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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Testosteronlevel bei DHB nicht im Kastrationsbereich?



cligensa
02.05.2006, 00:14
Gestern schrieb Stephen Strum folgende Information, die ich hiermit übersetze:

Liebe Leute,
als wir vor Jahren anfingen Hormonblockade nach Labrie einzusetzen, war es ziemlich üblich, dass wir Testosteronwerte von weniger als 20 ng/ml (< 0.69 nM/L) gemessen haben. Heutzutage findet man üblicherweise nicht mehr solche niedrigen Werte des Androgenentzuges, was natürlich immer noch das Ziel einer Hormonblockade ist.

Hier müssen die Testosteron-Prüfmethoden mal unter die Lupe genommen werden. Ich hänge hier ein Papier darüber von Taieb et al. dran. (Anm. d. Übers.: ist hier nicht angehängt, weil in englisch und sehr lang)

Die wesentlichen Testosteron-Prüfmethoden taugen nicht viel für eine genaue Bewertung des Testosteron im niedrigen Bereich des Kastrationslevels. Einige Labore bieten entweder RIA (radioimmunoassay) oder LC/GC-MS (liquid chromatography, gas chromatography or mass spectrometry) an, wenn es darum geht, den Testosteronwert bei Frauen und Kindern zu bestimmen, weil diese den üblichen Methoden überlegen sind in dem sie präzisere Werte im unteren Bereich liefern. Wenn man mit RIA oder LC/GC-MS Verfahren getestet werden will, muß der Arzt ganz speziell diesen Test fordern, der für eine Testosteronmessung bei Frauen und Kindern ausgelegt ist. ARUB ist ein Labor, das die LC/GC-MS Methode nutzt, QUEST Diagnosis führt diesen Test unter dem Code # 15983X durch. (Anm. d. Übers.: 2 Labore in den USA)
Für diejenigen von Ihnen, die eine Therapie der Hormonblockade durchführen und nicht einen Werte im Kastrationsbereich, < 20ng/dl oder < 0.69 nM/L, erzielen, sollten diese besonderen Testosteronprüfverfahren verlangen. Das erspart alle möglichen Ängste, Überlegungen und Zeit hinsichtlich der vollständigen Wirksamkeit der Hormonblockade.
Regards,
Stephen

Meine Anmerkung:
Ich erhalte relativ oft die Rückmeldungen von Patienten, die eine DHB durchführen, dass der Kastrationsbereich des Testosteron von < 20ng/ml oder 0,69 nM/L nicht erreicht wird. Die gängigen Tests auf Testosteron (die auch in dem Artikel genannt sind), sind also alle unzuverlässig im niedrigen Bereich, und dieser kommt eben bei Kindern, Frauen und Männern in der Hormonblockade mit LH-RH-Analogon (Depotspritze) vor. Um sicher zu gehen, dass die Hormonblockade erfolgreich ist, braucht man also dafür einen guten Test, es soll ja nicht am falschen Messwert falsch beurteilt werden.
Stephen Strum gibt zwei Labore in den US an, die einen solchen genaueren Test durchführen. Welche Labore hier in Deutschland entsprechende Methoden zur Messung bei Frauen und Kindern einsetzen, sollte herausgefunden werden, so dass die Patienten, die einen Kastrationslevel zu erwarten haben ( und z.B. den unmeßbaren PSA-Wert nicht oder nicht so schnell erreichen, wie zu erwarten) auch dort Messungen vornehmen lassen können. Ob den auch in Deutschland die Kassen zahlen, ist eine offene Frage? Das sollten sie aber, falls die Urologen davon überzeugt werden können, dass es wichtig ist, die Wirksamkeit der verschriebenen Medikament zu überprüfen. Weshalb viele Urologen wenig Neigung verspüren, den Testosteronlevel zu messen, verstehe ich eigentlich nicht. Aber das ist leider häufig so.
Auf jeden Fall braucht mal also keine übermäßig großen Sorgen zu haben, wenn mit den üblichen Verfahren der Kastrationslevel nicht erreicht wird. Das liegt dann mit großer Wahrscheinlichkeit am Messverfahren.
Grüße
Christian

