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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Strahlentherapie mit Homontherapie



Carlos46
07.06.2013, 16:36
Bei der Biopsie aus zehn Lokalisationen meiner Prostata wurde bei vier ein mittelhoch differenziertes Prostatakarzinom festgestellt ( T1c Nx Mx G2, Gleason-Score 7b; PSA 11,1 ng/ml drei Wochen später 7,6 ng ).
Nach meinem Urologen hat mein Karzinom ein intermediäres Risiko. Er schlägt als Therapie die radikale Prostatektomie vor optional auch die Strahlentherapie mit „passagerer antihormoneller Therapie“.
Ich wollte mich für die Strahlentherapie entscheiden. Jetzt habe ich erfahren, dass in meinem Fall die Strahlentherapie durch eine Hormontherapie bzw. Hormonentzugs-Therapie ergänzt werden muss, um die Heilungschancen bei der vorgeschlagenen IMRT mit 78Gy zu verbessern.
Hat jemand Erfahrung mit den Nebenwirkungen der kombinierten Strahlen- / Hormontherapie?
Gibt es dazu Studien?
Die Behandlung müsste im Raum Reutlingen/Tübingen durchgeführt werden.
Vielen Dank für Beiträge, die meine Entscheidung erleichtern.

willho
08.06.2013, 09:28
Hallo,
ich habe mich nach einigen Manipulationen von Urologen für den Weg entschieden mittels HT: die Prostata schrumpfen zu lassen, den Krebs einzudämmen und danach eine Bestrahlung durchzuführen. Durch aktives TRainign und Ernährungsumstellung habe ich weder an Hitzewallungen leiden müssen noch an Gewicht zugenommen. Die Muskeln haben sich ebenfalls nicht minimiert. Mir geht es gut. Meine Bestrahlung ist nun beendet. Die HT. zum Teil auch. Alles andere findest Du in meinem Profil bei Prostate.eu
Ich hatte keinerlei Nebenwirkungen bei der Bestrahlung unterstützt durch eine supportive Komplementärmedizin mit verschiedenen Mitteln. Das Nachts-auf-die-Toilette müssen hat sich nun nach 4 Wochen nach der Bestrahlung auf nur 1x minimiert, ist aber auch abhängig je nach Essen und Trinken (Spargelzeit:-)) Meinen PSA Wert werde ich in ca. 3-4 Monaten testen lassen. Da die Bestrahlungswirkzeit noch anhält und der PSA erst nach einiger Zeit zum Abfall kommt. Also mache ich mich nicht verrückt.
Weder Inkontinenz noch Impotenz liegen vor.
Entscheiden muss Du Dich aber selbst, kein Mensch oder Arzt kann diesen Schritt abnehmen, aber wenn Du neutrale Ansprechpartner zum Austauschen findest, dann höre Dir dessen Meinungen an. Es gibt viele Studien im Internet darüber, die man aber auch quer lesen sollte. Auf ein anständiges Staging sollte unbedingt geachtet werden. Hierüber findest Du vieles in diesem Forum was Labor und Bildgebung angeht.
Schöne Grüsse
Rolf

Daniel Schmidt
08.06.2013, 17:13
Eine Strahlentherapie in Kombination mit einer Hormontherapie ist bei einem Gleason 7b-Tumor ist Standardbehandlung.
Die Ergebnisse der Strahlentherapie werden durch die gleichzeitige Durchführung eine Hormontherapie verbessert. In der Regel beginnt man mit der Hormontherapie und steigt nach etwa 3 Monaten mit der Strahlentherapie dazu. Die Dauer der Hormontherapie ist abhängig von mehreren Faktoren. In Ihrem Fall dürften 6 Monate ausreichen, wären der PSA oder der Gleason Score höher, würde man eher auf 3 Jahre setzen.

Die Uniklinik Tübingen ist eine sehr gute Wahl.

