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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie finde ich die richtige Therapieform



Joachim46
05.06.2009, 13:05
Hallo zusammen,
ich habe vor zwei Wochen die Diagnose Prostatakrebs bekommen. Nach anfänglicher Starrheit bin ich jetzt auf dem Weg aktiv zu werden. Hier kurz meine Daten (mehr Details in meinem Profil): 46 Jahre!!; PSA 6,26; 1 von 10 Stanzen hat Karzinom; Differenzierung G1b, Gleason-Score 2+3=5.
Ich habe mich in diesem sehr informativen Forum umgesehen und auch einen ersten Überblick über die Therapiemöglichkeiten und die Kriterien zu deren sinnvollen Auswahl bekommen.
Für mich ist die Frage der möglichen (oder wahrscheinlichen) Impotenz eine ganz entscheidende. Die herrschende Meinung für mein Alter (46 Jahre)scheint die radikale Prostatektomie zu sein (mit den unterschiedlichsten Methoden). Hier sind die Gefahren eines Rezidivs wohl am geringsten aber die 80% Wahrscheinlichkeit einer Impotenz schreckt mich schon sehr. Die Strahlentherapie (Brachyl,...) ist wohl nicht so sicher und birgt ähnliche Potenzschwierigkeiten, nur zeitverzögert.
In wie weit ist die Methode des "watchful waiting" in meinem Alter, mit der Idee bei steigenden PSA-Werten einzugreifen, überhaupt praktikabel. Ist es denkbar, dass bei einem niedrigen Gleason-score (5) und einer positiven Stanze von zehn das Karzinom über einige Jahre beobachten lässt? Oder sehe ich, was die Inkontinenz und die Impotenz nach einer OP oder Strahlentherapie betrifft, einfach zu schwarz. Für Anregungen und Meinungen wäre ich sehr dankbar.

Herzlichen Dank
Joachim

JoScho
05.06.2009, 13:54
Hallo Joachim,
sei froh( soweit man über diese Diagnose froh sein kann) das der Prostatakrebs so früh entdeckt wurde, und denke in deinem Alter nicht weiter über AS nach.
Du hast es schon richtig beschrieben, auch ich denke dass die OP die einzige Möglichkeit ist (mit 46) den PK loszuwerden. Weitere Info, siehe mein Profil und meine Homepage.

Gruß Joachim

Damesp
05.06.2009, 15:21
Hallo Joachim,
such dir einen guten, erfahrenen Operateur.
Ich wurde mit 50 in Gronau (www.pznw.de) operiert.
Von Beginn an war ich "dicht" und bin auch ohne Cialis o.Ä. potent.
Laß dich nicht irre machen von den zum Teil abstrusen Ratschlägen hier.
Peter

vaukaa
05.06.2009, 16:00
Hallo Joachim,
such dir einen guten, erfahrenen Operateur.
Ich wurde mit 50 in Gronau (www.pznw.de (http://www.pznw.de)) operiert.
Von Beginn an war ich "dicht" und bin auch ohne Cialis o.Ä. potent.
Laß dich nicht irre machen von den zum Teil abstrusen Ratschlägen hier.
Peter

Joachim,
dem kann man im großen und ganzen nur zustimmen, wenn man mal von der Wiederherstellung der Potenz absieht, da brauchst Du einen ganz hervorragenden Operateur und Glück!
Von IN ist es aber nicht weit nach M, ich war in M-Großhadern, im Klinikum der Universität, Urologie. Der dortige Chefarzt ist menschlich und fachlich allererste Sahne, ich wurde von ihm operiert. Er macht das allerdings nur privat. Wenn Du privat versichert bist, hast Du keine Probleme, bist Du gesetzlich versichert, wirst Du über den sozialen Tarif staunen, den er verlangt. Da ist die Abwrackprämie für Altautos höher.

Bonne chance et bon courage

Volker

Bernhard A.
05.06.2009, 17:16
Hallo Joachim !

Zitate von Dir und meine Meinung dazu;

Für mich ist die Frage der möglichen (oder wahrscheinlichen) Impotenz eine ganz entscheidende.

