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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Geriatrie und Onkologie



Gertrud
02.09.2013, 23:45
Ich finde im Internet sehr wenig über Prostatakrebs bei sehr alten Herren. Das finde ich merkwürde, wir werden doch generell immer älter.
Die Onkologen beschäftigen sich wenig mit der Geriatrie. Die Urologen vielleicht auch? Ich hab Zweifel bezüglich Verträglichkeit/Wirksamkeit von generellen Therapien, die für jedes Alter gedacht sind. Mit einem Kind geh ich ja auch zum Kinderarzt und nicht zum Allgemeinmediziner.
Und für meinen Vater war es bisher sehr von Vorteil sich an der Priscus Liste auszurichten, seine Gesundheit ist leider nicht stabil. http://www.priscus.net/ Seit dem Verzicht auf viele normale Medikamente geht es ihm besser.
So les ich nun über Onkologie und Geriatrie:
http://www.krebsgesellschaft.de/pr_bp_onkologie_20130529_ber,216686.html

"Der 80jährige, der selbst vor zehn Jahren an Krebs erkrankte, gab zu bedenken, dass er bei einem erneuten Krebsleiden jetzt sehr viel genauer überlegen würde, welche Behandlungsmethoden und welche belastenden Nebenwirkungen er auf sich nähme. „Ich käme möglicherweise zum Schluss; dass ich ohne diese Behandlungen etwas früher sterbe. Das wäre aber in meinem Lebensalter so auch in Ordnung.“"


http://haematologie-onkologie.universimed.com/artikel/symposium-%E2%80%9Ekrebs-bei-%C3%A4lteren-patienten%E2%80%9C-der-geriatrische-patient-der

"Interessant ist der Zusammenhang von Serumparametern chronischer Inflammation und Lebenserwartung: Sind TNF, Interleukin-1 oder -6, CRP, Serum-Amyloid-A, D-Dimere oder Neopterin erhöht, ist das Überleben der Patienten schlechter. Auch eine Anämie mit ihren vielfältigen Ursachen (chronischer Entzündung, Eisenmangel, Ernährung, Folsäure- und Vitamin-B12-Mangel bei Kau-, Schluckstörungen, infolge Therapien mit PPI oder Metformin, Androgenmangel oder Myelophthise) geht mit einer Prognoseverschlechterung einher: Bei einem Hämoglobinwert <10g> "

http://porst-hamburg.de/allgemeine-urologie/prostataerkrankungen.html

"Es gibt durchaus die Situation, dass bei akuten Prostata-oder Harnwegsinfekten die PSA-Werte vorübergehend um das 5 – 10 fache (bis auf 30 – 50 ng/ml) ansteigen. Auch bei großen gutartigen Prostatavergrößerungen (sog. Prostataadenome) sind erhöhte PSA- werte (meist zwischen 3 und 15, selten bis 30 ng/ml) möglich, wobei die Höhe des absoluten PSA-Wertes dann entscheidend von der Größe der Prostata abhängig ist (siehe hierzu auch Kapitel PSA-dichte). Insbesondere ab einer Prostatagröße von ca. 50 ccm (die Prostatagröße kann beim Urologen leicht mittels Ultraschall bestimmt werden) korrelieren die PSA-Werte mit der Größe der Prostata, wobei in der Urologischen Praxis immer wieder gutartige Prostatavergrößerungen (Prostataadenom) von 120 – 200 ccm mit PSA-Werten von 8 – 30 ng/ml vorkommen."

Auch die Internetseite myprostrate.eu ist nicht wirklich hilfreich, auch dort hören derartige Probleme ca. im Alter von 80 Jahren auf.
90Jährige haben keinen eigenen Computer, das wird es sein.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat ein über 90Jähriger noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 1 bis 2 Jahren.
Diese Zeit mit unliebsamen Begleierscheinungen unerfreulich zu machen, das kann nicht das Ziel von Behandlung sein.
Vaters Schwester schlief sanft im Bett im Alter von 94 Jahren ein und zwar mit einem Unterleibstumor, der nicht mehr behandelt wurde.

