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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prostata Karzinom was nun!



friedrich1953
16.10.2011, 18:38
Hallo, ja nun hat es mich auch erwischt. Bin hier vollkommen neu und auch neu was das Thema Prostata Karzinom angeht.

Ich heiße Friedrich, wohne in Potsdam und bin 58 Jahre alt.

Gleich vorab, (man liest ja da ganz merkwürdige Dinge) ja ich bin sexuell aktiv, ja ich will dann pullern wenn ich es will und niemand anders.

Auch wenn ich jetzt geprügelt werde, könnte ich wählen zwischen 5 Jahren leben ohne Einschränkung meiner Körperfunktionen oder 10 mit Hose pullern und Impotenz würde ich mich für die 5 Jahre entscheiden. Gut ich weiß, wenn man wirklich vor der Wahl steht, legt man die Meßlatte wahrscheinlich immer wieder ein bischen höher. Sehe das bei meinem Schwager mit "ALS". Das nur zur Einschätzung meiner momentan psychischen Verfassung.

Nun stehe ich vor der Entscheidung meinem Urologen zu vertrauen oder auch nicht. Menschlich gesehen tendiere ich zum Vertrauen (ist ein lockerer junger Typ was ich mag, redet nicht um den heißen Brei herum), wenn da nicht meine Mißtrauen in diese Medizinindustrie wäre.

Bekomme das ständig im Fall meines Schwagers vorgeführt. Das besondere an "ALS" ist ja, dass er nach außen durch die Lähmungen wie ein "Dödel" wirkt aber einen messerscharfen Verstand hat, denn er auch einsetzt. Es ist unglaublich mit welchen Hilfen und Therapien er versorgt wird, aber alles nur durch streiten, prozesieren u.s.w.. Wenn er nicht so aktiv wäre, die würden ihn am langen Arm verhungern lassen. Also ich habe Angst, dass aus Kostengründen, gute Therapien nicht angwendet werden und das billigste gewählt wird und Inkontinenz und Impotenz billigend in Kauf genommen werden.

Nun zu der bisherigen Diagnose:
- PSA-Wert 16,9
- 1 Lappen bei allen 5 Stanzen befallen (schlecht diffenrenzierents Adenokarzinom 1-50%, 2-60%, 3-95%, 4-95%, 5-20%, ohne sicherer Nachweis einer Perineuralscheideninfiltration)
- 1 Lappen Karzinomfrei
- Tumorklassifikation C61.9. M8140/3, LO. Pn0, G3: Gleason 4+4=8, prognost. Gruppe IIB
- Skelettuntersuchung findet morgen statt.

Mein Urologe sagt keine Alternative zur Operation.
Operieren wird Dr. Klopf Charite (scheint ein sehr erfahrener Operatuer zu sein)

Ja liebe Mitbetroffene oder auch Ärzte, habt Ihr irgendwelche Tips oder Ratschläge was ich noch fragen soll, was evtl. noch an Diagnose durchgeführt werden sollte, ob es irgendwelche Alternativen unter dem Gesichtspunkt iNkontinez und Impotenz gibt, oder was auch immer.

Ich bedanke mich jetzt schon für Eure Postings und bin für jeden Tipp oder Hinweis sehr dankbar.

Liebe Grüße, Friedrich aus der wunderschönen Stadt Potsdam

Heribert
16.10.2011, 23:02
Hallo Friedrich,

alternativ zur radikalen Prostatetomie besteht die Möglichkeit der Strahlentherapie, was ich bei Deinem Befund mit möglicher Ausbreitung des Tumors sowieso der RPE vorziehen würde. Allerdings wäre mir die bislang durchlaufene Diagnostik noch etwas zu dürftig. Auch wenn mit einem MRT/MRTs nicht immer etwas mehr Klarheit über die Ausdehnung des Karzinoms zu erzielen ist, würde ich eine solche Untersuchung nicht auslassen wollen. Bei einer Perineuralscheideninfiltration oder einer R1-Situation, die recht wahrscheinlich ist, würdest Du nach einer operativen Entfernung des Tumors nicht um eine Nachbestrahlung herum kommen. Warum dann nicht gleich eine Primärbestrahlung, die ähnlich gute Ergebnisse wie die RPE aufweist und zudem viel seltener zu Inkontinenz und Impotenz führt.

