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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Positiv, leider die traurige Nachricht. Was nun, die Zeit der Ungewissheit?????



Kater23
03.06.2012, 16:01
Hallo, Ihr alle im Forum der Gleichgesinnten.
Es ist für mich an der Zeit, auch mal etwas zu schreiben, um vielleicht etwas mehr Info von Betroffenen oder auch Spezialisten zu bekommen.

Mein Name ist Armin Baujahr 1952, und ich zähle zu den Menschen, die leider, von Ihrem behandelnden Arzt eine Mitteilung erhalten haben, die einem erst einmal
den Atem stocken lässt. Es ist wie ein Alptraum, aber es ist die nackte Wahrheit, schonungslos und ohne Rücksicht.
Es beginnt die Zeit der Angst verbunden mit Hoffnung, und doch wieder die Gedanken mal positiv und dann wieder negativ.

Es ist ein Zustand den eigentlich nur Betroffene nachvollziehen können.

Wieso ich!? Diese Frage stellt man sich immer wieder, aber am schlimmsten ist die Zeit der offenen Antworten, auf Ergebnisse, die all die Untersuchungen nach sich ziehen.
Hier beginnt eigentlich der Weg des Leidens, wobei man dem ganzen hilflos ausgeliefert ist.


Nun zum Wesentlichen:

01.03.2012-wieder einmal die schon seit jungen Jahren vollzogene Vorsorge.
Die Aussage meines Arztes: hier stimmt etwas nicht, wir machen einmal einen PSA Test. Im Nachhinein für mich völlig unverständlich, wieso dieser Test, nicht ab dem 50 Lebensjahr zur Routine gehört!?
Meine letzte Vorsorge lag exakt 10 Monate zurück. Ohne Befund.
02.03.2012
Der Anruf gegen 19.00: Hallo, wir haben ein Problem, die Werte sind nicht ok, wir müssen etwas tun.
08.03.2012
Rektale Ultraschaluntersuchung sowie erneute Blutabnahme
09.03.2012
Der Anruf gegen 18.30: Hallo, leider haben sich die Ergebnisse bestätigt, wir müssen etwas tun. PSA Wert gesamt 47,85 freies PSA 1,92
12.03.2012
Die Biopsie
Wieder die Zeit des Wartens und der Hoffnung, hoffentlich nicht du.
15.03.2012
Der Anruf: Leider waren die Ergebnisse der Biopsie positiv. Wir müssen handeln und weitere Untersuchungen durchführen. Der Schock, was nun????????
Diagnose:
1.-4.Prostatastanzzylinder mit dem histologischen Bild einer adenomyomatösen Prostatahyperplasie ohne Karzinomnachweis.
5.-8.Verbände eines invasiven Adenokarzinom der Prostata; Gleason-Grad 4+3=7
Makroskopie:
1.-4. 5 Prostatastanzen rechts zusammen 5,6cm(1xapikal,1xmedial,2xlateral,1xbasal)
5.-8. 7 Prostatastanzen links zusammen 7,9cm (2xapikal,1xmedial,2xlateral,2xbasal)
Klinische Angaben:
T1C Tumor der Nadelbiopsie Gleson Score 4+3=7 diagnostiziert
Mikroskopie:
1.-4.Auf Stufenschnitten Prostatagewebe´mit unauffälligem fibomuskulärem Stroma und Proliferaten endopapillär aufgefalteter, drüsiger Formationen,
die von hochprismatischen Epithelien mit hellem Zytoplasma und polar angeordneten Kernen gebildet werden. Keine Atypien. Stellenweise geringgradige kleinherdige unspezifischen Rundzelleninfaltrate.
5.-8. Histologisch sieht man in allen Fraktionen auf einer Gesamtlänge von 2,2cm atypische Karzinomverbände mit häufig erkennbaren Drüsenfusionen. Die atypischen Verbände liegen zwischen vorbestehendem Prostatparenchym. Neben stellenweise erkennbarem pathologischem Sekret und Tumornukleolen ist erwähnenswert, dass
eine deutliche Posivität in der Razemase-Reaktion vorliegt, wobei Basalzellen fehlen(p63 negativ).
Kommentar:
Die Ausdehnung des Befundes beträgt:
Linke Seite: apikal:0,5cm, medial:0,5cm, lateral:0,8cm, basal:0,4cm.
Der Befund wurde immunhistochemisch verifiziert.
19.03.2012
Nierenröntgen
Ergebniss negativ - Ein erster kleiner Hoffnungsschimmer
21.02.2012
CT-Abdomen
Ergebnis negativ - Man kann den Zustand, in dem man sich befindet nicht beschreiben.
Beurteilung:
Knotige inhomogene vergrößerte Prostata mit Impression des Blasenbodens und linksbetontem Wachstum nach lateral.
Für ein organüberschreitendes Wachstum im nativen CT kein überzeugender Hinweis bei Problematik der Abgrenzung zum Blasenboden.
Kein Anhalt für Fernmetastasen. Arterielle Gefäßsklerose. Coronarsklerose. Degenerative Wirbelsäulenveränderung.
22.03.2012
Blasenspiegelung
Ergebniss negativ
27.03.2012
Knochenszintigramm
Ergebnis negativ - Beurteilung: Kein Nachweiss von Skelettmetastasen.
Die Ungewissheit bringt einen an den Rand seiner Kräfte.
Endlich nach drei Wochen des Grauen´s, endlich ein kleiner Lichtblick!!!!!??????

