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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Therapievielfalt



ElPato
29.01.2011, 19:24
Servus zusammen,
nachdem ich mich seit ein paar Tagen durch dieses Forum gelesen habe, wundert mich Folgendes: für low-risk Fälle wie z.B. mir (PSA 5,3 Gleason 3+3, 50 Jahre) empfiehlt der Arzt zwei Methoden der Therapie: Prostatektomie und Seeds bzw. Strings. In Ami-Land werden über 50% der low-risk Fälle mit seeds behandelt, warum hier so wenige? Auch Eure Kommentare kann man einteilen in 95% Pro-Ektomie, 4% Seeds und, allein auf weiter Flur, 1 Protonen-Anhänger.
In der S3-Richtlinie S.51ff werden immerhin beide erstgenannten Methoden gleichwertig genannt, hinsichtlich Inkontinenz und erektile Disfunktion schneidet die Brachytherapie sogar besser ab.
Schöne Grüße,
ElPato

Daniel Schmidt
29.01.2011, 19:35
Die deutsche Medizinlandschaft ist ein chirurgisch dominiert.
Darüber hinaus ist es so, dass die Strahlentherapie in den USA sehr gut vergütet wird, so dass es mittlerweile dort Urologenpraxen gibt, die sich selber Bestrahlungsgeräte (+Strahlentherapeuten) gekauft haben, weil damit mehr Geld zu holen ist, als mit einer OP.

Das grösste Problem liegt sicherlich in der Aufklärung. Der Krebs wird von einem Urologen diagnostiziert und er ist auch in diesem Moment auch der Hauptbehandler. Viele Patienten sind derart von der Diagnose geschockt, dass sie gleich zur Therapie greifen, die als erste Option angeboten wird. Und ein Urologe wird immer die OP als erste Therapie anbieten.

ElPato
30.01.2011, 11:08
Das mag grundsätzlich so sein. Was mich erstaunt, ist, dass in diesem Forum die Vielfalt an Befürworter verschiedener Therapien fehlt. Fast jeder, der sich hier zu Wort meldet, kennt sich aus in der Materie. Die meisten wohl v.a. in ihrer eigenen Historie, viele aber durchaus auch bei anderen Methoden. Warum lese ich nix von LDR-Brachytherapie? Wird sie hier nicht oder nur sehr selten angewendet? Gibt es Nebenwirkungen, die davon abraten lassen? (Außer der Geschichte, dass die Stiftchen =seeds durch den Körper wandern würden, was durch ein Aufreihen an einem Faden verhindert werden soll =strings). Kann jemand was über die Langzeitprognose sagen? Falls meine Prostata (gutartig) in den nächsten statistisch mir verbbleibenden 30 Jahren vor sich hin wächst - kann sie dann 'abgehobelt' werden mit strings?
Fragen über Fragen ... Aber bis Ende nächster Woche wollte ich mich entscheiden. Vorher habe ich nochmal ein Gespräch mit meinem Urologen, der mir diese Fragen hoffentlich auch beantworten kann. Vielleicht kann mir der eine oder andere schon vorher weiter helfen?
Ich halte die LDR-Brachytherapie (bisher) für eine für mich passende Methode: keine OP, Erhaltung der Prostata inkl. Schließmuskel der Blase, ansonsten ähnliche Nebenwirkungen wie Ektomie.
Schöne Grüße,
Christian

LudwigS
30.01.2011, 11:49
Warum lese ich nix von LDR-Brachytherapie? Wird sie hier nicht oder nur sehr selten angewendet? Gibt es Nebenwirkungen, die davon abraten lassen?

Naja, "nix" stimmt so nicht.
Es gibt ja durchhaus ein paar hier - mich eingeschlossen.

Man kann sie z.B. über das Forum anschreiben.

Das kleine Bildchen links von meinem Namen zeigt meine Original-Seeds in der Prostata und mittels des grünen Punktes unter meinem Namen kann man sich mit mir sogar über Skype - wenn man eine Webcam hat - von Angesicht zu Angesicht unterhalten.

Möglichkeiten gibt es schon.