Wenn das Knochenszintigramm keine Hinweise auf ein systemisches Karzinom (Metastasen) aufweist, würde ich mindestens die Zweitmeinung bei einem Strahlentherapeuten einholen.

Gruß Heribert

Daniel Schmidt
17.10.2011, 06:34
Mein Urologe sagt keine Alternative zur Operation.
Das nenne ich eine objektive Beratung...

hans.z
17.10.2011, 06:43
Das nenne ich eine objektive Beratung...


Kann es sein, daß der Satz zwischen [Ironie/on] und [Ironie/off] gepresst werden sollte?

BurgerH
17.10.2011, 07:48
Hallo Friedrich,

im Patientenratgeber Prostatakarzinom I findest Du eine objektive Information zu den Behandlungsmöglichkeiten des Prostatakrebses. Er beruht auf den S3-Leitlinien und ist von Patientenvertretern mitverfasst worden:

Prostatakrebs I Lokal begrenztes Prostatakarzinom:
http://www.krebsgesellschaft.de/download/2009-pl-pca.pdf

Die Strahlentherapie hat eindeutig weniger Nebenwirkungen als die OP. Allerdings ist das von befürchtete Risiko einer Inkontinenz dank verbesserter OP-Techniken nicht mehr so hoch. Man schätzt, dass 7 von 100 Operierten dauerhauf inkontent bleiben. Zur Impotenz möcht ich noch erwähnen, dass die Fähigkeit, Kinder zu zeugen auf jeden Fall verlorgen geht. Besteht noch Kinderwunsch sollte der Betroffene vor der OP seinen Samen einfrieren lassen, dann kann er danach per künstlicher Befruchtung immer noch Kinder zeugen. Zur Sexualität: was meist verloren geht, ist die natürliche Gliedversteifung und die Operierten leiden dann an der sogenannten erektilen Dysfunktion. Die Orgasmusfähigkeit bleibt jedoch auf jeden Fall nach der OP erhalten. Nur können sich viele Männer einen Orgasmus ohne ihr steifes Glied nicht vorstellen. Dann gibt es aber noch 5 Hilfsmittel, um die Gliedversteifung auf künstlichem Wege wieder herzustellen. Es gibt aber viele Betroffenen Paare, die auch ohne Hilfsmittel mit Zärtlichkeit und Phantasie ein erfülltes Sexualleben führen.

Auf jeden Fall ist Dir zu raten, anbetracht Deiner noch hohen Lebenserwartung, etwas gegen den Prostatakrebs zu tun. Denn mit Deinen Werten bist Du ein High-Risk-Patient!

Alles Gute und insbesonders eine gute Therapieentscheidung!

Hansjörg Burger







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wowinke
17.10.2011, 09:48
Hallo
aus meiner Sicht solltest Du mit Operateur, wenn nicht schon geschehen, und mit einem Strahlentherapeuten, den gibt es sicher auch in der Charite, reden. Bei dem PSA und Gleason score scheint mir das lokal schon fortgeschritten zu sein. Eine nervschonde Op, Voraussetzung für die Potenzerhaltung, wird da vermutlich nicht möglich sein. Das solltest Du mit dem Operatuer klären. In dem Fall würde ich mich dann doch mich intesiver über die Strahlentherapie informieren. Da hat man zumindest die Chance, dass die Potenz nicht gleich weg ist.


Gruß
Wolfgang

LowRoad
17.10.2011, 10:00
...Risiko einer Inkontinenz dank verbesserter OP-Techniken nicht mehr so hoch. Man schätzt, dass 7 von 100 Operierten dauerhauf inkontent bleiben...<BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG><BIG>
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in den USA ist eine heisse Debatte um die Vor- und Nachteile des PSA Tests entbrannt, verursacht durch die Empfehlung den PSA-Test bei gesunden Männern nicht mehr zu bezahlen. Grund war u.a. das Misverhältnis von Nutzen zu Schaden. Ein Statement:



Task Force Emphasizes Harm (http://cancerology.blogspot.com/search/label/PROSTATE%20CANCER)
...However, for every 1000 men treated, 5 will die from complications of surgery, between 10 and 70 will have serious complications but survive, and 200 to 300 will develop urinary incontinence, impotence, or both, she noted...


