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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prostata Probenentnahme Intensivstation



tsochart
21.07.2013, 21:54
ich melde mich mit einem aktuellen Thema, weil ich im Moment ratlos bin. Ein guter Freund (72 Jahre alt) liegt seit gestern auf der Intensivstation in der evangelischen Klinik in Bonn.

Nach Problemen mit der Prostata wurden Proben entnommen. 19 Einstiche. Anschließend große Schmerzen. Die externe Ableitung von Urin hat nicht funktioniert. Jetzt hat er eine Entzündung im ganzen Körper und Spuren von Krebs wurden auch gefunden. Er bekommt Antibiotika und starke Schmerzmittel. Sein Bewußtsein ist deutlich gedämpft. Er wurde auf die Intensivstation verlegt.

Wie kann das sein? Ist hier jemand, der einen Rat geben kann? Vor der OP ging es ihm deutlich besser. Privatpatient 1.Klasse mit Chefarzt und Professor.

Gestern Nacht war er im Dilirium. Schlaftabletten und Opiate. Er wollte aufstehen und nach hause gehen. Er hat sich alle Schläuche raus gezogen. Sein Zustand ist lebensbedrohlich. Seine Frau ist total durch den Wind. Morgen werden wir vielleicht erfahren, was für eine Infektion er im Blut hat.

LG Thomas

helmut.a.g.
22.07.2013, 11:22
@toschart:

Dein Freund gehört wahrscheinlich zu den ca. 2%´tigen, die von einer Sepsis (Blutvergiftung), verursacht durch Colibakterien, betroffen sind.

Ein vorhergehender Rektum-Erregertest (bakterielle Rektumanalyse), zur Vermeidung eines Breitbandantibiokums, eine profilaktische Darmreinigung, zuvor, oder eine Desinfektion durch "Braunol" vor der Punktion, wäre dies zu vermeiden gewesen.

Gruß Helmut

Reinardo
22.07.2013, 11:33
Hallo:

Hoffentlich kommt Dein Freund durch. Es hat hier im Forum ja schon mehrmals erregte Diskussionen über die Risiken bei Stanzbiopsien gegeben, und Empfehlungen wie sie von Helmut formuliert sind. Auch ein Punkt, wo man bei den Betonköpfen der DGU auf Granit stößt und Selbsthilfe gefragt wäre. Stirbt Dein Freund, sollten sie auf seinen Grabstein ein "J'accuse . . ." meißeln.

Reinardo

Urologe
22.07.2013, 11:52
@toschart:

Dein Freund gehört wahrscheinlich zu den ca. 2%´tigen, die von einer Sepsis (Blutvergiftung), verursacht durch Colibakterien, betroffen sind.

Ein vorhergehender Rektum-Erregertest (bakterielle Rektumanalyse), zur Vermeidung eines Breitbandantibiokums, eine profilaktische Darmreinigung, zuvor, oder eine Desinfektion durch "Braunol" vor der Punktion, wäre dies zu vermeiden gewesen.

Gruß Helmut

@Helmut
Zu vermeiden leider auch nicht. Es gibt viele Untersuchungen weltweit zu diesem leidigen und z.T. dramatischen Problem (wie in diesem Falle).
Aber weder die prophylaktische Darmreinigung,
noch Desinfektion mit Braunol (was übrigens bei Patienten mit bekannter oder unbekannter Schiddrüsenüberfunktion nach einigen Wochen in Form einer thyreotoxischen Krise abenfalls auf Intensivstation führen kann !!!!!) konnten gänzlich dieses Problem beseitigen.
Und man hat noch viele andere Versionen getestet und noch immer nicht den Stein der Weisen gefunden.
Einzig die aufwändigere, aber meiner Meinung nach nicht so präzisen, Biopsie durch den Damm hat deutlich weniger Infekte zur Folge (aber auch nicht NULL !)

Sabine
27.07.2013, 06:15
@ Thomas

wie geht es Deinem Freund - hat sich sein Zustand wieder stabilisieren können ?