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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : frage zum onko-biogramm



errut1
21.12.2010, 17:32
mein urologe hat mich zur weiteren beratung zu einem kollegen der onkologie geschickt: als ergebnis dieses gesprächs, das entlang meiner historie verlief, wurden von ihm zwei alternativen vorgeschlagen:
a.) beginn einer intermittierenden zoladex-therapie
b.)nochmal psa-messung ende februar 2011 abwarten, um dann ein onko-biogramm anhand der biopsie-proben des originären erstbefundes zu erstellen.
dann entscheidung, ob ein weiteres pet z.b. in einem institut in nimwegen erstellt wird. das institut in nimwegen soll besonders hochauflösende bilder liefern. dann weitere entscheidungen.
jetzt bin ich natürlich unschlüssig: welchen einfuss hat ein onko-biogramm auf die festlegung der mittel für die adt?
hier im forum habe ich gelesen, dass man für ein pet mindestens bis zu einem psa-wert von 0.8 warten muss(ich würde bei einem positiven pet gegebenenfalls auch an operative massnahmen denken, falls das möglich wäre).
ist bei einem späteren beginn einer doch dann notwendigen hormontherapie zeit "verschenkt" worden?
nach welchen kriterien werden medikamente wie zoladex eigentlich ausgewählt?
vielleicht bin ich auch zu sehr ingenieur mit diesen fragen.
aber ich würde mich über kommentare freuen.
man kann in meinem zeitlichen psa-verlauf gut erkennen, dass immuntherapeutische massnahmen verzögernde wirkung auslösen.

Heribert
21.12.2010, 21:57
Hallo,
Ich kenne die Untersuchung als immunhistochemische und molekularbiologische Analyse.
Diese Untersuchung macht eine Aussage z.B. über die endokrine Sensivität, sagt also, in wieweit Tumorzellen bereits zum damaligen Zeitpunkt hormonrefraktär waren. Sie reflektiert die Wachstumsaktivität des Tumors zum Entnahmezeitpunkt. Die Untersuchung ist erheblich umfangreicher, auch teurer, würde aber eine etwas verlässlichere Aussage machen, welche Therapie am Sinnvollsten ist, das Tumorgeschehen zu hemmen.

Optimal wäre, wenn man per Biopsie den jetzigen Zustand zum Vergleich heranziehen könnte, was natürlich im Regelfall nicht möglich ist.

Gruß Heribert

errut1
25.12.2010, 09:18
ich bin in diesem thema ziemlich unbedarft: ist das gleichzusetzen mit markerprofilen?
andere frage ans forum: möchte eventuell klinik aufsuchen, die besonders biomedizinische immuntherapien anbieten bzw sich darauf spezialisiert haben. ich kenne bisher nur die hufelandklinik in bad mergentheim - dem namen nach. gibt es andere empfehlungen? möglichst mit eigenerfahrung.

ich glaube mein urologe weiss momenntan auch nicht so richtig, wie jetzt weiter zu verfahren ist; gleich hbv oder noch abwarten.

Heribert
25.12.2010, 10:57
Hallo,

ich bin in diesem thema ziemlich unbedarft: ist das gleichzusetzen mit markerprofilen?

Das sind keine Markerprofile sondern ein umfangreiches Gutachten darüber, wie der Zellaufbau zum Zeitpunkt der Biopsie auf Biochemische Einflüsse des Körpers reagiert hat. Vereinfacht und anders ausgedrückt, man weiss, dass beim Fehlen von bestimmten Stoffen oder beim Vorhandensein von bestimmten Stoffen sich Zellen verändern und schlimmstenfalls zu Krebszellen umwandeln. Ein solcher Status wird mit dem vorhandenen Biopsiematerieal erhoben. Davon kann nun abgeleitet werden, welche Therapie Sinn macht und wichtiger noch, welche Stoffe, diesen Umwandlungszyklus wahrscheinlich noch beschleunigen bzw. stoppen können.

Weil es über solche Verfahren in der Behandlung des Prostatakarzinoms noch keine verlässlichen Studien gibt, können Schlussfolgerungen daraus für eine Therapie, bestenfalls als experimentell bezeichnet werden.


andere frage ans forum: möchte eventuell klinik aufsuchen, die besonders biomedizinische immuntherapien anbieten bzw sich darauf spezialisiert haben. ich kenne bisher nur die hufelandklinik in bad mergentheim - dem namen nach. gibt es andere empfehlungen? möglichst mit eigenerfahrung.

Es gibt einige Kliniken, die damit oder mit anderen experimentellen Krebs-Therapien ihr Geld verdienen. Bislang habe ich in diesem Forum noch nicht von einem durchgreifenden Erfolg bei einem biochemischen Rezidiv gelesen.


ich glaube mein urologe weiss momenntan auch nicht so richtig, wie jetzt weiter zu verfahren ist; gleich hbv oder noch abwarten.

