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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Testoteronmessungen



annegret
05.08.2008, 09:18
Hallo liebe Mitstreiter!

Ich habe mal eine Frage zu Testoteronwerten.
Der Uro meines Mannes hält eine derartige Messung
für nicht angebracht. (Profil ist vorhanden) Er weigert
sich direkt, auch möchte er auf keinen Fall LDH (Zellabbau in den Knochen) messen. Kann mir jemand erklären, ist es wichtig Testoteron zu messen zur jeweiligen Untersuchung oder ist das nur in bestimmten Fällen angezeigt? Bitte könnte mich einer von Euch aufklären. Hab schon eine Stinkwut auf den Uro. Ist natürlich ein sturer Schulmediziner und kein bisschen
offen für naturkundliche Zusatzmittel. Wir versuchen schon verzeifelt einen Uro (menschlich und offen)zu finden, nur leider ist das nicht so leicht. Habe jetzt eine Adresse in Konstanz, aber vielleicht wisst Ihr noch jemanden. (Bodenseekreis, bzw. Singen und Umkreis)

Danke für Amtwort
Anne

Anonymous1
05.08.2008, 10:35
Hallo Anne,

bei allen Messungen geht es jeweils um die Frage, welchen Nutzen das Ergebnis hat. Die Testosteron-Messung macht Sinn, wenn man die Wirkung z.B. einer Testosteron-Entzug-Therapie kontrollieren möchte oder z.B. bei Verdacht auf Testosteron-Mangel. Bei Deinem Mann, der ja keine wirkliche Hormon-Behandlung macht, dürfte das Wissen um den Testosteronwert keinen Nutzen zur momentanen Behandlung bringen.

Zum Testosteron (hier Testosteronmangel) ein wenig Grundsätzliches:


Testosteronmangel

Eines der wichtigsten männlichen Geschlechtsorgane (Androgene) ist das Testosteron. Durch seine Wirkung wird der Mann erst zum Mann. Mit Einsetzen der Pubertät steuert es Stimmbruch, Bartwuchs, entsprechende Körperproportionen, Muskeln und Brustbehaarung. Für das gesamte Wohlbefinden spielt es eine große Rolle, fördert das Durchsetzungsvermögen und macht Männer etwas aggressiver als Frauen. Es lässt die Samenfäden reifen und ist somit unerläßlich für die Fortpflanzung.

Der Hypothalamus, ein bestimmter Teil des Zwischenhirns überwacht das gesamte Hormonsystem. Alle zwei bis vier Stunden werden im Hypothalamus Freisetzungshormone produziert, die einen Kreislauf in Gang setzen. Sie aktivieren die Hirnanhangsdrüse, die so genannte Hypophyse, bestimmte Botenstoffe auszustoßen, die wiederum andere Drüsen im Körper dazu bringen, Hormone zu produzieren und in das Blut abzugeben. Der gestiegene Hormonspiegel im Blut wird im Hypothalamus registriert, die Produktion der Freisetzungshormone vermindert. So befindet sich der Hormonhaushalt immer in einem Gleichgewicht.


Die Leydig-Zellen der Hoden bilden das Testosteron. Ein erwachsener Mann produziert täglich etwa 6 mg des männlichen Geschlechtshormons, wobei nur ein geringer Teil des Hormons ins Blut gelangt. Die Halbwertzeit des Testosterons beträgt etwa 12 Minuten. Es muss also ständig neues Testosteron hergestellt werden, um einen gleichbleibend hohen Hormonpegel zu gewährleisten.


Angeborene Störungen im Hormonsystem
Die Funktionen der zentralen Steuerorgane Hypothalamus und Hypophyse kann durch angeborene Störungen oder auch durch bestimmte Erkrankungen gestört sein und gar kein oder zu wenig Testosteron im Körper vorhanden sein. Die Auswirkungen des Androgenmangel hängen vom Zeitpunkt seines ersten Auftretens ab.


Angeborener Testosteronmangel
Beim Klinefelter-Syndrom, dem häufigsten angeborenen Defekt, finden sich im Erbgut der betroffenen Männer zwei X- Chromosomen. Es tritt bei etwa einem von 500 Männern auf. Meist reicht die Testosteronproduktion jedoch aus, um die Pubertät einzuleiten, Libido und Potenz sind bis zum 25. Lebensjahr fast normal. Dann jedoch lassen sie schnell nach, es kommt zu allgemeiner Antriebsschwäche, Libidoverlust und Knochenschwund (http://www.medizin-aspekte.de/04/11/goldene_regeln/goldene_regeln.html), typische Folgeerscheinungen des Testosteronmangels.