Carlos46
19.06.2013, 08:12
Hallo Rolf,
herzlichen Dank für den ausführlichen Erfahrungsbericht. Inzwischen habe ich die Studie von Jones (1994 - 2001) gelesen mit dem Kommentar der Martini-Klinik in Hamburg:
http://www.martini-klinik.de/aktuelles/prostatakarzinom-literatur/2012/maerz-2012/
Ich hoffe, dass der Strahlentherapeut bei einer Dosis von 78 Gy auf die HT mit ihren Nebenwirkungen verzichten kann.
Viele Grüße
Karl

Daniel Schmidt
21.06.2013, 15:27
Sie dürfen den Kommentar der Martini-Klinik nicht 1:1 übernehmen. Es gibt keine Hinweise dafür, dass man bei einer höheren Gesamtdosis auf die Hormontherapie verzichten darf.
Die Hormontherapie ist nicht nur eine lokale Therapie, ist Stellenwert liegt vor allem bei der Beseitigung von Mikrometastasen.

Sie können auch 1000 Gy auf die Prostata geben, es wird Ihnen nichts nützen, wenn es bereits eine Mikrometastase in Knochen oder Lymphknoten gibt.

bernd58
24.06.2013, 20:27
Dann wurde bei mir wohl ein Fehler gemacht - ich habe auch Gleason 7b -ich wurde mit 66Gray bestrahlt - bei mir wurde auch nicht nur ansatzweise ,weder vom Strahlentherapeuten noch Urolgen über
eine Hormontherapie während -vor -oder nach der Bestrahlung geredet . Es wurde mir auch nicht als Standarttherapie angeboten und vorgeschlagen.
Da stellen sich mir schon Fragen ob es unterschiede in der Standarttherapie gibt.

mfg. Bernd

Reinardo
24.06.2013, 22:04
hallo Carlos:-

Mit moderner Technik sind die Nebenwirkungen der Strahlentherapie in der Tat moderat. Das habe ich jetzt selbst erlebt.. Auch die Kombination mit einer Hormontherapie, u.U. noch einige Zeit nach Ende der Bestrahlung ist anerkannter, d.h. "evidenz-basierter" Standard. Ob es aber sinnvoll ist, die HT bis zu 3 Jahre zu verlängern, wage ich zu bezweifeln, nicht nur wegen der Nebenwirkungen, die mit der Länge der Zeit zu irreversiblen Dauerschäden anwachsen würden, auch weil die Hormontherapie bei hohem Gleason kaum noch viel bringt, eher kontraproduktiv sein wird. Der Strahlentherapeut denkt hier in der Kategorie "Je mehr, desto besser", wird es schwer haben, auf Studien zu verweisen.

Gruß und alles Gute, Reinardo

Carlos46
24.06.2013, 22:16
Hallo Herr Schmidt,
aus dem Patientenratgeber zur S3 Leitlinie bei lokal begrenztem Prostatakarzinom habe ich entnommen, dass die Hormonentzugstherapie in keinem Fall den Krebs heilen kann. Wenn der Testosteronspiegel durch Medikamante abgesenkt wird, verlangsamt sich wohl das Wachstum der Prostatakrebszellen und nur noch wenige Zellen teilen sich.
Andererseits soll bei einer radikalen Prostatektomie eine Homenentzugstherapie nicht durchgeführt werden. Wie werden dann bei dieser radikalen Operation evtl. vorhandene Mikrometastasen eliminiert?
In diesem Zusammenhang muss das Ergebnis der Jones-Studie bewertet werden, bei der ungefähr 2000 Patienten zwischen 1994 und 2001 mit einem T1b .. T2b Prostatakarzinom und einem PSA-Wert unter 20 ng/ml nur mit Bestrahlung (66Gy) oder mit Bestrahlung und einer zusätzlichen viermonatigen kompletten Hormonblockade behandelt wurden.
Das 10-Jahres Gesamtüberleben lag bei den Patienten die ergänzend zur Bestrahlung die kurzzeitige Hormontherapie erhielten bei 62%; im Vergleich zu 57% bei Patienten die nur bestrahlt wurden.
Aus meiner Sicht als medizinischer Laie muss ich nun bewerten, ob die Risiken der Nebenwirkungen der Hormontherapie, die meine Lebensqualität beeinflussen können (Verlust der Libido, Impotenz, Osteoporose, Darmkrebs, Beeinträchtigung der kognitive Leistungsfähigkeit) die statistische Erhöhung der Heilungschancen um 5% aufwiegen.
Deshalb schlägt die Martini-Klinik auch vor, dass bei Patienten der intermediären Risikogruppe gemeinsam mit Urologen und Strahlentherapeuten im Einzelfall über die begleitende Hormontherapie entschieden werden soll.
Inzwischen habe ich eine Zweitmeinung von einem Strahlentherapeuten eingeholt, der mir die Entscheidung leider nicht abnehmen konnte. Ich werde nochmals die Fakten abwiegen, um dann eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Daniel Schmidt
25.06.2013, 18:17
Dann wurde bei mir wohl ein Fehler gemacht - ich habe auch Gleason 7b -ich wurde mit 66Gray bestrahlt - bei mir wurde auch nicht nur ansatzweise ,weder vom Strahlentherapeuten noch Urolgen über eine Hormontherapie während -vor -oder nach der Bestrahlung geredet . Es wurde mir auch nicht als Standarttherapie angeboten und vorgeschlagen.
Da stellen sich mir schon Fragen ob es unterschiede in der Standarttherapie gibt.
mfg. Bernd