Das wäre 20% bis 30% Impotenz/Inkontinenzrate, eine, wie ich meine, realistische Einschätzung.

wowinke
17.10.2011, 11:20
Hallo Low Road,

wird die Diskussion dort so pauschal geführt?. Aus meiner Sicht müsste mann das doch differzierte betrachten und das ggf.
an Hand eine PSA - Klassen Einteillung.



Gruß
Wolfgang

friedrich1953
17.10.2011, 17:38
Hallo Heribert, danke Dir erstmal. War nun bei der Skelettuntersuchung, zwei verdächtige Herde die allerdings eher auf alte Brüche hinweisen. 1-mal Rippe und 1-mal Handgelenk. Muss nun noch genauer untersucht werden.

Perineuralscheideninfiltration oder einer R1-Situation sagt mit nicht wirklich was. Kann man mir das mal erklären???

Was mir aber jetzt sehr wichtig ist, kann hier jemand was dazu sagen.
Habe bei meiner Recherche die HIFU-Methode gefunden. Nur toll die hier in Berlin ein solches Gerät haben sind zumindest heute telefonisch nicht erreichbar. Weiß jetzt gar nicht ob so etwas überhaupt in Frage kommt.

Gruß Friedrich

Daniel Schmidt
17.10.2011, 17:48
1. Lassen Sie die Skelettherde untersuchen.
2. Perineuralscheideninvasion heisst, dass der Tumor entlang der Nervenfasern wächst, nahe den Gefässen auch. Da ist eine Operation nur mir Radikalität möglich, um den gesamten Tumor zu erwischen. Und das heisst, das Kontinenz und Potenz gefährdet sind, da es genau die Nerven auch betreffen kann, die dafür zuständig sind.
R1-Resektion, heisst dass Tumorzellen bis zur Oberfläche des Stückes zu finden waren, die der Chirurg rausgeschnitten hatte. Das heisst, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Gegenseite des Stückes weitere Tumorzellen waren. Und die Gegenseite wäre in Ihrem Becken.
3. Vergessen Sie HIFU. Diese Methode gilt noch als experimentell und ist für Sie nicht geeignet.

Sie brauchen ei n Beratungsgespräch beim Strahlentherapeuten.

Übrigens, wer noch ein bisschen zum Risiko für Impotenz bei ProstataCa-Therapie lesen will, hier ist eine aktuelle interessante Studie (eigentlich mag ich keine Copyright-Verletzungen betreiben, aber ich denke die Grafik ist sehr interessant):
http://jama.ama-assn.org/content/306/11/1205
http://www9.picfront.org/picture/eMDFd6LQv3K/thb/01.jpg


(http://picfront.de/d/8nNy)

Harald_1933
17.10.2011, 18:04
Leider: Currently Unavailable The content service is temporarily unavailable.


"Der Geist kann nicht im Trocknen wohnen"
(St. Augustinus)

friedrich1953
17.10.2011, 18:50
Hallo habe erst jetzt die anderen Kommentare gesehen, danke natürlich jedem einzelnen.

Natürlich werden jetzt erstmal die verdächtigen Herde weiter untersucht

Die Erklärung zu diesem Thema habe ich glaube ich verstanden, (2. Perineuralscheideninvasion heisst, dass der Tumor entlang der Nervenfasern wächst, nahe den Gefässen auch. Da ist eine Operation nur mir Radikalität möglich, um den gesamten Tumor zu erwischen. Und das heisst, das Kontinenz und Potenz gefährdet sind, da es genau die Nerven auch betreffen kann, die dafür zuständig sind.
R1-Resektion, heisst dass Tumorzellen bis zur Oberfläche des Stückes zu finden waren, die der Chirurg rausgeschnitten hatte. Das heisst, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Gegenseite des Stückes weitere Tumorzellen waren. Und die Gegenseite wäre in Ihrem Becken.) allerdings weiß ich nicht woraus Heribert das gelesen hat. Außerdem was ist damit gemeint (Stücke die der Chirurg herausgeschnitten hat) sind damit die Stanzen die der Urologe genommen hat gemeint?????

Etwas ist mir noch aufgefallen, als ich den ins Auge gefassten Operatuer gefragt habe ob er noch weitere Diagnosen braucht (CT, MRT oder sow was) hat er das schnell verneint. Wenn nun die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass im Beckenbereich auch befallenes Gewebe ist wäre es da dann nicht sinnvoll so etwas vor dem Schneiden festzustellen????

