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RuStra
24.06.2011, 10:59
Hallo Fortgeschrittene,

auch die ASCO-Konferenz will ausgewertet sein - zur AUA 2011 hatte ich schon angefangen, gunterman macht mit, prima!

Aber das vom 3. bis 7. Juni in Chicago absolvierte diesjährige Treffen der "American Society of Clinical Oncology" (http://www.asco.org/) sollte von uns zumindest soweit durchgegangen werden, dass wir wenigstens die interessantesten Entwicklungen mitbekommen.

Ich habe diesmal folgenden Weg im Netz gewählt, die jeder nachvollziehen kann:

1. diese Seite (http://chicago2011.asco.org/Abstracts.aspx)

2. Dann rechts in dem roten Knopf auf "ASCO annual meeting abstracts are available (http://abstract.asco.org/)" klicken

3. dann unten die dritte Möglichkeit auswählen "Browse abstracts by meeting track (http://abstract.asco.org/ConfCatView_102.html)"

4. Dann dort nach unten scrollen, auf "Genitourinary Cancer", und da dann auf "Prostate Cancer" (http://abstract.asco.org/CatAbstView_102_198_AA.html)klicken.

5. Endlich landen wir auf einer Seite, von der aus die Suche nun richtig losgehen kann. Ich würde mal zur Abwechslung empfehlen, die Sortierung nach "first author" anzuklicken, vielleicht ist das ja ein anschaulicherer Einstieg als über die Abstract-Nummer oder den Titel.

Blätterblätter, und siehe da, wer da auftaucht:

A.Heidenreich - zur Rezidiv-Diagnose (http://abstract.asco.org/AbstView_102_83888.html)

A.O. Sartor - zum Cabazitaxel (http://abstract.asco.org/AbstView_102_83178.html)

A. Reichle - mit seinem anti-inflammatorischen, immunmodulatorischen und antiangiogenen Ansatz (http://abstract.asco.org/AbstView_102_78225.html)

usw.
dies soll erstmal nur eine Aufforderung zum Mit-Suchen sein! Viel Spass dabei!
Rudolf

RuStra
24.06.2011, 12:02
... erstmal nur eine Aufforderung zum Mit-Suchen



schönschön: ich hab gleich mal gesucht ...

Hier ein Immuntherapie-Versuch:
Petrylak, Kantoff und andere experimentieren mit einem PSMA-Antigen (http://abstract.asco.org/AbstView_102_83808.html) und schrauben langsam die Dosis hoch, um eine noch bessere Wirkung zu erreichen.

Das PSMA = Prostata Spezifisches Membran Antigen ist in allen Prostata-Zellen, in Tumorzellen aber vermehrt, vorhanden.


Die vorwiegend deutsche Immuntherapie-Behandlungs-Szene kann man in diesem Abstract bewundern:
Kübler, Jocham, Miller haben eine Phase I/II-Studie (http://abstract.asco.org/AbstView_102_83642.html) mit CV9103 am laufen.


CV9103 is a prostate cancer (PCA) vaccine that contains the four antigens PSA (prostate specific antigen), PSCA, PSMA and STEAP1 as self-adjuvanted full-length mRNAs

Hier werden also gleich 4 Prostata-spezifische Proteine bzw. Bestandteile davon benutzt, um einen Anti-Tumor-Immuneffekt zu erzielen.
Dabei gings in dieser Studien-Phase erstmal um "safety", also kann man das Zeugs Männern tatsächlich verabreichen, ohne sie umzubringen.

Aber:

CV9103 was safe and well-tolerated and displayed an unexpectedly high level of cellular immunogenicity.

Es stellte sich also hier schon ein erwünschter Immuneffekt heraus.
Interessant. Zumal hier ein Immuntherapie-Versuch auf mRNA-Ebene läuft.

Die Firma CureVac aus Tübingen hat auf iherer Seite (http://www.curevac.de/news_events.php?uid=33&lang=de)auch einen Artikel auf deutsch, der genaus empfehlenswert zu lesen ist wie ein Artikel in der aktuellen Wirtschaftswoche "Impfung gegen Krebs".


