PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ADT3 + niedrig dosierte Chemo mit Taxotere



Jürgen M.
17.10.2006, 17:47
Hallo,

als Hochrisikopatient mit 52 Jahren denke ich über eine Ausweitung meiner laufenden ADT3 + low dose Chemo mit Taxotere nach. Mir geht es momentan darum, das Für und Wider einer solchen Therapie abzuwägen. Von den Experten wird diese Option immer wieder empfohlen. Ich stelle mir z.B. die Frage ob es mit dieser Therapie gelingen kann die offensichtlich unausweichbare Androgenresistenz zu verzögern oder gar zu verhindern. Gibt es eigentlich konkrete Erfahrungswerte diesbezüglich? Ich weiß daß auch andere Möglichkeiten sozusagen in der Pipeline stecken, möchte aber nicht mehr allzu lange warten mit meiner Entscheidung.

Schöne Grüße
Jürgen M.

Siegmar
17.10.2006, 21:04
Hallo Jürgen,

auch ich (62 Jahre) bin Hochrisikopatient mit Ausgangswert von PSA
18,7 ng/ml, Gleason 4 - 3 nach Helpap und pT3b N0 MX.

Nach laparoskopische Prostatektomie (19.07.01) und Bestrahlung (04.07.-30.08.029 mit 70,2 Gry stieg mein PSA erneut an (PSAVZ
ca. 3 Monate).

Deshalb mache ich seit 12. Juni d.J. eine ADT3 mit 10,8 mg Zoladex, 3x50mg Casodex und 2x5 mg Proscar.

Mein PSA war vor der ADT3 1,41 ng/ml. Seit 4.Sept. verharrt er bei
0,1 ng/ml, so daß ich davon ausgehe, daß ich damit den Nadir erreicht habe.

Meine Überlegungen waren die gleichen. Mir ging es auch darum, das Für und Wider einer Therapie mit Taxotere abzuwägen. Ich stellte mir auch die Frage, ob es mit dieser Therapie gelingen kann die offensichtlich unausweichbare Androgenresistenz zu verzögern oder gar zu verhindern.

Da mein Chromagranin A steigend ist (145 ug/l Mai 05 auf 176 ug/l März 06), Nierenwerte sind o.k., habe ich mich dann doch zu einer zusätzlichen Chemo mit 75 mg/m² Docetaxel entschlossen. Diese Therapie halte ich für effektiver, wenn auch die Nebenwirkungen härter sein sollen.

Ich will 3 Zyklen durchführen lassen. Die erste Infusion hatte ich gestern und fühle mich noch recht gut, nur das meine Leukozyten nach oben gegangen sind. Vermutlich durch das Dexamethason.

Ob meine Entscheidung richtig war, wird die Zeit zeigen.

Viele Grüsse und Dir die richteige Entscheidung.

Siegmar

PeterP
17.10.2006, 23:32
Hallo Bernd,
mit Gleason 4+4 und R1-Situation gehörst Du auf jeden Fall zu der Hochrisikogruppe. Vor allem auch in Deinem Alter wäre die begleitende Taxotere-Behandlung zu empfehlen, allerdings nicht so wie Siegmar mit der Elefanten-Dosis von 75mg/qm (ist wohl monatlich), sondern mit 25 mg/qm in Wochenabständen, wie es Dr. Eichhorn praktiziert.
Ich denke, daß Du dann später beruhigter nach dem Protokoll von Dr. Leibowitz nach der ADT3-Phase in die Erhaltungsphase mit langjährigem Plateau gehen kannst.
Hat Dr. Eichhorn auch die Empfehlung zur Chemo gegeben oder angeboten?
Ich habe jetzt kommenden Montag meine letzte von 12 Infusionen und bin wirklich gut über die Runden gekommen. Die ersten 5 hatten überhaupt keine nenneswerten Nebenwirkungen. Danach traten ca. 2 Tage Unwohlsein aus der Magengegend, jeweils ein paar Tage verzögert nach der Infusion auf. Man kann sich dann mit Paspertin-Tropfen helfen und es wird auch die Einnahme von Glutamin empfohlen. Ich kann an diesen Tagen (mit Appetit) Haferbrei, Milchreis, Apfelmuß, Müsli oder auch Obst essen. An manchen Tagen sind die Knöchel ein wenig geschwollen (Wasser) und die Nasenschleimhäute sind etwas blutig. Das ist oder war auch wirklich alles.
Für die Leberwerte habe ich mit Erfolg Sylimarin-Kapseln eingenommen.
Viele Grüße
PeterP

Jürgen M.
18.10.2006, 05:50
Hallo Siegmar und Peter,

danke für die schnelle Rückmeldung.
Ich diskutiere diesen Therapieansatz mit meinem Arzt Herrn Dr. Eichhorn. Wir denken an die "leichte" Dosis mit weniger Nebenwirkungen (darüber haben ja auch andere Betroffene im Forum schon berichtet). Interessant wären Erfahrungswerte bzw. Verlaufsentwicklungen von Patienten die diese Therapieform schon länger hinter sich haben. Herr Dr. F.E. führt die Therapie seit dem Jahr 2000 durch und ich setze sehr viel Hoffnung und Vertrauen in diese Möglichkeit die Krankheit "in Schach zu halten". Ich gebe die Hoffnung nicht auf dass der wissenschaftliche Fortschritt allen Betroffenen doch noch weiterhelfen kann. Für mich ist die Bewältigung dieser Krankheit jedenfalls die größte Herausforderung in meinem Leben. Wenn ich nur daran denke was ich früher alles unbeschwert machen konnte. Neben den körperlichen Handicaps ist auch- zumindest bei mir- die permanente psychische Belastung nicht zu unterschätzen. Ich kann mich einfach schlecht an die regelmäßigen Labor-Cecks gewöhnen- die Erwartung der Laborwerte sind für mich jedesmal der blanke Horror. Ich kann jetzt im Nachhinein nur jedem 45- jährigen Mann zurufen: "GEH BITTE ZUR VORSORGE" (ich stelle mit Schrecken eine unheimliche Ignoranz in meinem Bekanntenkreis fest). Aber hinterher ist man immer klüger- ich habe eigentlich auch zum Kreis der Ignoranten gezählt und bin mit 50 Jahren erst zur Vorsorge gegangen. Wenn ich gewußt hätte was nach der Krebs-Diagnose alles folgt hätte ich mir gerne früher mal "den Finger reinstecken lassen". Es wäre so einfach gewesen...

