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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : PSA Wert steigt nach drei Jahren an - Messungenauigkeiten?



member_prostatakrebs
14.06.2011, 09:28
Liebe Formumsteilnehmer,

vor drei Jahren wurde mein Vater in Dortmund microinvasiv operiert (LRPE).
Die Daten wurden als T2c, R1, Gleason 3+4=7 dargestellt.
Da die Schnittraender positiv waren, haben wir nach 6 Monaten eine zusaetzliche Bestrahlung in einem Dortmunder Spezialzentrum durchfuehren lassen (ueber mehrere Monate), die mein Vater recht gut vertragen hat.
Ueber drei Jahre hinweg war der PSA nicht nachweisbar (kleiner 0.04).
Nun hat er einen Wert von 0.08 erhalten..wir sind nicht in Panik, aber meine Frage:

Wie ist ein solcher Wert interpretierbar und gibt es Ausreisser (bouncing) auch nach einer RPE plus Bestrahlung? Sind Werte unterhalb 0.1 ueberhaupt sinnvoll interpretierbar und ab was fuer einem Schwellwert / Verdoppelungszeit muessen wir ueber eine Hormontherapie nachdenken? Mein Vater ist momentan Anfang 70.

Vielen Dank und freundliche Gruesse!
Jan

spertel
16.06.2011, 14:20
Hallo Jan

Auf Grund des Alters Deines Vaters besteht auch momentan kein Grund in Panik zu geraten.

Nach dem pathologischen Befund, der recht günstig erscheint, und der postoperativen Strahlentherapie müßte im Bereich der Prostataloge eigentlich alles sauber sein.

Eine Form des "Bounce" nach RPE und Bestrahlung ist mir eigentlich nicht bekannt, dennoch sind Fehlmessungen und Ungenauigkeiten in diesem sensiblen Messbereich durchaus möglich und auch hier häufig ein Thema.
Über die Interpretierbarkeit von Messergebnissen unterhalb von 0,1 ng/ml gibt es unterschiedliche Ansichten; die einen wünschen so früh wie möglich, ein Rezidiv zu erkennen, um frühzeitig weitere Massnahmen zu erwägen.

Für andere spielen Werte unterhalb dieser Messgrenze keine Rolle, da Messwerte um 0,1 ng/ml (evtl. sogar noch höhere Werte) andere Ursachen haben könnten, z. B. gutartiges Restgewebe am Blasenhals.

Dies könnte auch bei Deinem Vater der Fall sein; ich würde empfehlen, im nächsten Vierteljahr eine Kontrollmessung durchführen zu lassen. Da beide kurativen Ansätze, die OP und Strahlentherapie, ausgereizt sind, versäumt ihr rein gar nichts, wenn ihr eine gewisse Zeit verstreichen laßt.
Möglicherweise verharrt der PSA-Wert und steigt nicht weiter an; dies wäre der günstigere Verlauf.

Sollte der Wert sich weiter steigern liegt der Verdacht nahe, dass zum Zeitpunkt der OP bereits Krebszellen im Lymphsystem unterwegs gewesen sind, deren PSA-Produktion nun messbar wird. Dies wäre nach -3- Jahren zwar recht selten, aber durchaus möglich.

Wieviele LK sind bei der OP entfernt worden ?

Ich vermute mal keine, da bei lapraskopischen OP´s eine Lymphadenektomie oft nicht durchgefürt wird.

Die Hormontherapie sollte vorerst kein Thema sein, da diese sehr belastend ist und soweit wie möglich aufgeschoben werden sollte. Hierfür ist der weitere PSA-Verlauf ausschlaggebend; da können durchaus noch einige Jahre ins Land gehen, sofern ein weiterer Anstieg im Verlauf der Zeit zu beobachten ist.

Alles Gute und viel Glück

Spertel

member_prostatakrebs
08.07.2011, 07:48
Hallo Spertel,

danke fuer Deinen Beitrag.
Wir haben nach 4 Wochen nachmessen lassen, und den 0.08 Wert bestaetigt bekommen.
Der Operateuer hat auch die Lymphknoten entnommen, sonst haetten wir nicht laparoskopisch operieren lassen. Die genaue Zahl muss ich noch nachforschen, aber zunaechst warten wir mal ein Vierteljahr ab!
Der betreuende Urologe meinte allerdings wenn der Wert ueber 0.1 ansteigen wuerde dann wolle er sofort mit einer Hormontherapie beginnen, was ich auch nach der Meinung hier im Forum fuer etwas verfrueht halte.

Viele Gruesse, danke
Jan

Daniel Schmidt
08.07.2011, 18:03
Der betreuende Urologe meinte allerdings wenn der Wert ueber 0.1 ansteigen wuerde dann wolle er sofort mit einer Hormontherapie beginnen, was ich auch nach der Meinung hier im Forum fuer etwas verfrueht halte.

Ich würde abwarten. Es kann durchaus mal zu einem Lokalrezidiv trotz Bestrahlung kommen, allerdings besteht kein Grund bei einem PSA von 0,1 ohne Symptome mit einer sofortigen Hormontherapie zu beginnen.