Gruss Ludwig

Bernhard A.
30.01.2011, 12:30
Hallo Christian !

Von Dir Zitate :


Ich halte die LDR-Brachytherapie (bisher) für eine für mich passende Methode: keine OP, Erhaltung der Prostata inkl. Schließmuskel der Blase,



ansonsten ähnliche Nebenwirkungen wie Ektomie.


Inzwischen habe ich sehr viele Berichte über LDR-und HDR-Brachy gelesen. In der Regel sind die Nebenwirkungen eben nicht ähnlich wie bei der Ektomie, sondern wesentlich geringer !
Ich selber habe gar keine bleibenden Nebenwirkungen mehr. Auch der bei Brachy, angeblich immer, langsam schleichende Rückgang der Erektionfähigkeit, ist bei mir, im 6 Jahr nach Behandlung, nicht eingetreten.(angeblich ab 2-3 Jahr)
Wenn Du Dich z.B. in Kiel, Hamburg, Berlin oder Köln behandeln läßt, hast Du es mit ausgesprochenen Spezialisten auf diesem Gebiet der Brachy zu tun.

Gruß
Bernhard A.

HorstK
30.01.2011, 13:56
Warum lese ich nix von LDR-Brachytherapie?


Hallo Christian

Ludwig ist in Sachen Brachytherapie, als selbst Betroffener, der Spezialist hier im Forum.

Falls Dir sein umfangreiches Wissen nicht genügen sollte gibt es unter diesem Link noch mehr Männer die diese Therapie gemacht haben: http://www.myprostate.eu/?req=ldr_brachy


Gruß Horst

Carlos
30.01.2011, 14:06
LDR-Brachy-Therapie / Meine Erfahrungen

Hallo Christian, vor 8 Jahren stand ich ebenfalls vor der entscheidenden Frage welche Therapie ich wählen sollte. Für mich wollte ich auf gar keinen Fall eine RPE. Auf Grund von Fällen im Bekanntenkreis war mir das nicht so geheuer (vielleicht Zufall). Allerdings wurde mir die RPE von meinem Uro eher nicht so empfohlen, da ich damals schon 71 Jahre alt war. So kam ich zur Brachy-Seeds-Therapie und hatte auch das Glück einen exzellenten Spezialisten für diese Therapie zu haben. Mein Verlauf innerhalb dieser 8 Jahre war sehr gut, abgesehen von einem Bump nach zwei Jahren, was bei dieser Therapie normal ist. Mein PSA ist seit Jahren konstant bei 0,02 und körperliches Wohlbefinden ist sehr gut. Deshalb ist es mir auch immer noch möglich ziemlich viel Sport zu betreiben wie z.Bsp. Skilanglauf, Skituren, Bergsteigen und ausgedehnte Radturen. Natürlich braucht man auch immer etwas Glück im Leben und mein Alter war hier sicher ein Vorteil. Eien Aspekt möchte ich noch erwähnen wegen der wenigen Beiträge von Betroffenen zur Brachy-Theraoie. Es ist doch meist so, dass die Betroffenen welchen es gut, hier im Forum nicht so zahlreich in Erscheinung treten.
Und das würde ja durchaus kein schlechtes Zeichen sein. Natürlich stellen aber wir Brachy Patienten nach wie vor eine Minderheit hier im Forum und auch sonst bei der Behandlung von PK
Im Moment habe ich allerdings den Eindruck, dass relativ viel darüber auch im forum zu lesen ist. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Glück bei der Entscheidung zur Therapie. Vielse Grüße, Carlos

Schorschel
30.01.2011, 16:36
... für low-risk Fälle wie z.B. mir ...

Schöne Grüße,
ElPato

Hallo!

Ich habe meine Zweifel, ob Du wirklich ein "low-risk"-Fall bist!!??

Bei 4 positiven Stanzen (bis zu 54% maligner Anteil) und einem PSA-Wert von 5,3 bei gerade einmal 18ml Prostata-Volumen, und das mit 50 Jahren, würde es mich nicht wundern, wenn Dein GS mit 3+3 eher zu harmlos eingestuft wurde. Ich empfehle Dir dringend eine Zweitbegutachtung!

