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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Grenzgänger: Regionale Chemotherapie; Professor Dr. Aigner



Reinardo
01.02.2013, 18:49
Hallo.-

Professor Karl Reinhard Aigner stellt in einer Wochenzeitschrift eine Krankengeschichte vor:

Angefangen hat es bei K. J. (42 Jahre alt) mit Hüftbeschwerden, die er als Folge eines Autounfalls deutete. Doch die Wahrheit war, er brauchte kein neues Gelenk, sondern litt an Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium .Er hatte bereits Metastasen im Becken, an der Wirbelsäule und in der Lunge. Die Ärzte machten ihm wenig Hoffnung: Prostata und Lympfknoten sollten entfernt werden, zudem waren geplant schwere Medikamente und eine Hormontherapie. Trotz dieser drastischen Therapie gab man K.J. nur eine Überlebenschance von drei bis fünf Prozent. - Dann lernte er Professor Aigner kennen, medizinischer Direktor des Medias Klinikums in Burghausen (Bayern).
Prof. Aigner ist Experte für regionale Chemotherapie. Dabei wird das Anti-Krebs-Mittel nicht in den ganzen Körper geleitet, sondern gezielt in den Tumor und die Metastasen. Dadurch, schreibt Prof. Aigner, gibt es kaum Nebenwirkungen. Man kann das Medikament stärker dosieren und die Wirkung erhöhen.
Bei K.J. wurde der Rumpf unter Vollnarkose mit einem Chemotherapeutikum durchflutet. Der Blutfluss wurde währenddessen über eine Herz-Lungen-Maschine geleitet und anschließend gefiltert, um ihn von Resten des Chemotherapeutikums zu reinigen.
Diese Behandlung wurde innerhalb von zwei Jahren achtmal wiederholt. Begleitend bekam K.J. eine Immuntherapie mit biologischen Substanzen, um die Körperabwehr zu stärken. Dieses wurde über einen Port verabreicht.

Der Erfolg: Drei Wochen nach dem ersten Zyklus waren alle Metastasen verschwunden. Auch der Tumor ist inzwischen nicht mehr vorhanden. Der Krebs ist weg.

Gruß Reinardo

PS. Ich habe diese Schilderung einer Wochenzeitschrift fast wörtlich entnommen. Natürlich ist das alles nur Verlautbarungsjournalistik ohne kritische Wertung, von der Art, wie wir sie von der Springer-Presse (Ärzte Zeitung, WELT) gewohnt sind. Aber vielleicht ist an dem Verfahren doch etwas dran. Denn ob eine Ente schwimmt. wissen wir mit Sicherheit nur dann, wenn wir sie aufs Wasser setzen. D.O.

kleiner Kolibri
01.02.2013, 19:39
Hallo in die Runde :-)

Als Forumsneuling melde ich mich nun auch mal zu Wort! War bisher nur fleissige Mitleserin, bin auch schon ein paar Tage länger angemeldet.

Zu Prof. Karl Reinhard Aigner, fand ich folgendes (der Quelle: Wikipedia entnommen) .....

und eventuell ganz interessant und passend zum vorherigen Artikel!

Karl Reinhard Aigner

Wechseln zu: Navigation (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#mw-head), Suche (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#p-search)
Karl Reinhard Aigner (* 1947 (http://de.wikipedia.org/wiki/1947) in Burghausen (http://de.wikipedia.org/wiki/Burghausen)) ist ein deutscher Gefäßchirurg (http://de.wikipedia.org/wiki/Gef%C3%A4%C3%9Fchirurgie) und Onkologe (http://de.wikipedia.org/wiki/Onkologie). Er gehört weltweit zu den Pionieren im Bereich der Regionalen Chemotherapie (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Regionale_Chemotherapie&action=edit&redlink=1) (RCT). Anfang der 1980er Jahre hatte er diese Methode der Tumorbehandlung (http://de.wikipedia.org/wiki/Tumor) maßgeblich weiterentwickelt, sodass sie für eine breit angelegte Krebstherapie (http://de.wikipedia.org/wiki/Krebstherapie) nutzbar wurde.

<tbody>
Inhaltsverzeichnis




1 Leben (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#Leben)
2 Krebstherapie (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#Krebstherapie)
3 Auszeichnungen (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#Auszeichnungen)
4 Literatur (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#Literatur)
5 Weblinks (http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Reinhard_Aigner#Weblinks)



</tbody>
Leben

Aigner wurde 1947 in Burghausen geboren und studierte in Erlangen (http://de.wikipedia.org/wiki/Erlangen) Medizin. Anschließend begann er seine Facharztausbildung in der dortigen Herzgefäßchirurgie und promovierte 1973 mit dem Thema „Myokardrevaskularisation“. 1977 wechselte er ans „Zentrum für Allgemein- und Thoraxchirurgie“ an der Universität Gießen (http://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Gie%C3%9Fen), wo man gerade dabei war, die isolierte Perfusion (http://de.wikipedia.org/wiki/Perfusion) bei Melanomen (http://de.wikipedia.org/wiki/Melanom) einzuführen. Diese vielversprechende Tumor-Therapie war in den 1950er Jahren von dem deutschstämmigen Amerikaner Edward Krementz (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Edward_Krementz&action=edit&redlink=1) entwickelt worden, konnte aber bis dahin nur bei Hautkrebs (http://de.wikipedia.org/wiki/Hautkrebs) angewandt werden. Aigner erlernte das Verfahren und forschte an einer weiteren Umsetzung.
1981 hatte er eine Technik zur Durchführung der weltweit ersten isolierten Leberperfusion mit einer Herz-Lungen-Maschine (http://de.wikipedia.org/wiki/Herz-Lungen-Maschine) am Menschen entwickelt, die im April 1982 auf dem internationalen Onkologen-Kongress präsentiert wurde. In den Folgejahren kamen eine Vielzahl von chirurgischen Verfahren und Spezialkathetern (http://de.wikipedia.org/wiki/Katheter) (z. B. der arterielle Portkatheter) zur isolierten Therapie von Organen und Körperteilen, u. a. des Pankreaskarzinoms (http://de.wikipedia.org/wiki/Pankreaskarzinom) hinzu.
1982 initiierte Aigner die internationale Kongressreihe ICRCT über Regionale Chemotherapie. 1984 habilitierte (http://de.wikipedia.org/wiki/Habilitation) er am „Zentrum für Allgemein- und Thoraxchirurgie“ in Gießen (http://de.wikipedia.org/wiki/Gie%C3%9Fen) über Techniken der regionalen Chemotherapie und der chirurgischen Onkologie.
1986 bis 1991 war Aigner Chefarzt für Chirurgie am Kreiskrankenhaus Trostberg am Chiemsee, 1992 bis 2001 Chefarzt der Abteilung für Onkologische Chirurgie an der Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden, 2002 bis 2005 Leiter der Abteilung für onkologische Chirurgie der Medias Klinik GmbH in Ransbach-Baumbach, und seit 2006 ist er medizinischer Direktor der Medias Klinikum GmbH & Co KG, Privatklinik für onkologische Chirurgie in Burghausen an der Salzach sowie Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen (seit 1994).
Krebstherapie

