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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lothar Weißbach und die Deutsche Krebshilfe



Reinardo
14.01.2012, 11:34
Hallo, liebe SHG-Leiter!

Hier wohl unbemerkt hat der dem Bundesverband Prostatakrebs BPS nahe stehende Professor Dr. Lothar Weißbach in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 11.1.2012 einen ungemein kritischen Bericht über die Deutsche Krebshilfe geschrieben. Nun ist die Deutsche Krebshilfe der fast ausschließliche Geldgeber des BPS, und ich bin mir bewusst, dass ich meine Worte sehr vorsichtig wählen muss, um bei diesem heiklen Thema nicht den Zorn des Moderators zu erwecken. Seine mildeste Form eines Verweises ist die Verschiebung eines unliebsamen Beitrags in die "Plauderecke". Aber da ich Professor Dr. Lothar Weißbach im Rücken habe, kann ich hier schon mal mit etwas weniger Zurückhaltung schreiben.
In einem früheren Beitrag http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6343-Der-Geschäftsbericht-2009-der-Deutschen-Krebshilfe war ich nach der Analyse des Geschäftsberichts zu dem Ergebnis gekommen, dass die Deutsche Krebshilfe zu wenig für unmittelbar vom Krebs Betroffene tut. Mein Eindruck war, dass im Härtefonds gerade mal soviel Geld an Schwerbetroffene ausgegeben wird, wie man zur Finanzierung eines professionell geplanten Werbeprogramms braucht. Das Gros der Spendengelder "versickert" in Großprojekten der klinischen Forschung. Was die letztendlich für die klinische Praxis hergeben, das liegt in der Ferne und fand im Geschäftsbericht auch keine angemessene Würdigung. Ein Großteil der Gelder wird auch ausgegeben für den Aufbau von Dependances, deren spätere Aufgabe nicht erkenntlich ist.
Geld ist der stärkste Magnet in einer Gesellschaft, und bei einem Spendenaufkommen von fast 100 Mill. Euro im Jahr ist es verständlich, dass es viele ausgestreckte Hände gibt. Aber, in Amerika pflegten wir zu sagen "There's no such thing as a free lunch", schafft die Annahme von Spendengeldern auch Abhängigkeiten. Direkt oder indirekt wird Linientreue erwartet, und für den Bundesverband heisst das, die Anpassung an Vorgaben der Gesellschaft für Urologie. Man braucht sich bei der Deutschen Krebshilfe doch nur Namen, Titel und Funktion der Leute anzusehen, die in Vorstand und Beirat den Kurs bestimmen. Und ob das für einen die Interessen von Patienten vertretenden Verband die bestmögliche Strategie ist, daran hatte ich schon immer große Zweifel. Finanzieren könnte der Verband sich doch auch aus Beiträgen seiner Mitglieder.

Gruß, Reinardo

Harald_1933
14.01.2012, 12:06
Lieber Reinhard,

Deine Beharrlichkeit zum Recherchieren, und zwar besonders zum Thema "Deutsche Krebshilfe" ist bewundernswert. Natürlich gibt es Abläufe über die Verwendung der Spendengelder durch die dafür verantwortlichen Entscheidungsträger, die auch mir schon unangenehm aufgefallen sind. Dazu gehört z.B. der Millionen-Euro-Zuschuß für die Durchführung einer Studie zum Herausfinden der Wirksamkeit von grünem Tee bei von PCa betroffenen Männern. Der BPS ist nun allerdings wahrhaftig auf die von der Deutschen Krebshilfe kommenden Zuschüsse angewiesen. Die von Dir vorgeschlagenen Mitgliedsbeiträge gibt es nicht. Es gibt im eigentliche Sinne auch keine Mitglieder, von denen Beiträge kommen. Es handelt sich genau genommen um Männer, die zu den SHG-Treffs in regelmäßigen oder auch nur sporadischen Zeitabständen kommen, und bei den dort in Sammelbüchsen eingeworfenen Geldern handelt es sich ausschließlich um Spendenbeiträge. Wie hoch allerdings wirklich die Spendenbereitschaft ist, läßt sich an den eher spärlich eingehenden Spendengeldern für die laufende Studie zur DNA-Zytometrie ablesen. In der letzten Woche gab es trotz mittlerweile weit über 200 in Deutschland registrierter Selbsthilfegruppen für Prostatakrebs nur einen einzigen Spendeneingang. Nein, lieber Reinhard, ohne die Zuschüsse der Deutschen Krebshilfe wäre letztlich wohl sogar das Weiterbestehen dieses Forums gefährdet. Wir sollten also die Kirche im Dorf lassen. Deiner Frau und Dir wünsche ich ein ruhiges und sonniges Wochenende.

"Derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen"
(J.R.R. Tolkien)

RalfDm
15.01.2012, 12:45
Hallo Reinardo,

Seine mildeste Form eines Verweises ist die Verschiebung eines unliebsamen Beitrags in die "Plauderecke".
Ich verschiebe diesen thread in die Plauderecke, weil sein Thema nichts mit Verbandsarbeit zu tun hat, sondern mit Kritik an der DKH.

Finanzieren könnte der Verband sich doch auch aus Beiträgen seiner Mitglieder.
Für diesen Vorschlag wäre der Begriff "Wolkenkuckucksheim" noch ein Euphemismus.
Wie Harald schon schrieb, sind die Mitglieder des BPS die ihm angeschlossenen SHGn. Die bekommen ihre Mittel vom Bundesverband, nicht umgekehrt. Der jährliche Finanzbedarf des BPS liegt derzeit bei etwa 900.000 €. An Spenden gehen etwa 20.000 € ein, alles nachzulesen im Geschäftsbericht für das Jahr 2010 (http://www.prostatakrebs-bps.de/images/stories/pdf/geschaeftsberichte/geschaeftsbericht_2010.pdf). Zu erwarten, dass die Spendenbereitschaft sich plötzlich um das 44-Fache erhöht, ist fernab jeder Realität. Die SHGn würden sich quasi selbst finanzieren und noch darüberhinaus erhebliche Mittel bereitzustellen haben, und das, wie Du nicht müde wirst immer wieder herauszustellen, von armen Rentnern.
Der Vorstand muss zu Beginn jedes Jahres einen Finanzplan für das betreffende Jahr erstellen, das heißt er muss verlässliche Vorstellungen von den zu erwartenden Einnahmen haben, um auch die Ausgaben planen zu können. Wie Du das erreichen willst, wenn Du Dich nur auf einen nicht vorauszusagenden Spendenfluss verlässt, bleibt Dein Geheimnis.

Ralf

Harald_1933
15.01.2012, 19:14
Lieber Reinhard,


Aber, in Amerika pflegten wir zu sagen "There's no such thing as a free lunch", schafft die Annahme von Spendengeldern auch Abhängigkeiten. Direkt oder indirekt wird Linientreue erwartet, und für den Bundesverband heisst das, die Anpassung an Vorgaben der Gesellschaft für Urologie. Man braucht sich bei der Deutschen Krebshilfe doch nur Namen, Titel und Funktion der Leute anzusehen, die in Vorstand und Beirat den Kurs bestimmen. Und ob das für einen die Interessen von Patienten vertretenden Verband die bestmögliche Strategie ist, daran hatte ich schon immer große Zweifel.

in einem anderen von Dir nun sogar mit Teil 3 eingestellten Thread findest Du gute Worte über den jetzigen Weichensteller eines krisengeplagten Landes in Europa, und plötzlich schreibst Du: "in Amerika pflegten wir zu sagen...". Aber ausgerechnet hier, wo Du immerhin die Möglichkeit hast, dass Dir letztlich doch Hilfe zuteil werden könnte, spuckst Du in die Suppe, die für uns alle möglicherweise überlebenswichtig ist. Die Kritik von Prof. Weißbach an der von Dir hier erneut in den Mittelpunkt gerückten "Deutschen Krebshilfe" ist so neu übrigens nun auch wieder nicht, wie hier (http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/umstrittene-krebszentren-wildwuchs-in-den-kliniken-11111240.html) zu lesen ist.

Es gibt aber noch ganz andere Sichtweisen von Prof. Weißbach, die Dich interessieren könnten, wie z. B. durch diesen (http://www.gerechte-gesundheit.de/fileadmin/user_upload/sonstiges/InterviewWeißbach_Gerechte-Gesundheit_Auszug.pdf)Artikel.