Ob Seeds -ein Verfahren, das ich ansonsten sehr schätze - für Dich geeignet sind, hängt u.a. auch damit zusammen, ob Dein PK eher kapselnah ist (was bei 4 positiven Stanzen auf einer Seite zu vermuten ist); aber hierzu kann Ludwig sicher mehr sagen.


Alles Gute!!

Schorschel

Schorschel
30.01.2011, 16:58
... Auch Eure Kommentare kann man einteilen in 95% Pro-Ektomie, 4% Seeds und, allein auf weiter Flur, 1 Protonen-Anhänger....

Schöne Grüße,
ElPato

Hallo ElPato.

Deine Überschrift lautet ja "Therapievielfalt", und es ist leider kein Zufall, dass Du die Therapieoption "Active Surveillance" (auch Aktive Überwachung genannt) nicht erwähnt hast, denn ihre Relevanz in diesem Forum ist eher in Promille, denn in Prozent zu messen.

Wohlgemerkt: Für Dich kommt AS m.E. keinesfalls infrage...

...aber dennoch möchte ich Deinen Thread "Therapievielfalt" nutzen, um (mal wieder) auf AS hinzuweisen. Da es viele relativ neue Mitglieder im Forum gibt, erlaube ich mir, nochmals auf einen alten Beitrag von mir hinzuweisen:

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?4360-AS-als-echte-Therapieoption...&p=36265#post36265

Ich bleibe dabei: AS ist für geeignete Mitstreiter eine extrem wichtige Option, die aber immer und immer wieder weggedrückt wird, oft genug leider mit gut gemeinten, aber dennoch sehr holzschnittartigen Standardargumenten.

Die "alten" Mitglieder werden mir das erneute Zitieren meiner selbst nachsehen und es auf das Konto meiner kürzlich konstatierten hinlänglich bekannten "Reputation" wegbuchen.

Schorschel

Hajoke
30.01.2011, 17:02
Wie Carlos in einem anderen Thread schon bemerkte, sollte eine Zusammenlegung zum Thema "Brachy-Seedimplantation" erwogen werden:
http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6245-LDR-Brachytherapie

Bernhard A.
30.01.2011, 17:38
Hallo Schorschel

Von Dir Zitate:


Ich habe meine Zweifel, ob Du wirklich ein "low-risk"-Fall bist!!??
Bei 4 positiven Stanzen (bis zu 54% maligner Anteil) und einem PSA-Wert von 5,3 bei gerade einmal 18ml Prostata-Volumen, und das mit 50 Jahren, würde es mich nicht wundern, wenn Dein GS mit 3+3 eher zu harmlos eingestuft wurde. Ich empfehle Dir dringend eine Zweitbegutachtung!

Sehe ich auch so !


Ob Seeds -ein Verfahren, das ich ansonsten sehr schätze - für Dich geeignet sind, hängt u.a. auch damit zusammen, ob Dein PK eher kapselnah ist (was bei 4 positiven Stanzen auf einer Seite zu vermuten ist); aber hierzu kann Ludwig sicher mehr sagen.

Dazu ein Hinweis auf einen Beitrag von Guntermann:


Brachytherapie bei Hochrisikopatienten
Dr. Nelson Stone: Wenn korrekt ausgeführt und die Bestrahlungsdosis hoch genug ist, dann schneidet die Brachytherapie bei einem Vergleich mit anderen Prostatakrebstherapieformen, einschließlich Prostatektomie mit Roboterunterstützung (DaVinci), externer Bestrahlung (IMRT) und Kyrotherapie, günstig ab. Die Wahrscheinlichkeit dass ein Patient ein lokales Rezidiv erleidet ist bei Brachytherapy am geringsten, insbesonder bei agressiverem Prostatakrebs (Gleason Score 8 oder höher).
Brachytherapie ist erheblich kostengünstiger als IMRT oder Prostatektomie mit Roboterunterstützung und kann ambulant durchgeführt werden.
Bei solchen Aussagen von Brachytherapeuten erstaunt es wirklich, dass die G-BA Studie gerade den Bereich (Gleasonscore 7b und 8 und nach Dr. Stone sogar noch höher) ausschließen möchte, in dem die Brachytherapie angeblich die größten Vorteile gegenüber anderen Prostatakrebstherapieformen besitzt.