Ich würde zuerst mal das Ergebnis des "Onko-Biogramm" abwarten, um alle Therapieoptionen ausloten zu können. - Wenn Du darüber mehr weisst, gibt es bestimmt einige in ähnlicher Situation, die dabei mitreden können.

Herzliche Grüße und frohe Weihnachten an alle
Heribert

BurgerH
25.12.2010, 11:04
Hallo,

bei einem so niedrigen PSA-Wert von 0,32 würde ich noch keine Hormonblockade beginnen und mein Pulver schön trocken halten für spätere Zeiten.

Denke daran, im Schnitt wirkt die Hormonblockade 2 Jahre.

Was soll überhaupt das Onko-Biogramm?

Nach allem was ich auf den urologischen Kongressen gehört habe, gibt es noch keine Marker beim Prostatakrebs. Ich würde mir das Geld dafür sparen.

Bei einer Schulungsveranstaltung beim Krebsinformationsdienst in Heidelberg wurde uns mal gesagt:

"Krebspatienten sind eine leichte Beute."

In ihrer Verzweiflung geben sie oft Unsummen von Geld für experimentelle, zweifelhafte oder gar unseriöse Therapien und Behandlungsmethoden aus.

In den neuen S3-Leitlinien ist übrigens nichts von einem "Onko-Bioprogramm" zu lesen.

Trotzdem schöne Feiertage!

Hansjörg Burger
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar e.V .

errut1
25.12.2010, 11:19
danke für euere kommentare: macht es sinn auch ein markerprofil zu erstellen? ich war im oktober bei einer vortragsreihe in münchen-gräfelfing (wurde hier im forum annonciert), da wurde empfohlen ein basisprofil zu erstellen http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?5886-Veranstaltungshinweis-3.-Patiententag-Urologische-Klinik-Castringius-Dr.-Eichhorn.
immunbiologische behandlung wurde des öfteren auch hier im forum empfohlen.

ps gibt es grobe anhaltswerte bzw empfehlung wann man mit der hbv beginnen sollte?

LowRoad
25.12.2010, 19:16
Denke daran, im Schnitt wirkt die Hormonblockade 2 Jahre.

Hallo Hansjörg,
es ist mir unverständlich, wieso Du, der sich doch ganz gut auskennen sollte, solche Horrormärchen verbreitest? Das ist definitiv FALSCH (http://askdrmyers.wordpress.com/2010/08/10/can-you-prevent-hormone-resistance/) und führt nur zu unnötiger Verunsicherung der hier Nachfragenden.

errut1
27.12.2010, 08:13
danke für eure kommentare: kann man hier im forum irgendwie einen geeigneten überblick finden, der für meine situation entsprechend, mögliche massnahmen erörtert?
ich weiss nicht, wann und ob hbv und was unterstützend getan werden sollte.

Heribert
27.12.2010, 09:41
Hallo Hansjörg


Was soll überhaupt das Onko-Biogramm?
.......
In den neuen S3-Leitlinien ist übrigens nichts von einem "Onko-Bioprogramm" zu lesen.

Diese Frage sollte man sich stellen, wenn man weiss was eine solche Untersuchung für Erkenntnisse bringen kann. Wenn die leitlinienorientierte Medizin nur noch die Hormontherapie und/oder die Chemotherapie im Köcher hat, ist es für "mögliche" Einwirkungen jenseits der S3-Leitlinien oft schon zu spät.
Ich glaube nicht, dass dieses Forum den Auftrag hat, die S3-Leitlinien zu dogmatisieren! Dies, wie von Dir unter dem Namen einer großen Selbsthilfegruppe propagiert, finde ich unangebracht.

Nichts für ungut.
Beste Grüße Heribert

errut1
27.12.2010, 09:58
dogmen bei krankheit?
wenn ich rat suche, habe ich dann gegen die regeln dieses forums verstossen?
der vorschlag des onkobiogramms wurde mir lediglich von einem urologen unterbreitet.

RalfDm
27.12.2010, 10:08
wenn ich rat suche, habe ich dann gegen die regeln dieses forums verstossen?
Natürlich nicht. Dafür ist dieses Forum da. Die S3-Leitlinie ist ein wertvolles Werkzeug für uns, und ist für die Beratung unverzichtbar, aber sie kann keine Aufforderung für das Anlegen von Scheuklappen sein. Nicht-leitlinienkonforme Diagnostiken und Therapien müssen dann aber auch besonders kritisch betrachtet und hinterfragt werden.

Ralf

errut1
27.12.2010, 10:32
danke für die klärung.