Die Regionale Chemotherapie, kurz RCT, ist eine Variante der onkologischen Chemotherapie zur Behandlung von Tumoren. Im Gegensatz zur herkömmlichen – also systemischen – Chemotherapie wird das Zytostatikum (http://de.wikipedia.org/wiki/Zytostatikum) (Anti-Tumormittel) nur örtlich oder regional, also auf ein Organ oder eine Körperregion beschränkt, verabreicht. Dazu wird das Mittel über die den Tumor oder die Tumorregion versorgende Arterie geleitet. Vorteil der RCT: Man kann das Medikament wesentlich höher dosieren als es der Organismus bei der systemischen Methode verkraften würde. Zudem entfallen Nebenwirkungen oder werden drastisch reduziert, Schäden an gesunden Organen bleiben aus.
Bei der Regionalen Chemotherapie unterscheidet man vier Varianten.


Die Angiografische Applikation – Dabei wird unter örtlicher Betäubung ein Katheter in die Leiste eingesetzt und unter Röntgenkontrolle über die Arterie in die Tumorregion geführt.
Die Chirurgische Applikation – Ein arterieller Portkatheter wird in das den Tumor versorgende Gefäß implantiert. Das Zytostatikum kann anschließend ambulant verabreicht werden.
Chemoembolisation – Feinste Blutgefäße (http://de.wikipedia.org/wiki/Blutgef%C3%A4%C3%9F) (Kapillaren) werden mit Mikropartikeln blockiert, sodass sich das Zytostatikum länger im Tumorbereich hält. Infolge des geblockten Blutflusses entsteht im Organ ein Sauerstoffmangel, der zusätzlich eine Unterversorgung des Tumors bewirkt.
Isolierte Perfusion – Das betroffene Organ oder die Körperregion wird mittels Ballonkatheter vom Blutkreislauf abgetrennt. Der Blutfluss läuft dabei über eine externe Pumpe ähnlich einer Herz-Lungen-Maschine. Dann wird das Organ mit einem hoch dosierten Chemotherapeutikum geflutet. Zum Schluss wird das Blut gefiltert, um es von Restbeständen des Mittels zu reinigen. Der gesamte Eingriff dauert etwa zwei Stunden.

Auszeichnungen



A. W. Fischer Award, German Section of the International College of Surgeons, Berlin (1983)
Lions Award, Surgical Oncology, Paris (1988)
E.T. Krementz Award for Regional Chemotherapy, Rosenheim (1991)

Literatur



„Vascular Perfusion in Cancer Therapy“, K. Schwemmle/ K. R. Aigner, Springer Verlag, 1983, ISBN 3-540-12346-6 (http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3540123466)
„Regional Cancer Treatment“, K. R. Aigner, Y. Z. Patt, Karger Verlag, 1994, ISBN 3-8055-4762-5 (http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3805547625)
„Basics of Oncology“, F. O. Stephens/ K. R. Aigner, Springer Verlag, 2009, ISBN 978-3-540-92925-3 (http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783540929253)
„Induction Chemotherapie“, K. R. Aigner, F. O. Stephens, Springer Verlag, 2011, ISBN 978-3-642-18172-6 (http://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783642181726)

Weblinks



http://www.gesundheit.com/gc_detail_17_gc28070901.html?zoom_highlight=region ale+chemotherapie
http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.medizin-arzt-rettet-stimme-kasse-will-nicht-zahlen.bac19358-1984-4eb5-8384-3469dc325420.html
http://www.medias-klinikum.de/literatur/einzelansicht/article/karl-reinhard-aigner-frederick-o-stephens-2011.html
http://www.medias-klinikum.de/therapien/regionale-chemotherapie.html

hans.z
01.02.2013, 19:56
Hallo Reinardo,<o:p></o:p>
<o:p></o:p>
ich kenne Herrn Aigner und sein Verfahren schon aus den frühen 80er Jahren. Da war er OA in der Chirurgie am Uni-Klinikum Gießen.<o:p></o:p>
<o:p></o:p>
Die sog. Regionale Chemotherapie (z.B. auch Leberperfusion) ist und bleibt eine lokale Therapiemaßnahme, die mglw. auch vereinzelt Metastasen beseitigen kann. Hierbei fehlt es jedoch an der notwendigen Logik. Wenn das Tumorgeschehen nicht mehr lokal, sondern systemisch ist, sind lokale Maßnahmen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht mehr angezeigt.<o:p></o:p>
<o:p></o:p>
Herr Aigner hat 30 Jahre Zeit gehabt, um seine Kollegen von der Sinnhaftigkeit seiner therapeutischen Bemühungen zu überzeugen. Bisher ist ihm das nicht gelungen.<o:p></o:p>
Ist in etwa mit dem Flop der HD-CT bei soliden Tumoren zu vergleichen.<o:p></o:p>
<o:p></o:p>
Gruß<o:p></o:p>
hans.z<o:p></o:p>

Hvielemi
01.02.2013, 20:01
Professor Karl Reinhard Aigner stellt in einer Wochenzeitschrift eine Krankengeschichte vor:


Frauenzeitschriften sind die Lieblings-Publikationsorgane von Aigner.

Hättest Du das Stichwort "Aigner" in die Suchfunktion eingegeben, wäre dieser
Thread zum Vorschein gekommen:

http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?7575-Regionale-Chemotherapie-%28-RCT-%29-Prof-Aigner&highlight=Aigner

Naja, lest selbst.

