, die leben schon viele Jahre mit einer ähnlichen Diagnose, wie Du sie jetzt bekommst.

Nimm bitte zu einer Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe Kontakt auf, der Kollege, Franz Reuter, von der SHG Itzehoe, hat Dir eine entsprechende Adresse bereits genannt.

Wenn Du weitere Fragen haben solltest, so findest Du auch hier im Forum sehr kompetente Diskussionspartner.

Ich wünsche Dir alles Gute und bitte keine Panik !

Gruß Werner R.

Harro
21.05.2008, 20:16
Regensburger Modell

Hallo, Dietmar, falls Du noch keinen Kontakt zu Winfried hast, hier ist der Link:

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showpost.php?p=26723&postcount=1

Ich wünsche Dir ein glückliches Händchen für Deine Therapieentscheidung.

"Immer wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit sich zu besinnen"
(Mark Twain)

Gruß Hutschi

Harro
22.05.2008, 22:18
Befund liegt vor

Hallo, lieber Franz, hallo, lieber Werner, Dietmar ist ziemlich verzweifelt nach dem nun vorliegenden Befund wie folgt:
Makroskopie von 4 Stanzen: 1. links basal 1.5 cm lange Stanze - 2. links medio-apikal 1.3 cm lange Stanze -3. rechts basal 0.8 cm lange Stanze - 4. rechts medio-apikal 1.5 cm lange Stanze
Mikroskopie: 1. (HE,EvG) Prostatagewebe mit teils entfalteten, teils athropischen Drüsen. 5% des Stanzmaterals mit atypischen fusionierten glandulären Komplexen.
2. (HE,EvG) Stanzmaterial mit diskontinuierlich angeordneten atypischen glandulären Proliferaten mit kribiformem Baumuster und herdförmigen komedoartigen Nekrosen. Des Weiteren desmoplastische Bindegewebsreaktionen.
3. (HE, EvG) Entfaltete tubulo-alveolären Drüsen mit zweireihiger Epithelauskleidung. Fibromuskuläres Stroma reizlos.
4. (HE, EvG) Hier zeigt sich ein gleichartiger Befund wie unter 3. beschrieben.
Diagnose: 1. Schlecht differenziertes Adenokarzinom der Prostata (Gleason-Score 4+4=8
2. Schlecht differenziertes Adenokarzinom der Prostata (Gleason-Score 5+5=10)
3. und 4. Tumorfreies regelrechtes Prostatagewebe.
Kommentar: Tumorklassifikation G3 (WHO) Gleason-Score 5+4=9)

Man hat Dietmar eine Überlebenszeit von 5 Jahren in Aussicht gestellt.
Ich bitte um Eure Meinung zu 4 Stanzen und der Bewertung. Dietmar hat mir erlaubt, diese Befundung hier einzustellen und wartet dringend auf ermunternde Stellungnahmen.

"Würde ist eine körperliche Kunst, erfunden um die Mängel des Geistes zu verbergen"
(Francois VI. Duc de La Rochefoucauld)

Gruß Hutschi

HansiB
23.05.2008, 10:05
Hallo Harald, hallo Dietmar,

von mir kommen immer aufmunternde Worte. Ich würde den GS durch einen Fachpathologen und eine DNA-Z überprüfen lassen. Ferner würde mich der aktuelle PSA vor HB interessieren, sowie den Umfang der festgestellten Knochenmetastasierung. Das diese sich durch HB verringert, darauf würde ich mich nicht verlassen. Ob diese "immer" bei uns Fortgeschrittenen langfristig hilfreich ist ist auch zu hinterfragen.

Eine Ernährungsumstellung und die Hilfe durch einen versierten HP ist immer zu empfehlen. Wie bekannt, hat die HB bei mir nicht viel bewirkt, vom PSA Absinken abgesehen. Dafür habe ich mir eine fortschreitende Osteoporose, die mich nicht weiter stört eingehandelt. CRP machen lassen.
Wieso wird erst nach einem Scinti ein CT gemacht, was soll das bringen? Wenn schon, dann PET/CT, ich habe noch nie eines gemacht, mir reicht, was ich im Scinti sehe.

5 Jahre Überleben als Voraussage ist ein Blödsinn, mir wurden einige Monate voraus gesagt, wer weiss das schon? Der Optimismus, die innere Sicherheit, Aktivität, gerade in einer SHG, gute Lebensqualität, wenig Nebenwirkung, den Körper gesund erhalten gehört zur Bewältigung dazu.