Ach ja, wenn geschnitten werden sollte und der eine Lappen komplett frei ist, kann der dann nicht stehen bleiben und wenn ja würde das die Wahrscheinlichkeit nicht imotent und inkontinent zu werden erhöhen.

Zum Thema "HIFU", experimentel ist sicher eine Argument, aber was spricht von der Sache her dagegen, was weiß ich zu hoher PSA der Gleason Score passt nicht oder was sonst???

Noch was lustiges zum Thema und Kommentare hier, Kinderwunsch habe ich keinen mehr, bin schließlich 58 und da musss ich mir schreiende Plagen nicht mehr antun. Im übrigen habe ich mir sowieso den Faden schon vor 6 Jahren durchschneiden lassen. Außerdem kann ich mir, wenn es mich packt, auch mal meine kleine süße Enkelin ausleihen. Das hat den Vorteil man kann Sie ohne Probleme wieder zurück geben.

Mir ist durchaus bewußt, dass es zum Thema Inkontinenz Möglichkeiten des Beherrschens der Situation gibt und dass man Sexualität auch anders erleben kann oder das viele Männer in meinem Alter vielleicht sogar ganz froh sind sich diesem Stress dann nicht mehr unterwerfen zu müssen. Für mich ist es mental gesehen die Katastrophe schlechthin und ich sehe momentan noch kein Land was in Richtung eines Gewöhnungszustandes gehen könnte.

Ihr merkt, ich bin in dem ganzen Thema wohl noch ein vollkommenes "Greenhorn", bitte verzeiht mir meine Ausschweifungen, ich bin für jden Hinweis sehr dankbar.

LG aus Potsdam
Friedrich

Daniel Schmidt
17.10.2011, 19:05
1. Ich weiss nicht wo die erwähnte Perineuralscheideninvasion herkommt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Kapselüberschreitung auf der befallenen Seite, mit Perineuralscheideninvasion und evtl. R1-Resektion ist sehr hoch meines Erachtens. Der Befall in dem Lappen ist sehr ausgeprägt.

2. Eine Bildgebung des Beckens ist sicherlich sinnvoll und wird bei dem vorliegenden Stadium empfohlen. Ich würde eine MRT empfehlen.

3. Die HIFU ist experimentell. Eine Behandlung mit HIFU hat nur geringe Chance eine dauerhafte Tumorkontrolle zu erbringen, deutlich geringer als eine OP oder Bestrahlung. Das Problem bei der HIFU ist allerdings auch, dass danach auch spätere Behandlungen erschwert sind. Eine OP oder Bestrahlung nach HIFU ist sehr schwierig.

Heribert
17.10.2011, 23:06
Hallo Friedrich,

mir ist klar, dass Du Dich im Moment mit der Situation und unserem breit gestreuten Hintergrundwissen beim Prostatakrebs überfordert fühlst.

Der Pathologe hat in den 5 Stanzen der einen Seite der Prostata einen massiven Karzinombefall festgestellt. Das lässt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Auswandern von Tumorzellen in dieser Region vermuten. Solltest Du Dich operieren lassen, ist die Wahrscheinlichkeit ebenfalls sehr hoch, nicht alle ausgewanderte Zellen durch die Operation vollständig beseitigt zu haben. Bestätigt sich diese Vermutung, hättst Du durch die Operation zu wenig gewonnen, weil die logische Konsequenz daraus, eine Bestrahlung der Wundhöhle der Prostata und möglicherweise der Lymphabflusswege nach sich ziehen wird!

Deshalb mein Vorschlag mit einem Strahlentherapeuten über Vor- und Nachteile einer Primärbestrahlung zu sprechen und den OP-Thermin vorerst zurück zu stellen. Den Strahlentherapeuten kannst Du dann auch über die Sinnhaftigkeit eines MRT des Beckens/der Prostata befragen. Ich bin sicher, er wird zu einem anderen Ergebnis kommen als der Urologe.

Unabhängig davon muss in jedem Fall geklärt werden, welche Bedeutung den beiden Verdachtsbefunden im Knochen-Szintigramm beizumessen ist.

