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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Verzweiflung und Angst!



Simmi76
22.10.2008, 07:55
Nach einem gestrigen Arztbesuch ist uns jegliche Hoffnung genommen worden. Es war grausam! Mein betroffener Vater setzt sich mit seiner Krankheit nicht auseinander, so dass ich für meine Mutter und mich das Arztgespräch gesucht habe. Eigentlich zur Besprechung der weiteren Therapie. Jedoch hat der Arzt nur davon gesprochen, wie schlimm es um ihn steht und wieviel Zeit uns noch bleibt. Damit sind wir in ein tiefes Loch gefallen und haben nur noch Angst vor der Zukunft. Mein Vater ist noch sehr fit und hat gar keine Schmerzen. Daher waren wir ganz guter Dinge.

Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich meine Mutter zu dem Termin mitgenommen habe, die doch noch voller Hoffnung war. Die Zeiten sind schwer genug und jetzt ist meine Mutter auch noch unendlich verzweifelt und traurig.

Ich hätte dem Arzt auch etwas mehr Feingefühl zugetraut. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie er uns die Fakten vor den Kopf knallt, hätte ich das Gespräch alleine gemacht oder sogar ganz vermieden.


Gruß
Simone

PEER1
22.10.2008, 09:45
Hallo Simone,
Dein Hilferuf hat mich als betroffener Mann (im Alter Deines Vaters) sehr berührt. Ich kann Dir momentan nur raten, Dich schnellstens mit dem Leiter unserer Selbsthilfehilfegruppe in Bielefeld in Verbindung zu setzen. Er (und seine Frau) sind einfühlsame und in Sachen Prostatakrebs sehr erfahrene Menschen, die Euch bestimmt viele gute Ratschläge geben können. Du erreichst sie unter der Telefonnummer 0521 871197.
Ich wünsche Euch allen alles Gute
Peter

Harro
22.10.2008, 10:04
Niemals aufgeben

Liebe Simone, es ist eigentlich vorrangig Aufgabe eines Arztes, dem Patienten oder wie hier seiner Tochter unentwegt Hilfe auch in psychischer Hinsicht zu vermitteln. Dazu gehört ganz bestimmt nicht, dem Patienten jede Hoffnung zu nehmen, so wie Du uns das jetzt hier geschildert hast. Natürlich ist ein Gleason-Score von 10 das Maximum an Malignität. Aber auch so eine Einstufung bedeutet noch lange nicht, dass man keine ausreichenden Möglichkeiten hat, den Tumor noch länger in Schach zu halten, als das der behandelnde Urologe, für mich völlig unverständlich, glaubt voraussagen zu müssen. Es gibt Fälle, wo sich der Tumor von Casodex nach einer Gewöhnungsphase schließlich ernährt. Dann sollte man z.B. auf Flutamid wechseln. Auch das Dreimonats-Implantat könnte noch gegen ein wirksameres LHRH-Analoga ausgetauscht werden. Schließlich würde ich zusätzlich Avodart als Reduktasehemmer einnehmen, um die Dihydrotestosteronproduktion in der Prostata zu minimieren, die wesentlich für die Metastasenbildung verantwortlich ist. Ich gehe mal davon aus, dass für eine gesunde Ernährung seit Bekanntwerden der Prostatakrebserkrankung gesorgt wurde. Wenn man zusätzlich versucht, das Immunsystem zu stärken, kann man den Tumor noch sehr lange am weiteren Wachstum behindern. Da der Vater schmerzfrei und fit ist, wünsche ich ihm, dass dieser Zustand noch sehr lange andauert.


Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich meine Mutter zu dem Termin mitgenommen habe, die doch noch voller Hoffnung war. Die Zeiten sind schwer genug und jetzt ist meine Mutter auch noch unendlich verzweifelt und traurig. Ich hätte dem Arzt auch etwas mehr Feingefühl zugetraut. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie er uns die Fakten vor den Kopf knallt, hätte ich das Gespräch alleine gemacht oder sogar ganz vermieden.

