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Alleswirdgut
08.08.2006, 17:16
Hallo,
so lautet der Bericht des Krankenhauses, in dem bei meinem Schwiegervater Prostat-Krebs festgestellt wurde, an seinen Hausarzt. Kann mir das jemand übersetzen? Wie ernst ist die Lage??

DAAAANKEEE!

incidentelles Prostatacarcinom, T1b, G2, G6(ED)
asymptomatischer Kelchstein Niere links
Refluxösophagitis
*
Therapie: Vasoresektion bds. und TUR-Prostata (14g) am 1.8.06
*
Resektatspäne von der Prostata mit Anteilen eines mäßig differenzierten
Adenokarzinoms der Prostata (G2, Gleason Score 6=3+3). Das Karzinom
betrifft etwa knapp 50% des übersandten Resektatmaterials.
*
Therapie: (diagnostische Lap-Lymphadenektomie und perkutante Radiatio im Verlauf)

RalfDm
08.08.2006, 20:35
Hallo "Alleswirdgut" (ein menschlicher Vorname wäre schöner, es muss ja nicht der richtige sein).

Also:

incidentelles Prostatacarcinom, T1b, G2, G6(ED)
= zufällig entdecktes Karzinom, mittlere Aggressivität (Gleason-Summe = 6), es besteht eine erektile Dysfunktion;

asymptomatischer Kelchstein Niere links
Refluxösophagitis
= hat beides mit dem PK nichts zu tun, in einem Nierenkelch hat sich Kalk abgelagert, was aber keine Beschwerden verursacht, und Dein Vater leidet an Sodbrennen.

Vasoresektion bds. und TUR-Prostata (14g) am 1.8.06
= es wurden operativ die Samenblasen entfernt, die Prostata wurde durch die Harnröhre abgetragen (abgehobelt) und die Trümmer wogen 14 g.

Resektatspäne von der Prostata mit Anteilen eines mäßig differenzierten
Adenokarzinoms der Prostata (G2, Gleason Score 6=3+3). Das Karzinom
betrifft etwa knapp 50% des übersandten Resektatmaterials.

= in den "Hobelspänen" wurden Kebszellen festgestellt, gemäß der o.g. Einstufung, es waren knapp 50 % der Prostata mit Krebs durchsetzt, was allerdings schon ziemlich viel ist.

Therapie: (diagnostische Lap-Lymphadenektomie und perkutante Radiatio im Verlauf)
= als Behandlung ist vorgesehen, Beckenlymphknoten laparoskopisch (= "Schlüssellochchirurgie") zu entfernen und anschließend die Prostataumgebung extern zu bestrahlen (perkutan = durch die Haut). Warum nicht die gesamte Prostata zusammen mit den Samenblasen operativ entfernt wurde statt durch die Harnröhre, ist unklar. Möglich ist, dass die Prostata zunächst nur wegen Problemen beim Wasserlassen abgehobelt wurde, und dass man dabei in den "Hobelspänen" den Krebsbefall bemerkte. Das würde zu dem Befund "incidentell" (zufällig) passen.

Die Lage ist nicht dramatisch. Von Metastasen ist nicht die Rede, es könnte also sein, dass alles noch "drin" war. Ob die Samenblasen und ein Teil der Lymphknoten befallen war, oder ob die Entnahme eine Routinemaßnahme ist, geht aus dem Befund nicht hervor. Allerdings war der Krebsbefall der Drüse schon ziemlich fortgeschritten und damit ist das Risiko recht hoch, dass der Krebs sich schon weiter ausgebreitet hat, als durch die lokalen Maßnahmen Lymphknotenentfernung und Bestrahlung eingedämmt werden kann. Es kann also sein, dass später eine permanente (z. B. antihormonelle) weitere Behandlung nötig sein wird.

Ralf

Alleswirdgut
09.08.2006, 10:56
das war wirklich sehr informativ. Vielen herzlichen Dank. Der Krebs wurde tatsächlich bei einem Routineeingriff entdeckt. Es gab Probleme beim Wasser lassen. Eine schwierige Frage – aber wie schätzt du die Chancen ein?

Danke und Grüße,
Olli (der richtige Name ;-)

RalfDm
09.08.2006, 14:51
Eine schwierige Frage – aber wie schätzt du die Chancen ein?


Hallo Olli,

ich bin nicht der liebe Gott, aber Dein Vater wird Dir sicher noch eine Reihe von Jahren erhalten bleiben. Andere Krebse sind da ganz anders - Bauchspeicheldrüsenkrebs z. B. Durchschnittliche Überlebenszeit: Sechs Monate. Übrigens - Prostatakrebs ist nicht die einzige potenzielle Todesursache bei Männern, man kann auch an etwas ganz anderem sterben, mit PK.

Ralf