Auch ein Immunstatus, gerade am Anfang wäre zu empfehlen, Selenstatus (wird viel zu niedrig sein), ich bin bei 170, Caltium, Triglyceride, CRP, Knochen AP, Leberwerte u.A. wären sinnvoll. Das ist was mir so aus dem hohlen "dünnen" Bauch so einfält. Wie ist das Gewicht, Körpergröße sonstige Gesundheit/Krankheit.

Viel Erfolg, Konrad

Harro
23.05.2008, 10:11
Ratschlag

Hallo, Dietmar, die von mir per Telefon eingeholten Ratschläge von SHG-Leitern hatte ich Dir auch heute früh telefonisch erläutert. Der Vollständigkeit halber hier noch mal in Kurzfassung: Es wäre sinnvoll eine Zweitbefundung z.B. durch Prof. Bonkhoff zu veranlassen. Da Du Privatpatient bist, würde ich sofort Kontakt zu Professor Huland vom UKE in Hamburg-Eppendorf aufnehmen. Trotz der ungünstigen Voraussetzungen meinen nämlich Forumsbenutzer, dass es sinnvoll sei, durch eine Ektomie die Tumorhauptlast aus dem Körper zu entfernen. Früher hat man in ähnlichen Fällen mit schon bestehenden Metastasen nicht mehr operiert. Das hat sich geändert aus dem oben erläuterten Grund. Da Dein Wohnort nicht weit von Hamburg entfernt ist, solltest Du Dich zumindest sofort um einen Gesprächstermin bei Prof. Huland bemühen. Alternative Therapien dürften nach dem gegenwärtigen Wissensstand vorläufig noch nicht in Frage kommen. Ich wünsche Dir einen günstigen Ablauf Deiner Erkrankung.

"Etwas erwägen heißt: eine Begründung für eine bereits getroffene Entscheidung suchen"
(Ambrose Gwinnet Bierce)

Gruß Hutschi

dietmar
23.05.2008, 12:06
Hallo lieber Hutschi,

ich habe einen Termin bei Prof. Huland am 16.06.2007.
Nun habe ich aber vergessen, wo ich die Zweitbefundung machen soll. Wie finde ich Prof. Bonkhoff?
Vielen Dank,
Dietmar.

Hans-Dieter
23.05.2008, 12:36
Hallo Dietmar

hier findest Du den Prof.
http://www.prostapath.org/deutsch/d-kontakt.html

Gruß
H.Dieter

Reinardo
23.05.2008, 21:41
Hallo Dietmar.

Da bin ich ganz anderer Meinung als meine Vorredner.

Was soll eine Zweitbefundung denn anderes bringen als der Erstbefund, der schon schlecht genug ist? Professor Bonkhoff ist bekannt dafür, dass er immer noch weitere ungünstige Dinge findet und im Gleason-Score dann noch einen draufsetzt. Sein Befund würde Dich nur noch unglücklicher machen. Auch in einer DNA-Analyse sehe ich keinen Sinn, denn das Ergebnis wäre bei diesem Gleason-Score ohnehin aneuploid, und man würde Dir eine ebenso ungünstige Prognose bescheinigen wie Du sie schon kennst.
Einen Sinn würde ich eher in einem Cholin-PET-CT sehen, welche das Ausmass der Matastasierung von allen bildgebenden Verfahren am besten anzeigt.

Was nun die Therapie angeht, bin ich auch der Meinung, dass Du nicht den Mut zu verlieren brauchst. Es leben viele mit metastatischem Prostatakrebs länger als 5 Jahre, wenn sie die Nerven behalten und mit Bedacht an die Sache herangehen. Hör Dir einmal die vom Bundesverband Prostatakrebs auf dieser Website annoncierten Vorträge vom Seminar in Bad Reichenhall an. Da wirst Du sehen, dass Dein Krebs, der ja noch gar nicht vorbehandelt ist, sich über längere Zeiträume noch bei guter Lebensqualität palliativ gut behandeln lässt.