Schon heute früh kurz nach 5.00 Uhr hattest Du berichtet:


Mein Vater möchte sich mit der Krankheit nicht auseinandersetzen. Dafür kümmere ich mich darum. Ich hatte gestern gemeinsam mit meiner Mutter einen Termin beim behandelnden Urologen, der mit sehr zu Denken gibt. Vorrangig wollte ich mit ihm den weiteren Therapieverlauf besprechen. Wollte wissen, was er vorhat, wenn PSA weiter steigt. Darauf ist er nur kurz eingegangen. Er wird dann Casodex absetzen und erst einmal abwarten. Danach irgendwann mit Chemo beginnen. Von einem Umsteigen auf andere Präparate hält er nichts. Er hat unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass mein Vater ein hoffnungsloser Fall ist und man nicht mehr viel für ihn tun kann. Seine Lebenserwartung liegt vielleicht bei einem Jahr, evtl. auch zwei. Wir sollten jeden Tag genießen, an dem es ihm noch so gut geht. Und wir sollten uns schon einmal mit dem Abschied beschäftigen.

Dein Vater darf sich glücklich schätzen, eine so um ihn besorgte Tochter zu haben. Du wirst ihm bei der Bewältigung der augenblicklichen Durststrecke, die es zu überwinden gilt, ganz bestimmt die zusätzlichen Impulse und den festen Willen zu einer intensiven Bekämpfung auch dadurch, dass man an einen palliativen Erfolg unbeirrt glaubt, vermitteln können.

"Wunder stehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern nur im Gegensatz zu dem, was wir über die Natur wissen"
(St. Augustin)

Gruß Hutschi

HansiB
22.10.2008, 12:00
Hallo Simone,

die Hormonth. scheint nicht so gut zu funktionieren, bei mir war das auch so. Nicht sichtbar (PSA ging runter, auch ungenügend), aber nur durch eine 2. DNA-Z. "sichtbar" gemacht.
Harald vielleicht kannst du da mit Links behilflich sein.

Wie Hutschi sagt, hat Casodex evtl. "umgedreht". Bei mir hat das Absetzen zu dem niedrigsten (2.) Nadir geführt. Flutamideinnahme danach hatte bei mir keine positive Wirkung, ich vermute es wird auch euch nichts bringen. Wie ist der Testo-Wert, DHT, Knochen-AP. Du solltest das Profil erweitern, mit möglich viel Information.

Keine Schmerzen zu haben, ich hatte Metastasenschmerzen, ist ein gutes Zeichen. Samarium wird keine so guten Erfolg gebracht haben, wird in der Regel nur bei Metastasenschmerzen gegeben. Mein Uro wollte es bei mir "testen", es wurde nicht gemacht. Zometa zu geben ist unbedingt notwendig.

Das mit dem baldigen Sterben kenne ich aus eigener Erfahrung, 4 Jahre habe ich bald geschafft, fit und schmerzlos.

Schau in mein Profil, wie es auch funktionieren kann, allerdings bei "nur" GS 8 aus nur drei Stanzen, damals X-Ploid, jetzt multi-Ploid.

Seid nicht verzweifelt, viel Erfolg, Konrad

RuStra
22.10.2008, 18:03
Ich hätte dem Arzt auch etwas mehr Feingefühl zugetraut. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie er uns die Fakten vor den Kopf knallt, hätte ich das Gespräch alleine gemacht oder sogar ganz vermieden.


Das wäre ein weitere Massnahme zum Wieder-Mut-fassen: Den Arzt wechseln.
Abgesehen vom fehlenden Feingefühl geht diesem Therapeuten wohl auch die Fähigkeit ab, auch in schwieriger Ausgangs-Situation Wege aufzeigen zu können, die evtl. gangbar wären.

Simone, wenn möglichst alle Bereiche, die bei einem fortgeschrittenen, metastasierten Prostatakrebs eine Rolle spielen, im Laufe einer überschaubaren Zeit von einigen Monaten bei Dir und danach bei Deinem Vater ins Blickfeld geraten und schrittweise in das Krebs-Management übernommen werden, dann kann sich eine Hoffnungs-Perspektive entwickeln!
Um bei einem einfach und sofort möglichen Beispiel anzufangen:
Da er einen guten Allgemeinzustand hat, kann er den zur Steigerung der Fittness und aber auch zur Zurückdrängung der Metastasierungsprozesse nutzen, indem er ein gezieltes Bewegungs-Programm macht. In einer Bewegungs-Studie (http://www.promann-hamburg.de/Bewegung.htm) mir verschiedensten Krebspatienten ist bei keinem anderen Krebs ist die Verschiebung der Mortalitätsraten so gut gelungen wie beim Prostatakrebs.