Carpe diem!
Hvielemi

Reinardo
02.02.2013, 08:51
Hallo Hvielemi:-

Mit meinen Beiträgen Grenzgänger wiill ich diese Verfahren keineswegs pushen, sondern nur hinweisen darauf, dass es sie gibt. Für fortgeschritten Erkrankte gibt es, was auch RuStra zugibt, der sich hier intensiver eingearbeitet hat, keine befriedigende Therapie. Das ist besonders schlimm, wenn man auf die von den gesetzlichen Kassen übernommenen Therapien angewiesen ist. An die Hormontherapie schließt sich an eine Chemotherapie, und wenn die nicht wirkt oder nicht mehr wirkt, ist man nach Einnahme noch einiger Verzögerungsmedikamente austherapiert und kann sich ein stilles Plätzchen zum Sterben suchen. Aber einige von uns lehnen sich dagegen auf. machen das nicht mit, suchen ihr Heil in alternativen oder schulmedizinisch grenzwertigen Therapien, und schaffen es manchmal auch, länger zu leben als der Durchschnitt.

Gruß, Reinardo

LudwigS
02.02.2013, 09:14
Für fortgeschritten Erkrankte gibt es, was auch RuStra zugibt, der sich hier intensiver eingearbeitet hat, keine befriedigende Therapie. Das ist besonders schlimm, wenn man auf die von den gesetzlichen Kassen übernommenen Therapien angewiesen ist. An die Hormontherapie schließt sich an eine Chemotherapie, und wenn die nicht wirkt oder nicht mehr wirkt, ist man nach Einnahme noch einiger Verzögerungsmedikamente austherapiert und kann sich ein stilles Plätzchen zum Sterben suchen.


Das kann man alles umgehen, wenn man es nicht erst soweit kommen lässt.

Und bis auf wenige Ausnahmen kann man das mit einer PSA-Kontrolle ab dem 40. Lebensjahr und intelligenten Umgang mit den Daten vermeiden, auch gravierende Schäden meistens.

Ich bin bereits 2 Jahre nach DHB im Jahre 2004 wieder in die Spur.

Ich tippe mal, lieber Reinhard, hättest du das damals mit mir zusammen so gemacht, stündest du heute nicht da wo du stehst und die ganze Hormon- und Chemogeschichte ginge dir am Allerwertesten vorbei.


Gruß Ludwig

Hvielemi
02.02.2013, 11:10
An die Hormontherapie schließt sich an eine Chemotherapie, und wenn die nicht wirkt oder nicht mehr wirkt, ist man nach Einnahme noch einiger Verzögerungsmedikamente austherapiert und kann sich ein stilles Plätzchen zum Sterben suchen.Das kann man alles umgehen, wenn man es nicht erst soweit kommen lässt.

Und bis auf wenige Ausnahmen kann man das mit einer PSA-Kontrolle ab dem 40. Lebensjahr und intelligenten Umgang mit den Daten vermeiden, auch gravierende Schäden meistens.


Hallo Ludwig
Das mag zutreffen auf jene Patienten, die einen wenig aggressiven, nichtmetastasierenden Tumor haben.
(Denen könnte wohl neben Seeds auch Prof. Aigner helfen)

Wer aber mit einem aggressiveren Krebs konfrontiert ist, hat die Metastasen längst bevor der PSA auch nur einen Anfangsverdacht vermuten lässt.

Beispielsweise bei mir wurden bei der RPE Metastasen gefunden von bis 15mm Grösse.
Also nehmen wir mal 10mm:
Um sich von einer einzigen 10µm grossen Krebszelle heranzuentwickeln benötigt eine solche Metastase eine lange Zeit:
- Eine Verzehnfachung der Länge entspricht einer Vertausendfachung des Volumens.
- Eine Vertausendfachung des Volumens entspricht etwa zehn Verdoppelungszyklen (VZ).
- Eine Vertausendfachung der Länge von 10µm auf 10mm benötigt also 30 VZ.
- Selbst mit einer Verdoppelungszeit von nur 36 Tagen wäre der Ursprung dieser Metastase drei Jahre vor der RPE gelegen.
- Damals stieg mein PSA innerhalb eines Jahres von 1.4 auf 1.7, was eine VZ von mehr als 1'200 Tagen bedeutete.

Wie sollte man aus diesen PSA-Werten auch bei "intelligentem Umgang" ein Vorgehen herauslesen, mit dem man "es nicht so weit kommen lässt"?

Es ist eben für viele Männer so, wie Reinardo es geschrieben hat.
Als Angehöriger jener Gruppe, der es gegeben war, "es nicht so weit kommen zu lassen" steht es Dir nicht zu, anderen eine Eigenschuld am Schicksal des metastasierten Krebses zuzuschieben.

Carpe diem!
Hvielemi

LudwigS
02.02.2013, 14:43
Als Angehöriger jener Gruppe, der es gegeben war, "es nicht so weit kommen zu lassen" steht es Dir nicht zu, anderen eine Eigenschuld am Schicksal des metastasierten Krebses zuzuschieben.


Nach dieser Theorie, lieber Konrad, hätte es einem Dr. Strum, hier im Forum bei den Älteren bekannter Amerikanischer Onkologe und prostatakrebsfrei :) auch nicht zugestanden, ständig in seinen Internetberatungen zu beklagen: Leute, Leute, nach den vielen Jahren PSA sollten zweistellige PSA-Werte endlich mal der Vergangenheit angehören. Wenn ihr nicht mal lautstark auf das Problem aufmerksam macht, geht das Theater so weiter, dass ich hier immer wieder mit Männern in ihren 50ern und mit ebensolchen PSA-Werten konfrontiert werde.
Und wir reden über 30$ im Halbjahr oder Jahr.

Ich habe von dem Mann etwa 500 Internetberatungen gelesen und seine Erfahrungen mir zu eigen gemacht.
Wenn du willst, kann ich dir den Link gern senden, Teile davon sind im Netz noch verfügbar.

Mein Sohn und mein Schwiegersohn, Alter in den 40ern, überwachen meine Frau (Arzthelferin) und ich persönlich (derzeit beide PSA unter 1).
Die Jungs kämen von sich aus nie auf die Idee das zu tun.