Die Möglichkeit, auch bei fortgeschrittenem Prostatakrebs noch zu operieren, "um den Körper von der grössten Tumorlast zu befreien", klingt plausibel und ist sehr gut von Stephen B. Strum im Kapitel 74 seines "Primer" beschrieben: "Die Operation entfernt einen Grossteil des Tumors, was zu einem neuen biologischen Gleichgewicht zwischen Patient und Resttumor führen kann. Auch finden wir in der Prostata den ältesten Anteil der Krebszell-Population mit dem grössten Risiko für Mutation zu agressiveren Zellformen. Das Herausoperieren des potentiiell androgen-unabhängigen Krebses kann daher dem Patienten langfristigen Benefit bringen. Und schliesslich vermindert oder verhindert die Entfernung der Prostata die lokale Ausbreitung des Krebses auf Blase und Darm, was die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen und die Lebenszeit des Patienten verkürzen würde".
So weit, so gut. In den folgenden Kapiteln beschreibt er dann aber auch die Risiken und Begleiterscheinungen der Prostatektomie, die von den Befürwortern dieser Therapie gerne heruntergespielt werden. Allerdings geniesst Prof. Huland den Ruf eines ausgezeichneten Operateurs, so dass Du Dich, wenn Du Dich für diesen Weg entscheidest, die bestmögliche Wahl triffst.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass Du Dir einen guten Onkologen suchst, der von Anfang an mit Hormonentzugstherapie, kombiniert mit leichter Chemotherapie, behandelt. Eine Hormonentzugstherapie alleine würde zu kurz greifen und Deine Situation nach vorübergehendem PSA-Abfall eher verschlimmern. Für diese Option könntest Du möglicherweise über die vom Bundesverband Prostatakrebs betriebenen Hotline Hinweise und Adressn genannt bekommen.

Gruss und alles Gute, Reinardo

Harro
24.05.2008, 14:29
Ergänzende Erklärung

Hallo, Dietmar, hallo Reinhard, ich will nicht verhehlen, dass ich Gewissenskonflikte hatte, als ich nun Dietmar empfohlen habe, doch mittels Prostatektomie die Haupttumorlast entfernen zu lassen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass ich schon 10 Jahre älter war als Dietmar heute ist. Ich gebe auch zu, dass ich mich auch als jüngerer Betroffener wohl nicht hätte operieren lassen, weil allein schon das blutige Erlebnis mit den Stanzbiopsien in mir einen gewissen Horror ausgelöst hatte. Die Tatsache, dass ich mich erst telefonisch bestärken lassen musste, um Dietmar die Empfehlung zur Operation auch vorab erst telefonisch behutsam nahe zu bringen, mag verdeutlichen, dass ich für mich selbst wohl anders entscheiden würde. Aber gerade das ist ja auch das Dilemma vor dem wir hier immer wieder stehen und was gerade in einigen noch laufenden Threads zum Ausdruck kommt. Um wirklich als Betroffener objektive Ratschläge oder Empfehlungen zu geben, sollte man unbedingt seine eigenen Erfahrungen teilweise ausklammern und aus dem Konvolut von hier im Forum gesammelten Schilderungen von Erfolgserlebnissen anderer Forumsbenutzer das Erfolg versprechendste herauszufiltern versuchen.
Natürlich, lieber Reinhard hast Du recht, dass eine Zweitbefundung bei dem nun bekannten Biopsieergebnis nur wenig Sinn machen würde. Und trotzdem möchte ich wieder auf das Thema "Befunde von Stanzbiopsien sind subjektive Befunde des Pathologen" zurückkommen. Ich erinnere nur an das Beispiel Spertel:


Der Pathologe, der meine Prostata auf dem Tisch zu liegen hatte, war offenbar nicht in der Lage, dies mit der gebotenen Sorgfalt zu tun; er hat so ziemlich alles falsch gemacht, was man als Pathologe nur falsch machen kann.

Hierzu auch Heriberts Kommentar:


Was die Zuverlässlichkeit der pathologischen Beurteilung von GS und der damit verbundenen Einschätzung der Aggressivität und möglichen Ausdehnung des Tumors betrifft, müssen grundsätzliche Zweifel an deren Qualität angemeldet werden, wenn nicht die von Prof. Bonkhoff propagierten strengen Entnahme-, Aufbereitungs- und Durchführungsrichtlinien eingehalten werden. Es handelt sich eben doch um eine äußerst subjektiv durchgeführte Bewertung des Biopsates wie auch des Ektomiepräparates.