AchimS
02.05.2006, 10:45
Auch ich habe bei meiner DHB nicht den Kastrationslevel von 0,2 ng/ml erreicht, aber bisher noch keine genauere Messung veranlasst, da mein PSA-Wert nach Plan weiter sinkt (nach 4 Monaten PSA= 0,09)

Wenn der PSA-Wert weiter in Richtung 0.01 wandert, obwohl der Testosteron-Level bei z.B. 0,5 stagniert, müßte das doch ein Indiz dafür sein, daß das Testosteron in Wirklichkeit niedriger ist. Sonst würde doch mehr PSA produziert.

Im umgekehrten Fall, PSA sinkt nicht unter 0,1, obwohl Testosteron unter 0,2 gefallen ist, wäre eine genauere Testosteronbestimmung sicher sinnvoll , um festzustellen, welche Ursache zum erhöhten PSA-Nadir führt, ein in Wirklichkeit höherer Testosteron-Spiegel oder hormon-unabhängige PK-Zellen.

Und was wäre dann zu tun?

Achim

cligensa
02.05.2006, 15:09
Hallo Achim,
im Deinem Fall ist es wohl kein großers Risiko, wenn du keinen supersensitiven Testosterontest durchführen läßt, sondern eher darauf vertraust, dass der Test mit großer Wahrscheinlichkeit falsch ist. Im umgekehrten Fall ist es sehr viel schwieriger. Ich kenne allerdings erst einen einzigen Fall, bei dem genau das vorgekommen ist: trotz Testosteron im Kastrationsbereich sinkt der PSA über 13 Monate nicht ein einziges Mal unter den Wert von 0,1, sondern bleibt immer knapp drüber. Dabei waren die Ausgagswerte mit Gleason Score 7 und PSA unter 10 als recht günstig zu bewerten. Hier ist als erstes eine Zweitmeinung der Gewebeprobenuntersuchung beim Pathologen einzuholen, ganz sicher sollte auch der Testosteronwert mit den sensiblen Verfahren, die eigentlich für Frauen und Kinder vorgesehen sind, überprüft werden und natürlich auch die PSA-Meßverfahren näher unter die Lupe genommen werden.
Ich wäre dankbar, wenn Du oder ein anderer Leser des Forums sich die Mühe machte und herausfindet, wo in Deutschland eines oder beide Verfahren, die Dr. Strum nennt: RIA (radioimmunoassay) oder LC/GC-MS (liquid chromatography, gas chromatography or mass spectrometry), durchgeführt werden können. Ein Frauenarzt sollte das eigentlich wissen. Mir fehlt die Zeit dazu.
Grüße
Christian

HansiB
05.05.2006, 16:41
Hallo Christian,

mein Onkologe lässt meine Testosteronwerte im Labor Dr. Schottdorf, August-Wessels-Str. 5 in 86154 Augsburg, Telefon-Nr. 0821 4201 - 0 bestimmen. Auf den Ergbnisblättern steht bei Testoseron RIA dabei.

Viele Grüße
Hans

Siegmar
05.05.2006, 21:29
Hallo,
das Laboratorium für Immunologie, Serologie, klin. Chemie, Mikrobiologie in Berlin (Tel. 030/890-645-0, Fax 030/890-645-92, E-Mail info@medizinlabor-berlin.de) bietet Testosteronbestimmung gesamt (Immunoassay) und freies Testosteron (RIA) an.

Gruß

Siegmar

cligensa
05.05.2006, 22:42
Danke HansiB und Sigmar,
offensichtlich gibt es beide Verfahren gar nicht so selten hier in Deutschland. Aber der Urologe muß diese Verfahren ausdrücklich anfordern, wenn genau gemessen werden soll.
Allen, die den Kastrationsbereich von Testosteron (< 20 ng/ml und < 0.69 nM/L) unter Hormonblockade nicht erreichen, ist also eine Messung mit diesen Prüfverfahren zu empfehlen. Aber: auch die Nebennieren produzieren Testosteron, dessen Ausmaß individuell von Mann zu Mann unterschiedlich sein kann.
Grüße
Christian