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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hormonblockade



HerbertK
02.09.2006, 15:15
Hallo Mitstreiter,

in Erläuterungen/Kommentaren zur Hormonblockade werden Wirkung und
Nebenwirkungen von CASODEX und FLUTAMID verglichen.
Hier eine Ergänzung : FLUTAMID ist ein reiner Blocker. CASODEX hat einen
anderen Wirkungsmechanismus. CASODEX kann bei geringer Dosierung (50mg)
und alleiniger Anwendung (HB1) Krebs stimulieren. Bei HB2 und HB3 reicht
eine Dosierung von 50mg CASODEX. Bei hoher Dosierung - 150mg CASODEX -
wird von Todesfällen berichtet (Herz-Kreislauf).
Quelle: Dr. Böcher, Klinik für integrative Onkologie, Soest - Vortag beim
3. Dortmunder Patientenseminar am 25. und 26.08.2006

Mit freundlichem Gruß
Herbert

Hans-W.
02.09.2006, 19:32
Hallo Herbert,
endlich mal eine vernünftige Erklärung über Casodex 50/150 und die immer wieder erwähnte Behauptung, dass Casodex den Krebs füttert. Wie ich das jetzt verstehe wurden wieder Halbwahrheiten als Tatsache dargestellt, die durch deinenen Beitrag jetzt hoffentlich ein Ende finden. Applaus Applaus!! Kennst du ein Link zu diesem Vortrag von Dr. Böcher oder hast du eine Kopie? Ich würde das gerne mal komplett lesen.
Hans-W.

cligensa
02.09.2006, 22:54
Hallo Herbert,
Du hattest mir ein E-Mail mit dem gleichen Text geschrieben, auf das ich Dir vor einigen Tagen geantwortet habe, erhielt aber immer wieder die Auskunft vom Administrator, dass Deine E-Mail-Adresse nicht erreichbar ist. Hier also die Antwort:

Lieber Herbert,
die Aussagen, die bei dem 3. Dortmunder Patientenseminar durch Dr. Böcher gemacht worden sind, entsprechen in so ziemlich keinem Punkt den wissenschaftlichen Fakten, den Erfahrungen der Ärzte und Patienten, die eine DHB seit mehr als einem Jahrzehnt (in den USA) und seit mehr als 5 Jahren (in Deutschland) gemacht haben und den Berichten aus verschiedenen urologischen und onkologischen Kongressen sowie den Erfahrungen der Ärzte mit Casodex und Flutamid. Ich wiederhole einige Deiner Aussagen und kommentiere sie nach "C.L.":

1. FLUTAMID ist ein reiner Blocker. CASODEX hat einen anderen Wirkungsmechanismus.

C.L.: Beides sind nichtsteroidale Antiandrogene, beide haben die Funktion, die Rezeptoren der Prostatazellen für weitere Zuführung von Testosteron zu blockieren. Die wesentlichen Unterschiede liegen in den unterschiedlichen Nebenwirkungen. Geringfügige Unterschiede im Wirkmechanismus sind vorhanden, daher kann auch nach Wirkungslosigkeit des einen Medikamentes noch das andere probiert werden, was jedoch meist keine wesentlich anderen Auswirkungen hat. Das gilt sowohl in der einen wie in der anderen Richtung.