Das Szintigramm bei Dietmar hat nun schon dazu geführt, dass wohl erst vorgestern wieder Zometa infusioniert wurde - hoffentlich in der richtigen Geschwindigkeit. Wenn also nun schon klar ist, dass Metastasen vorhanden sind, sollte man doch nicht jetzt auch noch Cholin-PET/CT dranhängen. Es sei denn, dass beim Szintigramm altersmäßige Verkalkungen etc. als Metastasen diagnostiziert wurden. Nichts ist unmöglich.
Da ich trotz der nur 1 x von mir in Anspruch genommenen DHB (dreifache Hormonblockade nach Leibowitz) - diese Erläuterung der Abkürzung DHB erfolgt, weil SHG-Leiter mich gebeten haben, grundsätzlich, wenn Abkürzungen ins Forum geschrieben werden, diese dann zu erklären - auch weiterhin ein Leibowitz-Fan bin, hier auch noch mal eine leicht verständliche Passage aus dem in Montabaur am 24.9.2002 gehaltenen Vortrag:

In den USA ist Dr. Judah Volkman ein ganz bekannter Arzt, er gilt als der Vater der Angiogenese und er hat Folgendes festgestellt: Krebszellen produzieren bestimmte chemische Signalsubstanzen, die Blutgefäße anziehen. Stellen Sie sich so ein kleines Blumenbeet vor, in einem großen Feld und um das Blumenbeet oder Blumeninsel herum sind Bewässerungsgräben. Die Insel muss also das Wasser anziehen, um die Blumen mit Wasser zu versorgen. Wenn es nicht gelingt, das Wasser anzuziehen, dann sterben die Pflanzen ab, sie vertrocknen. Die Krebszellen verhalten sich wie solche Inseln. Sie senden Signale aus an die Blutgefäße und diese sagen „bringt mir Blut, ich brauche Blut”. Der Krebs kann nur maximal bis auf ein bis zwei Millimeter im Durchmesser ohne Blutzufuhr wachsen. Mehr ist nur dann möglich, wenn Blutäderchen angedockt haben.

Weiterhin hat Dr. Judah Volkman Folgendes bei Tierversuchen nachgewiesen: Wenn man einer Maus einen Tumor mit Dickdarmkrebszellen ins Hinterteil einpflanzt und das Tier bereits streuende Krebszellen entwickelt hat und in sich trägt, dann geht es dem Tier im allgemeinen noch eine Zeit lang ganz gut. Wenn man dann jedoch den Primärtumor aus dem Hinterteil operativ entfernt, dann kommt es zu einer Explosion der Metastasen, und das Tier verendet. Der Primärtumor im Hinterteil der Maus sendet auch Signale aus, die entweder ein Wachstum der Metastasen überhaupt behindern oder diese zumindest in einem bestimmten Gleichgewicht halten. Außer diesen Signalen, die für die Blutzufuhr sorgen, produzieren die Krebszellen also auch andere Substanzen, die antiangiogen wirken. Sie können die Blutzufuhr abschalten oder kontrollieren.

Es tobt hier im Organismus ein ständiger Kampf um eine Balance oder Ausgeglichenheit gewissermaßen. Da gibt es viele chemische Substanzen, welche die Blutzufuhr unterstützen und wieder andere, die die Blutzufuhr drosseln. Sobald man jedoch den Kontrollmechanismus der Metastasierung beseitigt, kommt es zu einer Explosion der Metastasen. Ist es nicht ebenso denkbar, dass Sie vor einer Operation oder Bestrahlung Prostatagewebe haben, das Hemmsubstanzen produziert, nämlich Tumor unterdrückende und antiangiogene Proteine, welche die Metastasierung hemmen? Das heißt also, die Prostatazellen des Primärtumors produzieren Substanzen, die das
Wachstum der Metastasen hemmen. Wenn man die Prostata chirurgisch entfernt oder bestrahlt, so gehen die Hemmer verloren.
Lieber Dietmar, Du magst erkennen, was man alles bei einem Prostatakarzinom und dessen Behandlung abwägen sollte oder zumindest könnte. Nachdem der Termin bei Prof. Huland steht, würde ich also nun vorschlagen, die Stanzbiopsate von dem von Deinem Urologen beauftragten Pathologen direkt zu Prof. Sauter, dem Pathologen des UKE zur Befundung senden zu lassen. Noch einmal ganz heftiges Daumendrücken, dass Dir Prof. Huland, wenn nicht zur Operation gegebenenfalls eine anderen Weg zur Bekämpfung Deines Tumors aufzeigt.