Immer mit der Ruhe.
Sie sind an der Prostata operiert worden und erst danach an der ProstataLOGE bestrahlt worden. Da reichen 66 Gy nach heutigem Kenntnisstand ohne Hormontherapie aus.

Daniel Schmidt
25.06.2013, 18:26
Andererseits soll bei einer radikalen Prostatektomie eine Homenentzugstherapie nicht durchgeführt werden. Wie werden dann bei dieser radikalen Operation evtl. vorhandene Mikrometastasen eliminiert?

Eben gar nicht.



In diesem Zusammenhang muss das Ergebnis der Jones-Studie bewertet werden, bei der ungefähr 2000 Patienten zwischen 1994 und 2001 mit einem T1b .. T2b Prostatakarzinom und einem PSA-Wert unter 20 ng/ml nur mit Bestrahlung (66Gy) oder mit Bestrahlung und einer zusätzlichen viermonatigen kompletten Hormonblockade behandelt wurden.
Das 10-Jahres Gesamtüberleben lag bei den Patienten die ergänzend zur Bestrahlung die kurzzeitige Hormontherapie erhielten bei 62%; im Vergleich zu 57% bei Patienten die nur bestrahlt wurden.

Das ist eine alte Studie, mit alten Strahlentherapietechniken und -dosen und leider eher schlechten Ergebnissen insgesamt.
Es gibt einige weitere Studien, die deutlich bessere Ergebnisse geliefert haben, z.B.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18212313?dopt=Abstract
8-Jahres Ergebnisse: 74% am Leben versus 61% am Leben. 13% ist ein ganz satter Unterschied.

Und bei high-risk-Konstellationen ist der Gewinn noch grösser, allerdings mit 3jähriger Hormontherapie: 19% eben.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20933466?dopt=Abstract


Aus meiner Sicht als medizinischer Laie muss ich nun bewerten, ob die Risiken der Nebenwirkungen der Hormontherapie, die meine Lebensqualität beeinflussen können (Verlust der Libido, Impotenz, Osteoporose, Darmkrebs, Beeinträchtigung der kognitive Leistungsfähigkeit) die statistische Erhöhung der Heilungschancen um 5% aufwiegen.
Hormontherapie macht keinen Darmkrebs.
Die anderen Nebenwirkungen sind nur passager und bei 6-monatiger Dauer der Hormontherapie klingen sich in der Regel folgenlos ab.


Deshalb schlägt die Martini-Klinik auch vor, dass bei Patienten der intermediären Risikogruppe gemeinsam mit Urologen und Strahlentherapeuten im Einzelfall über die begleitende Hormontherapie entschieden werden soll.
Die Martini-Klinik ist eine urologische Klinik, keine strahlentherapeutische Klinik.
Es gibt ganz klare Empfehlungen ab intermediate risk eine Hormontherapie zu empfehlen.