2. CASODEX kann bei geringer Dosierung (50 mg) und alleiniger Anwendung Krebs stimulieren.

C.L.: In dieser allgemeinen Formulierung ist diese Aussage völlig falsch und widerspricht langen und ausführlichen, weltweiten Studien. Casodex 50mg wurde seit etwa 1992 hundert millionenfach in der PCa-Bekämfung weltweit eingesetzt.
Es ist bekannt, daß nach längeren Gaben von nichtsteroidalen Antandrogenen über Jahre hin, insbesondere bei häufiger intermittierender Gabe zwei Mechnismen der Resistenz eintreten können:
a. Zellen mutieren, wie bei fast allen Hormone blockierenden Wirkstoffen, die jahrelang gegeben werden. Zellen können sich durch Mutation auf verschiedene Wirkstoffe aus Gründen des Zell-Überlebenskampfes einstellen und fangen an, sich dann von Casodex (oder Flutamid) zu ernähren. Man kann dann das sog. Antiandrogenentzugssyndrom feststellen, das in der Literatur bekannt ist: durch Absetzen von Casodex oder Flutamid sinkt der PSA-Wert.
b. Nichtsteroidale Antiandrogene können nach längerer, oft jahrelanger Gabe die Produktion von übermäßig vielen Rezeptoren stimulieren (Überschwemmung), die außerdem noch in hohem Maße testosteronsensibel sind, d.h. geringe Mengen von Testosteron doch noch an die PK-Zellen herantragen können. Das sind mögliche Nebenwirkungen von Langzeitgaben des Casodex (und auch Flutamid), die üblicher Weise bei stark entdifferenzierten Zellen (z.B. Gleason Score 9 und 10) eher auftreten.

Aus diesen Gründen empfiehlt Dr. Leibowitz, dann, wenn üblicherweise bei einer Ausgangssituation mit mehreren Hochrisikofaktoren ein zweiter Zyklus der DHB notwendig werden sollte, nicht mehr Casodex oder Flutamid als zweite Komponente, sondern Ketokonazole oder andere Antiandrogene, die Testosteron aus den Nebennieren blockieren. Darüber hinaus empfiehlt er bereits zu diesem Zeitpunkt nach stark angestiegenem PSA die gering dosierte Chemotherapie. Das Tumorwachstum soll wieder "eingefangen" werden, so daß dann nach Absetzen der Therapien durch verschiedene Medikamente (antiangiogene Medikamente) in einer Erhaltungstherapie wieder Jahre guter Lebensqualität hinzugefügt werden können. Immer spielt das indiviuelle Ausmaß der Tumorerkrankung, die Aggressivität etc. eine wesentliche Rolle bei solchen Therapieentscheidungen. Ihm geht es um Langzeit-Therapiekonzepte zur Kontrolle einer chronischen Krankheitssituation, nicht etwa um kurzfristige Behandlung des PSA.

3. Bei der HB3 reicht eine Dosierung von 50 mg CASODEX.

C.L.: Falls Dr. Böcher 12 bis 15 Jahre Erfahrung mit der DHB hat, dann sollte er doch bitte seine Erfahrungen mit evidenzbasierten Daten belegen, wie das Dr. Leibowitz in der wissenschaftlichen Zeitschrift der amerikanischen Onkologen "The Oncoloist" getan hat mit weiterer Verfolgung der Patientenergebnisse. Da ich aber annehmen muß, daß er diese Erfahrung nicht hat, kann ich nur darauf hinweisen, daß Dr. Leibowitz/Tucker ausdrücklich widersprechen, nur 50 mg Casodex anzwenden! 150 mg sind integraler Bestandteil der DHB und erforderlich. Wenn dies aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, empfiehlt er Flutamid 3x250mg. Ich vermute, daß Dr. Böcher seine Empfehlung, nur 50 mg einzusetzen, falls er es denn getan hat, aus seinen Bauch heraus getan hat, wofür er eher finanzielle (im Interesse des Patienten) als medizinische Gründe haben könnte. Oder Du hast ihn falsch verstanden.

4. Bei hoher Dosierung (150 mg CASODEX) wird von Todesfällen berichtet (Herz-Kreislauf).

C.L.: Herz-Kreislaufprobleme sind bei Herren in höherem Alter nicht ungewöhnlich, die dann natürlich sofort einem der Medikamente der DHB zugeordnet werden. Natürlich ist in den Beipackzetteln der verschiedenen Medikamente nachzulesen, welche Nebenwirkungen in seltenen Fällen zu erwarten sind und dass besonders der LH-RH-Analogon Eingriff auch Herz-Kreislaufprobleme zur Folge haben kann. Es gibt aber keinen Hinweis darauf und auch keine Erfahrungspotential, daß bei der Gabe von 150mg Casodex eine besondere Gefahr von Herz-Kreislauferkrankungen die Folgen sind. Üblicherweise sind die Nebenwirkungen der DHB bei einem sonst gesunden Mann moderat.