Mein Vater hat nun einen geriatrieerfahrenen Arzt, seither wurden einige Dinge geändert und es geht ihm etwas besser.
Das ist gut, weil Urologie, Prostatakrebs und Geriatrie als Kombination im Internet eine fast unbekannte Grösse ist.
Da komm ich mir vor wie eine Mama, die ein 90jähriges krankes Kind an der Hand hat.
Viele Grüsse Christl

Hvielemi
03.09.2013, 18:34
"Der 80jährige, der selbst vor zehn Jahren an Krebs erkrankte, gab zu bedenken, dass er bei einem erneuten Krebsleiden jetzt sehr viel genauer überlegen würde, welche Behandlungsmethoden und welche belastenden Nebenwirkungen er auf sich nähme. „Ich käme möglicherweise zum Schluss; dass ich ohne diese Behandlungen etwas früher sterbe. Das wäre aber in meinem Lebensalter so auch in Ordnung.“"

Dieser 80-Jährige hat gut reden:
Er scheint von seinem Krebs geheilt zu sein.
Ein anderer 80-Jähriger wird gut daran tun, sich genau zu überlegen, ob er an Krebs mit schmerzhaften
Knochenmetastasen jämmerlich zugrundegehen will, oder ob er es vorziehe, diesen Krebs palliativ zu
behandeln, um die Chance eines weniger peinvollen Ablebens wahrnehmen zu können.
Es gibt keine Wahl zwischen "Nebenwirkungen" und "gut ist", sondern die Wahl ist "Krebsschmerz
samt den heftigen Nebenwirkungen der Schmerztherapie" oder die überschaubaren Nebenwirkungen
z.B. einer Hormontherapie. Klar ist wohl, dass ein über 80jähriger kaum mehr zur Krebstherapie greifen
muss, solange ihm der Krebs keine Beschwerden macht.



"Auch eine Anämie mit ihren vielfältigen Ursachen (chronischer Entzündung, Eisenmangel, Ernährung, Folsäure- und Vitamin-B12-Mangel bei Kau-, Schluckstörungen, infolge Therapien mit PPI oder Metformin, Androgenmangel oder Myelophthise) geht mit einer Prognoseverschlechterung einher: Bei einem Hämoglobinwert <10g> "

Na und? Nicht jede Hormontherapie reduziert das Testosteron (Bicalutamid z.B. nicht),
nicht jede Testosterondeprivation senkt den Hämoglobin-Wert.


"Es gibt durchaus die Situation, dass bei akuten Prostata-oder Harnwegsinfekten die PSA-Werte vorübergehend um das 5 – 10 fache (bis auf 30 – 50 ng/ml) ansteigen. Auch bei großen gutartigen Prostatavergrößerungen (sog. Prostataadenome) sind erhöhte PSA- werte (meist zwischen 3 und 15, selten bis 30 ng/ml) möglich, wobei die Höhe des absoluten PSA-Wertes dann entscheidend von der Größe der Prostata abhängig ist (siehe hierzu auch Kapitel PSA-dichte). Insbesondere ab einer Prostatagröße von ca. 50 ccm (die Prostatagröße kann beim Urologen leicht mittels Ultraschall bestimmt werden) korrelieren die PSA-Werte mit der Größe der Prostata, wobei in der Urologischen Praxis immer wieder gutartige Prostatavergrößerungen (Prostataadenom) von 120 – 200 ccm mit PSA-Werten von 8 – 30 ng/ml vorkommen."

In der Geriatrie, behaupte ich mal, sind solche PSA-Werte wenig zu beachten, es sei denn,
um eine Entzündung zu heilen. Im Gegenteil, man wird bei einem polymorbinden alten Mann
den PSA überhaupt nicht messen, solange der keine krebsspezifischen Beschwerden hat.


Auch die Internetseite myprostrate.eu ist nicht wirklich hilfreich, auch dort hören derartige Probleme ca. im Alter von 80 Jahren auf.
90Jährige haben keinen eigenen Computer, das wird es sein.

Na, dann mach sie hilfreich für andere alte Männer und deren sie umsorgenden Angehörigen:
Schreib eine Seite für Deinen Vater!
Die seite wurde vor wenigen Jahren gegründet. Mancher heute 80-Jähriger wird künftig noch
Einträge in höherem Alter verfassen. So was wächst heran.


Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat ein über 90Jähriger noch eine durchschnittliche Lebenserwartung von 1 bis 2 Jahren.
Diese Zeit mit unliebsamen Begleierscheinungen unerfreulich zu machen, das kann nicht das Ziel von Behandlung sein.
Vaters Schwester schlief sanft im Bett im Alter von 94 Jahren ein und zwar mit einem Unterleibstumor, der nicht mehr behandelt wurde.

Starb deine Tante an oder mit den Tumor?
Wenn es geht, sollte die Geriatrie den alten Menschen helfen, mit dem Tumor zu sterben,
nicht am Tumor, denn letzteres ist in den meisten Fällen peinvoller, als etwa ein Kreislaufversage.
Etwa ein Drittel aller sehr alten Männer sterben MIT Prostatakrebs, nur einige % an ihm.
Dass den Therapiemöglichkeiten in höchstem Alter enge Grenzen gesetzt sein können,
belastende OPs oder Chemotherapien also eher nicht mehr in Frage kommen, macht es
erforderlich, dass die Palliativmedizin bzw. Schmerzstillung in die Abwägung intensiver mit
einbezogen wird, als dies ausserhalb der Greisenheilkunde üblich ist. Das heisst aber nicht,
Patienten einfach durchzuführende Therapien (Eine Pille morgens, oder ein kleines Implantat
pro Jahr) mit überschaubaren Nebenwirkungen zu verweigern.
Schmmerztherapie gegen Krebsbeschwerden dürfte mit erheblich grösserem Aufwand
und erhebliche hefitgeren Nebenwirkungen verbunden sein.
Also wird der Arzt mit Patienten, je nach dem auch Angehörigen und Uro- oder Onkolgen
abwägen, welches der leichtere Weg sei.


Mein Vater hat nun einen geriatrieerfahrenen Arzt, seither wurden einige Dinge geändert und es geht ihm etwas besser.

Das Freut mich ausserordentlich, dass nun endlich eine adäquate ärztliche Betreuung für
Deinen Vater gefunden wurde. Ich glaube sagen zu dürfen, dass sich die Forengemeinschaft
um deinen Vater sorgt und ihm das beste für einen lebenswerten Lebensabend wünscht.