Was nun????????????
Eine OP ist wohl nicht zu umgehen, aber welche Methode und welche Klinik wäre empfehlenswert??????????????

Ich danke schon im Voraus, für das mir entgegengebrachte Vertrauen.

Ich werde Euch alle auf dem Laufenden halten, über die weiteren Schritte.

Liebe Grüsse

Armin

knut.krueger
03.06.2012, 16:47
Hallo Armin,
bei so einem Ergebnis kommt Katerstimmung auf insbesondere, wenn man regelmäßig zur Vorsorge gegangen ist.
Bevor Du über Therapien nachdenkst, solltest Du zuerst ein PET-Cholin-CT gekoppelt mit MRT machen lassen, um sicher abzuklären, dass das Karzinom noch nicht gestreut hat. Bei Deiner jetzigen vorliegenden Diagnose ist dies ein Muss!
Dieser Fall sollte allen Zweiflern hier im Forum, die die Sinnhaftigkeit der PSA-Messung zur Vorsorge immer wieder infrage stellen, mehr als zu denken geben!
Gruß Knut.

Heribert
03.06.2012, 17:02
Lieber Knut und auch für Armin.

Knut, Du hast völlig recht mit dem Hinweis, bei diesem Befund ein Cholin-PET/CT und ggf ein MRT machen zu lassen. Dabei vergaßt Du lediglich darauf hinzuweisen, dass es sich dabei nicht um Standard-Untersuchungen handelt und evtl. für Kassenpatienten erhebliche Kosten entstehen können.

Herzliche Grüße
Heribert

LudwigS
03.06.2012, 18:35
... aber auch ein negativer Befund keine Garantie ist, dass sich alle Prostatakrebszellen noch schön brav in der Prostata aufhalten.

Gruss Ludwig

Hvielemi
03.06.2012, 18:54
Lieber Armin!
Es sind zwei Monate vergangen seit dem letzten Eintrag in Deiner Historie,
drei Monate seit der PSA-Bestimmung. Nun brauchst Du die einfachste
diagnostische Massnahme: Eine weitere PSA-Bestimmung, erst mal
monatlich oder kürzer, denn auch Dein Krebs ist nicht statisch.
Der entwickelt sich.