Beste Grüße Heribert

friedrich1953
18.10.2011, 08:10
Hallo Heribert, Du hasrt den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich habe so das Gefühl, dass jeder halt nur für seine Disziplin redet. Es ist alles auch in sich erstmal logisch, aber was ist wirklich richtig. Der Operateur will schneiden, MRT braucht er nicht. Aber ich denke auch er braucht es es ist doch besser vor dem Schneiden zu wissen was evtl. auf Ihn zukommt. Hier gibt es sehr starke stimmen für Strahlentherapie, aber zumindest die Impotenz scheint ja etwas verzögert sicher zu sein. Beim Schneiden wird mir aber eine ca. 30 % Chance eingeräumt. HIFU sagt Daniel Schmidt ist experimentel und unsicher. Das Argument kann ich nachvollziehen. Aber wenn er schreibt, dass weitere Behandlungen dann schwer möglich sind, dann sagt die Info vin HIFU das gerade Gegenteil. Egal zu wem ich gehe ich weiß nie ob er wirklich neutral berät was für meinen fall das Richtige ist. Nun wäre ja der Weg Zweitmeinung, aber wie komme ich an einen Urologen der wirklich neutral berät???
Seufz!!!!! und liebe Grüße aus Potsdam

Heribert
18.10.2011, 08:54
Hallo Friedrich,

ich hatte es relativ einfach, wenn Du Dir mein Profil anschaust. Ich hatte mit 62 nur einen relativ kleinen Befund mit einem eher harmlosen Krebs, was der PSA-Wert in Verbindung mit dem vom Pathologen bestimmten GS mit 3+3=6 vermuten lies. Ich habe trotzdem ein MRT machen lassen um mehr über die Ausdehnung zu erfahren. Mein Urologe hielt das auich nicht für erforderlich. Mir gab es aber eine weitere Sicherheit, dass der Krebs die Kapsel der Prostata noch nicht verlassen hatte.

Der Tumor der sich in Deiner Prostata befindet hat eine bedeutend stärkere Ausdehnung, - 5 stark betroffene Stanzen mit GS 4+4=8 und einem PSA-Wert von 16,9ng/ml - die die Wahrscheinlichkeit eines extrakapsulären Geschehens deutlich erhöht. Der Krebs ist aggressiever, als er bei mir war/ist. Die Chance nach der Entfernung der Prostata geheilt zu sein, liegt bei nur noch 30%. Ergo wird eine nachfolgende Strahlentherapie erforderlich, die bei lokaler Begrenzun des Tumors das Ergebnis auf etwa 70% erhöhen kann. Deshalb ist meine Überlegung, warum soll man sich der aufwändigen und die Nebenwirkungen betreffend, risikobehafteten OP unterziehen, wenn mit einer anderen Therapieform mindestens gleichgute, in Deinem Fall, eher bessere Ergebnisse zu erzielen sind?

Deshalb würde ich die Zweitmeinung eines Strahlentherapeuten in meine Therapieentscheidung mit einbeziehen. Du hast richtig erkannt, dass Dich eine weitere Meinung eines Urologen nicht weiter bringt, weil seine Meinung chirurgisch geleitet ist. Nur so bekommst Du zwei Meinungen. Wenn Du Deinen Urologen fragst, wie hoch die Wahrscheilichkeit ist, dass bei Dir nachbestrahlt werden muss, wird er Dein Begehren nach einer Zweitmeinung durch einen Strahlentherapeuten verstehen.

Noch einmal, viel wichtiger noch scheint mir im Moment die weitere Abklärung der Verdachtsbefunde des Knochenszintigramms! Sollte sich der Verdacht bestätigen, kannst Du sowieso die hier diskutierten Therapieformen at akta legen.

Beste Grüße ans schöne Potsdam
Heribert

Bernhard A.
18.10.2011, 11:01
Hallo Friedrich !

Ein Zitat von Dir:


Hier gibt es sehr starke stimmen für Strahlentherapie, aber zumindest die Impotenz scheint ja etwas verzögert sicher zu sein.

Dein Zitat sind die "Verkaufs-Argumente" von Teilen der "Schneidenen Zunft". Bei mir persönlich ist noch Alles in Ordnung -ohne Nebenwirkungen trotz dreifacher Behandlung.
Nach meinem Kenntnisstand liegt die Impotenzrate bei fachgerechter Strahlentherapie ca. bei 30 % - je nach Krankheitsstadium und "Viagra und Co. kann dann häufig auch noch helfen !
Meine PK-Geschichte (Erlebnisse) kannst Du auf "myprostate"-HDR-Brachy- nachlesen.