Carpe diem!
Hvielemi

Gertrud
03.09.2013, 22:26
Hallo Hvielemi!
Erst mal Dank für Deine viele Mühe, die Du Dir mit uns gibst. Ja, wenn ich mehr Zeit hab, dann mach ich solch eine Seite auf myprostrate.eu.
Meinem Vater geht es zur Zeit leidlich, wenn man den Verfall im Greisenalter herausnimmt. Er fühlte sich heute bei meinem Besuch recht wohl, war ansprechbar, wollte sich unterhalten, hat gut gegessen, war schmerzfrei, was will man mehr. Was stört sind die Probleme mit dem Dauerkatheter, jeder Verbandswechsel tut höllisch brennen und kaum ist die Blasenentzündung weg, kommt schon wieder eine.
Meine Tante starb 94jährig mit dem Tumor, 1920 hätte auf einem Totenschein Altersschwäche gestanden, jetzt wohl eher Herz- u. Kreislaufversagen. Und so wird es, wenn es so bleibt, auch bei meinem Vater.
Ich hab mir Deine Seite auf myprostrate.eu angesehen, Du bist etwas jünger als ich und lebst schon 10 Jahre mit dem Krebs. Das ist eine reife Leistung!
Meine Mutter hatte Brustkrebs, operiert, bestrahlt, war 30 Jahre beschwerdefrei und auf dem Totenschein stand doch wieder Brustkrebs und Knochenkrebs. Ihre Schmerzen im letzten Jahr hat sie ohne Medikamente ausgehalten, ausser die letzten 10 Tage im Krankenhaus mit Schmerzpflaster, da war sie 84 Jahre alt. Schmerzen im hohen Alter sind subjektiv anders als in unserem Alter, Knochen- und Wirbelbrüche auch.
Ich schreib jetzt noch was mich stört, weil ich bin ja verantwortlich. Ich spreche hier von meiner Region! Ein Pflegeheim ist ein Pflegeheim, ist ein Pflegeheim. Und egal welches, da half kein MDK, keine Pflegeversicherung, es ist wieder wie eh und je. Und ein alter Mann, noch dazu mit Krebs, der ist unter alten Damen mit Demenz nicht so gut aufgehoben. Deswegen bin ich täglich stundenlang da, dann ist es für Vater erträglich. Die Ärzte versorgen Heime nicht gut, der Urologe geht nach Schema F, ohne den Patienten jemals gesehen zu haben. Katheter ziehen im Pflegeheim, es dem Personal dort schwer machen? Nein, da schickt man alle 6 Wochen ne Schwester zum Katheterwechsel, das bringt auch ne Kleinigkeit ein. Die Internistin hat sich nicht bewährt, sah 1 Jahr lang keinen Handlungsbedarf und wollte gleich nach dem Röntgen Schmerzpflaster geben. Die braucht mein Vater noch nicht.
Arztwechsel im Heim ist schwierig, da hat man keine grosse Auswahl. So, nun hat mein Vater einen neuen Arzt, der hat den Greis untersucht, inklusive riesiger 100 ml Prostata, hat Veränderungen bewirkt, die gut für Vaters Allgemeinzustand sind, besser als ein Internist. Der Urologe ist noch derselbe, weil wer kommt ambulant? Keiner.
Soll sich der Urologe mit dem Arzt kurzschliessen bezüglich Bicalutamid etc. Das find ich gut, da hab ich nichts gegen.
Mich stört die Einstellung der Medizinmänner/Pharmafuzzis. Wenn 95 % der über 90jährigen Prostatakrebs haben, davon viele unerkannt und die Gesellschaft immer älter wird, dann wird zu wenig für die kranken Alten getan. Bisher war das kein Thema. Studien werden bevorzugt an jüngeren Kranken durchgeführt, ob die Resultate für sehr alte Patienten brauchbar sind, das interessiert nicht. Urologen kennen keine steinalten Männer. Und die alten Männer machen genau wie ihre Vorväter 1900.
Onkologen und Geriatriker wollen jetzt Daten erheben, Machbares ausloten. Studien gibt es keine, schon gar nicht über Prostatagreise, obwohl es fast jeden Greis trifft. Über alte Frauen mit Brustkrebs weiss man ein wenig mehr, aber nur ein wenig.
Und dann soll man als Verwandter entscheiden, obwohl es keine praktische Gebrauchsanweisung für steinalte Herren gibt. Alle 5 Jahre taucht bei meinem alten Herrn eine neue todbringende Erkrankung auf, wird sie behandelt, dann landet er jedesmal auf der Intensivstation wg. einer älteren Erkrankung, mit der auch nicht zu spassen ist. Der Weg raus aus dem Multimorbiden war jedesmal steinig, mich wundert, dass der alte Mann, der seit 1950 schwerbehindert ist, noch lebt. Dieser Kater hat weit mehr als 9 Leben.
Die beste Hilfe war bisher die Geriatrie und Allgemeinmedizin, ein ganzheitlicher Ansatz.
Ist schon schwer genug als pflegender Angehöriger, aber dann so ein Neuland, wo die Medizinmänner ganz offensichtlich die Altersstruktur ihres Marktes verschätzt haben, das macht mich innerlich sauer. Wie Du bezüglich Altersstruktur auf myprostrate.eu schriebst: Sowas wächst heran. Stimmt, aber die Urologen und Internisten, Onkologen hinken hinterher. Und da bin ich sehr vorsichtig mit Entscheidungen treffen, weil so oder so, der alte Mann muss ja damit leben oder sterben. Die Erfahrung lehrt mich: Weniger Chemie, weniger Eingriffe, mehr Natur und mehr Zuwendung sind mehr. Und so möchte der alte Mann das auch.
Seit Jahren sülzt mir der Vater jeden Nachmittag die Ohren voll wegen seiner Hitzewallungen, oftmals auch über Übelkeit, Kraft und Muskeln hat er auch keine. Würde das mit einer Hormonspritze noch schlimmer, dann würd ich mir die Ohren zu halten und mit schlechtem Gewissen davon rennen.
Ja, ich stelle zur Zeit die Geriatrie über die Urologie.
Es geht um das Wohlbefinden eines alten Menschen insgesamt. Und das hat sich in den letzten Tagen sehr gebessert.
Schönen Abend
Christl