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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Irrungen, Wirrungen. Eine Reise durch die Urologie



Reinardo
21.05.2011, 20:11
Hallo:-
Von dem bei feierlichen Anlaessen geehrten - aber selten zitierten - Uwe Peters stammt der markige Rat: "Werden Sie Ihr eigener GURU, damit Sie Ihre Therapieentscheidung auf gut informierter Basis treffen koennen. www.prostatakrebse.de (http://www.prostatakrebse.de)
Der Rat Uwe Peters, aus eigenem Leid und unguter Erfahrung mit den ihn behandelnden Aerzten erwachsen, verspricht zwar ein laengeres Leben und den Erhalt von Lebensqualitaet, aber er schuetzt uns nicht vor Fehlern, die wir selber machen und befreit uns auch nicht von Zweifeln und Aengsten. So kommt es, dass im Hospital der Bettnachbar im Vertrauen auf Gott und die Urologie und in Unkenntnis von Alternativen ergeben in sein Schicksal die Prostatektomie durchlebt und durchleidet, waehrend der "GURU" keinen Schlaf findet, weil er staendig ueber Sinn und Richtigkeit seiner Entscheidungen nachdenkt.

Als ich im November 2009 bei einem PSA-Wert von ueber 10 (unter Proscar) Beschwerden mit der Blasenentleerung bekam, glaubten ich und der mich damals behandelnde Urologe zunaechst an eine gutartige Prostatavergroesserung. Ich entschied mich - irrefuehrender Werbung folgend - fuer eine Laser-TUR-P. Das war ein Fehler, dessen Folgen ich erst im Maerz d.J., nach mehr als 17 Monaten ueberstanden habe. In dieser Zeit hatte ich vier Krankenhausaufenthalte und musste viermal den Notdienst bzw. die Notaufnahme in Anspruch nehmen.

Ich moechte die Chronologie des Geschens hier nicht nochmal aufzaehlen, sondern ueber die Folgerungen hieraus etwas schreiben.

Von den beiden Uebeln der "Maennerkrankheit", Inkontinenz und behinderte Blasenentleerung, halte ich die Inkontinenz fuer das geringere Uebel, weil sie sich besser beherrschen laesst Gerne haette ich in diesen Monaten mit Inkontinenz eines leichten oder mittleren Grades getauscht.

Im Mai 2010 diagnostizierte ein spanischer Arzt meine Beschwerden als durch Krebs verursacht. Obgleich aus heutiger Sicht seine Diagnose nicht oder nicht ausschliesslich zutraf, bin ich ihm dankbar, weil er mir mit einer Zoladex-3-Monats -Hormonspritze eine beschwerdefreie Zeit verschaffte, die auch etwa 3 Monate danach noch anhielt. Hormontherapie hilft also auch bei gutartiger Prostatavergroesserung, weil sie nicht nur den Krebs sondern das Organ an sich schrumpfen laesst. Als die Beschwerden wieder einsetzten, habe ich mir Casodex-150 verschreiben lassen, da ich diese im Gegensatz zur Spritze jederzeit absetzen konnte. Ich habe dann 5 Tage lang die Tabletten genommen (=Besserung) und konnte danach 10 Tage ohne Tabletten auskommen. Mit dieser "intermittierenden Hormonblockade" habe ich 3 Zyklen (= 45 Tage) gemacht und, da dies so nicht weitergehen konnte, die Zeit genutzt, um nach einem Ausweg zu suchen.
Da ich immer noch an "durch Krebs verursacht" glaubte, waere ich, um das Problem loszuwerden, sogar zu einer Prostatektomie bereit gewesen. Aber ich bin dann auf die Alternative HIFU gestossen. HIFU war die Therapie, die mir vor Jahren Dr. Bliemeister empfohlen hatte, nachdem er mittels Feinnadel-Aspirations-Biopsie und DNA-Analyse eine Verschlechterung der Malignitaet ermittelt hatte.
Ich fuehrte Gespraeche und hatte Telefonate und Email.Kontakte mit zustaendigen Aerzten in der Universitaetsklinik Halle (Prof. Fornara), Franziskus-Krankenhaus Berlin (Frau Dr. Kuehn) und der Charite Berlin (PD Dr. Schostak). Besonders letzterer hat mich gut beraten. Bei diesen Gespraechen bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, dass die (oft schlechtgeredete) HIFU eine gute und schonende Therapie ist und im Laufe der Jahre zu einer Konkurrenz zu Prostatektomie und Bestrahlung werden koennte.
In meinem Falle wurde mir eine erneute TUR-P vorgeschlagen, jedoch in der klassischen Art mit Elektroschlinge. Einhellig wurde die in insbes. Frauenzeitschriften mit viel Hype propagierte Laser-OP als wenig effektiv beurteilt.
Das habe ich dann im Maerz d.J. auch gemacht, allerdings aus Termingruenden (Spanien!) nicht in der Charite sondern im St. Hedwig Krankenhaus in Berlin, das mir von Bekannten empfohlen worden war. Diese Operation war ein Erfolg. Ich muss nun schon seit 50 Tagen keine Hormontabletten mehr nehmen und bin beschwerdefrei.