Bei fast allen diesen Patienten muss früher oder später durch eine Substitutionstherapie Testosteron von außen zugeführt werden.


Kallmann-Syndrom und Idiopathischer Hypogonadotrope Hypogonadismus
1 Mann unter 6000 bis 8000 ist betroffen. Es kommt wegen des fehlenden Testosterons erst gar nicht zur Pubertät. Auch hier muss mit Hormonensubstitution behandelt werden.


Pubertas tarda
Bei der Pubertas tarda setzt die Pubertät verzögert ein, oft erst ab dem 20. Lebensjahr. Den Betroffenen kann mit der Gabe von Testosteron gut geholfen werden.


Hormonmangel im Alter
Auch schwere körperliche Arbeit oder Hochleistungssport können die Hormonkonzentration kurzfristig senken. Dies führt jedoch in aller Regel nicht zu Problemen. Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel kontinuierlich. Dieser Vorgang erstreckt sich beim Mann über einen langen Zeitraum.

Ab dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel, mit jedem weiteren Jahr läßt die Hormonproduktion um etwa ein bis zwei Prozent nach, die individuelle Schwankungsbreite ist sehr groß, manche Männern zeigen auch in fortgeschrittenem Alter noch Hormonmengen wie ein Dreißigjähriger.

Jeder fünfte Mann zwischen 60 und 80 Jahren leidet an einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Testosteronmangel, häufig treten die gleichen Beschwerden auf wie bei den Patienten, die an einem angeborenen Hypogonadismus leiden.
Viele Männer leiden unter den Symptomen, suchen deshalb jedoch einen Arzt auf. Ein ausgeprägter Testosteronmangel kann aber auch zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Osteoporose (http://www.medizin-aspekte.de/04/11/goldene_regeln/goldene_regeln.html) führen. Mit einer Hormonersatzbehandlung können solche Probleme vermieden werden.


Symptome
Es kommt zu Nachlassen des Geschlechtstriebes, Abgeschlagenheit und Lustlosigkeit. Die Libido schwindet ganz allmählich. Das muss gar nichts mit nachlassender Potenz zu tun haben. Man könnte zwar, aber man will eigentlich nicht.

Der Körper verändert sich: Die Muskelmasse nimmt ab, dafür nehmen die Fetteinlagerung deutlich zu, der Haarwuchs wird langsamer, die Haut altert, wird blaß, fahl und faltig, die Hämoglobinproduktion ist herabgesetzt, in schwereren Fällen kann es zu einer Anämie (Blutarmut) kommen.

Mit sinkendem Testosteronspiegel steigt das Risiko für Osteoporose (http://www.medizin-aspekte.de/04/11/goldene_regeln/goldene_regeln.html). Mit zunehmendem Alter leiden aber auch immer mehr Männer unter dem schleichenden Knochenschwund (http://www.medizin-aspekte.de/04/11/goldene_regeln/goldene_regeln.html), denn Testosteron spielt eine entscheidende Rolle im Knochenstoffwechsel. Die genannten Symptome können jedoch auch Ausdruck einer anderen ernst zu nehmenden Erkrankung sein. Krankheiten der Leber, der Nieren, des Kreislaufsystems oder Tumorerkrankungen im Gehirn können zu ähnlichen Beschwerden führen.


Behandlungsmöglichkeiten
Zur Messung des Testosteronwertes genügt eine einfache Blutuntersuchung. Wird eine erniedrigter Testosteronspiegel diagnostiziert, kann der gestörte Hormonspiegel durch die Gabe von Testosteron wieder ausgeglichen werden. Es wird immer natürliches Testosteron, wie es der Hoden selbst normalerweise produziert, verabreicht, kein "künstliches Hormon".

Das Hormon kann auf verschiedene Arten verabreicht werden. Implantate aus reinem Testosteron werden in einem ambulanten Eingriff unter lokaler Betäubung in die Bauchdecke eingepflanzt und geben über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten den Wirkstoff ab. Der Testosteronspiegel sinkt mit dem Auflösen des Implantats stetig ab, die alten Beschwerden können sich wieder einstellen, sobald Hormonspiegel unter das Normalniveau gefallen fällt.

