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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : viele fragen im krebstschungel



cathleen
13.08.2006, 20:06
hallo!mein vater hat vor ca. 8 wochen die daignose prostatakrebs bekommen. fürs erste hab ich gedacht das ist sch...., aber das bekommt man wieder in den griff, ist bestimmt erst am anfang, da mein vater seit ca. 10 jahren regelmässig zum urologen gegangen ist.das komische an dieser sache ist mein vater hatte immer relativ gute werte, der letzte PSA wert war bei 2,5. also keine anzeichen für krebs. nur auf drängen meiner mutter und nachdem mein vater masive probleme bekommen hatte, ist eine biopsie durchgeführt wurden --> krebs. dann mußte er in die "RÖHRE" , hm nächster hammer eine kleine metastase irgendwo im kleinen becken(weiß nicht genau an welchen knochen). sch....!!! dann ist er ins KH gekommen um nochmal genauer zu untersuchen und even. wegen einer chemo-puh!!! und dort hatten sie den verdacht das der tumor auch schon die blase mit angegriffen hat- blasenspiegellung mit gwebeentnahme. dieser verdacht hat sich aber got sei dank nicht bestätigt. er ist wieder entlassen wurden, unheilbar bzw. geht nicht zu operieren , aber mit nem termin zur bestrahlung. auch nicht so toll. ich habe angst das es meinem vater, dem es jetzt bis auf miktionsstöhrungen doch gut geht, während der bestrahlung dann richtig schlecht geht und es überhaupt nix bringt außer problemen. achso er bekommt gleichzeitig jetzt aller nem monat ne LHRH-Analoga spritze enantone. und außerdem wollen sie ne knochenstabiliesierung machen mit Biphosphonaten. hat wer erfahrungen mit naturheilverfahren in so einem fall? ich wäre über infos oder eigene erfahrungen echt dankbar, was nun das beste wäre!!!ich hab angst um meinen vater!!!!
Cathleen
PS: habe auf meinem Profil mal die diagnose und befunde vom KH reingeschrieben! kann mir das mal wer übersetzen? ich kann mit einigen wörtern nix anfangen!!!

jürgvw
13.08.2006, 20:36
Hallo Cathleen

Naturheilverfahren zur Bekämpfung eines metastasierten Prostatakrebses kann ich Dir guten Gewissens nicht empfehlen. Damit ich richtig verstanden werde: ich bin überzeugt, dass Naturheilmittel wertvolle Dienste zur Unterstützung einer konventionellen Therapie leisten können. Und ich will auch nicht ausschliessen, dass es Fälle gibt, bei denen ohne schulmedizinische Therapie eine Besserung der Erkrankung eintritt, doch ich würde es nicht wagen, mich darauf zu verlassen.

Deine Bedenken hinsichtlich einer Bestrahlung begreife ich durchaus, und ich empfehle Dir, Deinem Vater zu raten, sich das gründlich zu überlegen. Mit der nun eingeleiteten Therapie liegt er auf jeden Fall nicht falsch und hat Zeit, zu überlegen, ob er sich einfach mit einer Therapie abfinden solle, die ihm angeboten wird, oder ob es besser wäre, sich umfassend über die Vor- und Nachteile der Therapiemöglichkeiten beraten zu lassen. Dazu gehört zum Beispiel das Einholen einer Zweitmeinung. Was hat eigentlich die Biopsie ergeben? Den sog. Gleason-Score (zwei Zahlen zwischen zwei und fünf) solltest Du noch ins Forum setzen, weil hinsichtlich der Therapie eine Rolle spielt, wie aggressiv der Krebs ist.

Zur Chemo sagst Du „puh“. Da bin ich nun nicht so ganz einverstanden. Klar, wenn man ohne Chemo zu einer Stabilisierung oder Verbesserung kommt, dann ist das bestens. Es hat sich aber gezeigt, dass unter Umständen der frühzeitige Einsatz von Chemo als Ergänzung zu konventionellen Therapeutika sinnvoll sein kann (man nennt das adjuvante Chemotherapie). Ich würde daher nicht einfach „puh“ sagen, sondern dafür sorgen, dass sich neben dem Urologen auch ein Onkologe mit Deinem Vater befasst und mithilft, die für ihn optimale Therapie zu finden.