Mit meinen, damals 53 Jahren, wollte ich auch nicht das hohe Risiko der Impotenz und das gar nicht so kleine Risiko der Inkontinenz, eingehen. Von meinem ersten Urologen, der mich mit meinem hohen Gleason, nicht nervschonend operieren konnte, habe ich mich weiter gehangelt zu kompetenteren Operateuren an großen Kliniken. Letztendlich habe ich von der Brachybestrahlung (bei mir mit Kombinationen) gehört und war von dieser Therapie dann überzeugt.(Mehr dazu in meinem Profil)

Die herrschende Meinung für mein Alter (46 Jahre)scheint die radikale Prostatektomie zu sein (mit den unterschiedlichsten Methoden).

Hier in Deutschland werden ca. 70 % der PK-Patienten mit OP behandelt. In den USA ist es genau umgekehrt. Dort hat die Brachytherapie ein sehr großes Übergewicht. Hier im Forum haben sich nur ca. 5-7 % der Teilnehmer mit Brachy oder IMRT behandeln lassen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind Sie alle mit Ihrer Therapie und vor allem mit den Nebenwirkungen zufrieden. Im OP-Bereich ist die Quote der Patienten mit erheblichen, bleibenden Nebenwirkungen wesentlich schlechter.

Hier sind die Gefahren eines Rezidivs wohl am geringsten aber die 80% Wahrscheinlichkeit einer Impotenz schreckt mich schon sehr.

Das Risiko der Impotenz liegt bei guten Operateuren nicht bei 80 %. Bei guten Ärzten, wie Sie Dir schon empfohlen wurden, liegt die Quote bedeutend niedrieger ( Ich vermute zwischen 30 - 40 %)
Sollte sich Dein niedriger Gleason von 2(?) + 3 in einer Zweitbegutachtung bestätigen, sind OP und HDL-Brachy bzgl. der Rezidivgefahr zumindest gleichwertig.
Der Unterschied liegt eben in den Nebenwirkungen.

Die Strahlentherapie (Brachyl,...) ist wohl nicht so sicher und birgt ähnliche Potenzschwierigkeiten, nur zeitverzögert.

Die Strahlentherapie ist im Hochrisikobereich (kombiniert angewendet) sogar sicherer.
Die "zeitverzögrten Potenzschwierigkeiten" beruhen auf den Erfahrungen veralteter Bestrahlungen. Bei den Brachy-IMRT- und Protonenbestrahlten, sind schon viele vor 4-5 Jahren bestrahlt worden. Noch keiner hat sich hier im Forum gemeldet, daß er nachträglich noch erhebliche Potenzprobleme hinnehmen mußte. Es kommt aber auch im Bestrahlungsbereich vor, daß sofort nach der Behandlung, Potenzprobleme da sind. Aber da kann bei Ihnen immer noch "Cialis und Co" helfen.

Gruß
Bernhard A.

Wer sich treiben läßt, kann das Ufer nicht bestimmen.
(gehört im NDR-Radio)

BurgerH
05.06.2009, 18:56
Hallo Joachim,

ich habe Deine Daten in die neuesten Kattan-Nomogramme eingegeben, dahinter verbirgt sich der Verlauf von 5.223 (deutschen) Patienten.

Die Aussagen sind natürlich rein statistisch und treffen nicht für den Einzelfall zu.

Mit 75% Wahrscheinlichkeit liegt bei Dir eine Organbegrenzte Erkrankung vor.
Ein Kapseldurchbruch wird mit 23% angenommen. Samenblasenbefall mit 2%.
Ein Lymphknotenbefall nach Kattan mit 1,17%, nach den Partin-Tabellen 0%.
Für ein insignifikantes Prostatakarzinom liegt die Wahrscheinlichkeit bei 24%.

Das Progressionsrisiko bei einer radikalen Prostatektomie liegt bei 8,7% in 5-Jahren danach. Bei externer Strahlentherapie mit 72 Gray bei 11,5% und die Wahrscheinlichkeit klinischer Metastasen nach Strahlentherapie in den nächsten 5 Jahren bei 3,61%. Die Brachytherapie schneidet mit 12% Progressionsrisiko etwas schlechter ab, aber immer noch gut.

Insgesamt ein gutes Ergebnis.

Das Problem bei einem so günstigen Anfangsbefund ist, dass Dir alle Therapiemöglichkeiten zur Wahl stehen.