Und wenn dann vielleicht mein Sohn als Mitfünfziger mit PSA 30 Gleason 4+3 erstmalig beim Urologen auftauchen würde, glaub mir, ich würde die Schuld nicht delegieren, denn ich hätte es mit meinen Prostatakenntnissen zu verhindern wissen müssen.
Sicher kann mal ein Krebs dabei sein, wo das PSA bisschen spät greift, wo man kaum hinterher kommt.
Das ist aber nicht die Regel.
Die meisten fangen mit kleinen Tumorvolumina und kleinen Gleasons an.
Und das kann nach 10 Jahren ganz anders aussehen.

Bei Frauen ist das kaum anders.
Brusttumore unter 1 cm Durchmesser benötigen zu 80 Prozent keine Nachfolgetherapie.

Und Prostatakrebs hat die Angewohnheit, es nicht in der Zeitung zu annoncieren wenn er das Haus verlässt.

Bei mir wird es so sein - falls ich noch da bin - dass in den nächsten 10 Jahren ein stetig wachsender PSA-Wert bei meinen Kindern spätestens beim PSA 5 die gelbe Achtungslampe aufleuchten lassen wird.

Einen Winfried Wacker mit PSA 239 als 52-jähriger - der Beispiele habe ich hier in den letzten 12 Jahren genügend gesehen - wird es mit meinen Kindern nicht geben.

Sicher hatte ich Glück, denn bei meinen Eltern (Prostatakrebs/Brustkrebs) hätte ich spätetstens ab 40 mit PSA - Überwachungen beginnen müssen. Aber wer wusste das schon in den 90er Jahren.

Dass das PSA in der Vorsorge sein Geld nicht wert sein soll - mögen ja viele für wahr halten und auch propagieren - ich gehöre nicht dazu.

Wenn es für Frauen etwas ähnliches für Brustkrebs geben würde - die Frauen hätten dem Entdecker/Erfinder ein Denkmal gesetzt.

Gruß Ludwig

RuStra
02.02.2013, 14:59
right! (zu deutsch, da ich mindestens 10 Zeichen eingeben mus: Richtig!)

willho
02.02.2013, 15:56
hier schon einmal erwähnt
http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?7709-RCT-und-die-Kosten

Vielleicht sollte man jetzt doch mal in den Abkürzungen die Unterschiede festhalten: randomisierte Chemotherapie und/oder Randomized Controlled Trial

Hvielemi
02.02.2013, 16:50
right!

Ja, Richtig!
Ludwigs Replik #8 kann ich in weiten Teilen mittragen.

Die PSA-Überwachung KANN helfen, und ich hab sie auch nicht kritisiert.
Das steht eher Mathematikern und Krebsstatistikern zu.

Gestört hatte mich dieser Unterton von "Selber schuld" im Posting #6.
Man kann ja zu Reinardo und seinen eigenwilligen Therapien stehen wie man will,
es ist ganz einfach Fakt, dass er nun in die beschriebene Sackgasse geraten ist.
Wie es mit anderen Therapien gegangen wäre, weiss niemand.

Manch einer gerät genauso da hinein, obwohl er den PSA schon früh überwachte
und sich an die Empfehlungen von Schulmedizinern und Leitlinien gehalten hat,
und nicht jeder, der seinen PSA nicht überwacht hatte, hätte von der Überwachung
profitiert.

Auch ich hab meine Söhne eindringlich auf die PSA-Überwachung hingewiesen,
obwohl, wie in #7 gezeigt, mir das nicht helfen konnte. Mit betroffenem
Urgrossvater, Grossonkel und Vater sind sie Teil einer Risikogruppe.
Naja, die haben noch rund 10 Jahre Zeit bis sie 40 sind, doch ob ich ihnen
dann noch was von PSA erzählen kann, ist offen.

Carpe diem!
Puistola

hans.z
02.02.2013, 17:23
Solche singulären Erfolgsmeldungen in der Laienpresse wecken natürlich bei Patienten große Hoffnungen, die i.d.R. jedoch leider nicht erfüllt werden können. Zur Fallbeurteilung fehlen in diesen Berichten praktisch immer die erforderlichen medizinischen Daten zum Stadium (TNM o.ä.) und andere wichtige Angaben.<o:p></o:p>
<o:p></o:p>
Hier sollte man vielleicht auch einmal den KID zu Wort kommen lassen:<o:p></o:p>
<o:p>

</o:p>
„Systemische und regionale Chemotherapie<o:p></o:p>

Eine solche systemische Behandlung kann aber auch bei Tumoren notwendig werden, die zunächst durch eine Operation gut behandelbar erscheinen: wenn die Gefahr besteht, dass die Krebszellen über die eigentliche Tumorregion hinaus bereits gestreut haben. Eine solche Chemotherapie kann "neoadjuvant" erfolgen, also vor einer Operation, oder "adjuvant", nämlich begleitend oder ergänzend nach einem chirurgischen Eingriff.
<o:p></o:p>
Hat ein solider Tumor schon gestreut und sind Krebszellen im Körper verbreitet, würden lokale Maßnahmen wie eine Operation oft zu kurz greifen. Auch hier hat die systemische Chemotherapie ihre Berechtigung: Sie kann das Wachstum der verstreuten Tumorzellen und Metastasen bremsen und Beschwerden lindern. <o:p></o:p>
Es gibt wenige Ausnahmen: Im Gegensatz zur systemischen Chemotherapie ist eine "regionale" oder "lokale" Chemotherapie (RCT) eine Behandlung, die auf ein Organ oder eine Körperregion beschränkt bleibt.
Voraussetzung ist allerdings oft eine kleinere oder größere Operation, in der die betroffene Körperregion oder das betroffene Organ zeitweilig vom Blutkreislauf getrennt wird. Dann gelangt das Zytostatikum über ein Blutgefäß gezielt nur in die Tumorregion und wird, wenn möglich, gezielt auch wieder am sonstigen Körper vorbei abgeleitet.
Eine andere Möglichkeit ist es, Zytostatika gezielt in eine Arterie zu geben, die unmittelbar das betroffene Organ oder gar nur den Tumor versorgt.