Wenn der Mensch vor lauter Fleiß nicht mehr zum Nachdenken kommt, wird's höchste Zeit, dass er faulenzt"
(unbekannt)

Gruß Hutschi

shgmeldorf,Werner Roesler
24.05.2008, 15:25
Ergänzende Erklärung

Das heißt also, die Prostatazellen des Primärtumors produzieren Substanzen, die das
Wachstum der Metastasen hemmen. Wenn man die Prostata chirurgisch entfernt oder bestrahlt, so gehen die Hemmer verloren.
Lieber Dietmar, Du magst erkennen, was man alles bei einem Prostatakarzinom und dessen Behandlung abwägen sollte oder zumindest könnte. Nachdem der Termin bei Prof. Huland steht, würde ich also nun vorschlagen, die Stanzbiopsate von dem von Deinem Urologen beauftragten Pathologen direkt zu Prof. Sauter, dem Pathologen des UKE zur Befundung senden zu lassen. Noch einmal ganz heftiges Daumendrücken, dass Dir Prof. Huland, wenn nicht zur Operation gegebenenfalls eine anderen Weg zur Bekämpfung Deines Tumors aufzeigt.

Wenn der Mensch vor lauter Fleiß nicht mehr zum Nachdenken kommt, wird's höchste Zeit, dass er faulenzt"
(unbekannt)

Gruß Hutschi

Hallo Dietmar, hallo Freunde,

es mag für Dich, Dietmar, momentan ein wenig viel sein, zuerst diese schreckliche Diagnose und nun unsere vielen gut gemeinten Ratschläge.

Auf einen Punkt muss ich jedoch auch zurück kommen, nämlich sollte man bei einem fortgeschrittenen Prostatakrebs, also wenn bereits eine knöcherne Metastasierung vorliegt, die Prostata chirurgisch entfernen oder eine Bestrahlung durchführen lassen.

Bedenken sollten wir, der Primärtumor wird sich im Laufe der Jahre eben auch nicht ruhig verhalten, also er dürfte auch wachsen, d.h. er könnte die Harnblase und andere Bereiche um die Prostata befallen.

Das bedeutet, der betroffene Mann müsste sich dann doch früher oder später in chirurgische Behandlung begeben, um z.B. bei Harnabflussstörungen die Harnwege wieder frei werden zu lassen.

Also sollte man dann nicht besser früh diese Problematik sehen, wenn der Mann noch nicht durch weitere Therapien geschwächt ist, oder sollte der Mann einfach abwarten, bis die Probleme eintreten.

Was sagen die Fachärzte: Professor Heidenreich, Uniklinikum Köln, ist der Meinung, eine frühe Prostatektomie verlängere das Überleben des Patienten. Zumindest tritt in einem späteren Stadium nicht die bereits geschilderte Harnwegsproblematik auf.

Andere Ärzte, wie Dr. Leibowitz, Dr. Folkmann und z.B. Prof. Curzio Rüegg, Institut Suisse de Recherche Experimentale sur le Cancer (ISREC), sind anderer Meinung, so sagt der Herr Professor Rüegg: "Zurzeit gibt es mehr als 250 Moleküle mit experimentell belegter antiangiogenetischer Aktivität, über 80 davon waren oder sind in klinischer Prüfung zur Behandlung von Krebskrankheiten... Interessant ist in diesem Zusammenhang das Konzept, dass Tumoren selber Angiogenese-Inhibitoren sezernieren können. In experimentellen Modellen führt die tumorbedingte Sekretion endogener Inhibitoren zu einer partiellen Hemmung des Metastasenwachstums. Sobald der Tumor chirurgisch entfernt wird, fällt diese Hemmung weg, und die Metastasen wachsen schneller." Aus: ONKOLOGIE 2/2006

Dietmar daran siehst Du, wie schwierig so eine Entscheidung ist. Nur wirst Du von Deinen Ärzten hier auch sehr unterschiedliche Meinungen hören.

Gruß Werner R.

HansiB
24.05.2008, 20:38
Hallo Freunde, Hallo lieber Harald,

ich danke dir für die Klarstellung, auch ich bin, wie bekannt kein Freund der OP für uns mit weit fortgeschrittenem, metatsasiertem PCa.