Schöne Grüße
Jürgen

cligensa
18.10.2006, 15:15
Ich kann jetzt im Nachhinein nur jedem 45- jährigen Mann zurufen: "GEH BITTE ZUR VORSORGE" (ich stelle mit Schrecken eine unheimliche Ignoranz in meinem Bekanntenkreis fest). Aber hinterher ist man immer klüger- ich habe eigentlich auch zum Kreis der Ignoranten gezählt und bin mit 50 Jahren erst zur Vorsorge gegangen. Wenn ich gewußt hätte was nach der Krebs-Diagnose alles folgt hätte ich mir gerne früher mal "den Finger reinstecken lassen". Es wäre so einfach gewesen...

Schöne Grüße
Jürgen Hallo Jürgen,
"GEH BITTE ZUR VORSORGE" kann man nur dringend empfehlen!
Aber was Du schreibst, hört sich so an, als wenn das "Fingerreinstecken" eine Früherkennung wäre. Sie ist es leider nicht, sondern eher eine Späterkennung, weil nämlich bereits ein solider Tumor fühlbarer Größe vorhanden sein muß.
Die wahrscheinlichste Möglichkeit, einen Prostatakrebs früh erkennen zu können, ist der PSA-Test. Wenn dieser Test einen höheren Wert als 4 ng/ml ergeben hat, sollte aber trotzdem nicht sofort eine Biopsie gemacht werden, die dann all zu schnell zu einer radiaklen lokalen Therapie (RP oder RT) mit all zu häufig nicht unbeträchtlichen Nebenwirkungen führt.
Merke: ein einziger PSA-Wert sollte niemals zu einer Biopsieentscheidung (wg. Prostatitis) und noch viel weniger zu einer radikalen Therapie (wg. insignifantem PCa) führen. Der PSA-Test ist viel besser als jede Früherkennungsmaßnahme zum Bruskrebs bei den Frauen. Aber er ist nicht sehr zuverlässig. Viel zuverlässiger sind 3 oder mehr PSA-Tests in deutlichem Abstand hintereinander, bei denen man eine Verdoppelungszeit, eine Anstiegsgeschwindigkeit, eben die Dynamik eines möglichen Krebses erkennen kann. Wenn es auf- und abschwankende Werte gibt, dann sollte man noch nicht mal eine Biopsie machen lassen, weil ein Krebs keine negative Dynamik entfalten kann. Dann handelt es sich eher um eine Prostatitis, auch wenn das Schwankungsniveau höher als 4 ng/ml ist. Mit einer aktiven Langzeitüberwachung kann man beides erreichen: rechtzeitige Warnung, um dann einzugreifen, wenn es notwendig wird, und eine gute Lebensqualität oft für viele Monate und Jahre.
Extrem seltene Ausnahmefälle habe ich hier nicht berücksichtigt.
Grüße
Christian

Jürgen M.
18.10.2006, 17:58
Hallo Christian,

ich denke hier müsste die Aufklärung ansetzen. In den Köpfen der meisten Männer -so war es auch bei mir- wird die Untersuchung der Prostata automatisch mit dem "Fingertest" assoziiert und somit als unangenehm oder als Eingriff in die Intimspäre angesehen, also erst einmal weitgehend abgelehnt oder vermieden. Wer weiß schon was ein PSA-Test ist? Was dann weiter geschieht mit auffälligen Werten liegt in der Hand des verantwortlichen Arztes. Hier sind dann die Ärzte in der Verantwortung um sehr sensibel mit der Problematik zu verfahren. In der Praxis folgt der Patient doch meistens den Vorgaben des Arztes und lässt alles mit sich geschehen. Aber das ist nicht nur bei den Urologen so. Der Weg zum mündigen Patienten ist eben ein Weiter. Hätte ich damals bei der Diagnosestellung das gewusst was ich heute weiss hätte ich zumindest eingehender mit meinem Arzt die Thematik und Vorgehensweise besprochen.

Schöne Grüsse
Jürgen

cligensa
20.10.2006, 12:37
Wie recht Du hast, Jürgen. Eine der ganz großen und wichtigen Baustellen des BPS ist genau dies: Aufklärung der Patienten und Urologen und Hinweis darauf, dass es für Ärzte einen obersten Grundsatz gibt, den Hippokrates vor 2000 Jahren bereits den Ärzten mit auf den Weg gegeben hat:
Zu allererst: kein Schaden
Grüße
Christian

PeterP
21.10.2006, 19:46
Hallo Mitstreiter,
worauf man zu Thema VORSORGE ohne weiteres auch hinweisen kann:
Für den PSA-Test braucht man gar keinen Urologen, den macht einem auch jeder Hausarzt, wenn man ihm die Sache etwas plausibel macht. Zahlen muß man den Test ja sowieso selbst!
Ob man dann im Falle eines Falles zu einem kleinen Urologen geht oder gleich ein urologisches Zentrum mit erfahrenen Spezialisten aufsucht, sollte man sich sehr sehr gut überlegen!
PeterP