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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Diagnose bei Vater



kiki79
02.04.2010, 09:07
Hallo!
Ich bin ganz neu hier, mein Vater (52) hat die Diagnose vor einer Woche erhalten. Er hatte Probleme beim Wasserlassen und ist dann zum Arzt, der einen PSA von über 700 festgestellt hat. Von den 10 Biopsieproben waren auch alle verändert, allerdings kenne ich nicht seinen Gleason-Score. Jetzt hat er bald eine Untersuchung, wo überprüft werden soll, ob / wo sich Metastasen gebildet haben.
Gestern habe ich mich umfassend auf den vorgeschlagenen Seiten informiert und fand das schon mal sehr hilfreich. Über so hohe Werte habe ich aber leider nur sehr wenig im Internet gefunden, auch nach googeln und 20 ist ja immer schon ein sehr hoher Wert. Daher habe ich nun einige Fragen, über deren Antwort ich mich sehr sehr freuen würde.

1) Heißt der hohe Wert in jedem Fall, dass Metastasen vorliegen? Mein Vater hatte vor 1,5Jahren einen "Bandscheibenvorfall" und ihn plagen seit einiger Zeit "Hämorrhoiden", ich habe da ein mulmiges Gefühl.

2) Bedeutet Metastasierung gleichzeitig, dass eine vollkommene Heilung ausgeschlossen ist?

3) Wie lange wird er bei so einem hohen Wert den Krebs vermutlich schon in sich tragen? Mir ist klar, dass es da auch auf diese Verdopplungszeit ankommt; nach allem, was ich aber so gelesen hab, sind ja wohl PK mit hohem PSA-Wert nicht so aggressiv und eher langsam wachsend. (??) Kann es also sein, dass er das seit 10 Jahren in sich trägt, er sich immer mehr ausgebreitet hat oder ist das eher unwahrscheinlich? Er war nie bei der Vorsorge, obwohl er durch seinen Vater erblich vorbelastet ist.

4) Er ist mit Anfang 50 noch sehr jung für ein PK, oder? Auf der anderen Seite kenne ich allein 2 Männer, die das im letzten Jahr auch hatten, auch in seinem Alter, allerdings bei der Vorsorge entdeckt.

Vielen Dank!

BurgerH
02.04.2010, 09:52
1) Heißt der hohe Wert in jedem Fall, dass Metastasen vorliegen? Mein Vater hatte vor 1,5Jahren einen "Bandscheibenvorfall" und ihn plagen seit einiger Zeit "Hämorrhoiden", ich habe da ein mulmiges Gefühl.

2) Bedeutet Metastasierung gleichzeitig, dass eine vollkommene Heilung ausgeschlossen ist?

3) Wie lange wird er bei so einem hohen Wert den Krebs vermutlich schon in sich tragen? Mir ist klar, dass es da auch auf diese Verdopplungszeit ankommt; nach allem, was ich aber so gelesen hab, sind ja wohl PK mit hohem PSA-Wert nicht so aggressiv und eher langsam wachsend. (??) Kann es also sein, dass er das seit 10 Jahren in sich trägt, er sich immer mehr ausgebreitet hat oder ist das eher unwahrscheinlich? Er war nie bei der Vorsorge, obwohl er durch seinen Vater erblich vorbelastet ist.

4) Er ist mit Anfang 50 noch sehr jung für ein PK, oder? Auf der anderen Seite kenne ich allein 2 Männer, die das im letzten Jahr auch hatten,
auch in seinem Alter, allerdings bei der Vorsorge entdeckt.


Hallo,

zu 1: Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja!
zu 2: Ja, ein metastasierter Prostatakrebs ist nicht mehr heilbar, nur noch aufzuhalten oder durch eine Hormontherapie im günstigen Fall für einige Zeit zu stoppen
zu 3: Bestimmt schon einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte . Die Aggressivität wird durch den Gleason Score bestimmt. Nicht durch den PSA. Kopie des Biopsiebefundes vom Urologen verlangen!
zu 4: Durch die PSA-Bestimmung werden im Gegensatz zu früher immer mehr junge Betroffene entdeckt. Ihr Vater ist mit Anfang 50 leider derzeit keine Ausnahme mehr, aber trotzdem noch recht jung.

Alles Gute!

Hansjörg Burger
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar e.V.

