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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 91 Jahre und kein bisschen weise... oder doch?



Gertrud
23.08.2013, 01:52
So, ich hab jetzt unter "mein Profil" diese Krankengeschichte aufgeschrieben:

<dd class="aboutme_right" id="profilefield_value_5">Mein blinder Vater, jetzt 91 Jahre alt, ging jährlich zum "Arschelogen", er kam immer mit dem Spruch zurück, "als ich mich bückte, da sagte der Arzt: Alles in Ordnung und ich antwortete: Das hätten Sie mir auch ins Gesicht sagen können!". Er wohnte in einem Wohnstift mit ambulantem Pflegedienst. Nachts ging mein Vater 2 oder 3 Mal aufs Klo. Als meine Mutter 2010 verstarb, da wollte er 1 (!) einzige Schlaftablette. Diese verursachte ihm weiche Knie beim nächtlichen Toilettengang, er stürzte, rief stundenlang bis man ihn fand. Im Krankenhaus stellte man fest, er hatte sich den Hals gebrochen, und zwar den vom Oberschenkel. Er bekam einen Gammanagel eingesetzt und sollte nach der Priscusliste leben.
Er hatte häufig Rückenschmerzen, auch Schmerzen im Knie. 2012 bekam er eine Lungenentzündung, danach REHA Krankenhaus, dort bat er mich ihm ein Apartment mit stationärer Pflege zu finden und man stellte eine stark vergrösserte Prostata fest, die den Harnleiter fast abdrückte. Im Juli 2012 war transurethrale Resektion/begnine Prostatahyperplasie (100 g Prostata) und Blasenauslassenge im St. Hedwig KKH, Berlin. Das Pflegeheim schickte den blutig entlassenen 90jährigen postwendend zurück. Die OP wurde wg. Blutungen wiederholt. Kommentar des St. Hedwig KKH: Kein Anhalt für Malignität. Der Suprapubische Katheter sollte zunächst als Dauerableitung fortgeführt werden, ein Miktions- und Blasentraining kann erfolgen.
Von PSA Test steht in dem Bericht nichts.
Alles, was der nun behandelnde Urologe tat, war: er schickte eine Schwester zum periodischen Katheterwechsel ins Pflegeheim. Entfernung des Katheters war Fehlanzeige.
Das Heim ignorierte Vaters häufige Klagen über Schmerzen im Rücken und Bauch. Der verhasste suprapubische Katheter verursacht häufig Blasenentzündung, KKH Erste Hilfe, Verbandswechsel brennt höllisch, dort ist etwas wildes Fleisch, Patient ist darüber unzufrieden und unglücklich. 2013 im Sommer beschwerte ich mich bei der Internistin, die immer meinte: Ich sehe keinen Handlungsbedarf. Plötzlich fand sie einen hohen alkalischen Phosphatase-Wert, schickte meinen Vater zum Röntgen, Ergebnis: Lumbosacrale Osteochondrose mit begleitender Spondylarthrose. Gefässkalk. Rundliche Verdichtung in Proj. auf LWK2, LWK3 und das Sacrum, V. a. ossäre Destruktionen.
Gammanagel rechts, mehrere rundliche Sklerosierungen in Proj. auf das Beckenskelett, linker Schenkelhals: V.a. osteoplastische Destruktionen.
Die Internistin machte auf Anraten des "Dr. Goldfinger" einen PSA Test, Wert 840.
"Dr. Goldfinger" empfiehlt Therapie mit Bicutalmid und Eligard (3. Monatsspritze).
Der 91jährige Patient verweigerte ein Gespräch mit "Doktor Goldfinger", antwortete mit Julius Hackethal: Wenn Du auf der Strasse einen Urologen siehst, dann mach einen grossen Bogen drum rum und geh auf die andere Strassenseite.</dd>

peter123
23.08.2013, 11:15
... Wenn Du auf der Strasse einen Urologen siehst, dann mach einen grossen Bogen drum rum und geh auf die andere Strassenseite.

... und was soll uns das jetzt sagen? Ich bin fast eine ganze Generation jünger als dein Vater und wurde vor eineinhalb Jahren erfolgreich operiert. Gestern bekam ich meinen letzten PSA-Wert: 0,01. Wenn ich diesen Ratschlag beherzigt hätte, wäre ich im Alter von 91 Jahren wahrscheinlich ähnlich dran wie dein Vater. Ich empfinde jedenfalls eine gewisse Dankbarkeit gegenüber dem Uro.