Eine solche Behandlung kommt allerdings nur für sehr wenige Krebsarten und nur in ganz bestimmten Situationen infrage. Die meisten Erfahrungen liegen bei Lebertumoren vor, und auch hier ist die regionale Chemotherapie nicht für jeden Patienten die geeignete Behandlung. „



http://www.krebsinformation.de/behandlung/chemotherapie-stellenwert.php (http://www.krebsinformation.de/behandlung/chemotherapie-stellenwert.php)<o:p></o:p>

Und da wir derzeit einen Paradigmenwechsel erleben – die klassische Chemotherapie ist ein Auslaufmodell – wird man sich eleganteren Methoden zuwenden, weil gezielter und weniger toxisch. Leider stehen im Gesundheitswesen zu viele kommerziell Interessierte auf der Bremse.<o:p></o:p>
<o:p></o:p>
Gruß<o:p></o:p>
hans.z <o:p></o:p>

Diogenes_57
02.02.2013, 18:18
Lieber Reinardo, Du bist ein glücklich alt gewordener Mann. Spiel Dich aber nich als Besserwisser gegenüber einer anonymen Öffentlichkeit auf. Ich hoffe für Dich, dass auch Du Dein stilles Plätzchen finden mögest.
und kann sich ein stilles Plätzchen zum Sterben suchen. Aber einige von uns lehnen sich dagegen auf. machen das nicht mit, suchen ihr Heil in alternativen oder schulmedizinisch grenzwertigen Therapien, und schaffen es manchmal auch, länger zu leben als der Durchschnitt.Länger zu leben als ein Durchschnitt ist kein Beweis für das Versagen der Schulmedizin. Die Aussage belegt aber Dein Unverständnis für mathematisch-statistische Zusammenhänge.
Dies sei Dir gegönnt, D.

hans.z
03.02.2013, 00:51
Zu meinen vorherigen Äußerungen möchte ich eine juristische Einschätzung anfügen:



Außenseitermethoden in der Therapie von Brustkrebs - Pflichten des Arztes am Beispiel der Regionalen Chemotherapie (RCT)
Würzburg, 21.06.2011


http://www.brustkrebsdeutschland.de/home/pdf/pflichten_des_arztes.pdf

Zum besseren Verständnis streiche man "Brustkrebs" und setze "Prostatakrebs", denn das gilt für diese Erkrankung gleichermaßen.

Reinardo
03.02.2013, 09:24
Hallo Diogenes. Diese persönlichen Angriffe und Gehässigkeiten solltest Du mal lassen. Konntest Du als Physiker mit Deinen Kollegen ebenso sprechen, wenn diese älter als Du und anderer Meinung waren? Mein mathematisch-statistisches "Unverständnis" sagt mir, dass Wahrscheinlichkeiten auf den Einzelnen nicht zutreffen müssen. Und Krebs ist immer ein Einzelschicksal. Zur Sache selbst hast Du nichts beizusteuern. Dann halte doch einfach den Mund.

Reinardo

Heribert
03.02.2013, 09:59
Lieber Reinardo,

so einfach kommst Du hier nicht raus! In der Medizin geht es nicht darum wie wahrscheinlich es ist vom Blitz getroffen zu werden, sondern wie wahrscheinlich es ist nicht vom Blitz getroffen zu werden. - In der Behandlung des Einzeilnen ist zunächst die erfolgreiche Behandlung einer großen Menge von Betroffenen von Bedeutung. Nur wenn deren Behandlungschema nicht greift hat die Physiologie des Einzelnen eine neue Bedeutung. Jede andere mathematische Wahrscheinlichkeitsrechnung hätte fatale Folgen für die Allgemeinheit der Betroffenen.

Gruß Heribert

Reinardo
03.02.2013, 11:15
Hallo Heribert:-

Das sehe ich schon ein, was Du schreibst. Nur bei den Austherapierten greift ja nichts mehr, was mathematisch -statistisch anerkannt und bekannt ist. Und die genaue Kenntnis der Physiologie des Einzelnen bringt uns dann auch nicht weiter. Wir sind an einem toten Ende.
Und das tote Ende ist bei den mit fortgeschrittenem Prostatakrebs nach mathematisch-statistische Behandlungsschema therapierten Patienten doch leider absehbar. Das kann aber doch nicht so bleiben, da muss doch viel mehr drüber nachgedacht, geforscht, auch probiert werden als dies zur Zeit geschieht. Da kann es doch nicht richtig sein, jeden Arzt, der mit neuen Ideen kommt und diese therapeutisch umzusetzen versucht, herunter- und fertigzumachen.

Ich bin wie Christian der Meinung, dass die Urologie mehr als 10 Jahre hinter den Erkenntnissen zurück ist und obendrein gegen jede Veränderung ihrer Methoden sich sperrt, auch aus wirtschaftlichem Interesse. So ist die Ignorierung der Forschungsergebnisse der Zytopathologie ein Skandal, den man in der Medizingeschichte später auch einmal so einordnen wird. Dass es "Haustierkrebse" gibt, wissen wir seit Hackethal, aber erst jetzt wird die Erkenntnis klinisch umgesetzt, wenngleich unter fragwürdigen Kriterien und unzulänglichen Kontrollen.
Wenn Du Dich einmal in der Kardiologie umschaust, findest Du Medizin vom Feinsten, mit Herzschrittmacher, Bypaesse, Stents und künstlichen Herzklappen. Die Kardiologen schaffen es, überspitzt gesagt, Tote wieder lebendig zu machen. Auch die Dentalmedizin hat in den letzten Jahrzehnten mit ihren Wurzelbehandlungen und Implantaten riesige Fortschritte gemacht. Da ist die Urologie das Schlusslicht der medizinischen Disziplinen, verschanzt sich hinter evidenz-basierten Rückständigkeiten, würgt jede neue Idee und jeden Arzt ab, der an der Situation etwas ändern möchte.
Deshalb verstehe ich auch nicht das selbstgerechte Gedöns, das die urologische Prominenz in ihren Konferenzen und Symposien macht, letzthin wieder in Magdeburg, wo sie nach der Berichterstattung von Harald über Quisquilien debattierten und im übrigen sich gegenseitig nur ihre Vorurtele bestätigten. Kennst Du einen Professor oder Urologen, der Steven B. Strums Primer, oder Walsh's Guide oder Tribukaits Langzeituntersuchungen gelesen hat? Ich kenne keinen, muss mich bei meinen Arztbesuchen mühsam gegen Therapien wehren, die bei mir nichts bringen und zu kurz greifen.
Sollen sich die Herren Professoren besser zusammensetzen, Krankheitsverläufe studieren, neue klinisch relevante Forschungsziele erarbeiten und Behandlungsstrategier erarbeiten, die nicht zum toten Ende führen sondern gar nicht dahin oder drumherum.