RalfDm
02.04.2010, 10:31
Hallo kiki79,

Hansjörgs Antworten stimme ich zu. Ich habe in den über neun Jahren, seit ich selbst diagnostiziert wurde und mich mit dieser Krankheit beschäftige, die Erfahrung gemacht, dass bei einer ausgedehnten Metastasierung ein hoher PSA-Wert eher wünschenswert ist als ein niedriger.

Siehe dazu diesen Bericht (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?5569-aPSA-4818-Intermittierende-DHB-und-2HB-seit-Sept-2005&p=46935#post46935) eines entsprechend Betroffenen und dieses Benutzerprofil (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?448-VolkerCz) eines anderen. Ich habe auch Fälle von Skelettmetastasierung bei relativ niedrigem PSA-Wert (um die 20 ng/ml) kennengelernt, und diese Männer hatten eindeutig die schlechteren Karten.

Dein Vater sollte jetzt unbedingt etwas zur Stärkung der Knochen tun. Abgesehen davon, dass in dieser Situation das Verabreichen eines Bisphosphonats (heute in der Regel Zometa) unbedingt indiziert ist, sollte er Vitamin D3 ("Vigantoletten 1000", rezeptfrei aus der Apotheke) und Bor (("Boron"), hier (http://www.nutrio-shop.com/) unter "Mineralstoffe/Spuren" online zu bestellen) sowie kalziumeiches Mineralwasser wie Gerolsteiner zu sich nehmen. Zum Element Bor bei Prostatakrebs gibt es diesen Artikel (http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Strum_zu_Bor.pdf). Der Verfasser, Dr. Stephen Strum, ist ein amerikanischer Onkologe, der sich ausschließlich mit dem Prostatakrebs beschäftigt, und das seit über 30 Jahren.

Ralf

Anonymous2
02.04.2010, 10:36
Hallo,
so wie bereits angedeutet, ist der Diagnosestand bei Ihrem Vater sehr ernst und es sollten die notwendigen Therapieentscheidung sehr zügig erfolgen.
Leider ist davon auszugehen, dass der Prostatakrebs nicht mehr lokal behandelt werden kann. Die bekannten Rahmendaten deuten auf eine systemische Erkrankung des gesamten Körpers hin. Grundsätzlich sollte so ein Krankheitsbild von einem Onkologen (der tatsächlich Erfahrungen aus der Behandlung eines fortgeschrittenen Prostatkrebses hat) therapiert werden. Bitte klären Sie durch gezieltes Nachfragen ob der behandelnde Uologe entsprechend ausgebildet ist und die Erfahrungen hat.

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<o:p></o:p>

Anonymous3
02.04.2010, 10:55
Kiki,
hallo und willkommen !

Dein Vater darf sich glücklich schätzen, jemand an seiner Seite zu haben, der das mit ihm durchsteht. Noch besser wäre es natürlich er würde sich selbst etwas einbringen. Letzendlich muss ER an den eingeschlagenen Weg glauben, nicht Du ! Er ist in meinem Alter und das sieht bei ihm ziemlich erst aus. Wie mein Dok am Montag zu mir sagte "Risikofaktor das Alter bei Ihnen...".

Dem hier geschriebenen stimme ich in soweit zu, dass es wohl auf ein systemisches Geschehen hinausläuft. Leider.

Wichtig ist jetzt nicht den Kopf zu verlieren, nicht in Aktionismus oder Depressionen zu verfallen. Dabei kannst Du ganz viel Hilfe bieten.

Zu den Therapieoptionen: "Vor der Therapie kommt die Diagnose" hört sich simpel an, macht aber fast niemand. Jetzt kommen gleich die Evidenzfanatiker, die meinen, Diagnose ohne direkte Therapieoption bringt nichts! Ich sehe das anders. Je mehr Infos man hat umso besser. Nicht alles wird direkt Lebenszeitverlängernd wirken, aber Erkenntnisgewinn ist niemals falsch. Falls Du da Infos brauchst, informiere Dich hier, oder schreib mir mal...

Soweit es geht - ein schönes Osterfest !