Rudolf

Simmi76
22.10.2008, 20:06
Vielen Dank für alle Beiträge! Jeder einzelne davon hilft mir wirklich sehr. Ich denke ebenfalls, dass ein Arztwechsel sinnvoll wäre. Wie finde ich einen guten Arzt und wie können wir zu diesem wechseln? Wir haben leider selber keinerlei Unterlagen.

Peter, ich werde mich ganz sicher mit dem Leiter der Selbsthilfegruppe in Verbindung setzen. Vielen Dank für den Tipp!


Gruß
Simone

RalfDm
22.10.2008, 21:35
Wie finde ich einen guten Arzt und wie können wir zu diesem wechseln? Wir haben leider selber keinerlei Unterlagen.
Hallo Simone,

teile mir doch per PN den PLZ-Bereich mit, in dem Dein Vater wohnt. Vielleicht kann ich einen guten Arzt in der Nähe nennen.
Zu einem anderen Arzt müsste wohl der Hausarzt eine Überweisung ausstellen können.
Ihr habt einen gesetzlichen Anspruch auf Aushändigen von Kopien aller Befunde (auf eigene Kosten) durch den derzeit behandelnden Arzt, siehe Forumextrakt (Link dorthin oben im Kopf dieser Seite unter "Wichtige Links") => "Rechtliches" => "Anspruch auf Einsicht in die eigene Krankenakte".

Ralf

SabiMa
11.06.2009, 14:57
Nach einem gestrigen Arztbesuch ist uns jegliche Hoffnung genommen worden. Es war grausam! Mein betroffener Vater setzt sich mit seiner Krankheit nicht auseinander, so dass ich für meine Mutter und mich das Arztgespräch gesucht habe. Eigentlich zur Besprechung der weiteren Therapie. Jedoch hat der Arzt nur davon gesprochen, wie schlimm es um ihn steht und wieviel Zeit uns noch bleibt. Damit sind wir in ein tiefes Loch gefallen und haben nur noch Angst vor der Zukunft. Mein Vater ist noch sehr fit und hat gar keine Schmerzen. Daher waren wir ganz guter Dinge.

Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich meine Mutter zu dem Termin mitgenommen habe, die doch noch voller Hoffnung war. Die Zeiten sind schwer genug und jetzt ist meine Mutter auch noch unendlich verzweifelt und traurig.

Ich hätte dem Arzt auch etwas mehr Feingefühl zugetraut. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie er uns die Fakten vor den Kopf knallt, hätte ich das Gespräch alleine gemacht oder sogar ganz vermieden.


Gruß
Simone

Hallo Simone,

Ich glaube, ihr solltet auch einen anderen Arzt fragen. Manchmal irren sich doch die Ärzte auch, sie sind auch nur Menschen. Ich glaube du hast gut gemacht dass du deine Mutter mitgenommen hast, sie muss doch alles bescheid wissen, damit keine Überraschungen auf sie zukommen.

SabiMa
11.06.2009, 15:00
Nach einem gestrigen Arztbesuch ist uns jegliche Hoffnung genommen worden. Es war grausam! Mein betroffener Vater setzt sich mit seiner Krankheit nicht auseinander, so dass ich für meine Mutter und mich das Arztgespräch gesucht habe. Eigentlich zur Besprechung der weiteren Therapie. Jedoch hat der Arzt nur davon gesprochen, wie schlimm es um ihn steht und wieviel Zeit uns noch bleibt. Damit sind wir in ein tiefes Loch gefallen und haben nur noch Angst vor der Zukunft. Mein Vater ist noch sehr fit und hat gar keine Schmerzen. Daher waren wir ganz guter Dinge.

Ich mache mir schwere Vorwürfe, dass ich meine Mutter zu dem Termin mitgenommen habe, die doch noch voller Hoffnung war. Die Zeiten sind schwer genug und jetzt ist meine Mutter auch noch unendlich verzweifelt und traurig.

Ich hätte dem Arzt auch etwas mehr Feingefühl zugetraut. Wenn ich vorher gewusst hätte, wie er uns die Fakten vor den Kopf knallt, hätte ich das Gespräch alleine gemacht oder sogar ganz vermieden.


Gruß
Simone

Ich hätte es fast vergessen, ich habe über Prostatakrebs (http://www.imedo.de/group/overview/index/122-prostatakrebs) gelesen das heutzutage kann man die Heilungschance verdoppeln , vielleicht findest du ein paar nutzliche Informationen