PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PCa SOS!!!!!!!!!!!!



Harald
28.07.2006, 18:50
Diagnose PCa; ich weiß nicht genau, ob ich träume oder ob es Wirklichkeit ist, es schaut eher nach zweiterem aus. Als 50 jähriger (beruflich) erfolgsverwöhnter Jurist bin ich total aus dem "Häuschen"man kann es auch "schwarzes Loch" nennen. Als Benjamin in der großen Leidensgemeinschaft der Prostatakrebserkrankten wird man das sicherlich nachempfinden können.
Seit zwei Tagen liegt mir ein Befund vor der anscheinend klar PCa diagnostiziert. Leider muß ich mich erst mit den "termini technici" intensiver auseinandersetzen.
Sofortiges Anraten meines Urologen (gleichzeitig hat er mir schon einen Kostenvoranschlag überreicht) radikale OP ( nicht nervenschonend) somit 100% impotent und Gefahr auf Inkontinenz, bis zu 4 cm Pennisverkürzung; weiteres Anraten; keine Zeit verlieren sofort operieren.

Bericht: 48-42 Die Gewebsstücke bestehen aus fibromuskulären Gewebe und aus Prostatadrüsen die zum Teil atroph sind. Man sieht immer wieder auch eine Basalzellhyperplasie. Eingestreut sieht man immer wieder entzündliche Infiltrate mit Lymphozyten und Plasmazellen, zum Teil auch mit neutrophilen Granulozyten. Bei der Nr. 15 sieht man einen kleinen Focus mit einer kleinazinären Adenokarzinom das Zellen mit einem vergrößerten Zellkern und deutlichen Nukleolus aufweist. Die Azini infiltrieren durch präexistente Drüsen. Bei 64 sieht man Drüsen mit atypischen Zellen die zum Teil dachziegelartig angeordnet sind. Daneben erkennt man einzelne Azini die keine Basalzellen mehr aufweisen und ebenso atypische Zellen haben mit einem vergrößertem Zellkern und mit einem deutlichen Nukleolus. In der vorliegenden Stanze nur 4 bzw 5 solche Azini zu sehen.
Ergebnis:prostatae G-2 (beidseitig) Gleason score 3+3=6
PSA vom 30.3.2005 4,48 ng/ml
PSA vom 12.5.2006 6,00ng/ml, fPSA 1,03 ng/ml Ratio 17%
Meine Fragen:
1) Ich weiß, daß ich Handlungbedarf habe; bin ich der Verstümmelungsgesellschaft ausgeliefert oder gibt es sinnvolle Alternativen; sollte ich mich für die radikalle-nichtnervenschonende (wiederwillig) entscheiden bin ich wirklich 100% lipido und errektionsunfähig? Ich habe eine mir annehmbare Therapie HIZU entdeckt
(München Unterharching); gibt es diesbezüglich praktische Erfahrungen
2) ich denke auch an eine begleitende Rudolf Breuss Kur um das Risiko Radikale zur HIZU auszugleichen
3) wie kann ich den PSA Verdoppelungswert errechnen und was ist sein Aussagewert? ich meine er wird mit der Aggresivität des Kazinoms zusammenhängen
4) Was sollten meine nächsten sinnvollen Schritte sein?


Entsprechend meinem beruflichen Lebensmotto "wer rasch hilft, hilft doppelt" grüße ich alle Leidensgenossen

harald

HorstK
28.07.2006, 19:45
Hier gibt es erste Ratschläge:

http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Erste_Ratschlaege.pdf

Gruß, HorstK

HorstMUC
28.07.2006, 20:25
Hallo Harald -

wenn Du aus München oder Umgebung bist und Dich irgendwann mal für eine RPE entscheiden solltest, dann kannst Du Dich gerne über Forum-Email an mich wenden.

Bin im März 04 in Planegg operiert worden.


Viele Grüße
und - cool bleiben - meine Diagnose war noch schlimmer
damals war ich 59 Jahre alt

HorstMUC

Reinardo
28.07.2006, 20:27
Hallo Harald. Der Verstümmelungsgesellschaft bist Du gewiss nicht ausgeliefert (es sei denn, Du hörst auf Deinen Urologen). Prostatakrebs ist gut therapierbar, auch medikamentös. Mitbetroffene, denen es 5, 10 Jahre nach ihrer mit der Deinigen vergleichbaren Diagnose gut geht, d.h. kontinent und potent, findest Du hier im Forum galore.
Also informiere Dich erstmal.
Alles Gute, Reinardo

Carola-Elke
28.07.2006, 21:52
Hallo Harald,

der "Jüngste" unter allen hier bist du nicht - dies zu deiner evt. Beruhigung!