Active Surveillance wäre auch eine Möglichkeit. D.h. der Tumor wird beobachtet und eine Therapie erst eingeleitet, wenn sie notwendigt ist. Beispielsweise wenn sich der Gleason Score, der ja bei Dir außergewöhnlich günstig ist, verschlechtert oder wenn Symptome auftreten sollten. (Normalerweise gibt es gar keine Gleason 5 mehr.)

Alles Gute und dass Du für Dich eine gute Entscheidung triffst!

Hansjörg Burger
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar e.V.

PS: Der Prognosezeitraum von 5 Jahren ist für den PK an sich zu kurz. Da bräuchten wir 10, 15 oder 20 Jahresverläufe.

JoScho
05.06.2009, 20:28
Hallo Hansjörg,
du hast die Fakten die sich aus den Statistiken ergeben genannt.
Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu.
Aber, Active Surveillance ist für einen 46 jährigen wohl weniger geeignet.
Auch bei diesen günstigen Gleason (wenn dieser stimmt) weiß niemand wann der PK streut. Früher oder später wird eine Therapie notwendig werden. Ich würde dieses Risiko nicht eingehen.
joscho

BurgerH
06.06.2009, 07:53
Hallo Hansjörg,
du hast die Fakten die sich aus den Statistiken ergeben genannt.
Im Großen und Ganzen stimme ich dir zu.
Aber, Active Surveillance ist für einen 46 jährigen wohl weniger geeignet.
Auch bei diesen günstigen Gleason (wenn dieser stimmt) weiß niemand wann der PK streut. Früher oder später wird eine Therapie notwendig werden. Ich würde dieses Risiko nicht eingehen.
joscho

Hallo Joscho,

bei einem 46 jährigen ist das bestimmt zu überdenken.

Aber Active Surveillance hat ja gerade das Ziel, eine kurative Behandlung zum richtigen Zeitpunkt einzuleiten, um dem Betroffenen bis dahin die Nebenwirkungen einer Therapie zu ersparen.

Ich zitiere Weißbach/Boedefeld:

"Die kurative Behandlung setzt ein, sobald der PSA-Wert ansteigt, die PSA-Verdoppelungszeit ansteigt, der Tumor zu tasten ist oder seine Größe zunimmt. oder der Gleason Score über 6 ansteigt. Die Kontrollen müssen regelmäßig und in relativ kurzen Zeitabständen erfolgen, um den richtigen Zeitpunktfür eine kurative Therapie nicht zu verpassen!"

Obwohl ich sonst kein Anhänger der Zweitbefundung bin, würde ich in diesem Fall dazu raten, um den Gleason Score 5 abzusichern.

Im Übrigen gehören Nerven, d.h. ein bestimmte psychische Stabilität zu dieser Therapie.

Gruß

Hansjörg Burger
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar e.V.

HansiB
06.06.2009, 09:26
Hallo Joscho,

bei einem 46 jährigen ist das bestimmt zu überdenken.

Aber Active Surveillance hat ja gerade das Ziel, eine kurative Behandlung zum richtigen Zeitpunkt einzuleiten, um dem Betroffenen bis dahin die Nebenwirkungen einer Therapie zu ersparen.

Ich zitiere Weißbach/Boedefeld:

"Die kurative Behandlung setzt ein, sobald der PSA-Wert ansteigt, die PSA-Verdoppelungszeit ansteigt, der Tumor zu tasten ist oder seine Größe zunimmt. oder der Gleason Score über 6 ansteigt. Die Kontrollen müssen regelmäßig und in relativ kurzen Zeitabständen erfolgen, um den richtigen Zeitpunktfür eine kurative Therapie nicht zu verpassen!"

Obwohl ich sonst kein Anhänger der Zweitbefundung bin, würde ich in diesem Fall dazu raten, um den Gleason Score 5 abzusichern.

Im Übrigen gehören Nerven, d.h. ein bestimmte psychische Stabilität zu dieser Therapie.
Hansjörg Burger

Auch ich würde da Hansjörg zustimmen. In dem Alter evtl. impotent und inkontinent zu sein, wäre mir zu gefährlich. Was sagt die Frau dazu.

Ich würde unbedingt eine DNA -Z machen um die wahre Malignität fest zu stellen und mir das GEK Büchlein "Prognostische und therapeutische Bedeutung der DNA-Zytometrie beim Prostatakarzinom", mit seinen Studienergebnissen genau anschauen.