Gruß
Bernhard A.

BurgerH
18.10.2011, 14:54
Das wäre 20% bis 30% Impotenz/Inkontinenzrate, eine, wie ich meine, realistische Einschätzung.

Hallo LowRodad,

das ist meiner Ansicht nach nicht zulässig Inkontinenz- und Impotenzrisiko in einer Zahl zusammen zu fasssen.

ohne Nervschonende OP liegt das Risiko der ED sehr hoch bei ca. 80%
mit Nervschonung bei ca. 30%

und die dauerhafte Inkontinenz bis zu 7%

Gruß

Hansjörg Burger

Daniel Schmidt
18.10.2011, 19:29
Nochmals der Link

http://picfront.de/d/8nNy

Harald_1933
18.10.2011, 20:08
Ja, jetzt geht es auf und auch der Link von gestern öffnet sich nun. Besten Dank.

LowRoad
19.10.2011, 13:40
...das ist meiner Ansicht nach nicht zulässig Inkontinenz- und Impotenzrisiko in einer Zahl zusammen zu fasssen...


Hallo Hansjörg,
ja, da hast Du sicher Recht, das erscheint mir jetzt auch eher unzulässig. Die Frage bleibt nach objektiven Zahlen der Inkontinenz nach RPE, vielleicht hast Du, ausser Deiner eigenen Meinung, da noch was?

Pat-Walsh (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10654895), wen wunderts, berichtet von günstigen Raten nach RPE, die Deiner Meinung von 7% entsprechen, und das schon im Zeitraum 1997-1998 - ich kann das leider nicht aufklären. Man muss das aber mit Vorsicht sehen, kann die Objektivität dieser Aussagen schlecht beurteilen. Weiterhin sollte auch erst mal definiert werden, WAS Inkontinenz ist. Üblicherweise wird "nicht mehr als 1 Pad/Tag" angenommen, was auch nicht wirklich fair ist. Die Objektivität dieser Aussage ist auch immer ein Problem. Es scheint so zu sein, dass sich die Inkontinenzrate nach 6-12 Monaten stabilisiert, und von unabhängigen Berichterstattern (http://www.medscape.com/viewarticle/423513_2) werden Raten von 21% bis 35% gezeigt.

Was in den referierten Studien auffällt ist, dass das ein stark altersabhängiger Effekt ist. Vielleicht auch der Grund für Deine Sichtweise von 7%, denn die älteren Kollegen, werden weniger öffentlich in Erscheinung treten - weniger wahrgenommen.

S3:
Urin-Leckage, Fiste: 0,3% - 15,4%
Geringradige Belastungsinkontinenz: 4% - 50%
Hochgradige Belastungsinkontinenz: 0-15,4%

also eher uneinheitlich. Für die Salvageprostatektomie werden Inkontinenzraten von im Mittel 41% angegeben (17-67 %)... Harninkontinenz oder Harnverhalt treten häufiger nach radikaler Prostatektomie auf als nach perkutaner Strahlentherapie oder LDR-Brachytherapie. RT ergibt nach den referierten Studien (http://www.medscape.com/viewarticle/423513_2) eine Inkontinenzrate von 1.3% bis 7% und CRYO 10% bis 43%.

BurgerH
19.10.2011, 16:41
Hallo LowRoad,

Du hast natürlich recht mit der Zuverlässigkeit der Angaben.

Beispielsweise wird die Kontinenz in den Studien unterschiedlich definiert, bei manchen gilt eine Sicherheitsvorlage am Tage als kontinent, andere definieren kontinent nur ohne eine einzige Vorlage.

Eine witzige Bemerkung habe ich einmal auf einem Urologenkongress von einem Vortragenden gehört, in dessen Referat es um die postoperative Potenz ging.

Er wurde gefragt, ob auch die präoperativer Potenz in seiner Studie bei den Probanden untersucht worden sei.