Mittels der PSA-Werte kannst Du erkennen, wie rasch oder langsam
das vor sich geht, wenn Du die Werte in diese Excel-Tabelle (http://www.prostatakrebse.de/informationen/tabellen/PSA-Uebersicht.xls) einsetzt.

In 10 Monaten hat sich von per DRU nicht ertastbar zu einer "Knotigen
inhomogenen vergrößerten Prostata mit Impression des Blasenbodens"
entwickelt.
Worauf wartest Du?


Nun zu Deiner Frage:

Wieso ich!?

Eine Antwort darauf wirst Du nie erhalten.
Es ist nun mal so, rückblickende Überlegungen bringen jetzt gar nichts.
Dir oder anderen Vorwürfe zu machen, etwa weil Du zuwenig Broccolisud
getrunken habest oder warum kein früherer PSA-Test durchgeführt wurde,
ändert nichts. Du hast nun mal den Krebs und musst Dich damit befassen.
(Ich hab regelmässige PSA-Tests bekommen, geholfen hat es mir wenig,
ich stand vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation wie Du jetzt)

Schau voraus und befasse Dich mit der Frage: "Was tun?"


Was nun?
Eine OP ist wohl nicht zu umgehen, aber welche Methode und welche Klinik wäre empfehlenswert?

Wenn Du Dich für eine OP entscheidest (Ich bin nicht kompetent, mich zu dieser Frage zu äussern),
erscheint es reichlich egal, nach welcher Methode. Wichtig ist die ruhige Hand und die Erfahrung des Urologen/Chirurgen der das macht, und noch wichtiger ist, dass Du dem Mann (Frauen machen das weniger) vertrauen kannst.

Also gleich in den nächsten Tagen zum PSA-Test.
Aus der dann mittels Tabelle errechneten Verdoppelungszeit kannst Du erkennen, wie schnell sich die Sache entwickelt. Weitere Diagnostik braucht zwar Zeit, aber weiterhin Monate verstreichen lassen, ist wohl keinesfalls eine gute Idee.

Alles Gute
wünscht Dir
Hvielemi

jürgvw
03.06.2012, 20:02
Hier beginnt eigentlich der Weg des Leidens, wobei man dem ganzen hilflos ausgeliefert ist.


Nein, Armin, hilflos bist Du nicht! Das hättest Du vielleicht vor 20 Jahren und früher sagen müssen. Heute aber stehen Möglichkeiten zur Verfügung, um gegen den PK vorzugehen. Im besten Fall kann sogar eine Heilung gelingen, sonst aber stehen Medikamente zur Verfügung, die es gestatten, mit akzeptabler bis guter Lebensqualität die Krankheit über lange Zeit in Schach zu halten.

Wie schon Hvielemi geschrieben hat, ist nun eine möglichst gute Diagnose erforderlich, um von Anfang an vielversprechende Therapien auszuschöpfen. Sollte sich der Krebs noch nicht über die Prostatakapsel ausgedehnt haben, kommen z. B. Operation oder Bestrahlung in Frage, andernfalls wären systemische Therapien wohl die richtige Wahl, und schliesslich kann man sich auch zu einer Kombination der verschiedenen Hauptvarianten entschliessen.

So oder so: Das Leben ist nach der Diagnose noch keineswegs am Ende. Wahrscheinlich erwarten Dich allerdings über längere Zeit anhaltende therapeutische Kontrollen und Massnahmen die damit verbunden sind, was man als unerwünschte Nebenwirkungen bezeichnet, mit denen man aber in der Regel durchaus umgehen kann. Ich weiss, dass ich (bis dahin, also seit September 2000) ein Glückspilz bin, fühle ich mich doch in meiner Lebensqualität keineswegs deutlich beeinträchigt. Und ich weiss auch, dass es unter uns Kollegen und deren Angehörige gibt, die von den Nebenwirkungen stärker betroffen sind, aber trotzdem dem PK paroli bieten.