Kontrolle über nicht belastende FNAB alle 2 Jahre und Kontroll-DNA um eine Veränderung der Malignität, evtl. in vielen Jahren fest stellen zu können. dies Veränderung ist NUR über eine DNA möglich.

Ich würde mit notwendigen NEM und Immuntherapien, Ernährungsumstellung, Stressabbau (auch eine oder mehrere lokale Th. ist Stress) und viel Bewegung meinen Körper gesund erhalten.

Ich mache mit meinem entdifferenzierten PCa mit sehr weitem Fortschritt seit Jahren nichts anderes.

Viel Erfolg, Konrad

Bernhard A.
06.06.2009, 17:12
Hallo Hansjörg !

Von Dir ein

Das Progressionsrisiko bei einer radikalen Prostatektomie liegt bei 8,7% in 5-Jahren danach. Bei externer Strahlentherapie mit 72 Gray bei 11,5% und die Wahrscheinlichkeit klinischer Metastasen nach Strahlentherapie in den nächsten 5 Jahren bei 3,61%. Die Brachytherapie schneidet mit 12% Progressionsrisiko etwas schlechter ab, aber immer noch gut.


Kannst Du die Entstehung und Hintergründe dieser Zahlen etwas aufschlüsseln ?
- Wurden Krankheitsstadien differenziert ?
- Vor wieviel Jahren wurden diese Werte ermittelt bei den einzelnen Therapiearten ermittelt ?
- Oder beziehen sich Deine Zahlen genau auf das Krankheitsstadium Joachim ?
- Sind die Werte "querbeet" durch alle Kliniken ermittelt worden, oder nur in Spitzenkliniken ?

Gruß
Bernhard A.

ruggero1
06.06.2009, 23:35
Hallo Joachim,
den folgenden Link habe ich schon an anderer Stelle angegeben, wiederhole ihn hier aber noch einmal für dich: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&p=Aktive+%DCberwachung&id=64819
Dieser Artikel aus dem "Deutschen Ärzteblatt" (ja, genau diesem!) ist brandneu und zeigt eine neue Herangehensweise an Active Surveillance auf. Vielleicht kannst du daraus etwas für dich entnehmen.
Für die Engländer ist die Sache übrigens offensichtlich klar, und sie kümmern sich anscheinend auch nicht um das Alter des betreffenden Patienten - ich zitiere aus dem oben genannten Artikel:

Die im Februar 2008 vom britischen National Institute of Clinical Excellence (NICE) veröffentlichte Leitlinie geht noch einen Schritt weiter (19 (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/lit.asp?id=64819#nr19)), indem sie nur die aktive Überwachung als Therapie für das lokal begrenzte PCa geringen Risikos empfiehlt, während sie die Behandlungen RP, Brachytherapie und externe Bestrahlung als Optionen nennt. Die Empfehlung, jedem „low risk“-Patienten zuerst die aktive Überwachung anzubieten, basiert auf einem Expertenkonsens. ....

Es folgt dann die Beurteilung der Situation:
Alle aktuellen Leitlinien teilen für ihre Therapieempfehlungen diese Tumorerkrankung in drei Risikogruppen ein. Grundlage hierfür ist das Modell von D'Amico, das anhand von drei Kriterien eine Progressionsvorhersage erlaubt (20 (http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/lit.asp?id=64819#nr20)). Das geringe Risiko, bei dem die aktive Überwachung gemäß den Leitlinien vorrangig empfohlen wird, ist wie folgt definiert:
- PSA < 10 ng/mL
- Tumorkategorie T1, 2a
- Gleason-Score < 6.

Demnach wäre für dich AS eine vorrangige Option. In dem Artikel sind aber noch viele weitere Informationen enthalten; ich erachte ihn für höchst lesenswert! Deine persönliche Entscheidung kann dir allerdings niemand abnehmen.
Ruggero

Daniel Schmidt
07.06.2009, 00:41
Active Surveillance wird vermutlich gut funktionieren für die unmittelbare nächste Zeit.
Bei dem jungen Alter ist allerdings von einer Progression des Tumors bald auszugehen, so dass ich eher zu einer Therapie (Op oder Bestrahlung) jetzt raten würde.

spertel
07.06.2009, 06:20
Hallo Joachim

Zu Deiner Entscheidungsfindung sei hier ein Hinweis auf meine Ausgangssituation vor fast genau -4- Jahren gestattet.
Ich war gerade 44 Jahre alt geworden, mein PSA war nahezu identisch mit Deinem Wert, -2- von -6- Stanzen waren mit weniger als 1 mm Tumor durchsetzt und auch meine Einstufung hinsichtlich der Bösartigkeit betrug lediglich Gleason-Score 2+3.