Lieber Reinhard, das Leben ist eines der Schwierigsten, das "take it easy", was Du umschrieben auch gern verlauten läßt, solltest Du weiter an Deine Fahne heften. Auch in Berlin, wo Du Dich wohl gerade mal wieder aufhältst, lebt es sich doch ganz ungeniert auch ohne das Grübeln über Fakten, die Du eher schlicht und gefasst hinnehmen solltest, um noch lange mitmischen zu können. Ich gönne es Dir und Deiner Frau, ob in Spanien mit der für Dich wichtigen Sonne zur Stabilisierung des D3-Spiegels oder in der eher hektischen Hauptstadt.

"Zusammenkommen ist ein Beginn. Zusammenbleiben ist ein Fortschritt. Zusammenarbeit führt zum Erfolg"
(Henry Ford)

Reinardo
15.01.2012, 22:56
Lieber Harald:-

Warum Du in diesem Zusammenhang persönliche Dinge von mir erwähnst, verstehe ich nicht. Ich hatte in letzter Zeit mehrere Notfalloperationen und nehme an sonstigen diagnostischen und therapeutischen Leistungen in Deutschland nur ein Minimum des Möglichen in Anspruch. Für die Treffen der SHG Berlin, an denen ich gelegentlich teilnehme, spende ich nach jedem Besuch per Überweisung einen angemessenen Betrag. Da nehme ich nichts geschenkt, so dass es eine Suppe, in die ich "hineinspucken" könnte, gar nicht gibt.
Ralf ist Funktionsträger im BPS und wird mir daher immer widersprechen müssen, auch wenn er mir vielleicht im Stillen Recht gibt.
Du kannst mir aber abnehmen, lieber Harald, dass ich die Dinge ganz richtig sehe, denn Zahlen lesen und interpretieren habe ich gelernt, so wie ein Mathematiker seine Formeln und ein Ingenieur die Maschinen, die er baut. Mache sich doch einer hier die Mühe, die ich mir gemacht habe mit den Geschäftsberichten der Deutschen Krebshilfe und des Bundesverbandes BPS und sage mir, wo ich falsch liege.
Es hat mich natürlich gefreut, dass eine Persönlichkeit wie Professor Dr.Lothar Weißbach aus seiner intimen Kenntnis des Geschehens heraus meine Interpretation der Zahlen bestätigt. Ich möchte nicht der Deutschen Krebshilfe oder dem Bundesverband BPS schaden. aber auf eine mehr den wirklich Notleidenden zugute kommende Verwendung von Spendengeldern hinzuweisen sehe ich als meine Bürgerpflicht.

Gruß Reinardo

RalfDm
16.01.2012, 00:03
Ralf ist Funktionsträger im BPS und wird mir daher immer widersprechen müssen, auch wenn er mir vielleicht im Stillen Recht gibt.
Hallo Reinardo,

ich bin kein Funktionsträger beim BPS (mehr). Trotzdem gebe ich Dir, was Deine Thesen zur Finanzierung des BPS betrifft, auch im Stillen nicht recht, und zwar aus dem einfachen Grund, dass sie illusorisch sind.

Ralf

silver dollar
16.01.2012, 16:27
Hallo Reinardo,

Du kannst mir aber abnehmen, lieber Harald, dass ich die Dinge ganz richtig sehe, denn Zahlen lesen und interpretieren habe ich gelernt, so wie ein Mathematiker seine Formeln und ein Ingenieur die Maschinen, die er baut. Mache sich doch einer hier die Mühe, die ich mir gemacht habe mit den Geschäftsberichten der Deutschen Krebshilfe und des Bundesverbandes BPS und sage mir, wo ich falsch liege.