Bei einer 150 mg Monotherapie ist in einem Versuchsarm ein Ergebnis aufgetreten, das zu Diskussionen geführt hat. Zu 150 mg Casodex Monotherapie gibt es eine Studie mit über 8000 Männern weltweit, sie wird in verschienen "Studienarmen" durchgeführt. In der fraglichen Studiengruppe wurden Männer ohne vorherige lokale Therapie jedoch mit Komorbiditäten (zusätzlichen anderen Erkrankungen) und in einem Alter von 72 Jahren aufwärts in der Casodex-Gruppe gegenüber der Placebogruppe untersucht. Etwa um 20 Männer mehr (ca. 190 statt 170) sind in der Casodexgruppe gegenüber der Placebogruppe gestorben. Sie sind nicht an Prostatakrebs gestorben und ob diese etwas höhere Anzahl auf Casodex zurückzuführen war, konnte nie ermittelt werden, man kann es aber auch nicht ausschließen, wie die hiesigen Zulassungs-Beamten argumentieren (nur Deutschland und Canada folgen dieser Argumentation). Daher wurde die 150 mg Casodex-Pille in Deutschland und Canada vom Markt genommen. In den anderen Ländern ist weiterhin eine 150 mg Casodex-Pille zu erhalten, weil dort auch die Casodex-Monotherapie in den anderen Studienarmen eindeutige und erstaunliche Erfolge bei den Patienten nachgewiesen wurden. Die Studie wird noch weitergeführt.
Studienleiter in Deutschland: Prof.Wirth, Dresden.

Ich hatte Dich um Deine Genehmigung gebeten, Dein E-Mail mit den Aussagen von Dr. Böcher im Forum veröffentlichen zu dürfen, damit ich diese Mißverständnisse klären kann. Nun hast Du es dankenswerter Weise selbst getan. Ich hatte allerdings vorgeschlagen, dass Du Dich vorher mit Dr. Böcher in Verbindung setzt, damit es nicht zu Mißverständnissen kommt zwischen dem, was er gesagt hat und dem, was Du verstanden hast. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Dr. Böcher solche krassen Aussagen gemacht hat.
Grüße
Christian

herbertina
03.09.2006, 09:56
mit der bitte um antwort:
mit meinen 83-alle sonstigen werte optimal im grünen bereich-nun verdoppelung des psa in zwei jahren von 10 auf 20.
knochenszintigramm ohne befund.
2 urologen sagen,ohne weitere untersuchung,"sie haben krebs " und sollten eine hormonbehandlung jetzt anfangen.
wenn das so richtig ist,ist dann casodex das mittel der wahl und wenn 15in deutschland nicht zugelassen,kann man dann nicht einfach 3x50 täglich nehmen .Ich bin privatpatient.
danke für jede antwort.
herbertina