Gruß

tom aus lu
23.08.2013, 11:29
.. und was soll uns das jetzt sagen?

Ganz einfach, alte, gerade multimorbide Patienten habe keine Lobby, es sind Patienten die kein Arzt, insbesondere Fachärzte, gern als Klientel haben möchte.

Weil sie zu viel Arbeit machen und im Gegenzug (bei der GKV) wegen den Fallpauschalen nichts bringen.

Im Zuge des demographischen Wandels haben wir in Deutschland noch eine ganze Menge im Umgang mit alten, kranken, Menschen zu lernen.

Wir alle werden mit etwas Glück das Alter erreichen wo man gerne links liegen gelassen wird.....

Das ist die traurige Realität.

Tom

artisun51
23.08.2013, 11:52
Ich empfinde jedenfalls eine gewisse Dankbarkeit gegenüber dem Uro.

Gruß

Hallo Peter,

ich schließe mich gerne Deiner Anwort an. Klar, nicht jeder kann vermutlich mich leiden - genau so wie ich auch nicht jeden unbedingt mag. So ist es bei mir auch bei den Ärzten. Ich grüsse meinen Uro gerne, ich bin auch dankbar für die bisherige Zusammenarbeit. Für mein PCa kann mein Uro nichts - aber er war genauso wie ich auch dagegen. Bis jetzt denke ich haben wir uns gut geschlagen gegen das PCa, ich habe meinen Uro bis jetzt nicht gewechselt, werde ihn weiterhin aufsuchen und hoffe er bleibt mir erhalten.

Gruss

Gertrud
23.08.2013, 14:52
... und was soll uns das jetzt sagen? Ich bin fast eine ganze Generation jünger als dein Vater und wurde vor eineinhalb Jahren erfolgreich operiert. Gestern bekam ich meinen letzten PSA-Wert: 0,01. Wenn ich diesen Ratschlag beherzigt hätte, wäre ich im Alter von 91 Jahren wahrscheinlich ähnlich dran wie dein Vater. Ich empfinde jedenfalls eine gewisse Dankbarkeit gegenüber dem Uro.

Gruß

In Deinem Alter war mein alter Herr o. B. Und wenn Dein Urologe weiterhin Erfolg hat, was ich Dir sehr wünsche, dann wirst auch Du mit 91 Jahren körperlich und geistig abbauen und nicht mehr offen für neumodischen Kram sein. Der alte Mann sucht Linderung, besonders mit dem Katheter. Bei dem Istzustand Dankbarkeit zu erwarten ist zu viel verlangt.
Viele Grüsse
Gertrud

Gertrud
23.08.2013, 15:15
Ganz einfach, alte, gerade multimorbide Patienten habe keine Lobby, es sind Patienten die kein Arzt, insbesondere Fachärzte, gern als Klientel haben möchte.

Weil sie zu viel Arbeit machen und im Gegenzug (bei der GKV) wegen den Fallpauschalen nichts bringen.

Im Zuge des demographischen Wandels haben wir in Deutschland noch eine ganze Menge im Umgang mit alten, kranken, Menschen zu lernen.

Wir alle werden mit etwas Glück das Alter erreichen wo man gerne links liegen gelassen wird.....

Das ist die traurige Realität.

Tom

Genau. Der Urologe hat meinen Vater nicht einmal untersucht in einem Jahr. Er schickt nur die Krankenschwester ins Heim vorbei. Bei akuten Beschwerden geht es dann per Krankentransport in die Erste Hilfe eines Krankenhauses.
Wir warten jetzt schon 2 Wochen auf den Allgemeinmediziner...
Das Heim hat wenig Erfahrung mit alten Männern/Prostata... Die suprapubischen Blasenentzündungen muss man hinnehmen, die kriegt man nicht weg...
Aber von Demenz verstehn sie was, die er so nicht hat (dafür gibt es extra Geld von der Kasse), mobilisieren den Mann, der Schmerzen hat und versuchen es gerontopsychiatrisch...
Tom hat völlig Recht. Ich unterschreibs.
Gertrud