Nein lieber Heribert. Die beste aller Welten ist unsere "mathematisch-statistisch" basierte Urologie gewiss nicht.

Gruß Reinardo

Schorschel
03.02.2013, 11:41
Diese Aussage, lieber Heribert...
... In der Medizin geht es nicht darum wie wahrscheinlich es ist vom Blitz getroffen zu werden, sondern wie wahrscheinlich es ist nicht vom Blitz getroffen zu werden......hilft m.E. nicht weiter. Du beschreibst Wahrscheinlichkeit und Gegenwahrscheinlichkeit, die zusammen immer 100% ( = 1) ergeben. Anders gesagt: Wenn Du weißt, wie wahrscheinlich es ist, nicht vom Blitz getroffen zu werden, dann weißt Du automatisch auch, wie wahrscheinlich es ist, von einem getroffen zu werden. Beides bedingt einander, und mit der Gegenwahrscheinlichkeit (die manchmal leichter zu berechnen ist) kannst Du nicht gegen die korrespondierende Wahrscheinlichkeit argumentieren.

Auch mit dieser Aussage...
In der Behandlung des Einzeilnen ist zunächst die erfolgreiche Behandlung einer großen Menge von Betroffenen von Bedeutung. Nur wenn deren Behandlungschema nicht greift hat die Physiologie des Einzelnen eine neue Bedeutung......habe ich ein Problem, weil Du damit postulierst, dass jeder Einzelne erst einmal das aufgrund reiner Wahrscheinlichkeit empfohlene "Behandlungsschema" über sich ergehen lassen muss, bevor seine eigene "Physiologie" zu berücksichtigen ist. Zu Letzterer gehören m.E. übrigens auch "weiche Faktoren", z.B. wie der Einzelne die Risikofaktoren Inkontinenz, Impotenz, große OP, Unversehrtheitswunsch, usw.usw. bewertet, die wiederum abzuwägen sind mit anderen "weichen Faktoren" wie z.B. "Kann ich den Gedanke ertragen, mit Krebs in mir zu leben?" usw.usw.usw.

Ich selbst habe von Beginn an meine eigene "Physiologie" (sprich: meinen individuellen Krebs, den ich so gut wie möglich kennenzulernen versucht habe, und meine "weichen Faktoren") in den Vordergrund gestellt und eben nicht die Leitlinienempfehlung "Prostatektomie" befolgt. Sonst hätte ich meinen Weg nie gehen können. Eine solche, jeweils auf der individuellen Ausgangssituation basierende Vorgehensweise empfehle ich jedem Neubetroffenen, was allerdings voraussetzt, dass jeder Neubetroffene sich zu einem mündigen Patienten a lá Doc Strum macht. Dies wiederum ist (leider) illusorisch.

Und damit bin ich wieder bei Dir, Heribert, weil Du im Ergebnis leider Recht hast. Einen Neubetroffenen, der sich nicht "mündig" machen will, kann man als Arzt dann nur noch mit dem undifferenzierten Argument "Wahrscheinlichkeit" konfrontieren und gemäß der Leitlinienempfehlung behandeln. Dann ist die Wahrscheinlichkeit in der Tat das Argument der Wahl - aber als pauschalierte Notlösung und nicht so positiv-apodiktisch wie von Dir gefordert (immer erst nach Wahrscheinlichkeit behandeln, bevor man auf Individuelles eingeht - das sehe ich exakt umgekehrt).

Dass die wahrscheinlichkeits-/leitlinienbasierte Denke den meisten niedergelassenen Urologen ohnedies das Liebste ist (keine Regressrisiken, wenig Argumentationsaufwand, etablierte Kontakte zum Kollegen "Chefarzt um die Ecke usw.), sei nur noch am Rande erwähnt - und ist in gewissen Maße sogar nachvollziehbar.

Schorschel

Heribert
03.02.2013, 12:42
Lieber Schorschel,

Du solltest meinen Beitrag aus dem Zusammenhang sehen und nicht als Gegenargument Deiner Therapiefindung, dann hättest Du Dir die Erklärungen sparen können.

Der Mediziner hat nun mal nach Leitlinien zu Arbeiten und Ausnahmen mit seinem Patienten ausführlich zu erörtern, wenn er nicht Gefahr laufen will mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Das heißt auch, dass er verpflichtet ist, seinen Patienten darüber bis ins Detail aufzuklären, das Therapien, die nicht den Leitlinien entsprechen mit allen Nachteilen zu ungunsten des Patienten gehen. Es ist ihm übrigens justiziabel untersagt, seine Außenseitermethode als die Bessere gegenüber der Leitlinientherapie darzustellen!

Bei aller Wichtigkeit für Betroffene, sich mit ihrer Krankheit auseinander zu setzen um die Möglichkeiten des Therapieerfolgs auszuloten, ist das vorher Gesagte deutsches Recht, was vor allem von Neubetroffenen nicht, wie aus Deinen Argumenten sugeriert, einfach bei Seite geschoben werden kann. - Ich hoffe, dass diese Argumente im Zusammenhang mit dem Thread weiter helfen!

Gruß Heribert

Schorschel
03.02.2013, 14:06
Du hast natürlich Recht, lieber Heribert, wenn Du mich auf das Ursprungstthema dieses Threads hinweist. Ich habe Deinen Beitrag zu grundsätzlich interpretiert, wobei mir die Rechtslage nicht wirklich klar ist.

In meinem Fall hat sich doch niemand juristisch angreifbar gemacht, weil ich - ärztlich begleitet - statt Leitlinientherapie 7 Jahre AS+AHIT gemacht habe, oder? Die Krankenkasse hat jedenfalls alle begleitenden Maßnahmen (zig Laboruntersuchungen, viele Bildgebungen, FNAB, Zytometrie, Stanzbiopsie sowie schließlich die TURP) anstandslos bezahlt.

Passt jetzt wieder nicht so ganz in diesen Thread, ist aber m.E. ein interessantes und wichtiges Thema.

Schorschel

Heribert
03.02.2013, 15:47
In meinem Fall hat sich doch niemand juristisch angreifbar gemacht, weil ich - ärztlich begleitet - statt Leitlinientherapie 7 Jahre AS+AHIT gemacht habe, oder? Die Krankenkasse hat jedenfalls alle begleitenden Maßnahmen (zig Laboruntersuchungen, viele Bildgebungen, FNAB, Zytometrie, Stanzbiopsie sowie schließlich die TURP) anstandslos bezahlt.