cligensa
03.09.2006, 11:03
mit der bitte um antwort:
mit meinen 83-alle sonstigen werte optimal im grünen bereich-nun verdoppelung des psa in zwei jahren von 10 auf 20.
knochenszintigramm ohne befund.
2 urologen sagen,ohne weitere untersuchung,"sie haben krebs " und sollten eine hormonbehandlung jetzt anfangen.
wenn das so richtig ist,ist dann casodex das mittel der wahl und wenn 15in deutschland nicht zugelassen,kann man dann nicht einfach 3x50 täglich nehmen .Ich bin privatpatient.
danke für jede antwort.
herbertina
Lieber Herbertina,
als Nichtmediziner darf ich keine medizinischen Ratschläge geben. Ich kann aber meine Meinung aus nun mehr fast 8 Jahren Erfahrung im Umgang mit dem Prostatakrebs sagen. Dabei versuche ich mich so nahe wie nur möglich an Ratschläge von Ärzten (meist Dr. Leibowitz und Dr. Strum, weil ich damit die meisten Erfahrungen habe) oder an wissenschaftliche Erkenntnisse zu halten.
Zu Deinem Problem:
Eine Casodex Monotherapie mit 150 mg ist sicher eine Möglichkeit, die den Charme hat, dass Testosteron erhalten bleibt und damit alle üblicherweise die Lebensqualität einschränkenden und den Körper schwächend beeinflussenden Nebenwirkungen des Testosteronverlusts vermieden werden. Dr. Leibowitz empfiehlt normalerweise eine Casodex-Monotherapie nicht. Was er Dir mit Deinen 83 Jahren empfehlen würde, weiß ich natürlich nicht genau, wahrscheinlich auch eine Dreifache Hormonblockade, die dann, wenn eine positive Reaktion (PSA-Abfall in den nicht mehr meßbaren Bereich) sehr schnell eintritt nicht mehr die vollen vorgesehenen 13 Monate sondern kürzer angesetzt werden könnte. Aber hier rate ich herum. Das prinzipielle Konzept sollte jedoch gewahrt bleiben: Mit dem ersten Ansturm auf Krebszellen ein Optimum an Apoptose (Zelltod) zu erreichen, um dann nur noch eine Erhaltungstherapie mit Proscar anschließen zu lassen. Wir haben viele Patienten im geringen Risikobereich, die dann viele Jahre kein Problem mehr haben.
Eine Verdoppelungszeit von 2 Jahren bedeutet, es scheint ein nicht sonderlich aggressiver PCa vorzuliegen, auch wenn der PSA jetzt schon auf 20 ng/ml angestiegen ist.
Also mir scheint eine Dreifache Hormonblockade über eine begrenzte Zeit, maximal 13 Monate (der PSA-Wert muß dabei aber mehrere Monate im unmeßbaren Bereich gehalten werden) mit anschließender Proscar-Erhaltungstherpie günstiger, als eine permanente oder intermittierende HB mit einer Depotspritze (was natürlich auch eine Option ist) oder eine permanente oder intermittierende Casodex Monotherapie mit 150 mg. Du hast recht: 3 mal 50mg Pillen ergeben auch 150 mg Casodex.
So ohne jegliche zusätzliche Informationen über Vorgeschichte, bisherige Verläufe der PSA-Werte, sonstige Probleme eines 83 Jährigen etc. kann ich nicht viel mehr als diese meine Meinung sagen.
Weiterhin kann ich Dir bestätigen, dass nahezu alle Männer in Ihren 80ern Prostatakrebs (80% bis 100%, durch Studien nachgewiesen) haben, der aber oft überhaupt keiner Behandlung bedarf, wenn eine geringe Aggressivität vorliegt. Dir kann ich nur empfehlen, niemals auf der Basis nur eines PSA-Wertes - und sei er noch so schnell angestiegen - eine Therapieentscheidung zu treffen. Erst mal mindestens durch 3 weitere PSA-Messungen die Dynamik des Krebses bestätigen lassen - oder vielleicht sogar beim nächsten Messen einen Abfall zu erleben. Dann kannst Du auch erst mal einige Zeit nur eine aktive Überwachung anhängen. Das wünsche ich Dir.
Grüße
Christian

herbertina
03.09.2006, 11:19
hallo christian,
das ist mal eine antwort,die mich für meinen morgigen besuch beim dritten urologen stärkt. danke.
hier noch einige zusätzliche daten:
psa zwische 02 und 04 von 4,27 auf 9,30
03.o5 dann 13,50
09.05 dann19,40
07.06 dann 21,20
werte immer beim selben institut.
nmp-urothel-test,negativ
biopsie in 05 bei high-grad-pin 11/01
kannst du daraus noch etwas schlussfolgern ?
danke für sonntägliches arbeiten
herbertina