Ueber einige andere Erfahrungen moechte ich noch berichten.

Das Setzen eines Blasenkatheters setzt Erfahrung und Geschick voraus. Man sollte das nur von Urologen machen lassen, weil sie das in ihrer Assistentenzeit in den Krankenhaeusern gelernt haben. Nachdem ein Notarzt das an mir versucht hatte, kam es zum Vollverschluss und ich musste ins Krankenhaus.

Meine Erfahrungen mit Krankenhaeuser waren folgende: In der Uniklinik Leipzig hatte ich zwar kurzfristig einen Termin fuer die Laser-OP bekommen. Meine Beurteilung war auch zunaechst positiv, weil das Pflegepersonal sehr freundlich war, im ausliegenden "Gaeste-Buch" nur Positives zu lesen war, und ein in der Lokalpresse erschienener Artikel zur Bilanz der Klinik mich beeindruckt hatte. Aber ich bin dort ueber die Art der Operation nicht richtig aufgeklaert worden, die aerztliche Behandlung war mit Vollnarkose und 24 Stunden Intensiv-Station belastend, Voruntersuchungen waren wenige (nur Blut und Restharn) und das Ergebnis war unbefriedigend, da ich Tage nach Ziehen des Katheters die gleichen Beschwerden hatte wie zuvor.
Im St. Hedwig Krankenhaus Berlin hingegen hat alles gestimmt, mit Ausnahme der Qualitaet des Mittagessens. Der Trend geht da wohl zur Anlieferung von Mittagessen aus Fremdkuechen. Ruehrei aus Eipulver hatte ich vorher noch nie gegessen. Aber auch Roentgen der Lunge und EKG wurden gemacht, die Spinalanaesthesie habe ich gut ertragen und die Intensivstation blieb mir auch erspart. Erst nach gruendlicher Nachuntersuchung wurde ich entlassen.
Es bleibt noch zu erwaehnen das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin, wo ein Nicht-Urologer mir in der Notaufnahme einen Katheter gesetzt hatte, der wegen Verstopfung nach 5 Tagen wieder entfernt werden musste.

Meine Erfahrungen mit den niedergelassenen Urologen moechte ich ein Desaster nennen. Mein erster, langjaehriger Urologe wollte mich nur konservativ behandeln, weil er mich wegen meines Alters nicht mehr
fuer operationstauglich hielt. Auch mein deutscher Urologe in Spanien, zu dem ich jahrelang Kontakt gehabt hatte, hat mich mit Penicilin und Alpha-Blocker behandelt und als alles nur schlimmer wurde, wollte er mich mit einem deutschen, in Spanien nicht zugelassenen Medikament auf "Schrumpfblase" behandem. Dann wurde mir von einem spanischen Arzt alternativ Orchietektomie und Prostatektomie vorgeschlagen. Zum Glueck konnte ich auf Zoladex ausweichen. In Deutschland wollte mich ein Arzt wieder mit kontinuierlicher ADT1 behandeln, obgleich mein PSA-Wert durch die in Spanien erhaltene Spritze auf 1,66 heruntergegangen war.
Keiner der Urologen hatte mit Ausnahme der ihnen in den Behandlungsrichtlinien vorgegebenen Medikamente und Verfahren Ratschlaege fuer mich, die auf eine Kenntnis der Biologie des Krebses oder auf Auseinandersetzung mit dem uns bekannten Schriftgut (Strum, Scholz, Leibowitz, Tribukait, Walsh, Boecking) schliessen liessen. Also gilt weiterhin auf nicht absehbare Zeit fuer uns der zweite Rat von Uwe Peters: "Werden Sie ein muendiger Patient! Weil das Wissen der meisten Aerzte fuer Sie NICHT ausreicht." Auch bei www`prostatakrebse.de nachzulesen.

Gruss, Reinardo

Josef
23.05.2011, 17:34
Danke Reinardo,
und dir alles Gute weiterhin!
Gruß Josef Dietmar

www.krebsforum.at