Drittes Beispiel zu den Immuntherapie-Ansätzen:
Die Übertragung des Provenge-Erfolges auf das noch Androgen-abhängige metastasierte PCa (während die Zulassungsstudien zum CRPC, kastrationsresistenten PCa waren):
Fizazi und andere berichten von eine laufenden Rekrutierung für eine neue Phase-III-Studie (http://abstract.asco.org/AbstView_102_82363.html).

Bemerkenswert daran ist für uns Betroffene in der Provinz: Zwar ist Deutschland (s.o.) in Sachen Immuntherapien gg. Krebs gar nicht so schlecht aufgestellt, aber dass hier eine Forschergruppe aus Paris, London und den USA (auch Dendreon, die Provenge-Firma, ist natürlich dabei) diese Phase-III-Studie aufzieht, während aus D keiner mitmacht, ist schon verwunderlich.

RuStra
24.06.2011, 12:44
empfehlenswert zu lesen ist wie ein Artikel in der aktuellen Wirtschaftswoche "Impfung gegen Krebs".



Vielleicht, wenn wir (hoffentlich) schon intensiver über Immuntherapien beim PCa diskutieren, ein Blick aufs Nierenzellkarzinom:

Die angesprochene Firma CureVac aus Tübingen ist wohl benachbart zu einer anderen Firma, Immatics, die jetzt eine Phase-III-Studie fürs Nierenzellkarzinom begonnen hat, hier eine Pressemitteilung.
(http://www.immatics.com/index.php?action=download&id=509)

Auf der ASCO-2011 war sie auch vertreten, der Poster-Download ist ebenfalls über die homepage der Firma machbar, hier (http://www.immatics.com/index.php?action=download&id=508).


Zum allgemeineren Verständnis tragen vielleicht diese Sätze aus dem angesprochenen Wirtschaftswoche-Artikel (Nr. 25, 20.06.2011) bei:

"
Überdies sind Krebszellen auch sehr gewieft darin, sich aktiv für das Immunsystem unsichtbar zu machen und sich im übertragenen Sinne eine Tarnkappe überzustülpen. Sie setzen dabei gezielt verschiedenste Mechanismen des Immunsystems außer Kraft.

Genau an dieser Stelle setzen Singh und seine Immatics-Forscher mit ihrer mehrfach preisgekrönten therapeutischen Krebsimpfung an. Wie bei einer vorbeugenden Impfung gegen Grippe oder andere Krankheitserreger macht die Krebsimpfung das Immunsystem aufmerksam auf den Feind.

Zusammen mit seinen ehemaligen Kommilitonen war es Singh gelungen, einzelne charakteristische Eiweißbruchstücke von der Oberfläche der Krebszellen abzulösen, sie in einem speziellen Gerät zu analysieren und im Labor nachzubauen. Anhand dieser Oberflächen-Moleküle, die tumorassoziierte Peptide (Tumap) genannt werden, unterscheidet die körpereigene Immunabwehr normalerweise Freund und Feind.

Um aus einer bis dahin noch friedlichen Abwehrzelle wie einer T-Zelle eine gegen den Tumor programmierte Killerzelle zu machen, braucht es allerdings noch ein zweites Signal, das sogenannte ko-stimulatorische Signal. Und genau dieses Signal kommt bei Tumorzellen nicht vor, sie unterdrücken dessen Bildung, damit sie nicht erkannt werden.

Die Krebsimpfung von Immatics enthält deshalb nicht nur die Krebserkennungsmoleküle. Zu dem Cocktail mischen die Forscher einen weiteren Hilfsstoff. Er bringt einige der Immunzellen dazu, das
fehlende Signal selbst zu produzieren.

Die eigentliche Impfung funktioniert dann so: Ein Patient, dessen Nierentumor entfemt wurde, erhält den Impfcocktail in die Haut gespritzt. Dort treffen Peptide und Hilfsstoff auf einen bestimmten Typ von Abwehrzellen, die dendritischen Zellen. Sie halten die Peptide an ihrer Oberfläche fest und erzeugen das fehlende zweite Signal. Dann wandern sie in die Lymphknoten, wo sie T-Zellen aktivieren und in Killerzellen verwandeln. ,,Sie erhalten die Lizenz zum Töten", wie Singh sagt.