cligensa
03.09.2006, 16:23
hallo christian,
das ist mal eine antwort,die mich für meinen morgigen besuch beim dritten urologen stärkt. danke.
hier noch einige zusätzliche daten:
psa zwische 02 und 04 von 4,27 auf 9,30
03.o5 dann 13,50
09.05 dann19,40
07.06 dann 21,20
werte immer beim selben institut.
nmp-urothel-test,negativ
biopsie in 05 bei high-grad-pin 11/01
kannst du daraus noch etwas schlussfolgern ?
danke für sonntägliches arbeiten
herbertina
Hallo Herbertina,
wenn man nicht genau, sondern nur mit Daumenpeilwerten rechnet, hast Du sowohl zwischen 2002 und 2004 wie auch zwischen 2004 und 2006 jeweils eine Verdoppelungszeit des PSA-Wertes von etwa 2 Jahren erfahren. High Grade PIN sind Vorstufen des PCa, wobei eben halt die Biopsie in 2005 nicht unbedingt vorhandene PCa-Zellen entdeckt haben muß. M.E. geht es jetzt bei Dir nur darum, wie der sowieso nicht sehr aggressive Krebs unter Kontrolle gehalten werden kann. In weiteren 6 Jahren, dann bist Du 89 Jahre alt, könntest Du einen PSA-Wert von 160 ng/ml erwarten, wenn Du gar nichts machst und wenn der Krebs bei diesen kalkulatorischen Rechnungen mitspielt. Ob er dann bereits Metastasen entwickelt hat, ist eine offene Frage, die aber mit einiger Wahrscheinlichkeit bejaht werden müßte. Soweit braucht es aber nicht zu kommen, wenn Du eine Hormonblockade machst. Nach wie vor würde ich an Deiner Stelle die DHB über 13 Monate (oder etwas weniger) durchziehen, dann absetzen und nur noch die Proscar-Erhaltungstherapie anwenden. Da Du ein sonst gesunder Mann bist, sollten die Nebenwirkungen der DHB sich auch moderat auswirken. Welche das sind, wie man dies kontrolliert kannst Du entweder in unserer Website www.prostatakrebse.de (http://www.prostatakrebse.de) erfahren, etwas ausführlichere Informationen in Papierform kannst Du auch direkt von mir erhalten.
Grüße,
Christian

herbertina
04.09.2006, 16:48
aufgrund der psa verdoppelungen der letzten jahre ist vorhandener krebs wahrscheinlich.
da agressivität histologisch nicht nachgewiesen ist,schlägt er ein 1-monatsdepot vor,um zu sehen,wie ich die nebenwirkungen ertrage und wie der psa-wert reagiert.
wenn das ergebnis für eine bis maximal 13 monate weitere behandlung spricht,soll man es machen,mit anschliessender proscar-behandlung.
der prof.meint,ich könnte mir dann in meinem alter eine andere todesursache aussuchen.
von casodex als alleintherapie hält er nichts.
ein weger einer anderen geschichte konsultierte radiologe meint heute,es wäre kein problem,den zustand der prostata und eventuelle maligene veränderungen festzustellen.mache ich vielleicht noch.
wo ist die kontonummer der selbsthilfegruppe,ich möchte mich bedanken.
besen gruss
herbertina

Friedhelm
05.09.2006, 15:47
Hallo Mitstreiter,

zu diesem Thema passt noch eine Antwort des Herstellers von Casodex aus dem Jahr 2005 auf meine Frage zu den Todesfällen mit Casodex 150 mg.

ZITAT:

Sehr geehrter Herr F,

ich beziehe mich auf Ihr E-Mail von heute in Zusammenhang mit Casodex 150 mg
und 3-fache Hormonblockade.

Uns selbst liegen leider keine eigenen klinischen Erfahrungen zur 3-fachen Hormonblockade mit 150mg Casodex vor. Dieses Behandlungsschema geht allein auf Herrn Leibowitz zurück, Vergleichstudien fehlen.
Warum er für diese Kombination die Dosierung von Casodex auf 150 mg/Tag
gewählt hat, entzieht sich unserer Kenntnis.