Fasse also Mut, sorge für die bestmögliche Diagnose und erfahrene Ärzte und vor allem: handle jetzt.

Mit den besten Wünschen

Jürg

HorstK
03.06.2012, 21:55
Oder einfach den PSA-Wert hier eintragen http://www.myprostate.eu/?req=user&id=62&page=psa und dann auf den Button Grafiken klicken.

Unter diesem Link http://www.myprostate.eu kann man noch viel mehr Erfahrungsberichte lesen und - wenn gewünscht - auch seine eigene PK-Geschichte eintragen.



Gruß
Horst
http://www.myprostate.eu/?req=user&id=62

Reinardo
04.06.2012, 10:32
Hallo:-

Die Sinnhaftigkeit des PSA-Tests (Knut), möglichst früh beginnend, wird ja gar nicht in Frage gestellt, sondern die Art und Weise, wie bei positivem Befund mit den Betroffenen umgegangen wird. Das Beispiel zeigt auch, dass der DRU als Vorsorge viel zu spät einen Verdacht anzeigt. Dann ist der Krebs schon fortgeschritten.
Das Knochenszintigramm zeigt Metastasen erst ab einer Größe von 12 - 15 mm, ist also ein viel zu großes Raster. Das Pet-CT zeigt Metastasen schon ab 3 mm, kostet privat aber mehr als 1.000 Euro.
Je höher der Gleason, umso wahrscheinlicher sind auch Rezidive.
Was Armin jetzt bevorsteht, ist die ganze Kaskade an zunächst in Aussicht gestellten kurativen Therapien und dann die systemischen Therapien, von deren Nebenwirkungen und Zukunftsperspektiven Armin durch eifriges Lesen in diesem Forum sich wird informieren können.
Was soll man Armin raten? Mehr gründlichere Diagnostik, Verdoppelungszeit bestimmen, Cholin-Pet-CT und DNA-Annalyse, die anzeigen würde, ob auch schon Gleason-5 Krebszellen da sind. Danach große Sorgfalt und Vorsicht bei der Wahl von Therapien und der Auswahl von Therapeuten.

Gruß und alles Gute, Reinardo

tom aus lu
04.06.2012, 12:09
"Im Nachhinein für mich völlig unverständlich, wieso dieser Test, nicht ab dem 50 Lebensjahr zur Routine gehört!?"

Wenn es sich dabei um eine Urologen handelte der die Früherkennungsuntersuchung durchführte hätte der PSA Test wenigstens im Rahmen einer "urologischen Komplettvorsorge" angeboten werden müssen. Für Kassenpatienten natürlich als "individuelle Gesundheitsleistung". Hat dein Arzt nie auf diese Möglichkeit hingewiesen?

An der Tatsache der Diagnose ändert es aber eh nichts, ob der Krebs früher entdeckt worden wäre ist auch nur eine hypothetische Frage.

Fakt ist nun, dass du dich jetzt eher den je über Behandlungsformen und Strategien informieren musst. Ob OP oder Bestrahlung ist eine Frage deiner Einstellung und was du erwartest. Hier wird dir keiner einen schlussendlichen Rat geben können.

Informiere dich, Hinterfrage alle Optionen, lasse deine Angehörigen nicht außen vor und vor allem suche dir einen Arzt der auf deine Bedürfnisse eingeht und dich in deinen Fragen und Ängsten ernst nimmt.

Die letzte Entscheidung liegt aber immer bei dir...

Alles Gute

Tom

Mattse
05.06.2012, 09:59
Eine OP ist wohl nicht zu umgehen, aber welche Methode und welche Klinik wäre empfehlenswert??????????????

Hallo Armin, ich denke, die Entscheidung hast Du schon im Unterbewußtsein getroffen. Such Dir eine gute Klinik mit erfahrenen Ärzten in der jeweiligen Methode aus. Für eine roboterassistierte OP kann ich Dir Gronau empfehlen. Alles Gute und viel Erfolg.