Wo kein Kläger, da kein Richter! - Wir sprechen ja hier zunächst nicht über das Strafrecht sondern über das Zivilrecht. Das Strafrecht wird erst aktiv, wenn der Patient auf Körperverletzung klagt, weil ihm der Eingriff oder auch der unterlassene Eingriff nach seiner Auffassung einen zusätzlichen Schaden gebracht hat. Bei einer solchen Beurteilung geht die Gerichtsbarkeit ganz klar von den ärztlichen Leitlinien aus, in unserem Fall von den S3-Leitlinien!

Wie von Dir schon gesagt, nur am Rande: In Deiner speziellen Therapiewahl kommt es tatsächlich auf die jeweiligen Richtlinien der Krankenkasse an. Wobei ich in Frage stelle, ob meine PKV und Beihilfestelle die AHIT bezahlen würde. Ich weiß nicht, wie das bei Dir war/ist. - Alle weiteren diagnostischen und auch therapeutischen Maßnahmen zum Krebsgeschehen sind Kassenleistungen, grundsätzlich auch bei der GKV.

Gruß Heribert

Diogenes_57
04.02.2013, 10:27
Lieber Reinardo,
Hallo Diogenes. Diese persönlichen Angriffe und Gehässigkeiten solltest Du mal lassen. Konntest Du als Physiker mit Deinen Kollegen ebenso sprechen, wenn diese älter als Du und anderer Meinung waren? Mein mathematisch-statistisches "Unverständnis" sagt mir, dass Wahrscheinlichkeiten auf den Einzelnen nicht zutreffen müssen. Und Krebs ist immer ein Einzelschicksal. Zur Sache selbst hast Du nichts beizusteuern. Dann halte doch einfach den Mund.

ReinardoIch kann immer noch (weil dort berufstätig) jedem Physiker meine Meinung sagen, unabhängig von Alter oder Stand. In diesem Falle hast Du natürlich Recht, dass Wahrscheinlichkeiten auf den Einzelnen nicht zutreffen müssen. Daraus umgekehrt zu schließen, wir brauchen die Statistik zur Bewertung des Einzelfalls nicht, ist jedoch fatal und zeugt von Unkenntnis in der Sache.

Die Einbeziehung der statistisch gewonnenen Erkenntnisse in die Bewertung des Einzelfalls heißt auch "evidenzbasierte Medizin".

Diogenes_57
04.02.2013, 10:30
Sollen sich die Herren Professoren besser zusammensetzen, Krankheitsverläufe studieren, neue klinisch relevante Forschungsziele erarbeiten und Behandlungsstrategier erarbeiten, die nicht zum toten Ende führen sondern gar nicht dahin oder drumherum. Das machen sie bereits mit Hilfe randomisierter klinischer Studien.

Nein lieber Heribert. Die beste aller Welten ist unsere "mathematisch-statistisch" basierte Urologie gewiss nicht.Das ist richtig. Sie ist aber die zweitbeste Welt, wobei die beste noch nicht gefunden ist

Diogenes_57
04.02.2013, 10:45
Lieber Ludwig, auch Du bist kein Gegenbeispiel gegen die evidenzbasierte Medizin. Bevor ich Dir nun mit eigenen Worten entgegen trete,...
Das kann man alles umgehen, wenn man es nicht erst soweit kommen lässt.

Und bis auf wenige Ausnahmen kann man das mit einer PSA-Kontrolle ab dem 40. Lebensjahr und intelligenten Umgang mit den Daten vermeiden, auch gravierende Schäden meistens.

Ich bin bereits 2 Jahre nach DHB im Jahre 2004 wieder in die Spur.

Ich tippe mal, lieber Reinhard, hättest du das damals mit mir zusammen so gemacht, stündest du heute nicht da wo du stehst und die ganze Hormon- und Chemogeschichte ginge dir am Allerwertesten vorbei.


Gruß Ludwig... empfehle ich Literatur aus der schulmäßigen Wissenschaft:
- Spektrum der Wissenschaft (http://www.spektrum.de/alias/medizin/streit-um-die-prostatakrebs-frueherkennung/1165307)
- J. Postgrad Med, 2002, 78, 590-595: Prostate Cancer (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12415080)

Sollte sich Deine Meinung jedoch durchsetzen, solltest Du Dich auch dafür einsetzen, Männern, die Dein PSA Screening nicht wahrnehmen, vom Versicherungsschutz auszunehmen. Das Nicht-Wahrnehmen ist dann grob fahrlässig, was also wie sonst üblich mit Entzug der Versicherung bestraft wird.

Mehr von zahlreicher von Deinen qualifizierten Tipps wird die Krankenversicherung sehr erfreun.

Reinardo
04.02.2013, 18:33
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Hallo Ludwig:-

Ich möchte den folgenden Hinweis von Dir mal aufgreifen und dazu etwas sagen, was mich schon lange beschäftigt:
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„Leute, Leute, nach den vielen Jahren PSA sollten zweistellige PSA-Werte endlich mal der Vergangenheit angehören. Wenn ihr nicht mal lautstark auf das Problem aufmerksam macht, geht das Theater so weiter, dass ich hier immer wieder mit Männern in ihren 50ern und mit ebensolchen PSA-Werten konfrontiert werde.
Und wir reden über 30 Dollar im Halbjahr oder Jahr." (Strum)