Er antwortete:

"Sie wissen wie ehrlich wir Männer bei diesem Thema sind. Lasse ich die Befragung von einer jungen, attraktiven Assistenzärztin durchführen, dann haben die Männer vor der Op dreimal in der Woche Sex. Schicke ich jedoch einen alten erfahrenen Oberarzt zur Befragung, dann reduziert sich das schnell auf einmal im Vierteljahr!" :)

Gruß

Hansjörg Burger

friedrich1953
28.10.2011, 08:57
Hallo Leute, erstmal danke für die vielen Einträge, bin jetzt wieder da. War ein paar Tage im Ausland und brauchte auch etwas Zeit. Der Termin der Operation rückt immer näher und ich bin mir immer noch nicht sicher ob ich das wieder abblase. Bin bei Dr. Klopf in der Charite. Habe volles Vertrauen, wenn geschnitten wird, dass er die erste Wahl ist. Alleinige Bestahlung oder HIFU ist bei Ihm in meinem Fall gar kein Thema obwohl er auch Chef des interdisziplinären Beratungszentrums ist????? Ja für irgendwas muss ich mich entscheiden, aber was??? Was nun für mich neu ist (Hyperthermie Dr. Douwes in Bad Aibling). Habe die Leute mal angeschrieben und meine Diagnose übermittelt. Bin auf die Antwort gespannt. Könnt Ihr irgendwas dazu sagen???
Danke und liebe Grüße.

Daniel Schmidt
28.10.2011, 09:08
Hallo Leute, erstmal danke für die vielen Einträge, bin jetzt wieder da. War ein paar Tage im Ausland und brauchte auch etwas Zeit. Der Termin der Operation rückt immer näher und ich bin mir immer noch nicht sicher ob ich das wieder abblase. Bin bei Dr. Klopf in der Charite. Habe volles Vertrauen, wenn geschnitten wird, dass er die erste Wahl ist. Alleinige Bestahlung oder HIFU ist bei Ihm in meinem Fall gar kein Thema obwohl er auch Chef des interdisziplinären Beratungszentrums ist????? Ja für irgendwas muss ich mich entscheiden, aber was??? Was nun für mich neu ist (Hyperthermie Dr. Douwes in Bad Aibling). Habe die Leute mal angeschrieben und meine Diagnose übermittelt. Bin auf die Antwort gespannt. Könnt Ihr irgendwas dazu sagen???
Danke und liebe Grüße.


1. Waren Sie mittlerweile bei einem Strahlentherapeuten oder haben Sie sich bislang nur von Urologen beraten lassen? Meines Erachtens, brauchen Sie eine Beurteilung auch durch einen Strahlentherapeuten. Egal ob Chef des "interdisziplinären" Zentrums oder nicht, der Mann ist Urologe und wird mit Ihnen in erster Linie, wie ein Urologe sprechen. Holen Sie sich bitte doch Beratung bei einem Strahlentheraputen. Falls Sie in Berlin wohnen, könnte ich die Klinik von Prof. Hinkelbein in der Charité bestens empfehlen.
2. Hyperthermie oder HiFu können Sie vergessen. Das sind keine validen Behandlungen in Ihrem Fall, haben schlechte Aussichten auf eine Heilung und gelten als experimentell.

Ich wiederhole es: Gehen Sie zu einem Strahlentherapeuten und lassen Sie sich beraten.

friedrich1953
25.11.2011, 11:56
Hallo Danke Euch nochmals allen für Eure Postings. Nun ist die Operation 2 Wochen her. Nach vielen schlaflosen Nächten und noch mehr Beratungen (auch beim Strahlentherapeuth) habe ich mich dann doch für die Operation entschieden. Ich denke es war richtig so. Alles bestens verlaufen, Schnitt heilt gut ab, der Katheder ist heute gezogen worden. Keine Spur von Inkontinenz. Bisschen mickrig sieht der Kleine aus, aber was solls, es gibt schlimmeres. Ja und wie es mit Liebe machen ist, man wird es sehen. Jetzt geht es noch zur REHA nach Buckow und im Januar bin ich weider voll im Geschäft. Liebe Leidenskollegen die noch vor einer Operation stehen (wenn es eine Operation nach Abwägung aller Arguemnte werden wird) und Ihr in Berlin/Brandenburg lebt, der oben genannte Arzt und das Krankenhaus sind wirklich die allererste Wahl. Ich danke auch hiermit meinem Operateur.
Liebe Grüße aus Potsdam, Friedrich.