Testosteroninjektionen, die in zeitlichen Abständen in einen Muskel gespritzt werden. Sie erfolgen im Regelfall alle zwei bis vier Wochen. Nachteil: Nach Verabreichen der Spritze steigt der Testosteronspiegel steil an, gegen Ende des Wirkungszeitraumes fällt er aber genauso schnell wieder, was viele Patienten als unangenehm empfinden.

Testosteron kann auch als ölhaltige Kapseln verabreicht werden. Es können Bauchbeschwerden auftreten. Nachteil ist jedoch, dass die Kapseln wegen der kurzen Halbwertszeit des Hormons dreimal am Tag eingenommen werden müssen, der schwankende Testosteronspiegel wird als unangenehm wahrgenommen.

Die transdermalen Therapie, das Hormonpflaster hat sich als angenehme Therapiemethode erwiesen, da der dadurch erreichte Verlauf des Testosteronspiegels weitestgehend den natürlichen Tagesschwankungen des Hormons entspricht.

Es gibt sie als skrotale und nichtskrotale Pflaster. Im Gegensatz zum skrotalen Pflaster muss bei dem nichtskrotalen Pflaster ein Alkohol verwendet werden, der die Haut für das Testosteron durchlässiger macht, was zu unangenehmen Hautreizungen führen kann.Gruß Dieter

roterlars
05.08.2008, 10:43
Hallo Annegret,
wie ich deinem Profil entnehmen konnte, ward ihr bei Dr. Maar.
In der Plauderecke findets du einen Treat " Werbung von Professor Rebell"
Es wäre nett wenn ihr dort eure Erfahrungen über ihn mitteilen könntet.


Danke

Lars

P.S. Dieter hat Recht, Testosteronwerte messen macht in eurem Fall momentan keinen Sinn.

annegret
05.08.2008, 19:28
Hallo Lars!

Ich habe in der Plauderecke vergeblich gesucht.
Vielleicht kannst Du mir den treat sagen von Prof.Rebell
Hätte auch gerne etwas dazu zu schreiben.

Ansonsten danke für den Hinweis!

Gruss
Anne.

annegret
05.08.2008, 19:31
Hallo Dieter!

Danke für den ausführlichen Bericht!

Ich denke ich habe nun alles verstanden!!!

Du hast Dir sehr viel Mühe gegeben!!!

Gruss
Anne

HorstK
05.08.2008, 20:09
Ich habe in der Plauderecke vergeblich gesucht.


Hallo Anne,

betreff Prof. "Rebell" in der Plauderecke:

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=3745

Gruß,
Horst

Axel_S
07.08.2008, 23:43
Hallo Dieter, Klasse Artikel! Gibt's dazu auch einen Quellennachweis? Gruß Axel

Helmut.2
08.08.2008, 07:25
Hallo Alex,

Testosteronmangel (http://www.medizin-aspekte.de/07/05/medizin_forschung/testosteronmangel.html)
Gruß, Helmut

Anonymous1
08.08.2008, 07:31
Hallo Dieter, Klasse Artikel! Gibt's dazu auch einen Quellennachweis? Gruß Axel

Hallo Axel, Du hast völlig recht, dass eigentlich eine Quellenangabe dazu gehört. Der Artikel ist wirklich gut geschrieben, deshalb habe ich ihn irgendwann auf dem PC abgespeichert, - ohne Quelle!

Nun hast Du mein Interesse geweckt und ich habe die Quelle gesucht und gefunden:

http://www.medizin-aspekte.de/07/05/medizin_forschung/testosteronmangel.html

Übrigens: Deine Schreibe ist auch Klasse, wie Dein anderer Beitrag beweist.

Gruß Dieter

Axel_S
08.08.2008, 16:27
Hallo Dieter, danke für den Link! Für "die Blumen" nicht so sehr, die verdiene ich gar nicht, da übertreibst Du wirklich.. - Schönes WE, Gruß, Axel

Axel_S
08.08.2008, 16:44
Ach ja.., Hallo Helmut! Vielen Dank für den Link, Entschuldigung, ich habe die Beiträge von hinten gelesen... - Du warst um 6 Minuten schneller (und bei Berücksichtigung der Änderung sogar nur 4 Min.), hat sich also mit Dieter gekreuzt. - - Schönes WE, Gruß, Axel