Die Klage von Strum ist ja nicht singulär. Dasselbe sagen ja auch Walsh und Catalona, die ich regelmäßig in ihren Schriften konsultiere, und das ist ja auch das Leitmotiv der Vorsorge-Kampagnen. Es wäre ja auch gar nicht das Problem, wenn es nur die Vorsorge-Untersuchung wäre. </SPAN>
Die Probleme fangen ja erst danach an, wenn der Test positiv ist. Die Mehrzahl von uns Patienten landet dann ja nicht bei Strum, Walsh oder Catalona, die Meister ihrer Operationstechniken sind, sondern bei Beratern und Ärzten, die Dir Therapien empfehlen, die das Potential haben, auf Lebenslang Deine Lebensqualität zu beeinträchtigen. Warum gehen Männer denn so ungern zur Vorsorge? Weil sie Angst vor unangenehmer Diagnostik und den Folgen der Therapien haben. Das war vor 10 Jahren, als ich mit der Krankheit konfrontiert war, ja noch schlimmer. </SPAN>
Ändern wird sich das erst, wenn sanftere und umfassendere Diagnostik und bessere Therapien sich durchgesetzt haben werden. Das kann noch dauern, denn in unserer vom Profitdenken bestimmten Gesellschaft lassen Änderungen, die Existenzen und finanzielle Interessen tangieren, sich nicht durch gutes Zureden erreichen, sondern nur durch knallharte öffentlichkeitswirksame Agitation, und dafür fehlen derzeit die lobbyistischen Voraussetzungen. Wir werden den Paradigmenwechsel selbst nicht mehr erleben, können ihn mit unserem Meinungsaustausch aber vorbereiten.</SPAN>

Wie könnte ein Paradigmenwechsel denn aussehen?</SPAN>

Zunächst müsste eine Zentrierung der zur Zeit in alle Richtungen hin ausufernden Krebsforschung erfolgen. Statt immer neue, extrem teure Medikamente für weit fortgeschrittene, eigentlich austherapierte Fälle zu entwickeln, muss die Forschung an Kriterien des klinischen Bedarfs ausgerichtet werden, so dass bei Forschungsergebnissen für die Patienten auch konkret etwas Nützliches herauskommt.</SPAN>


Zweitens muss die Erstdiagnose viel umfassender gestaltet werden. Es genügt eben nicht, nur den ersten und den zweiten Gleason-Grad zu bestimmen. Alle Gleason-Grade müssen bestimmt und durch DNA-Analysen bestätigt werden. </SPAN>


Drittens müsste eine Behandlungsstrategie entwickelt werden, die es zu fortgeschrittenen Zuständen gar nicht kommen lässt. Es ist doch trügerisch, die Behandlungen in allen Phasen der Erkrankung nur an der Entwicklung des PSA-Wertes auszurichten, weil das eine nur quantitative und keine qualitative Ausrichtung ist. In den Krebs selbst schaut man damit ja gar nicht hinein. </SPAN>


Viertens muss die Rolle der Hormontherapie überdacht und die Warnungen der Zytopathologen müssen ernst genommen werden.</SPAN>

Und fünftens muss auch die theoretische Schulung Krebs betreffend der Urologen nachgebessert werden. Im Laufe der letzten 12 Jahre hatte ich mit vielen Urologen zu tun, deren theoretisches Wissen über die Kenntnis der Leitlinien kaum hinausging. Keiner von denen hat Stephen B. Strum oder Walsh oder Leibowitz gelesen oder bei ihren Empfehlungen sich auf diese berufen. Nur Hackethal haben sie alle gekannt und gesagt, dass das ein ganz Schlimmer gewesen sei.</SPAN>

Das, Ludwig, sind die Gedanken, die mir beim Lesen Deines Beitrags gekommen sind.</SPAN>

Gruß, Reinardo</SPAN>

Diogenes_57
07.02.2013, 11:13
Ich frage mal nach einer etwas konkreteren Beschreibung des Paradigmenwechsels:

Wie könnte ein Paradigmenwechsel denn aussehen?

Zunächst müsste eine Zentrierung der zur Zeit in alle Richtungen hin ausufernden Krebsforschung erfolgen. Statt immer neue, extrem teure Medikamente für weit fortgeschrittene, eigentlich austherapierte Fälle zu entwickeln, muss die Forschung an Kriterien des klinischen Bedarfs ausgerichtet werden, so dass bei Forschungsergebnissen für die Patienten auch konkret etwas Nützliches herauskommt.Was ist gegen weitere Erforscung für weit fortgeschrittene, eigentlich austherapierte Fälle einzuwenden? Für T1 oder T2 Tumore gibt es sehr gute Therapien, verbleiben die von Dir nicht gewünschten Fälle. Was sind "Kriterien des klinischen Bedarfs" konkret?
Zweitens muss die Erstdiagnose viel umfassender gestaltet werden. Es genügt eben nicht, nur den ersten und den zweiten Gleason-Grad zu bestimmen. Alle Gleason-Grade müssen bestimmt und durch DNA-Analysen bestätigt werden. Welchen Vorteil verspricht es, statt "nur" 2 - nämlich die stärksten - befallene Gebiete alle zu untersuchen? Bei einer Stanzbiopie werden schon alle Stanzen ausgewertet. Was ist "alle" im Falle einer vor Dir liegenden herausgeschnittenen Prostata?

Drittens müsste eine Behandlungsstrategie entwickelt werden, die es zu fortgeschrittenen Zuständen gar nicht kommen lässt. Es ist doch trügerisch, die Behandlungen in allen Phasen der Erkrankung nur an der Entwicklung des PSA-Wertes auszurichten, weil das eine nur quantitative und keine qualitative Ausrichtung ist. In den Krebs selbst schaut man damit ja gar nicht hinein. Da ist ein sicher berechtigter Wunsch der Vater des Gedankens. Aber arbeitet die Schulmedizin nicht daran, dass es "zu fortgeschrittenen Zuständen gar nicht kommt"? Was ist das: in den Krebs hineinschauen. Die Histologen machen das schon. Welcher Blick hinein fehlt?
Und fünftens muss auch die theoretische Schulung Krebs betreffend der Urologen nachgebessert werden. Im Laufe der letzten 12 Jahre hatte ich mit vielen Urologen zu tun, deren theoretisches Wissen über die Kenntnis der Leitlinien kaum hinausging. Keiner von denen hat Stephen B. Strum oder Walsh oder Leibowitz gelesen oder bei ihren Empfehlungen sich auf diese berufen. Nur Hackethal haben sie alle gekannt und gesagt, dass das ein ganz Schlimmer gewesen sei.Welche Theorien gefallen Dir nicht? Wissenschaftlich anerkannte Theorien haben sich am Experiment (hier randomisierte klinische Studie) zu messen. Von dort (http://www.cancer.gov/cancertopics/types/prostate) steht massenhaft Literatur zur Verfügung, die diesen Kriterien genügt. Leibowitz und Kollegen habe ich nicht gefunden. Vielleicht habe ich aber etwas übersehen, dann darfst Du gerne nachlegen. Aber bitte von anerkannt neutraler Quelle!

Gruß, D.