Gruß
Bernhard A.

Damesp
30.01.2011, 20:11
Die Bemühung von Statistiken ist für deine Entscheidung völlig sinnlos.
Auch eine Unterscheidung nach Nebenwirkungen hilft nicht weiter. Es gibt sowohl Personen, die mit Seeds ohne Nebenwirkungen davonkommen, als auch solche, die (wie ich) mit der OP bestens bedient waren.
Was bei dem einzelnen passiert, weisst man vorher nicht.
Sicher ist nur, dass eine Prostata mit Krebszellen besser in einem Glas beim Pathologen als im Körper aufgehoben ist.
Daher kann ich nur empfehlen, mehrere anerkannte Kapazitäten aufzusuchen und sich für den zu entscheiden, zu dem du Vertrauen hast.
Nur Nachkarten sollte man hinterher nicht.
Gruß vom Niederrhein
Peter

Carlos
30.01.2011, 20:44
Hallo Damesp bzw. Peter
das ist ja wieder mal eine großartige Lanze für die RPE , weil man hier bestens bedient ist und man bei Seeds allenfalls ohne Nebenwirkungen "davonkommt". Vergessen hast du allerdiengs darauf hinzuweisen, dass man bei den Kapazitäten nur solche aufsuchen soll welche die RPE empfehlen. Aber Therapieversagen gibt es immer wieder, es soll sogar bei der RPE vorkommen. Und es soll auch Fälle geben, welche über einen anderen Weg zu einem guten Erfolg führen. Man kann nicht alles über einen Kamm scheren und andere Therapien nicht gelten lassen. Gruß, Carlos

Heribert
30.01.2011, 21:41
Hallo,

es ist gut und richtig sich zunächst mit seiner Tumorbiologie auseinander zu setzen und dann erst das Für und Wider einzelner Therapieoptionen seinem Alter, seinem allgemeinen Gesundheitsstatus und nicht zuletzt seinen Bedürfnissen anzupassen.
Mir ist allerdings dabei aufgefallen, dass im Sprachgebrauch die Brachy-Therapie mit Seedsimplantation verallgemeinert wird. Um Ratsuchenden die Brachytherapie deuitlicher zu machen, sollte klar zwischen den Vorteilen und Grenzen der LDR-Brachy (Seedsimplantation) und HDR-Brachy (Afterloading) unterschieden werden.

Wenn für Dich ElPato die LDR-Brachy, wie ich auch meine, nicht mehr infrage kommt, kannst Du Dich auch noch mit der HDR-Brachy auseinander setzen, die kombiniert mit einer äußeren Bestrahlung auch gute, nebenwirkungsarme Ergebnisse, selbst bei high-risk PCa bringt. Hierbei halte ich es für besonders ratsam, sich nur einem sehr erfahrenen Team anzuvertrauen.

Hier ein paar gute Beschreibungen dazu: LDR-Brachy (http://www.kup.at/kup/pdf/6117.pdf) und HDR-Brachy (http://www.kup.at/kup/pdf/4369.pdf)
und hier vom WPZ (http://www.westdeutschesprostatazentrum.de/news/aktuelle-meldungen/hdr-afterloadingtherapie-liefert-exzellente-ergebnisse.html)

Gruß Heribert

gunterman
31.01.2011, 09:30
Wie durch RuStra dankenswerterweise in dem Thread "LDR Brachy / Seeds auch bei Risikopatienten"

