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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nobelpreis 2012 Medizin Stammzellenforschung



W.Rellok
08.10.2012, 14:06
Hallo liebe Fortgeschrittene,

zur heutigen Verleihung des Nobelpreises ein Link zum Deutschen Ärzteblatt

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51923


Der Brite John Gurdon und der Japaner Shinya Yamanaka werden geehrt für die Entdeckung, dass reife Zellen des ausgewachsenen Körpers in unreife Stammzellen zurückverwandelt werden können. Aus diesen Zellen, sie werden heute induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) genannt, lassen sich im Prinzip alle Zellen des menschlichen Körpers differenzieren.


Die Experimente von John Gurdon liegen bereits 40 Jahre zurück. Im Journal of Embryo*logy and Experimental Morphology (1962; 10: 622-640) beschrieb der damals 29-jährige Zoologe (B.A. 1956) und Embryologe (Ph.D. 1960) seine Versuche an den Eizellen von Kaulquappen. Gurdon entfernte den Zellkern der Eizelle und ersetzte ihn durch den Zellkern einer differenzierten Zelle, die er aus dem Darm einer Kaulquappe entnommen hatte.


Die Experimente, die heute Lehrbuchwissen sind, belegen, dass Zellen auf dem Weg ihrer Entwicklung in eine spezialisierte Zelle keinesfalls die Fähigkeit zur Pluripotenz verlieren. Eine ausgereifte Darmzelle enthält weiterhin alle Gene, die als Nerven- oder Organzelle benötigen würde.



Dies könnte bedeuten, dass die zur Heilung von Krankheiten eingesetzten Stammzellen später zum Ausgangspunkt von Krebserkrankungen werden. Diese Hürden scheinen aber nicht unüberwindbar zu sein.

Ich freue mich schon auf die Meinungen und Links im Forum.

Winfried

Harald_1933
08.10.2012, 14:35
Hallo Winfried,

in der Tat eine spannende Dokumentation. Hier ein Auszug:

"In einem klassischen Experiment konnte Gurdon, der vor wenigen Tagen 79 Jahre alt wurde, dann jedoch zeigen, dass auch in ausdifferenzierten Zellen noch die gesamte Erbinformation steckt, die es braucht, um zu allen möglichen Gewebetypen heranzuwachsen. Er entfernte den Zellkern einer Frosch-Eizelle und setzte stattdessen den Zellkern einer ausgewachsenen Darmzelle ein. Trotzdem wuchs aus dem Ei eine Kaulquappe heran. Das war der Beweis."

Und hier (http://www.zeit.de/wissen/2012-10/nobelpreis-medizin-preistraeger) der Bericht aus der "ZEITONLINE"

W.Rellok
08.10.2012, 15:03
"In einem klassischen Experiment konnte Gurdon, der vor wenigen Tagen 79 Jahre alt wurde, dann jedoch zeigen, dass auch in ausdifferenzierten Zellen noch die gesamte Erbinformation steckt, die es braucht, um zu allen möglichen Gewebetypen heranzuwachsen. Er entfernte den Zellkern einer Frosch-Eizelle und setzte stattdessen den Zellkern einer ausgewachsenen Darmzelle ein. Trotzdem wuchs aus dem Ei eine Kaulquappe heran. Das war der Beweis."



http://www.aerzteblatt.de/bilder/2012/10/img27682647.jpg (http://www.aerzteblatt.de/bilder/2012/10/img27682647.jpg)


Die Zeichnung gibt's ganz gut wider.

Winfried

W.Rellok
08.10.2012, 15:06
Lieber Harald,
vielen Dank für die Weiterführung.


"In einem klassischen Experiment konnte Gurdon, der vor wenigen Tagen 79 Jahre alt wurde, dann jedoch zeigen, dass auch in ausdifferenzierten Zellen noch die gesamte Erbinformation steckt, die es braucht, um zu allen möglichen Gewebetypen heranzuwachsen. Er entfernte den Zellkern einer Frosch-Eizelle und setzte stattdessen den Zellkern einer ausgewachsenen Darmzelle ein. Trotzdem wuchs aus dem Ei eine Kaulquappe heran. Das war der Beweis."



http://www.aerzteblatt.de/bilder/2012/10/img27682647.jpg (http://www.aerzteblatt.de/bilder/2012/10/img27682647.jpg)


Die Zeichnung gibt's ganz gut wider.

Winfried

Hvielemi
08.10.2012, 16:45
http://www.aerzteblatt.de/bilder/2012/10/img27682647.jpg
http://www.aerzteblatt.de/bilder/2012/10/img27682647.jpg


Für die Forschung stehen diese auf dem Schaubild mitte und unten
gezeigten iPS (induzierte pluripotente Stammzellen) nun zur Verfügung,
doch für die Anwendung am Menschen türmen sich noch Hindernisse,
insbesondere die Gefahr unkontrollierten Wachstums solcher Zellen,
also z.B. iatrogener Krebs:

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/das-ende-einer-euphorie-1.9817409

Weit problematischer erscheinen jedoch die ersten hier genannten Fehler, da sie das
Erbgut der Zellen betreffen. Alle Experten betonen deshalb, dass der Weg zum klinischen Einsatz
von aus iPS-Zellen gezüchtetem Gewebe deutlich steiniger sei als noch vor einigen Monaten
angenommen. Denn erstens müsste auf jeden Fall das Erbgut jedes Klons von iPS-Zellen, der
für die klinische Verwendung vorgesehen sei, komplett sequenziert werden und auf eine Vielzahl
unterschiedlicher Fehlervarianten hin durchforstet werden, sagt Halazonetis. Allerdings kostet eine
solche Untersuchung momentan noch mehrere zehntausend Franken pro Zelle.
Zweitens muss eine verlässliche Methode entwickelt werden zur Überprüfung des sogenannten
epigenetischen Zustands von aus iPS-Zellen gezüchteten spezialisierten Zellen. Denn man muss
absolut sicher sein, dass diese vollständig ausdifferenziert sind und kein Restpotenzial zur Entartung
besitzen. Schliesslich kann man nur sichere Zellen einem Patienten verabreichen. Derzeit will zwar
keiner der Forscher das den iPS-Zellen immer wieder zugeschriebene Potenzial bestreiten, doch ein
allfälliger medizinischer Einsatz der «Bio-Stars» scheint in weite Ferne gerückt.


Es wird weiterer Nobelpreise bedürfen, bis zum Beispiel unsere PCa-Leidensgenossen
späterer Jahre Anwendungen diese spannenden Forschung erleben werden.

Carpe diem!
Hvielemi

Harald_1933
09.10.2012, 12:26
Unter der Überschrift "Jungbrunnen für Körperzellen" berichtet auch der "Mannheimer Morgen" hier. (http://www.morgenweb.de/nachrichten/vermischtes/jungbrunnen-fur-korperzellen-1.754317) Die iPS-Zelltechnologie steckt aber weiter in den Kinderschuhen.

"Wer ruhig leben will, darf nicht sagen, was er weiß, und nicht glauben, was er hört."
(aus China)