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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kleines Krankenhaus vs. Brachyzentrum



vivianco
16.07.2006, 21:53
Hallo,

mein Vater (65) hat Prostatakrebs.

Folgende Werte wurden dokumentiert:
PSA 2,49
Gleasonsumme: 5 (3+2)
Klinisches Stadium T2aN0M0

Der Urologe hat meinem Vater zu einer Brachytherapie geraten. Nach den Informationen, die ich mir im Internet zusammengesucht habe, ist dies sicherlich in Ordnung.

Allerdings soll die OP vor Ort in unserem hiesigen Krankenhaus durchgeführt werden. Als ich fragte, ob es nicht besser sei, die OP in einem Brachyzentrum durchzuführen, bekam ich zur Antwort, die Brachytherapie sei ein standardisiertes Verfahren und würde überall gleich durchgeführt. Leider kann ich nicht beurteilen, ob die Aussage richtig ist. Zufällig erfuhren wir eine Tag später aus der Tagespresse, dass das Verfahren erst bei 2 Patienten (in der letzten Woche) angewandt wurde. Ich muß davon ausgehen, dass der Arzt meines Vaters dies auch wußte. Daher finde ich es zumindest merkwürdig, dass er diese Informationen nicht weitergegeben hat.

Kann mir jemand zu diesem Thema Hinweise/Informationen geben?

Vielen Dank vorab.

Mit freunlichen Grüßen
vivianco

Urologe
17.07.2006, 10:02
Hallo

Brachytherapie ist ein technisch SEHR aufwendiges und KOMPLEXES Therapieverfahren.
Ein sehr erfahrener Kollege sagte mir einmal, auch nach dem 2000. Pat. würde er noch immer täglich dazulernen.

Zu den ersten 100 oder auch 500 möchte ich persönlich nicht gehören.

Gruss
fs

Reinardo
17.07.2006, 13:07
Hallo Vivianco.
Mit PSA = 2,49 und Gleason = 5 ist der Krebs Deines Vaters noch recht jungfräulich und würde wahrscheinlich sogar unbehandelt noch viele Jahre Deinem Vater keine Probleme bereiten.
Auf jeden Fall sind vorschnelle Entscheidungen infolge des bei Diagnose Krebs entstehenden Angst- und Panikgefühls völlig unangebracht. Du kannst Dich über diesen Krebs und alle Therapieoptionen gut informieren, wenn Du im KISP Forum www.prostatakrebse.de (http://www.prostatakrebse.de) welches von diesem Forum hier auch per Link erreichbar ist, den Aufsatz "Erster Rat" liest.

Die Brachy-Therapie wurde in den 70er Jahren vor allem von dem amerikanischen Arzt Willet F. Whitmore. jr. , dem Chef-Urologen des Sloan-Kettering- Center in New York entwickelt. Dabei wurden Titanium-Hohlnadeln von 4,5 mm Länge, die radioaktives Jod enthalten, saatartig in der Prostata verteilt. In seinem Buch "Keine Angst vor Krebs" hat Hackethal das Verfahren anlässlich eines Besuchs bei Whitmore ausführlich , allerdings kritisch, beschrieben.
Inzwischen ist das Verfahren auch infolge der mittels Computer-Berechnung möglichen genaueren Positionierung der Stahlungselemente wesentlich verbessert worden und wird in Deutschland vielerorts angeboten, z.B. von der Kölner Klinik am Ring, die auch in den Selbsthilfegruppen, z.B. Koblenz, Vorträge hält. Auch mir ist die Brachy-Therapie schon angeboten worden.
Sie gilt als nebenwirkungsarm, gut verträglich, ambulant durchführbar und wird teilweise auch von der Kasse übernommen.

Allerdings entscheiden erst Langzeitergebnisse über den wirklichen Erfolg einer Therapie.

Alles Gute, Reinardo

Hajoke
17.07.2006, 15:18
Was Reinardo schrieb ist richtig.
Wichtig ist auch, dass man die Brachy-Seedimplantation "nur" in einem spezialisierten OP-Zenztum machen sollte. Dort sollte der Operateur in Zusammenarbeit mit dem Strahlenexperten mindestens 100 aber noch besser 500 Operationen selbst ausgeführt haben.

Bernhard A.
17.07.2006, 20:43
Hallo Vivianco !

Dein Vater würde in der kleinen Klinik zum Üben mißbraucht !!!!
In der „Klinik am Ring“ in Köln(von der Reinado sprach) werden jährlich über 650 Brachy-Behandlungen durchgeführt.
Es ist jedoch eine Privatklinik. Gesetzliche Krankenkassen kommen in der Regel nicht für deren Rechnung auf. Deshalb vorher kostenmäßig alles abklären.
Ich würde mich dort wieder behandeln lassen.
Vor einer Behandlung sollte Dein Vater aber noch eine Zweit-Begutachtung seines Biopsieergebnisses machen lassen. Um sicher zu sein, dass es eine angemessene Therapie wird.
<O:p></O:p>
Gruß
Bernhard A.

Schorschel
17.07.2006, 22:36
Bernhard hat sicher Recht mit dem "Üben"!!

Auch Dr. Kahmann in Berlin gilt als sehr professionell bei der Brachy...

Gruß

Schorschel

rietzy
18.07.2006, 10:57
Hallo Vivianco,
Reinardo hat geschrieben die Kosten für die Brachytherapie wird teilweise von der Kasse übernommen , das stimmt nicht die Kassen zahlen die ganze Brachythrapie es gibt nur Probleme wenn sie ambulant durchgeführt werden soll da haben die Kassen nur Verträge mit bestimmten Kliniken aber da der stationäre Aufenthalt nur zwei Nächte ist kann man damit leben .
Ich habe die Seeds im Februar erhalten und habe keine Nebenwirkungen bis jezt.
Zur Brachytherapie hatte ich mich entschieden da ich hiervon die geringsten Nebenwirkungen erwarte und meine Werte dafür gerade noch geignet waren . Nach Beratung mit zwei Urologen und Information in dem Buch -Der selbstbestimmte Patient --kann man wohl sagen die Brachytherapie steht der Entfernung nicht nach . Was lägere Zeiten als 15 Jahre angeht weiß man es nicht so genau aber die Garatie gibt sowieso keiner .
Aber geh doch mal zu diesem Link und stelle Fragen an Dr.Kahlmann
http://www.onmeda.de/foren/forum-prostatakrebs.html
vielleicht hilft Euch das weiter
Alles Gute
Karl

mike1160
18.07.2006, 20:58
Hallo Vivianco,

ob Operation oder Brachytherapie - persönlich würde ich mich nur dort behandeln lassen, wo der Operateur/ Anwender SEHR große Erfahrung mit dem jeweiligen Verfahren hat. Für den Betreffenden geht es um alles - hier ist kein Platz für Experimente.

Übrigens: Auch einen Urologen, der mir erzählt, dass man ein Verfahren überall gleich (gut) macht, würde ich wechseln - vielleicht sagt er auch in anderen Dingen nicht die Wahrheit..! Denn die Aussage mit dem "gleich gut" ist auf jeden Fall eine klare Unwahrheit.

Ich wünsche dir und deinem Vater alles Gute.

Mike