Eine Zweitbegutachtung, DNA-Zytometrie etc. hätten wenig Nutzen gehabt, da die Stanzen der Biopsie den biologisch relevanten Teil verfehlt hatten.

Ich hatte mich sehr schnell für eine offene, retropubische Op entschieden, die ohne jegliche Komplikationen verlaufen ist, weiteres entnehme bitte meinem Profil.

Hätte ich mich damals für eine "Active Surveillance" o. ä. entschieden, dürfte ich mich heute mit Sicherheit mit dem Ablauf meiner Beisetzung beschäftigen.

Also, meine Empfehlung (siehe Joscho und Daniel Schmidt), laß´den Quatsch und wähle eine agressive Therapie, um diesen Mist schnellstens los zu werden.

LG

Spertel

JürgenK
07.06.2009, 07:28
Hallo Joachim,
ich kann aus meinen mittlerweile 9 jährigen Erfahrungen mit dem Thema Prostatakarzinom Spertel nur zustimmen.
Es geht ja nicht nur darum, dass man evtl. versäumt den richtigen Zeitpunkt für eine aggressive Therapie zu erwischen, sondern auch darum mit dem täglichen Bewusstsein zu leben, dass man KREBS hat. Ich habe es 8Jahre (als 44 jähriger beginnend) mit für mich -aus heutiger Sicht- dubiosen Therapien praktiziert und kann nur deutlich sagen, da muss man sehr sehr stark sein und hoffentlich einen Haustierkrebs haben.
Leider habe ich vielleicht den richtigen Zeitpunkt versäumt, er war bereits sehr aggresiv geworden.
Ich würde dies nicht noch einmal praktizieren wollen, rückblickend war für mich die OP letztes Jahr befreiend und hätte ich gewußt wie unkritisch die OP ist, ich hätte sie damals sofort gemacht. Was mich daran gehindert hat, war schlicht meine Angst vor der OP und den Folgeerscheinungen.

Darum, laß´den Quatsch und wähle eine agressive Therapie, um diesen Mist schnellstens los zu werden.

Gruß Jürgen

wassermann
07.06.2009, 10:15
Hallo Joachim,
mit starken Nerven und Gottvertrauen ist AS in deinem Fall vielleicht erwägenswert. Anbetrachts deines Alters würde ich aber meinen Vorrednern zustimmen und mich nicht auf Experimente einlassen. Ich sehe es als noch nicht erwiesen an, dass man während des Abwartens/Beobachtens die Progression des Karzinoms rechtzeitig und zuverlässig einschätzen kann, um eine aggressive Therapie dann rechtzeitig einzuleiten. Es bleibt schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, an dem sich die Tumorzellen auf den Weg durch die Kapsel machen etc..
JürgenKs Fall (Gruß, Jürgen, wir sind der gleiche Jahrgang) zeigt doch eindeutig, was zu langes Hinauszögern bewirken kann.
Die (Un)Zuverlässigkeit der Diagnose (siehe Spertel, Gruß nach Berlin) ist auch zu bedenken. Diesbezüglich kannst du freileich eine Zweitbegutachtung machen, oder noch eine Biopsie, wenn die erste den Tumor nur gestreift hat. Man schreibt hier auch von Fällen, wo der Krebs durch die Biopsie schon entfernt wurde. Darauf kannst du auch noch hoffen...
Ich befürchte aber, in deinem Alter wirst du früher oder später um eine Therapie nicht herumkommen. Warum nicht, solange man jung und fit ist und man sich schnell erholt? Aber: sorgfältige Wahl der Therapeuten ist unumgänglich.

Ich wünsche dir eine für dich richtige Entscheidung. Eine risikofreie gibt bei bei unserer Krankheit leider nicht. Schiefgehen kann alles, aber die Wahrscheinlichkeit kann man einschränken.