Üblicherweise werden 50mgCasodex innerhalb einer Kombinationstherapie (komplette Androgenblockade)eingesetzt.

Die Aussage Ihres Onkologen, man würde heute Casodex 150 mg nicht mehr geben, ist so nicht ganz richtig. Man muß auch zwischen Monotherapie und Kombinationsbehandlung unterscheiden:


Die Monotherapie mit Casodex 150 mg /Tag ist für die Behandlung des lokal begrenzten Karzinoms nicht geeignet und wird von uns auch nicht empfohlen. Dies geht auf eine Auswertung einer Untergruppe von Patienten aus einem internationalen Studienprogramm zurück (zahlenmäßig mehr Todesfälle in der Casodex - Gruppe). Bei dieser Untergruppe handelte es sich aber ausschließlich um Patienten mit lokal begrenztem Stadium, die an Stelle eines Beobachtenden Abwartens früh mit Casodex 150 mg behandelt worden waren.


Im Gegensatz dazu bringt die Monotherapie mit Casodex 150 mg/Tag sehr wohl einen Nutzen für Patienten mit einem hohen Progressionsrisiko. Hierzu zählen Patienten mit lokal fortgeschrittenem Stadium nach Operation oder nach Bestrahlung (sogenannte adjuvante Behandlung) bzw. Patienten, die an Stelle eines Beobachtenden Abwartens eine frühe Casodex -Therapie erhalten.
Für diese Patientengruppen liegen auch in vielen europäischen Ländern Zulassungen vor. Eine aktuelle Auswertung hat bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Tumor, die bestrahlt und anschließend mit Casodex 150mg/Tag behandelt worden waren, eine Senkung der Todesrate ergeben.


Zur Kombinationsbehandlung mit Casodex 150 mg/Tag wurden keine Vergleichstudien durchgeführt. Es existieren lediglich kleinere Studien, bei denen über klinische Erfahrungen mit Casodex 150 mg als 2. oder 3. Schritt nach Versagen einer primären oder sekundären Hormontherapie berichtet wird.
Casodex wurde hier also zusätzlich zu einer kastrationsbasierten Behandlung eingesetzt. Hier handelt es sich aber grundsätzlich um andere Tumorstadien als diejenigen, bei denen Herr Leibowitz eine 3-fache Hormonblockade anwendet.

Ich hoffe, diese Informationen sind für Sie hilfreich.



Mit freundlichen Grüßen

ZITAT Ende

Allen alles Gute

Friedhelm

cligensa
06.09.2006, 10:04
Zur Kombinationsbehandlung mit Casodex 150 mg/Tag wurden keine Vergleichstudien durchgeführt. Es existieren lediglich kleinere Studien, bei denen über klinische Erfahrungen mit Casodex 150 mg als 2. oder 3. Schritt nach Versagen einer primären oder sekundären Hormontherapie berichtet wird.
Casodex wurde hier also zusätzlich zu einer kastrationsbasierten Behandlung eingesetzt. Hier handelt es sich aber grundsätzlich um andere Tumorstadien als diejenigen, bei denen Herr Leibowitz eine 3-fache Hormonblockade anwendet.


Lieber Friedhelm,
Aus dem Zitat der Antwort von AstraZeneca ist vieles richtig, auch daß zur Kombinationstherapie mit Casodex 150mg/Tag und damit zur DHB keine direkten Vergleichsstudien durchgeführt wurden. Bei einem Metaanalysenvergleich der Effizienz von intermittierenden Hormonblockaden (London Februar 2005) wurden jedoch sehr wohl die hervorragenden Ergebnisse des Therapieprotokolls nach Leibowitz anerkannt.

Nicht richtig ist, dass Leibowitz die DHB nicht auch bei Patienten mit hohem Risiko, Samenblase- und/oder Lymphknotenbefall und Metastasen anwendet. Nur ist er der Auffassung, dass dann die DHB allein nicht wirksam genug ist, er empfiehlt bereits bei mehreren Komponenten des hohen Risikos zusätzlich, also gegenüber der konservativen Behandlung als prophylaktisch zu bezeichnen, die gering dosierte Chemotherapie.