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6239-LDR-Brachy-Seeds-auch-bei-Risikopatienten

versucht wurde klar zu machen, gibt es bei der LDR-Brachytherapie offensichtlich einen Paradigmenwechsel. Es werden inzwischen auch Fälle mittleren Risikos (Gleason 7a und 7b) und sogar Hochrisikopatienten (Gleason 8 bis 10) ausschließlich mit LDR-Brachytherapie behandelt. Dies trifft natürlich nicht auf alle Brachytherapeuten und -institutionen zu.
Eine Institution in Deutschland auf die RuStra verwiesen hat und die den in den USA begonnenen Paradigmenwechsel mitvollzieht ist die Praxis von Dr. Zimmermann in Hamburg.
Hier nochmals der schon oft eingestellte (aber anscheinend nie gelesene) Link zu den Ausführungen von Dr. Zimmermann:
http://www.brachytherapie-hamburg.de/drzimmermann/fileadmin/templates/Mai2008/images/PDF-Dokumente/Brachytherapie_in_allen_Stadien.pdf

Wenn man sich dort die Tabellen ansieht, dann erkennt man, dass auch Patienten mit mittlerem und hohem Risiko mit LDR-Brachytherapie alleine behandelt wurden.

Auch internationale Studien zeigen die Ausweitung der Anwendung der LDR-Brachytherapie in den höheren Risikobereich hinein:
http://www.brachytherapie-hamburg.de/drzimmermann/fileadmin/templates/Mai2008/images/PDF-Dokumente/ZELEFSKY_all_centres_outcomes_2007.pdf
Nach Tabelle 1 in dieser Studie hatten immerhin 20% der Patienten einen PSA-Wert zwischen 10 und 20 und 5% sogar über 20. Beim Gleasonscore sieht es allerdings nicht so überzeugend aus. 16 % der mit reiner LDR-Brachy behandelten Patienten lagen im Bereich GS 7 und nur 2% im Bereich GS 8-10.

Die gewagten Interviewaussagen von Dr. Nelson Stone bezogen sich auf LDR-Brachytherapie.

Eine neutraler Therapievergleich wie vom G-BA vorgesehen wäre deshalb aus Patientensicht sehr wünschenswert.

Schorschel
31.01.2011, 11:06
Hier nochmals der schon oft eingestellte (aber anscheinend nie gelesene) Link zu den Ausführungen von Dr. Zimmermann:
http://www.brachytherapie-hamburg.de/drzimmermann/fileadmin/templates/Mai2008/images/PDF-Dokumente/Brachytherapie_in_allen_Stadien.pdf


Ich bekenne mich schuldig, habe den Aufsatz von Dr. Zimmermann jetzt aber gelesen und bin immer noch etwas irritiert, weil sich die alten Rahmenbedingungen für die LDR-Brachy bei mir ziemlich doch ziemlich fest verankert haben. Da ich aber für den Fall der Fälle, sollte er denn einmal eintreten, bei mir über die Brachy nachdenke, freuen mich die Ausführungen von Dr. Zimmermann.

Auf seiner Homepage findet sich das folgende Zitat:



Mittlerweile ist klar, daß die Brachytherapie in allen Stadien des Prostatakarzinomes sehr gute Ergebnisse mit sich bringt.
Die Ansicht, daß die Seedimplantation nur im Frühstadium einsetzbar sei, ist veraltet bzw. wird noch häufig aus fachpolitischen Gründen zur gezielten Desinformation von Patienten und Angehörigen sowie nicht mit der Materie vertrauter Ärzte eingesetzt.
Sicher ein starker Tobak, aber wenn er Recht hat...??!!

Schorschel

Knud1960
31.01.2011, 12:15
Evtl.für die meisten ein bekannter Link,aber trotzdem:http://www.davincisurgery.com/german/
Bin 2008 so behandelt worden,zufrieden.Bisjetzt...

Grüsse,Knud

LowRoad
31.01.2011, 12:26
Wenn man sich die Ergebnisse nach RPE anschaut, sollte man keinem mit Gleason >=7 zur Operation raten.