Nennt mir eine PKG mit der sehr umfangreichen Metastasierung wie bei Dietmar oder mir, dem eine OP längerfristig geholfen hat. Ich kenne genug PKGs bei denen nach OP, nach nicht all zu langer Zeit, Metastasen gefunden, bzw, gewachsen sind. Die Aussagen die wir immer wieder hören, bei Schwerbetroffenen, ich würde mich wieder operieren lassen, ändern sich evtl. bei Verschlechterung der Situation und PCa Fortschritt, den wir zur genüge kennen.

2. Befund des GS würde ich neutral bei Helpap machen lassen und nicht in HH. Von dort ist es Rutine das Material für eine DNA zu Böcking zu schicken und um trotzdem, als "Kontrolle" des GS und für die Zukunft diese zu haben. Was wir gemacht haben, können auch andere wiederholen um dann evtl. wie ich zu reagiern. Auch würde ich das Scintiergebniss und die Darstellung einem anderen Strahlentherapeuthen zur Bewertung vorlegen. Das mag ungewöhnlich sein, aber der PSA liegt in keinem Verhältniss zur Metastasierung.

Wir sollten Dietmar die systemischste Th. vorschlagen, die wir kennen und nicht von lokalen Th. fachsimpeln. Warum muss es zu Harnwegsproblemen kommen, bei mir ist nicht im Traum daran zu denken. Ich kenne Harnwegs- Nierenproblemen unter Zometa, Chemo o. glw.

Gruß Konrad

Harro
24.05.2008, 21:24
Von Prof. Sauter zu Prof. Böcking ?

Hallo, lieber Konrad, kann es sein, dass Du Dich vertan hast? Da meinst sicher Prof. Bonkhoff?. Ich kann mir nicht vorstellen, dass von Prof. Sauter ein DNA-Auftrag an Prof. Böcking erteilt werden wird. Du kennst doch die Einstellung hierzu im UKE. Wenn Du das aber so kritisch siehst, wäre es wohl doch noch sinnvoll, wenn Dietmar sein Biopsat an Prof. Böcking zum Ploidie-Befund senden lässt, um einen zusätzlichen Malignitätsbefund zu bekommen. Dietmar ist Privatpatient; es gibt also keine Bedenken wegen der Kosten. Da übers Wochenende ohnehin Dietmars Pathologe nicht erreichbar sein wird, könnte der Versand der Stanz-Biopsate am Montag in die Wege geleitet werden. Reinhard möge Verständnis haben, wenn wir nun doch noch die DNA-Zytometrie ins Feld führen, weil eben Stanzbefunde durchaus subjektv sein können. Auch Dietmar wird nun sicher nachvollziehen können, wie wichtig es ist, gleich zu Beginn vor einer Therapieentscheidung die beste Variante herauszufinden. Bis zum schon festgelegten Termin bei Prof. Huland sollte dann auch der Ploidiebefund von Prof. Böcking vorliegen.

"Die Zufriedenheit verlangt oft zu viel Phantasie: Es ist nicht leicht, aus leeren Gläsern zu trinken"
(Emanuel Wertheimer)

Gruß Hutschi

dietmar
25.05.2008, 10:30
Lieber Hutschi.
Du erkennst, dass ich alleine nicht weiter komme.
Wie schon bekannt, steht der Termin bei Prof. Huland. Zuvor werde ich veranlassen, mein Biopsat an Dr. Sauter zuschicken.
Wie erteile ich den Auftrag zum Ploidiebefund an Prof. Böcking? Wo finde ich Prof. Böcking? Kennst Du beide Adressen?
In welcher Reihenfolge gehe ich bitte vor?

Ich danke Dir sehr für Deine Hilfe,
Dietmar

Harro
25.05.2008, 10:41
DNA-Bewertung

Hallo, lieber Dietmar, ich kann nachvollziehen, dass wir Dir etwas zu viel auf einmal zumuten. Die Stanzen solltest Du nur an Professor Böcking senden lassen und auf eine Bewertung von Prof. Sauter verzichten, denn der wird sich ohnehin in erster Linie auf die schon vorliegende Befundung stützen. Hier die Anschrift von Prof. Böcking:

Univ.-Prof. Dr. med. Alfred Böcking
Direktor des Instituts für Cytopathologie
Universitätsklinikum Düsseldorf

Tel. 0211 811 8346
Fax. 0211 811 8402
boecking@uni-duesseldorf.de

"Man darf nicht das, was uns unwahrscheinlich und unnatürlich erscheint, mit dem verwechseln, was absolut unmöglich ist"
(Carl Friedrich Gauß)

Gruß Hutschi