ich mische mich da selten rein, nur ich bin Funktionsträger, nehme mich hier des Themas mal an und muss leider mit Erschrecken feststellen, dass Dir über den SHG Besuch hinaus wohl der BPS Bericht 2010 sowie deine Darstellung des WP abhanden gekommen sein muss neben vielen anderen Informationen.
Der BPS agiert in Europa, auf nationaler Ebene, regional in Landesverbänden, unterhält eine hotline, veranstaltet jede Menge Schulungen auch online, unterhält / unterstützt Arbeitskreise und engagiert sich in Leitlinien Erstellung, für schwerstbetroffene Patienten, stellt Informationsmaterial zur Verfügung, hält Referentern bereit, unterhält Geschhäftsstelle und und und, daneben und das ist genau so wichtig engagieren sich jede Menge Selbsthilfegruppen auf lokaler Ebene, sowie als Funktionsträger (alles ehrenamtlich) für übergeordnete Ziele. Es ist jenseits von Realität, diesen hohen 6 stelligen Aufwand durch Spenden und Mitgliedsbeiträge abzudecken, zu einer finanziellen erheblichen Verbindung mit der Industrie im Gesundheitsbereich darf es um unabhängig zu bleiben nicht kommen. Also liefere ein schlüssiges belastbares Finanz Konzept und keine "Wischi Waschi" Möglichkeiten wie das geht mit Spenden / Beiträgen und ich bin sofort dabei das mit Dir direkt zu diskutieren und nützliche Dinge umzusetzen, aber dann bitte erst mal liefern, bevor man Details aufbereitet in eine Vorstandssitzung einbringen kann.

Reinardo
18.01.2012, 16:05
Hallo Silver Dollar:-</SPAN>

In meinem Beitrag </SPAN>http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6126-Geschaaeftsbericht-des-BPS-fuer-das-Jahr-2009</SPAN> (http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?6126-Geschaaeftsbericht-des-BPS-fuer-das-Jahr-2009) hatte ich den Geschäftsbericht des BPS aus dem Jahre 2009 kommentiert, nicht jedoch den Geschäftsbericht 2010, wie Du wohl angenommen hast.</SPAN>
Zu Deinen Ausführungen muss ich Dir mitteilen, dass Du einiges übersiehst. Das Normale ist doch wohl, dass Vereine und Verbände sich von ihren Mitgliedern finanzieren lassen und nicht umgekehrt, dies mindestens zum überwiegenden Teil. Wenn dies nicht geschieht, dann entstehen zwei Arten von Abhängigkeit. Zum einen die Abhängigkeit in der Verbandspolitik, auf die ich schon hingewiesen habe, denn dass derjenige, der das Geld gibt, auch bestimmt, wo es lang geht, das ist doch unter intelligenten Leuten eine Binsenweisheit. Zum zweiten könnte nach solchen Presseberichten die Spendenbereitschaft der Bevölkerung schwinden und die Deutsche Krebsgesellschaft zu einer Revision ihrer Vergabepraxis zwingen. Sollten in einem solchen Fall die Zuwendungen an den Bundesverband wegbrechen, dann können wir nur hoffen, dass der Vorstand des BPS einen Plan B zur Restrukturierung des Verbandes mit einem neuen Finanzierungskonzept in der Schublade hat. Und Du würdest staunen, wie viele der von Dir geschilderten Aktivitäten da wegfallen könnten.</SPAN>

Reinardo</SPAN>

silver dollar
18.01.2012, 17:32
Moin Reinardo,
der Bericht 2009 ist so jenseits von überholt, dass ich einfach den 2010 eingebracht habe, alles andere wäre die Diskussion über die berühmte verschüttete Milch.
Die Rechtsform Verein ist juristisch notwendig, nur wir sind ein Selbsthilfeverband und nicht der FC Bayern München (eigentlich schade vom Geld her) und damit stellt sich das Thema
Mitgliederfinanzierung nicht, Dein Einwurf normal?? zeiht eher, dass Du da wohl sehr engstirnig denkst. Du stehst da mit Deiner Meinung allein auf weiter Flur. Mit der Abhängigkeit, wie Du es nennst kann man prima umgehen Dein Einwurf Binsenweisheit greift da viel zu kurz, uns sagt niemand wo es lang geht, die Förderbedingungen kannst Du frei zugänglich von der DKH Seite herunterladen. Alle anderen Vermutungen Deinerseits (Vergabepraxis, Revision, Zuwendungen etc.)sind simple Annahmen eintreffen wann und wie ???. Ansonsten sei beruhigt wir haben selbstredend Plan B C D greifbar nur bei uns entscheidet demokratisch die Mitgliederversammlung, und da muss ich nicht staunen was dazukommt und/oder wegfällt die machen das engagiert und bisher recht ordentlich und wie von Dir angemerkt Restrukturierung des Verbandes von der Finanzkonzeption her findet nicht statt sondern wenn Themen anstehen, dann gibt es auch hier Vorlagen und die Mitglieder entscheiden .