http://up.picr.de/6219130iap.jpg

Folgetherapien, wie Bestrahlung wären in 45% der Fälle notwendig. Dann hätte man auch gleich eine Strahlentherapie machen können. In den meisten Fällen wäre Brachy+EBRT wahrscheinlich mit besserem long-term-outcome verbunden. In Einzelfällen könnte es aber auch eine Übertherapie sein. Das Problem, welches sich immer wieder stellt, ist in dem Brosman Report (http://www.prostate-cancer.org/pcricms/sites/default/files/PDFs/Is13-3_p22-23.pdf) klar benannt: "...This indicates that our ability to accurately assess the stage or extent of the cancer is often incorrect...". Das uns angebotene prätherapeutische Diagnoseverfahren in Deutschland ist ganz klar auf die anschliessende Operation gerichtet. Erst danach werden wesentliche Marker (wie z.B. extraprostatische umorausbreitung, Gleason Grade, Nervenscheindeninvasion, Samenblasenbefall, Lymphknotenbefall,...) ermittelt. Ist eine Strahlentherapie angedacht, muss dieser Diagnosschritt vorgezogen werden. Farbdoppler, Hochfeld-MRT, FDG/Fluorid-Pet-CT zusammen mit diversen Serummarkern müssen erhoben werden. Stehen diese diagnostischen Möglichkeiten nicht zur Verfügung, muss man Patienten evt. von Strahlentherapie abraten, die sonst schon geeignet wären - leider.

gotzohb
31.01.2011, 15:13
Hallo, ElPato,

ich schließe mich Schorschel an, unbedingt Zweitbegutachtung einholen. Bei mir wurde 2006 GS 3+3 diagnostiziert, Zweitbegutachtung durch Prof. Bonkhoff ergab 3+7 bei einer positiven Stanze. Ich entschloss mich aus ähnlichen Gründen zu IMRT und suche jetzt aus denselben Gründen die Salvagetherapie, die wenig Nebenwirkungen hat. Dabei ist Brachy sehr in der engsten Wahl. Neben Seeds kannst du dich ja auch mal über die Option interstitielle Brachy informieren, für die wohl Erlangen gut ist (www.strahlenklinik.uk-erlangen.de). Warum wolltest du dich bis Ende nächster Woche entscheiden? Von der Entscheidung hängt deine zukünftige Lebensqualität ab! Schon dass du dir später keine Vorwürfe machst: Nutze alle Möglichkeiten der Information. Ich habe damals auch von Hamburg bis Heidelberg mich in Kliniken beraten lassen. Und dein Krebs lässt dir diese Zeit. Viel Erfolg Gotzohb

knut.krueger
31.01.2011, 17:16
Hallo gotzohb,
mich würde einmal interessieren, wie hoch die Gesamtbestrahlungsleistung bei Deiner IMRT war?
Gruß Knut.

ElPato
31.01.2011, 19:57
Hallo zusammen,
schönen Dank für die rege Teilnahme an diesem Thema. Es gab interessante Hinweise, aber auch erstaunliche Einschätzungen. Darunter einige, die mir zu einer Zweitbegutachtung raten, was im Prinzip sicher nie verkehrt ist. Was mich interessiert: was ist dubios an meinen Werten? Warum soll der von 2 Pathologen klassifizierte Gleason nicht stimmen?
Mein Urologe, der mir die Ergebnisse der Biopsie mitteilte (und übrigens auch die PSA-Velocity = 0,9 sowie die PSADT = 38,4 Monate ausrechnete), empfahl mir 2 Methoden als gleichwertig. RPE und LDR. Man beachte: ein Chirurg empfiehlt auch Brachy!
Frustriert habe ich mir gestern die Berichte auf myprostate.eu gegeben mit der Offenbarung: ab einem Gleason von über 7 unterscheidet sich die Rückfallquote nach 10 Jahren praktisch nicht, egal was für eine Therapie einer gewählt hat. Natürlich weiß ich auch, dass v.a diejenigen ihre Vita einstellen, die noch mit ihrer Krankheit kämpfen. Jene, welche nach der Ersttherapie geheilt davonhüpfen, sind in Foren selten zu finden. (Von rühmlichen Ausnahmen abgesehen).
Auch wenn manch einem die Vorstellung, eine radioaktiv gespickte, verkrebste Prostata mit sich rum zu tragen, unangenehm erscheint - ich halte es für die bessere Methode. Gerade auch dann, wenn sich der Tumor an der Kapselwand befindet, mit der Gefahr, dass er schon durch gewachsen ist. Hier wirkt die Strahlung der seeds über die Kapsel hinaus, wenn welche gezielt am Rand platziert wurden.
Und: man hat noch sein Organ, das dank Bestrahlung sich zunehmend seiner Krebszellen entledigt. Funktioniert das alles im worst case nicht, können die anderen Therapiearten immer noch angewendet werden.
Schöne Grüße, Christian