"PSA-Verdoppelungszeit, terminus technicus: PSAVZ, PSADT und Zusammenhang zum Gleason..."
-- editiert: weil ich die beiden vorliegenden PSA Werte auf das Jahr 2006 bezog, sorry!---

PSAVZ - dazu hier mehr:
http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/dia_psa.html

Sicherlich meinst du "HIFU" - hier wurde im KISP sehr positiv berichtet: http://www.prostatakrebse.de/informationen/html/the_hifu.html
und ein Fall hat beinahe deine identischen Daten, sofern sie stimmen.

Überhaupt kannst du auf den Seiten des KISP sehr viel Wissenswertes zu Stichpunkten im Zusammenhang mit PK, Behandlungen, Diagnostik, usw. finden:
http://www.prostatakrebse.de/informationen/lbs-index.html

Eine übereilte Entscheidung solltest du keinesfalls treffen.

Von der Breuss-Kur würde ich mir eher sehr wenig versprechen.

Bei weiteren Fragen findest du hier bestimmt wiederholt und rasch Antworten.

Alles Gute und viele Grüsse,

Carola-Elke

PeterP
28.07.2006, 22:15
Hallo Harald,
laß Dich um Gottes Willen von Deinem Uro zu keiner vorschnellen Entscheidung verleiten. Wenn der mit seiner ärztl. Sorgfalt so schnell wäre wie mit Kostenvoranschlägen schreiben, hätte er schon in 2005 für Klärung gesorgt!
Bei einem PSA von 4,5 haben bereits die Alarmglocken zu läuten.
Wenn die Meßwerte einigermaßen stimmen, d.h. nicht durch Prostata-Streß oder Entzündung verfälscht sind, hattest Du eine Jahres-Steigerung von 1,5 . Extrapoliert ergäbe das eine VZ von 4 Jahren, was ein normaler Wert wäre. Das ist alles aber sehr vage. Zumindest ist es noch keine dramatische Steigerung und Du hast genug Zeit, Dich eingehend in die Materie einzulesen.
Die Agressivität wird bei Deinem Befund in erster Linie durch den Cleason Score ausgedrückt. Wenn der Befund so lautet, wie Du es oben wiedergegeben hast, scheint mir noch einiges unklar zu sein. Es gehören auch klare Größen- oder %-Angaben zu den in den Stanzen gefundenen Gewebeteilen. Wenn ich es als Laie richtig gelesen habe, ist auch entzündetes und aus Hyperplasie stammendes Gewebe gefunden worden. So etwas produziert auch PSA.
Cleason 3 deutet auf ein noch relativ gut differenziertes PCA hin.
Eine Zweitbegutachtung dürfte aber auf jeden Fall angebracht sein. Dabei können auch gleich noch weitere Tumormarker bestimmt werden, die für die Wahl der Therapie mit entscheidend sind. Ich denke, das sollte jetzt zuerst veranlaßt werden.
Was ist "HIZU"? Ist das HIFU (Hochintensiver fokussierter Ultraschall)
Auch alles Gute
PeterP

Anmerkung: Habe den Text gerade zu gleichen Zeit wie Carola-Elke verfaßt, so daß ein paar Dinge doppelt vorgetragen sind. Aber doppelt genäht, ...

Schorschel
28.07.2006, 23:02
Hallo Harald!

Cool bleiben! Von SOS kann bei Deinen Werten überhaupt keine Rede sein.

Ich würde Dir Folgendes raten:

1. Lies die ersten Ratschläge (siehe KISP-Homepage). Entsprechender Link. Lies Dir das 3x durch!!

2. Geh auf die Adresse www.prostapath.de (http://www.prostapath.de) (Prof. Bonkhoff) und lass dort Deine Biopsieproben überprüfen ("Zweitmeinung")

3. Die PSA-Verdopplungszeit kannst Du sehr einfach errechnen, indem Du auf der Homepage links den "PSAVZ-Rechner" anklickst und entsprechend ausfüllst. Dein Wert ist aber nicht so dramatisch, dass Du gleich panicken musst.

4. Lass Dich in keinster Weise von Deinem Urologen unter Druck setzen. So wie Deine ersten Werte aussehen, hast Du ganz locker einige Monate Zeit, Dich in Ruhe zu informieren. Prostatakrebs wächst in aller Regel sehr langsam. Lass Dich nicht verrückt machen!