Harald_1933
20.01.2012, 21:17
Lieber Reinhard,

in der aktuellen Apotheken Umschau vom 15. Januar 2012 findest Du einen Bericht unter dem Titel ""Darum hilf Dir selbst". Das Meinungsforschungs-Institut "Forsa" hat festgestellt, dass 56 Prozent der Deutschen meinen, Selbsthilfegruppen seien manchmal wichtiger als Ärzte. Mehr als 3 Millionen Menschen in Deutschland sind in rund 100 000 Gruppen aktiv. Der Status, den sich die Selbsthilfe erarbeitet hat, ist weltweit einmalig. Zu nahe stünden manche Patientenorganisationen Arznei- und Hilfsmittelherstellern, zu sehr ließen sie sich von deren finanzieller Unterstützung beeinflussen, lauten die Vorwürfe einiger Kritiker. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG) hat mit konkreten Leitlinien reagiert: Transparenz heißt der zentrale Begriff. Alle 109 bundesweiten Verbände, die in der BAG organisiert sind, machen öffentlich, von wem sie Spenden erhalten haben. Bitte, mache einen Spaziergang zur nächsten Apotheke und bilde Dir selbst ein Urteil über den ausführlichen Bericht. Der BPS ist übrigens hier (http://www.bag-selbsthilfe.de/bundesverbaende/articles/bundesverbaende.html) auch aufgeführt.

"Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird"
(Fritz Bauer)

Reinardo
22.01.2012, 12:29
Lieber Harald:-

Ich begreife nicht, was Du mit Deinem Hinweis sagen willst. Die Diskussion über den Wert von Selbsthilfegruppen gab es hier bereits vor Jahren. Deren Nutzen ist unbestritten. Der Artikel von Professor Weißbach betraf die Vergabepraxis der Deutschen Krebshilfe. Hier keineswegs die Zuwendungen an Selbsthilfegruppen, sondern die Tatsache, dass das Gros der Spendengelder an Großkliniken für Forschungsprojekte geht und zu wenig an den Härtefonds, so dass Spenden bei den Schwersterkrankten nicht ausreichend ankommen.
Bedenkt man, dass an die Deutsche Krebshilfe nicht nur wohlhabende Leute Geld spenden sondern auch die weniger gut Verdienenden, und sogar Kinder einen Teil ihres Taschengeldes opfern, um den an Krebs Erkrankten zu helfen, dann finde ich es beschämend, dass überhaupt Zweifel aufkommen können und hier eine polemische Diskussion geführt werden muss. Befasst Euch doch einfach mit den Tatsachen! Lest die Geschäftsberichte und schreibt, wenn Ihr etwas anderes herauslest als ich!
Der Zufall will es, dass ich, auf der Handelsschule in Stenographie und Schreibmachine gut ausgebildet und IHK-anerkannt, als Lehrling in den 50er Jahren in meiner Lehrfirma für ein Forschungsprojekt die Beantragung und Begründung öffentlicher Fördergelder tippen musste. Als Lehrling war ich in den Abteilungen aber schon herumgekommen und habe wohl bemerkt, dass ein Potemkinsches Dorf beschrieben wurde. Über die Verwendung der Fördergelder hat später niemend nachgefragt, und aus dem Projekt ist auch nichts geworden. Das mag bei der Deutschen Krebshilfe anders sein, aber warum steht im Geschäftsbericht nichts über abgeschlossene Projekte und Erfolge? So komme ich zu dem Verdacht, dass Großkliniken im Grunde nur subventioniert werden.

Großkliniken sind zum Teil Aktiengesellschaften, die Überschüsse erwirtschaften müssen. Die Spendengelder gehen als Außerordentliche Erträge in die Gewinn- und Verlustrechnung und erhöhen den Gewinn, der als Dividende dann den Aktionären zufließt. Du kannst ja spenden soviel Du willst, lieber Harald. Ich spende nicht.

Gruß, Reinardo