knut.krueger
31.01.2011, 20:22
Hallo LowRoad,

es ist wieder eine interessante Statistik, die Du präsentierst. Diese Daten erinnern mich an unseren früheren Forumsarbeitskreis „DNA-Ploidie“. Im Rahmen meiner Recherchen für den Arbeitskreis bin ich auf diese Untersuchung gestoßen

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?2975-AK-DNA-und-Onkochip&p=25794#post25794

Es wird der Einfluss der Ploidie auf die Rezidivfreiheit nach Ektomie gezeigt. Bei aneuploid gibt es zu 100 % ein Rezidiv. Später habe ich von Prof. Böcking eine neue Studie aus Norwegen erhalten, und zwar von Frau Dr. Maria Einarsen Pretorius. Der Link zu der Veröffentlichung ist

http://iospress.metapress.com/content/g72114q74578m3x3/

wobei für das PDF-Dokument der Studie 27 EURO zu zahlen sind, wenn man nicht aufgrund seiner Tätigkeit freien Zugang hat. Das Ergebnis ist aber auch, dass nach Ektomie bei aneuploider Verteilung zu 100 % ein Rezidiv auftritt. Und nun mein Spagat zu Deiner Statistik, und zwar korreliert mit höherem Gleason Score eine drastische Zunahme der aneuploiden Verteilungen, so dass die 45 % Rückfallquote durch die DNA-Ploidie schon voraus gesagt werden können. Ob dies mit den Bestrahlungstherapien besser aussieht, weiß ich nicht. Die Statistiken von Dr. Zimmermann

http://www.brachytherapie-hamburg.de/drzimmermann/fileadmin/templates/Mai2008/images/PDF-Dokumente/Brachytherapie_in_allen_Stadien.pdf

und die schönen, bunten Kreise von RuStra

http://www.prostateseedinstitute.com/PCRSG_0409_results.aspx

signalisieren dies. Wenn diese Zahlen korrekt sind, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit zu amerikanischen Verhältnissen, d.h. die Bestrahlungstherapien liegen dann vorne, und die Ektomie führt ein Nischendasein.
Gruß Knut.

LowRoad
04.02.2011, 09:40
...amerikanischen Verhältnissen...

this chart presented at the AUA Annual Meeting in October 2010, demnach halten sich Operation und Strahlentherapien in etwa die Waage.

http://i1142.photobucket.com/albums/n618/59Casey/2-4-201112-13-14AM.jpg

Damesp
04.02.2011, 11:28
Hallo Knut,
in der Untersuchung handelte es sich offenbar um nur 10 Fälle mit anaploider Verteilung.
Das ist statistisch völlig irrelevant.
Daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen, ist fahrlässig

skipper
04.02.2011, 12:00
(
Die deutsche Medizinlandschaft ist ein chirurgisch dominiert.
Darüber hinaus ist es so, dass die Strahlentherapie in den USA sehr gut vergütet wird, so dass es mittlerweile dort Urologenpraxen gibt, die sich selber Bestrahlungsgeräte (+Strahlentherapeuten) gekauft haben, weil damit mehr Geld zu holen ist, als mit einer OP.)

Wenn diese Aussage von Daniel stimmt , ist es nicht erstaunlich das in Amerika zunehmend mehr bestrahlt wird. Nicht alles was in Amerika gemacht wird ist ungeprüft zu übernehmen!

Gruß Skipper

LowRoad
04.02.2011, 12:51
...Nicht alles was in Amerika gemacht wird ist ungeprüft zu übernehmen!...

Ja, ja, die Amis, schlimme Kerle, arrogant und rauflustig, lassen kaum eine Gelegenheit aus sich bei uns unbeliebt zu machen. Das sie bei der Behandlung des Prostatakrebses ziemlich erfolgreich sind, macht sie auch nicht liebenswürdiger!