Andi

kiki79
02.04.2010, 11:28
Vielen Dank bereits für die Informationen, Sie alle haben mir damit bereits sehr weitergeholfen.
Die Tatsache, dass man anscheinend auch bei hohem PSA und schlechter Startdiagnose noch ein wenig leben kann in guter Lebensqualität, freut mich und ich hoffe sehr, dass es bei meinem Vater genauso sein wird. Er lebt leider allein und auch sehr ungesund, mag nicht über das Thema sprechen. Ich möchte mich aber schlau machen, um bei Bedarf dann doch Ideen parat zu haben. Meine Eltern sind beide Vorsorgeuntersuchungen gegenüber sehr negativ eingestellt und bei meinem Vater scheint sich dies nun zu rächen. Die Aussage von BurgerH macht mich nachdenklich - wohl schon einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte.. Und das mit Anfang 50! Ich dachte, Prostatakrebs entstünde frühestens mit um die 40/Mitte 40?!?
Nun kann ich selbst als Frau ja nicht an Prostatakrebs erkranken, gibt es für mich dennoch ein erhöhtes Risiko für gewisse Krebsarten? Und ist mein Sohn, also der Enkel meines Vaters, somit auch erblich vorbelastet? Im Moment ist er erst 2 Jahre alt, aber auch hier wäre es mir wichtig, ihn später gut darüber informieren zu können.
Die beiden Leitfäden zum ersten Rat nach der Diagnose habe ich bereits gelesen, auch hier vielen Dank.

RalfDm
02.04.2010, 11:45
Ich dachte, Prostatakrebs entstünde frühestens mit um die 40/Mitte 40?!?

Ab da ist er ggf. nachweisbar. Untersuchungen z. B. an amerikanischen Gefallenen des Korea-Kriegs Anfang der 1950-Jahre zeigten, dass etwa 30 % der 30- bis 40-Jährigen bereits kleine Krebsherde in der Prostata hatten, das steigerte sich dann kontinuierlich mit dem Lebensalter.

Nun kann ich selbst als Frau ja nicht an Prostatakrebs erkranken, gibt es für mich dennoch ein erhöhtes Risiko für gewisse Krebsarten?
Es besteht ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs. Ich kenne das aus meiner eigenen Familie. Mein Großvater mütterlicherseits starb mit 89, wahrscheinlich an Prostatakrebs. Meine Mutter bekam mit 40 Jahren Brustkrebs, hat ihn aber überlebt. Bei mir wurde dann mit 56 Jahren Prostatakrebs festgestellt. Das beantwortet dann gleich die nächste Frage:

Und ist mein Sohn, also der Enkel meines Vaters, somit auch erblich vorbelastet? Im Moment ist er erst 2 Jahre alt, aber auch hier wäre es mir wichtig, ihn später gut darüber informieren zu können.
Die Konsequenz: Nach heutigem Wissenstand sollte er ab dem 40. Lebensjahr zur Prostatakrebs-Früherkennung einschließlich PSA-Bestimmung gehen. Was man in 38 Jahren empfehlen wird, wissen wir natürlich heute nicht.

Ralf

Günter55
02.04.2010, 14:45
Hallo Kiki!

Zu BurgerH und RalfDm ist nichts mehr zu sagen. Mein PK dürfte ähnlich dem deines Vaters sein. Lese daher mein Profil.

Nächste Schritte:

CT
Knochenzsintigraphie
Bestrahlung der Brustdrüsen
Hormonblockade
ev. weiter Schritte

Liebe Grüße
Günter

Wycliff
04.04.2010, 16:27
Und ist mein Sohn, also der Enkel meines Vaters, somit auch erblich vorbelastet?. ja .. jeder gute Arzt fragt nach erblichen Vorbelastungen in der Familie , weil Krebszellen sich auch erblich bedingt leichter bilden koennen , muss aber nicht sein , aber die Warscheinlichkeit ist hoeher ...

kiki79
05.04.2010, 09:47
danke schon mal wieder für eure antworten. bezüglich der vererbung habe ich mittlerweile relativ viel gelesen und hab dabei folgendes gefunden:
beim prostatakrebs hat man im wesentlichen hpc1 als vererbten "auslöser" für PK feststellen können, wobei dort auch häufig noch andere, nicht identifizierte faktoren eine rolle spielen.
beim brustkrebs ist es dagegen ganz klar identifiziert, es sind durch die vererbungsvariante dagegen brca1 und brca2. (wenn man diese gene besitzt, besteht ein BK-risiko von 85%).
wenn in einer familie also erblicher BK aufgetreten ist, ist die wahrscheinlichkeit für ein männliches familienmitglied größer, auch an BK oder PK (wie gesagt, auch diese anderen faktoren...) zu erkranken. ich habe aber bislang nicht gefunden, dass das auftreten von PK in der familie (ohne auftreten von BK bei weiblichen familienmitgliedern) das BK-risiko erhöht.

vielleicht mag sich ja jemand dazu äußern, in jedem fall werde ich auch beim nächsten besuch mit meinem frauenarzt drüber sprechen.