Nur bei einem Prostatakrebs mit geringen bis mittleren Risikofaktoren (wenn denn Gleason Score und andere Parameter nach Biopsie korrekt bestimmt worden sind) ist mit den hervorragenden Langzeitergebnissen nach 13 Monaten der Kombinationstherapie mit 150 mg Casodex und der anschließenden Proscar-Erhaltungstherapie zu rechnen. Diese Ergebnisse werden auch hier in Deutschland durch viele Patienten bestätigt. Selbst bei meinen zwei Hochrisikofaktoren bin ich noch 8 Jahre nach der Diagnose (PSA 32 ng/ml, Gleason Score 7, 4 von 8 Stanzen zu 100% befallen) bisher ohne einen zweiten Zyklus HB3 und gering dosierter Chemotherapie ausgekommen. Leibowitzempfehlung in solchen Situationen zunächst: antiangiogene Medikamente, deren Wirkung jedoch auch immer noch "experimentell" ist.

Der Grund von Dr. Leibowitz nicht Casodex 50mg sondern 150mg in die Kombinationsbehandlung der DHB über 13 Monate einzubinden in Kurzform: Es geht um eine absolut totale Blockade jeglichen Testosterons als Futter für die Prostatakrebszellen über einen ausreichend langen Zeitraum. Testosteron entsteht ja nicht nur in den Hoden sondern auch in den Nebennieren und Krebszellen sind verdammt erfinderisch, sich Futter vom Körper einzumahnen, wenn es um ihr Überleben geht. Sie können - wie der ganze Mensch auch - auf einen Hungermodus umschalten. Hier geht es also um einen Zeitraum, der nicht nur den PSA in den Keller haut (machen alle HB in den ersten Wochen), sondern der bei einem nicht mehr meßbaren PSA-Wert über viele Monate (9 Monate oder mehr) ein Maximum an Apoptose am Tumor erzielt und dann mit der Proscar-Erhaltungstherapie den Krebs über viele Jahre (Patienten bis zu 12 Jahren wurden beobachtet) in Schach halten kann oder zusammen mit dem körpereigenen Kampfsystem den Krebs umbringt. Und doch nicht so lange andauert, dass die Produktion des Testosteron in den Hoden durch den LH-RH-Agonisten kaputt gemacht wird. Testosteron muß wiederkommen und wird in möglichst hohem Bereich zur guten Lebensqualität aber auch zur weiteren Bekämpfung des Prostatakrebses benötigt, wenn ein ansteigender PSA-Wert Krebsaktivität signalisiert. Auch zur Vermeindung von zu früher Resistenz wird Testosteron benötigt, was ebenfalls durch eine möglichst lange Pause zwischen Hormonblockadezyklen erreicht wird. Auch ein wenig höhere PSA-Werte nach einer DHB sind für Dr. Leibowitz akzeptabel, ich konnte ihm aber keinen klaren Höchstwert entlocken, da er nicht den PSA-Wert sondern den gesamten Menschen und seine Krebserkrankung behandelt und nicht den PSA-Wert. Alle diese Überlegungen sind hier in Deutschland (und auch bei den Organspezialisten der Urologie in den USA) nicht sehr verbreitet. Daher ist es schwierig, seine Protokolle und Konzepte hier umzusetzen. Internationale Patienten nimmt er leider nicht mehr an.
Dr. Tucker, sein ehemaliger Mitarbeiter, schon, der arbeitet aber zurzeit in einen "Sabattical Year" für ein Jahr in Singapur.
Grüße
Christian

herbertina
11.09.2006, 11:54
nochmals eine frage an alle mitstreiter,insbesondere christian::
ich liess mir heute eine mrt machen.
ergebnis: keinerlei anzeichen in und ausserhalb der kapsel,auch lympfknotem ohne befund.
wie schon geschrieben,schlägt man von der drei urologen eine hormontherapie vor,mit der begründung der regelmässigen verdoppelung des pas-werts in den letzten 4 jahren,mit 21,o der zeit.
soll ich abwarten,oder trotzdem jetzt mit der hormontherapie beginnen ???
freundlichen gruss an alle
herbertina