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2760747/bin/ukmss-27915-f0001.jpg

skipper
04.02.2011, 15:43
Hallo Low Road ,
wäre ja schön wenn sie den Schlüssel der Weisen gefunden hätten , jedoch fehlt mir der Glaube Angesichts der Tatsache das jeder 6. Amerikaner keine , oder nur unzureichende Krankenversicherung besitzt.Auch bei den Risikofaktoren (Übergewicht, Fleischlastige Ernährung,Bewegungsarmut...) nimmt Amerika eine Topplazierung ein. Natürlich gibt es in Amerika Spitzenleistungen in der Medizin , trotzdem bin ich der festen Überzeugung das unser ach so gescholtenes Gesundheitssystem nicht so schlecht ist.
Alle Therapien die in Amerika bei PC angeboten werden , kann ein Betroffener in Deutschland auch erhalten, wenn er sie denn will. SO WHAT ?
Gruß Skipper

Daniel Schmidt
04.02.2011, 17:36
Die Unterschiede in der Mortalität von Prostatakrebs zwischen USA und Europa könnten allerdings auch mit der Früherkennung zu tun haben.

Bernhard A.
05.02.2011, 07:40
Hallo Skipper !

Zitat:


Alle Therapien die in Amerika bei PC angeboten werden , kann ein Betroffener in Deutschland auch erhalten, wenn er sie denn will. SO WHAT ?


Das sehe ich ein Bisschen anders: Nur wenn man bereit ist, gewaltig "gegen den Strom zu schwimmen" (gegen die Lobbyisten) und teilweise Behandlungen selber bezahlt, hat man Zugang zu den Therapienmöglichkeiten, die in der USA angboten werden.
Wenn man nicht per Zufall, rechtzeitig, hier im Forum landet, bekommt man nicht einmal die Information, daß es auch andere gleichwertige Therapien gibt.

Gruß
Bernhard A.

skipper
05.02.2011, 08:26
Hallo Bernhard A. ,
du hast mit Sicherheit Recht das die Mehrzahl der Neu-Diagnostizierten und in dieser Phase meist sehr geschockten PC-Patienten von ihrem Urologen die Empfehlung zur RPE erhalten.
Dieser Urologe kümmert sich auch gerne um einen OP-Termin bei einem befreundeten Arzt und schon ist der uninformierte Patient auf der Schiene.
Ich sehe die Hauptaufgabe dieses Forums darin , die Informationsbasis der Betroffenen zu verbessern um jedem eine freie , selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen, deren Behandlungsfolgen ohnehin jeder einzelne selbst tragen muss.
Das dabei hier , wie auch in Amerika , jeder Arzt, wie auch jede Klinik versucht ein möglichst großes Stück vom Kuchen für sich zu ergattern muss jedem klar sein.
Das ist keine Wohlfahrtsveranstaltung!!!!
Die Informationsbeschaffung sehe ich dabei als Hohlschuld , d.h. es ist meine Gesundheit /Krankheit und muss selbst aktiv werden.Man landet in diesem Forum nicht per Zufall !!
Viele Grüße
Skipper

Bernhard A.
05.02.2011, 13:21
Hallo Skipper !

Du hast es im Wesentlichen alles auf den Punkt gebracht ! Dein nachstehendes Zitat


Die Informationsbeschaffung sehe ich dabei als Hohlschuld , d.h. es ist meine Gesundheit /Krankheit und muss selbst aktiv werden

entspricht leider der gängigen Praxis.
Doch gerade der Beruf der Mediziner beansprucht doch für sich, das er im Ethischen Bereich (gegenüber anderen Berufen) auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt ist. Somit sollten die Ärzte/Urologen so fair sein und dem Patienten eine ausgewogenen Beratung zukommen zu lassen. Doch das Bild, das die "Provinzkrankenhäuser" in meinem Umfeld /Bekanntenkreis (natürlich nur OP) bei mir hinterlassen hinterlassen, entspricht in keiner Weise, den OP-Ergebnissen hier im Forum. (Von 4 Patienten die kenne, sind 4 inkontinent )

Gruß
Bernhard A.