Du suchst nach Auskünften aus eigener Erfahrung. Ich bekam meine Diagnose vor nunmehr rund sechs Jahren mit PSA > 200 und Lymphknotenmetastasen, Gleason im Bereich von 7 bis 8. Mit einer Hormontherapie kam ich bis vor kurzem durch und stellte nun auf Chemo um. Aber ich verliess mich nicht allein auf die Therapie, sondern sorgte dafür, dass mein Immunsystem möglichst intakt und kampfkräftig blieb, und ich glaube, dass sich das gelohnt hat.

Deinem Vater wünscht alles Gute

Jürg

cathleen
13.08.2006, 21:03
danke für deine antwort, ich habe auf dem profil noch alle offenen informationen zusammen getragen die ich dem kh bericht entnehmen konnte. eine 2. meinung haben wir uns auch schon eingeholt. das war aber vor dem kh aufenthalt. weiß nicht ob das so gut war. naja dieser urologe hatte auch eine bestrahlung vorgeschlagen, was ja nun die empfehlung vom kh unterstreicht.es geht jetzt alles ziemlich schnell und von den ärzten bekommt man keine so richtigen klaren antworten, so bin ich hier gelandet.meine mutter+ schwester machen dem bis jetzt behandeltem urologen starke vorwürfe das er das alles nicht schon früher erkannt hat. ich bin zwar auch über einige gelaufene sachen sauer, aber ändern können wir jetzt nix mehr an der diagnose. ich möchte gern das mein vater noch ein paar schöne jahre hat (auch darüber läst sich keiner aus wie die tatsächliche stand der dinge ist) ohne schmerzen.
auch für dich alles gute
cathleen

jürgvw
13.08.2006, 22:04
Liebe Cathleen

Ich habe nun die PK-Geschichte Deines Vaters im Profil durchgesehen und mache mir dazu zwei Überlegungen:

Offensichtlich ist eine Knochenmetastase nachgewiesen; das legt den Verdacht nahe, dass auch andere Metastasen (Lymphknoten oder Knochen) vorhanden sind, die zu klein sind, um mit bildgebenden Verfahren entdeckt zu werden. Ich frage mich ernstlich, welche Absichten mit einer Bestrahlung verfolgt werden, und mir scheint wirklich wichtig, dass sich Dein Vater sehr energisch darum bemüht, in dieser Hinsicht zuverlässige Auskünfte zu bekommen. Eine Bestrahlung quasi "ins Blaue" könnte unter Umständen mehr Nach- als Vorteile bringen. Weiss man dagegen, wo das Bestrahlungsziel liegt, und darf man damit rechnen, einen Therapieerfolg erzielen zu können, dann sieht die Sache anders aus. Wichtig wäre es übrigens auch, welcher Art die vorgeschlagene Bestrahlung sein sollte; es gibt da sehr verschiedene Möglichkeiten.

Gleason-Werte 4+3 sind ernst zu nehmen, aber doch nicht etwa ein Grund, den Mut und die Zuversicht zu verlieren. Sicher dürfte mit einer Hormontherapie (mindestens mit zwei, oder drei Komponenten) etwas zu rreichen sein, und Zometa drängt sich wegen der Knochenmetastasen ohnehin auf.

Nochmals: alles Gute für Deinen Vater!

Jürg

PeterP
13.08.2006, 22:20
Hallo cathleen,
mir kommt diese ganze Geschichte etwas spanisch vor. Ein Cleason Score von 4+3 mit Knochenmetastase passt im Normalfall nicht zu einem PSA von 2,5. Dieser Wert ist für einen 70er im Prinzip noch im Graubereich.
Eine Möglichkeit ist, daß die Biopsie überbewertet wurde und die Beckenknochenmetastase durch irgend eine Entzündung "erzeugt" wurde, die das Knochenszintigramm ebenfalls anzeigt.
Die andere wäre eine Prostatkrebsvariante, die keine oder nur geringe PSA-Erhöhung erzeugt. Es wurde ja auch eine gutartige Prostata-Entzündung in einer Stanze festgestellt.
Beide Möglichkeiten verlangen aber nach einer genaueren Abklärung. Diese sollte in Form einer nochmaligen Begutachtung der Biopsie von einem sehr erfahrenen Pathologen erfolgen. Es können dabei auch weitere wichtige Tumormarker aus dem Gewebe bestimmt werden, die für die Therapie-Entscheidung oder auch -Möglichkeiten sehr wichtig sind. Insbesondere die 2. genannte Möglichkeit würde eine angepaßte Therapie verlangen, die nur anhand dieser Untersuchungen möglich ist.
Die Knochenstabilisierung mit Bisphosphonaten, wahrscheinlich Zometa-Infusion, ist im Prinzip gut, kann aber auch ganz kräftige Nebenwirkungen erzeugen.
Viel Erfolg
PeterP