Alles Gute
Wassermann

manfredh
07.06.2009, 10:41
Hallo Joachim,

in Deine Überlegungen solltest Du den Gedanken einbeziehen, dass es bei manchen Entscheidungen kein Zurück mehr gibt. Das gilt hier leider in beiden Fällen, beim Warten und beim Handeln.
Ich habe mich in meiner Situation (siehe Profil) zum Handeln entschieden. Alle Ärzte gaben mir den Rat: in Ihrem Alter vertragen Sie die OP (und derzeit die Strahlentherapie) gut. Bisher hatten Sie recht.

Nach dem Warten kann es zu spät sein, und Du musst überlegen, wie Du mit dem Gedanken "Hätte ich mich damals doch operieren lassen" ggf. leben kannst. Ein metastasierendes PK ist schlechter zu behandeln als der PK im Anfangsstadium, das zeigen viele Beiträge im Forum.

Manfred

tbber08
08.06.2009, 08:33
Hallo Joachim,

schau doch mal unter Veranstaltungen. Am 5 Juli treffen sich
Protonen Therapie Patienten und laden Interessierte ein um
Fragen zu beantworten. Ist bestimmt sehr interessant für Dich.
Ich war 42! als mich in USA behandeln gelassen habe.

Informiere Dich gut über alle Optionen und rede mit Patienten
der einzelnen Therapien.

Grüße Thomas

ulmees
08.06.2009, 15:24
Was mir zu denken gibt, sind:

1. Der hohe spezifische PSA-Wert (6,26 ng/ml bei 30 ml Prostatavolumen) von 0,21 ng/ml2,
2. Der hohe prozentuale Anteil (40%) in der 10ten Stanze und
3. Das Alter von Joachim (46 Jahre).

Dennoch wäre nach dem Capra-Score noch Active Surveillance möglich:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/bild.asp?id=29693
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=64819

Zumindest sollte nach meiner Meinung die Zeit vorhanden sein, die Meinung eines zweiten Pathologen einzuholen und sich gründlich Gedanken über die beste Therapie zu machen, anstatt überstürzt in eine OP zu gehen.

Ich wünsche Dir alles Gute!
Gruß Erwin

marsjürg
09.06.2009, 07:59
Hallo Erwin,
in der Tabelle CAPRA-Score scheint mir nicht logisch zu sein, dass das Risiko bei einem Alter unter 50 geringer sein sollte als über 50 Jahre.
Gruß Jürgen

ulmees
09.06.2009, 09:03
...in der Tabelle CAPRA-Score scheint mir nicht logisch zu sein, dass das Risiko bei einem Alter unter 50 geringer sein sollte als über 50 Jahre.

Hallo Jürgen,

ja, ich habe mir auch schon überlegt, ob hier evtl. ein Druckfehler vorliegt, aber vielleicht wird hier auch das OP-Risiko in höherem Lebensalter zugrunde gelegt: "Allzu lange solltest Du jetzt nicht mehr zuwarten, eine OP wird nun Jahr für Jahr schwieriger."

Hier jedenfalls ist der Aufbau der Tabelle jeweils identisch:
http://www.theeffectivetruth.info/proscapra.html
http://www.pcngcincinnati.org/2007/2007_02.htm

Hier findet sich noch ein Artikel über den CAPRA-Score:
http://www.uroonkologie.de/61+M5533f5f56e9.html
Bemerkenswert ist die Aussage am Schluß:
Cooperberg et al. heben hervor, dass „kein Nomogramm oder Scoring-System die individualisierte ärztliche Entscheidungsfindung in Absprache mit dem Patienten ersetzen kann“. Sie ziehen die Schlussfolgerung: „Wir hoffen, dass sich dieses leistungsstarke und einfache Instrument als wertvolles Werkzeug für die Risikoklassifizierung erweisen wird.“