herbertina
16.09.2006, 09:12
liebe mitstreiter dieser seite,
casodex kann ich schon nicht mehr hören,nebenwirkungen,preis,wechselwirkungen,deshal b eine ganz simple frage und vielleicht bekomme ich eine antwort:
ausser den schon genannten psa-werten keinerlei hinweise auf einen bestehenden kreb,auch eine mrt-untersuchung brachte keinen hinweis.
soll ich mir nun mit meinen 83 das übel einer hormonbehandlung antun oder abwarten,bis sich der krebs manifestiert und dann das zeug schlucken oder spritzen lassen ????
schönes wochenende und gruss vom breisgau
herbertina

cligensa
18.09.2006, 00:49
Lieber Herbertina,
gerade von einem Segeltörn um die Balearen zurück, will ich Dir antworten, bevor ich wieder zum Kongress der DGU verschwinde.
Kalkulieren wir mal durch: Du machst erst mal gar nichts.
Bei einer Verdoppelungszeit von 2 Jahren müßtest Du, ausgehend von Deinen derzeitigen Wert um 20, also nach weiteren 2 Jahren bei 40 ng/ml, weiteren 2 Jahren bei 80 und wieder bei weiteren 2 Jahren im Alter von 89 Jahren bei einem PSA von 160 ng/ml liegen, wenn denn die Zellen diese Rechenkuststückchen so mitmachen.
Das könnte gehen, ohne dass Beeinträchtigungen der Lebensqulität selbst bei einem so hohen PSA-Wert wie 160 ng/ml vorliegen müssen, auch dann, wenn Metastasen schon erkennbar sind. Die könnten allerdings natürlich auch schon früher auftreten und in diesen zusätzlichen 6 Jahren auch schon Schwierigkeiten gemacht haben. Die Aggressivität des Krebses äußert sich nicht nur durch eine PSA-Verdoppelung sondern auch über die Proliferationsgeschwindigkeit. Die Aggressivität des Tumors ist bei Dir eine offene Frage, die aber zur Entscheidungsfindung einer optimalen Therapie eine große Rolle spielen würde.

Aber wahrscheinlich willst Du auch mit 89 noch nicht den Löffel aus der Hand legen. Hier ist das Risiko und die Wahrscheinlichkeit nur schwer abzuschätzen, wie es weitergehen könnte. Eine 13 monatige 3-fache Hormonblockade jetzt, wenn der Krebs noch relativ klein ist, erscheint mir die sinnvollste Therapie zu sein. Aber die hat in diesen 13 Monaten natürlich auch Nebenwirkungen. Nach dem Absetzen verschwinden zwar die Nebenwirkungen langsam alle wieder. Aber wenn Du die 13 Monate Nebenwirkungen ablehnst, dann geht das halt nicht.

Alternativ: Du hältst Dich sehr konsequent an die notwendigen Änderungen bei der Ernährung, Du bewegst Dich ausreichend und nachhaltig. Du nimmst Proscar oder Avodart, als einzige Medikamente. Aber dazu gibt es keine Studien, außer der bei gesunden Männern, die etwa um 25 % weniger Prostatakrebs entwickelt haben als die Männer in der Placebogruppe. Ob Finasterid oder Dutasterid auch sinnvoll sind, wenn man bereits Krebs hat, kann man nur vermuten, wenn man weiß, dass Dr. Leibowitz Finasterid als eine Erhaltungstherapie nach der DHB empfiehlt.
In jedem Fall solltest Du eine "aktive Überwachung" mit HIlfe des PSA-Testes weiterführen.

Ich wünsche Dir die Weisheit und Kraft und das richtige Bauchgefühl, die für Dich angemessendste Entscheidung zu treffen.
Grüße
Christian