M Schostak
19.12.2011, 17:40
Operieren wird Dr. Klopf Charite (scheint ein sehr erfahrener Operatuer zu sein)



Sie brauchen ein Beratungsgespräch beim Strahlentherapeuten.
Perineuralscheideninvasion heisst, dass der Tumor entlang der Nervenfasern wächst, nahe den Gefässen auch.


Dr. Klopf IST ein äußerst erfahrener Operateur der Charité. Der Satz, dass Strahlen keine Alternative sind, stammt sicher nicht von ihm, denn er ist der Leiter des interdisziplinären Prostatkrebs-Zentrums der Charité, sondern sicher vom Niedergelassenen Urologen.
In diesem Zentrum wurde übrigens zu meinen Zeiten (ich war bis vor 6 Monaten Stellv. Direktor dieser Klinik) bereits 2001 die erste Interdisziplinäre Sprechstunde für Prostatakrebs gegründet und bis heute ca 3000 Patienten interdisziplinär beraten.
Insofern hätte auch für Friedrich 1953 jederzeit das Angebot und die Möglichkeit bestanden, ein interdisziplinäres Gespräch zu bekommen. Das gemeinsame Auftreten von beiden Fachrichtungen halte ich dabei für elementar, auf diese Weise werden inadäquate Bewertungen eines Verfahrens der anderen Fachrichtung vermieden ("vergessen Sie ...")

In Anbetracht der langen Nachbeobachtungszeiten des operativen Verfahrens (Es gibt 30-Jahres-Ergebnisse, d.h. für einen Mann mit einer sehr langen Lebenserwartung gilt die OP für Männer mit einer Lebenserwartung über 15 Jahre ohne wesentliche begleiterkrankungen als die sicherste Varante), des High-Risk-Falles (Gleason 8) würde die gemeinschaftliche Empfehlung (Strahlentherapeut UND Urologe) des Pca-Zentrums in der Charité aber ebenso in unserem neuen Zentrum in Magdeburg folgendermaßen lauten: 1. Wahl: Radikale Prostatektomie, 2. Wahl: Strahlentherapie mit Hormonvor- und mind. 2-jähriger Nachbehandlung, 3. keine weiteren Alternativen.

HIFU ist wegen der Gleason 8 Klassifikation und der noch kurzen Nachbeobachtungszeiten in diesem Fall keine Option, diese Therapie hat Ihren Stellenwert bei Niedrigrisiko-Krebs älterer Männer oder im Falle eines Rezidives nach Strahlentherapie von außen

Nur eine Neuralscheidenivasion außerhalb der Drüse hat prognostische Konsequenzen und auch nur, wenn wirklich viele Nerven befallen sind. In diesem Fall (Friedrich 1953) sind aus der Stanze nur Neuralscheiden innerhalb der Prostata befallen. Das kommt oft vor, hat aber keine Relevanz. (Aumayr, K et al: Quantification of extraprostatic perineural spread and its prognostivc value" The Prostate 71:1790-95, 2011)

Lichtenberger
19.12.2011, 22:28
Hallo,

ich wurde 11/10 von Dr.Klopf operiert. Ein angenehmer Doc den man ruhig vorher anrufen bzw. treffen sollte. Mein einziger kleiner Kritikpunkt war das zu lange tragen des Urinkatheters. Bei mein Bettnachbar (wurde am selben Tag vom anderen Doc operiert) dauerte dies nur 3 Tage. Ich musste mit dem dicken Schlauch im Pimm... das Krankenhaus verlassen und nach 1 Woche wieder damit erscheinen. Und das scheuert wie Sau. Aber so hat wohl jeder seine OP-Methode. Auf der REHA waren mehrere ehemalige Patienten von Dr.Klopf und sie sprachen nur in höchsten Tönen von ihm.

Ich habe leider immer noch leichte Schmerzen im rechten Hüft Bereich (Leistenbruch????) und der GV läuft nur mit der kleinen blauen Pille, trotz beiderseitigen nervenschonender OP (ja ja ich weiß, es kann bis zu 2 Jahren dauern)

Allerdings mit der Inkontinenz ist alles OK!

Wenn du weitere Fragen haben solltest, melde dich. Auf jeden Fall nicht den Kopf hängen lassen...gibt weit aus viel Schlimmeres!

Gruß