Wenn Du weitere Werte hast (siehe auch "Erster Rat"), dann stell die hier ins Forum und Du wirst von den wirklichen Profis, zu denen ich nicht gehöre, sehr fundierte Ratschläge erhalten.

Alles Gute und herzliche Grüße

Schorschel

P.S.: Gerade sehe ich die Beiträge von Elke und Peter. Jetzt hast Du das meiste doppelt und dreifach...

Urologe
28.07.2006, 23:44
Hallo Harald,

viel ist dem bisher Gesagten nicht hinzu zufügen, nur dies:

ich lese sehr viel Hinweise auf ein insignifikantes Karzinom, welches möglicher Weise derzeit noch überhaupt keiner Therapie bedarf.
Weitere Abklärung ist aber zwingend erforderlich.
Sie haben definitiv Zeit, sich hier schlau zu machen oder sich gar das Buch von Strum zu kaufen und zu lesen.
Eine nicht nervenschondende OP ist bei Ihrer Konstellation (vorausgesetzt die Daten stimmen) aus meiner Sicht ein Kunstfehler!

Also Kopf hoch und lesen, lesen, lesen. Wenn Sie in 1-2 Monaten entscheiden, haben Sie ALLES gewonnen und NICHTS verloren.

Gruss
fs

Carlo Klöpfer
29.07.2006, 00:28
Hallo Harald,

bisher habe ich mich im Forum nur informiert, da Urologe richtigerweise schreibt lesen, lesen, lesen möchte ich Dir das von BPS herausgegebene Buch von Dr. B.Strum sehr ans Herz legen:

Ein Ratgeber zum Prostatakrebs
Die Anleitung für den selbstbestimmten Patienten
ISBN: 3-00-017057-X

Dir alles Gute und Grüße
Carlo

Harald
29.07.2006, 00:40
Hallo Ihr Lieben;

bin gerade vom Büro nach Hause gekommen; erster Schritt zum Computer; habe das Web noch nie so geliebt wie in dieser Situation; vorerst vielen Dank für Eure konstruktiven und vor allem ehrlichen Ratschläge; sie brachten viel Erleichterung (vor allem für die Seele; ist wahrscheinlich schon der erste Therapieerfolg)

liebe Grüße und eine Gute Nacht
Harald

Carola-Elke
29.07.2006, 10:54
...
1) Ich weiß, daß ich Handlungbedarf habe; bin ich der Verstümmelungsgesellschaft ausgeliefert oder gibt es sinnvolle Alternativen; sollte ich mich für die radikalle-nichtnervenschonende (wiederwillig) entscheiden bin ich wirklich 100% lipido und errektionsunfähig?
....

harald

Hallo Harald,

ergänzend zu deiner Frage hier eine Tabelle, die unter optimalen Ausgangsbedingungen vorliegende Zahlen hinsichtlich postoperativem Potenzerhalt beinhaltet: http://www.martini-klinik.de/tabelle.html

http://www.martini-klinik.de/bilder/tabelle.gif

"Libidofähigkeit" hat nichts mit "Erektionsfähigkeit" zu tun - das bedeutet: die eigene Orgasmusfähigkeit und Libido bleibt unabhängig von der Erektion in aller Regel erhalten.

Viele Grüsse,

Carola-Elke

camillo
30.07.2006, 10:29
Ich habe eine mir annehmbare Therapie HIZU entdeckt
(München Unterharching); gibt es diesbezüglich praktische Erfahrungen

Hallo Harald,

bevor ich mich für meine Therapie entschied - Nov. 2003 -, hatte ich auch Kontakt mit dem Klinikum Herlaching, Prof. Dr. Chr. Chaussy. Bekannt war mir, daß dort intensiv mit der HIFU-Methode therapiert wird. Das informatorische Gespräch ergab jedoch, dass auch die HIFU-Methode mit Risiken verbunden ist, so können z.B. bei der Behandlung auch die Darmwände durchbrannt werden. War für muich als medizinischen Laien ein Argument, diese Therapie nicht zu wählen. Mußt Dich also ebenfalls eingehenst informieren, doch vorsicht, viele Kliniken bieten diese Behandlung schon ambulant an! Klinik für Prostata-Therapie, Heidelberg, Kosten ca. € 8.000 zzgl. Kosten der Anästhesie ca. € 600 - 800 + Hotelübernachtungen.

Alles Gute
Jürgen W