Gruß Erwin

hartmuth
09.06.2009, 09:55
Hallo Freunde,
wenn alle Männer wenigstens ab 45 Jahren ihren PSA messen lassen (wie eigentlich von uns gewünscht) und wenn alle diese Männer mit PK-Befund sich sofort operieren lassen würden (wie hier teilweise vehement vertreten wird), wieviele Männer wären dann ohne Prostata mit 50 Jahren und wieviele mit 60 Jahren? Wieviele von denen impotent und wieviele inkontinent?
Die Zahlen würden euch erschaudern lassen!
Gebt Active Surveillance mehr Chancen! Ansonsten doch lieber keine PSA-Messung, denn so hätte die „heimliche“ AS ihre Chance und würde mit Sicherheit weniger Schaden anrichten.
Grüße Hartmut

ulmees
09.06.2009, 10:43
Hallo Hartmut,

vielleicht hast Du meinen Thread auch verfolgt (ich müßte schon längst mal einige Werte in mein Profil eintragen, sorry):
http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=4703

Dort (in Beitrag #15) liest Du, dass ich schon längst hätte operiert werden sollen. Ebenfalls findest Du dort die Zweitbefundung meiner Biopsie. Wenn ich mit diesen (derzeit bekannten, das kann sich noch ändern!) Werten in das Sloan-Kettering Vorhersage-Tool gehe ( http://www.mskcc.org/mskcc/html/10088.cfm ), erhalte ich eine Wahrscheinlichkeit von 57%, dass es sich bei mir um einen "indolent cancer" handelt, der mir (hoffentlich) keine Probleme bereiten wird.

Ja, es wird wohl teilweise massiv übertherapiert. Allerdings sollte man schon wissen, was "läuft", und v.a., ob und wie es sich verändert. Insofern möchte ich Deinem Satz "Ansonsten doch lieber keine PSA-Messung, denn so hätte die „heimliche“ AS ihre Chance und würde mit Sicherheit weniger Schaden anrichten." nicht zustimmen.

Gruß Erwin

hartmuth
09.06.2009, 11:00
Hallo Erwin,


Ja, es wird wohl teilweise massiv übertherapiert. Allerdings sollte man schon wissen, was "läuft", und v.a., ob und wie es sich verändert.
Genau darum geht es. Aus meiner Sicht kann man mit relativ "unkritischen" Ausgangswerten durchaus einige Monate die Entwicklung verfolgen ohne ein zu großes Risiko einzugehen. Es kommt darauf an, die Dynamik zu erkennen, und nicht gleich nach der ersten Diagnose sich auf den OP-Tisch zerren zu lassen.

Meinem Satz,

"Ansonsten doch lieber keine PSA-Messung, denn so hätte die „heimliche“ AS ihre Chance und würde mit Sicherheit weniger Schaden anrichten."
stimme ich so isoliert gesehen selbst nicht zu, denn ich bin unbedingt für PSA-Messung. Er bezog sich auf die Szenerie, wo alle ihren PSA messen lassen und bei Befund der sofortigen OP-Empfehlung nachkommen.
Dir alles Gute!

Gruß Hartmut

winfried45
09.06.2009, 12:50
Hallo Joachim,
bei mir wurde der PK im Feb. 2008 festgestellt. Ich war damals kurz vor meinem 45. Geburtstag. Die Ausgangssituation war ähnlich wie bei dir (Gleason 3+3; 2 von 24 Stanzen befallen). Ich habe mich hier im Forum und anderen Medien ausführlich informiert und dann (gemeinsam mit meiner Frau) die Entscheidung für eine radikale OP getroffen, die dann auch Mitte März 2008 durchgeführt wurde.

Ich habe diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Ich denke in unserem Alter gibt es keine Alternative. Bei PK im Anfangsstadium ist die Chance auf nerverhaltende OP sehr groß. Für mich war das zwar auch wichtig; wichtiger war mir jedoch, den Krebs loszuwerden, auch auf die Gefahr hin, dass die Potenz nicht voll wieder zurück kommt.

Ich hatte Glück und einen guten Operateur. Meine anfänglichen kleineren Nebenwirkungen sind inszwischen vollständig verschwunden.

Schau dir mein Profil an. Gerne gebe ich dir weitere Infos in einer privaten Nachricht.

Ich wünsche dir viel Glück bei deiner Entscheidung.

Viele Grüße aus dem Hessenland

Winfried

marsjürg
10.06.2009, 08:27
Hallo Erwin,
mit den weiteren Tabellen kann man einen Druckfehler wohl ausschließen und Du hast vermutlich recht mit dem OP-Risiko, obwohl ja die Tabelle eigentlich eine Einschätzung dafür geben soll, ob eine AS möglich ist.
Gruß Jürgen