Jetzt machen sich Tausende von Killerzellen auf, um nach dem Peptid-Motiv, das sie tragen, zu suchen. Findet die Killerzelle eine Krebszelle im Körper, bringt sie diese um.

Auf diese Weise wird die Immunabwehr auf mögliche, noch im Körper verstreute Tumorzellen oder Ableger-Tumore, die Metastasen, gehetzt.

Bisher funktioniert die Nierenkebs-Impfung recht gut.
ln mehreren Studien ließ sie Metastasen schrumpfen. Eine Zulassungsstudie, die sogenannte Phase-III-Studie, hat Immatics gerade gestartet. Die Finanzierung dafür ist schon seit vorigem Herbst gesichert, als das Unternehmen mit 54 Millionen Euro die zweitgrößte Biotech-Finanzierungsrunde in Deutschland hinlegte. Und auch gegen Dickdarmkebs und Hirntumore werden Impfstoffe bereits am Menschen erprobt.
"

RuStra
24.06.2011, 19:00
auch die ASCO-Konferenz will ausgewertet sein


Eigentlich wollte ich für heute Schluss machen, aber ich bin darauf hingewiesen worden, dass ja auch DocLeibowitz auf dem diesjährigen ASCO präsentiert hat:

Primary triple androgen blockade (TAB) followed by finasteride maintenance (FM) for clinically localized prostate cancer (CL-PC): Ten-year follow-up.
(http://abstract.asco.org/AbstView_102_85142.html)



Conclusions: A single 13 month cycle of TAB-FM provides excellent long-term control and management of CL-PC, including men with high risk CL-PC. For most men ADT toxicity reverses. Any form of radical local therapy has serious and often permanent impact on potency or urinary/fecal continence. We suggest further exploration of TAB-FM for CL-PC as a safe and viable alternative to surgery or radiotherapy.

Also eine "sichere und praktizierbare Alternative zur OP und Radiatio", so die Botschaft. Wer kennt sie in diesem Forum noch nicht? Die können hier sich erstmal einlesen (http://www.psi-dhb.de/).

Diskutieren will ich das jetzt hier nicht - nur ein aktueller Blick auf die homepage (http://compassionateoncology.org/) von DocL:

Jetzt gibts Provenge und auch Jevtana, Zytiga sowieso, in der Leibo-Praxis + gestern gabs einen Vortrag "CREATING PROSTATE CANCER CURES & REMISSIONS SYSTEMICALLY" - da wohl keiner von uns dabei war, werden wir uns demnächst mal, wenns die DVD dazu gibt, damit beschäftigen
können.
Aber in Bezug auf die ASCO-Präsentation gibts auch nicht mehr als den o.a. Abstract.

Soweit zu einem der weltweiten Vorreiter von HB beim PCa.


Was gabs sonst zur HB?
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Dietary modification to reduce cardiovascular risk factors in patients receiving androgen-deprivation therapy for prostate cancer. (http://abstract.asco.org/AbstView_102_79638.html)
AHA ??


Patients were instructed to increase daily consumption of extra virgin olive oil to 90mls and > 4 servings of vegetables. Poultry and seafood were limited to 8oz a day.
Viel Olivenöl und viel Gemüse. Geflügel und Seefrüchte(Fisch) auf 8 Unzen (226 g) pro Tag begrenzt.

Hats was gebracht?
Ja, hat es:

An 8-week MedD program is associated with a reduction in central obesity and triglycerides. Increased emphasis should be placed on dietary modification to reduce cardiovascular mortality in men receiving ADT for prostate cancer. This pilot trial suggests that an eight week MedD may be able to modify dyslipidemia and abdominal obesity. Further evaluation is indicated.