zuerij
14.08.2006, 13:17
Die Knochenstabilisierung mit Bisphosphonaten, wahrscheinlich Zometa-Infusion, ist im Prinzip gut, kann aber auch ganz kräftige Nebenwirkungen erzeugen.
PeterP
Hallo Peter,
Diese Bemerkung möchte ich nicht einfach so stehen lassen. Zometa o.ä. ist ein Muss bei Hormonblockade. Es aber sonst einfach so ins Blaue zu verabreichen, wird kaum ein Arzt veranlassen, oder? Ich bekomme Zometa seit über einem Jahr, Nebenwirkungen Null. Im Hintergrund lauert die minime Gefahr einer Kiefernekrose. Mein Okologe beruhigt mich, die Wahrscheinlichkeit sei so minim, dass die Ärzte sie (noch?) vernachlässigen.
Gruss an alle hier
Z.

jürgvw
14.08.2006, 14:43
Hallo Peter

Zuerij hat aus meiner Sicht vollkommen recht; ohne Zometa bei Knochenmetastasen zu kutschieren, das sieht aus wie eine Fahrt nicht ins Blaue, sondern ins Schwarze.

Eine kleine Ergänzung hinsichtlich der Nebenwirkungen: Die Herstellerfirma empfiehlt, die Infusion sollte mindestens 15 Minuten dauern. Im alten Forum wurde schon festgehalten, dass diese Applikation zwar nicht gesundheitsschädigend, aber mit deutlichen und lästigen Nebenwirkungen verbunden sein kann; man kriegt oft so etwas wie Grippesymptome (leichtes Fieber, Gliederschmerzen usw.), die über mehrere Tage anhalten können. Es wurde berichtet, dass mit stärkerer Verdünnung und längerer Infusionsdauer diese Symptome weitgehend entfallen.

Ich verspürte die erwähnten Nebenwirkungen bei der ersten Infusion; seither sorge ich dafür, dass Zometa in mindestens 500 ml NaCl verabreicht wird, und dass die Infusion eine Stunde dauert. Nebenwirkungen verspürte ich seither nicht mehr.

Gruss

Jürg

PeterP
14.08.2006, 23:45
Hallo zurij und Jürg,
in meinem Beitrag habe geschrieben: ..die Infusion von Zometa ist im Prinzip gut, ..... - das meine ich auch so, ohne wenn und aber (ich nehme es selbner auch und gehöre zu den glücklichen, denen es auch keinerlei Probleme bereitet). Ich habe lediglich darauf hingewiesen, daß es auch kräftige Nebenwirkungen haben kann. Aufgrund eigener Erfahrungen im Bekanntenkreis mache ich das schon der Fairness gegen cathleen halber, die es möglicherweise noch nicht weiß. Die Reaktionen sind mitunter sehr heftig. Ich rate allen, die Beiträge über Zometa im alten Forum einmal durchzulesen!
Aber auch eines ist zu bedeken: Cathleen´s Vater benötigt möglicherweise zur HB eine agressive Chemo als primäre Therapie, die auf jedenfall 1. Priorität hat und die ihn möglicherweise bis an die Grenze belastet.
Das sollte m.E. nicht gefährdet werden. Es werden zwischen den Chemo-Infusionen auch kleine Pausen gemacht, die z.B. für Zometa verwendet werden können.
Aber Vorsicht ist immer geboten, eine Infusion kann nicht wieder rückgängig gemacht werden!
Eine Infusionsdauer von 15 Min. für Zometa halte ich ebenfalls für viel zu kurz. Jürg schreibt das völlig richtig. Vermutlich ist die zu schnelle Infusion bei vielen der Grund für die Komplikationen.
Viele Grüße
PeterP