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Phase III trial comparing long-term versus short-term androgen deprivation combined with high-dose radiotherapy for localized prostate cancer: GICOR protocol DART01/05. (http://abstract.asco.org/AbstView_102_76526.html)

Interessant.
Die Kombi Strahlentherapie plus Hormonblockade wird hier dahingehend getestet, ob mehr HB besser als weniger ist.
Botschaft hier, dass eine längere besser ist.


Hormone therapy plus radiotherapy significantly decreases recurrences and mortality of patients affected by locally advanced prostate cancer (PCa). Controversy remains about the optimal duration of androgen deprivation (AD) when associated to high-dose radiotherapy (HDRT). This trial was designed to determine whether long-term AD (LTAD) is superior to short-term AD (STAD) in the setting of HDRT



Conclusions: Although preliminary, the results of the present study suggest that LTAD could be superior to STAD in patients with unfavourable PCa treated with HDRT.

LTAD = LongTerm AD, also langanhaltende HB
STAD = ShortTerm AD, also kurze -das sind die 4 Monate HB, die jeder der 361 getesteten Patienten sowieso bekommen hat.

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Does short-term androgen depletion add to high-dose radiotherapy (80 Gy) in localized intermediate-risk prostate cancer? Intermediary analysis of GETUG 14 randomized trial (EU-20503/NCT00104741).
(http://abstract.asco.org/AbstView_102_79356.html)

Wenn ich das richtig verstehe, wird hier geprüft, ob es überhaupt was bringt, wenn man einer 80 Gy Strahlentherapie noch eine 4-monatige ADT2 hinzufügt.
Ergebnis offen, wenngleich ein nicht signifikantes Ja.

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Ketoconazole plus dutasteride in patients with castration-resistant prostate cancer: Results of a retrospective analysis.
(http://abstract.asco.org/AbstView_102_84213.html)

Aha, auch interessant. Keto plus Avodart.
Und, noch interessanter: Von Dr. Kamradt/ Prof.Stöckle und Kollegen von der Saar-Uni.


Conclusions: Our results confirm the efficacy of the combination of ketoconazole, hydrocortisone and dutasteride in CRPC patients. A subset of patients benefit from treatment by a significant PSA-response leading to long-term PSA progression free survival. Identification of predicitve biomarkers to that helpt to identify patients that are most likely to benefit from treatment seems to be worthwhile.

Na also, bringt was!

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Abiraterone acetate (AA) in patients with metastatic castration-resistant prostate cancer (mCRPC) and prior therapy with ketoconazole: A Prostate Cancer Clinical Trials Consortium study. (http://abstract.asco.org/AbstView_102_82000.html)

Schon wieder interessant:

Background: AA and ketoconazole (keto) both inhibit CYP 17, the rate limiting enzyme in androgen synthesis. Since mechanisms of resistance to these agents may be overlapping, patients (pts) with prior keto exposure were excluded from the AA randomized phase III trials. In the current study patients with mCRPC who have received prior therapy with keto were treated with AA.

Ja, so war das: Wer Ketoconazole gemacht hatte, durfte nicht in die Abiraterone-Studie.
Und hier soll das mal ausgetestet werden, mit diesem Ergebnis:


A substantial number of pts with prior ketoconazole exposure respond to AA indicative of the greater CYP 17 inhibition induced by AA and retained CYP 17 dependence in mCRPC. The lower responses observed in this study compared to keto naïve mCRPC suggests the potential for overlapping mechanisms of resistance to AA and keto.


Also, das Abiraterone hat zwar noch was gebracht, aber insgesamt weniger als bei denjenigen Patienten, die kein Keto vorher gemacht hatten - was auf "überlappende Mechanismen der Resistenz auf AA und keto" zeigt.
Kein Wunder, setzt an dergleichen Androgen-Metabolismus-Stelle an (eben CYP17, eine Lyase, wer diese Zusammenhänge noch nicht kennt, kann das vielleicht am besten bei Mostaghel 2008 (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2474812/pdf/nihms52369.pdf)nachlesen, da gibts am Ende ein hübsches Schaubild).

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soweit erstmal
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