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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Dat Ding muss raus, da können sie sich auf den Kopp stellen"



Reinhold2
09.12.2013, 16:57
So die Aussage meines niedergelassenen Urologen. Ich bin 69 Jahre alt (das Durchschnittsalter bei dem Männer PK bekommen). Alle kriegen ihn, nur ich nicht. Denkste!
Die Vorgeschichte: Innerhalb dieses Jahres, Messung alle drei Monate PSA-Anstieg von 3,9 auf 4,9 auf 7,2.

Biopsie.

Diagnosen: Adenocarcinom der Prostata pT1c, G3, Gleason Score 8 (4+4)
Histologie: 1. bis 3. Sechs jeweils getrennt aufgearbeitete Stanzzylinder der Prostata unterschiedlicher Lokalisation ohne Carcinomnachweis. 4. bis 6. Gering differenziertes azinäres Adenocarcinom der Prostata - G3,
Gleason Score 8 = 4+4 in beiden Stanzzylindern von links basal mit einem Infiltrationsgrad von 12 mm (60%) etc. etc. jeweils ohne Erreichen der tuschemarkierten Peripherie (Abstand mindestens 2mm)
Procedere: In der Histologie konnte ein Adenocarcinom der Prostata festgestellt werden. Wir empfehlen deshalb die radikale Prostatektomie mit Nervenerhalt rechts.

Klinische Untersuchung: Prostata linker Seitenlappen fester Knoten, gegen das Rektum abgrenzbar und verschieblich.

Verzeiht mir, wenn ich euch mit diese Details langweile, ich kann noch nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden.

Jetzt meine Frage an die Fachleute: Muss das Ding wirklich radikal raus und gut ist, oder soll ich Ärztehopping machen? OP-Termin steht für Januar schon fest. Bis dahin täglich eine Tablette Hormon (Bicalutamid 50 mg). Meine Nerven sind eh am Ende. Mein Urologe meint: Seeds kommen nicht in Frage, weil das Carzinom nicht genug abgegrenzt ist, Bestrahlung behalten wir uns als Zweitwaffe vor.


Danke für euren fachmännische Rat oder Meinung.

ganther
09.12.2013, 18:00
Lieber Reinhold,

eine ähnliche Situation hatte ich im Jahre 2000. Bei mir wurde eine RPE vorgenommen, bei der dann eine Kapselüberschreitung festgestellt wurde umd der Biopsie-Gleason von 6 auf 9 bestimmt worden ist.

Ob wirklich nervenerhaltend operiert werden kann, ist leider auch fraglich. Auch eine Kapselüberschreitung könnte bei Dir vorliegen, wobei dann der Tumor als systemisch einzustufen wäre und dann andere Maßnahmen ergriffen werden müßte.

Den OP-Termin würde ich an Deiner Stelle erst einmal verschieben und mich im Forum u. anderweitig schlau machen.

Alles Gute für Dich!

Herzliche Grüße,

Otto

spertel
09.12.2013, 19:02
Hallo Reinhold

Ganther hat Dir mutmasslich unfreiwillig die Antwort gegeben; seine OP bei deutlich ungünstigerem klinischen Befund ist nun 13 Jahre her....und er lebt immer noch, hoffentlich bei guter Lebensqualität.

Daher wäre ein Absagen des OP-Termin nur dann sinnvoll, wenn eine geeignete Alternative bestünde.

Welche wäre das ???

Vorweg wäre es natürlich günstig Dein Allgemeinzustand bzw. eventuelle Vorerkrankungen zu kennen, die eine mögliche OP zu riskant erscheinen lassen. Bist Du topfit und Deine Lebenserwartung könnte möglicherweise deutlich über 80 Jahre liegen, dann würde ich dem Rat Deines behandelnden Urologen folgen und den Termin zur Op wahrnehmen.

Eine abwartende Vorgehensweise, in welcher Form auch immer, würde bei dem relativ rasanten PSA-Anstieg und des hohen Gleason-Score ausscheiden.

Selbiges gilt für eine Brachytherapie, hier wäre mir der Tumor ebenfalls zu aggressiv.

Bliebe nur noch die Strahlentherapie (IMRT), allerdings wäre mir persönlich bei Gleason 8 ein halbwegs verlässlicher Lymphknotenstatus wichtig, der im Rahmen einer OP durch eine zumindest standardisierte Lymphknotenentfernung zu erhalten wäre.

Im übrigen brauchst Du keine Panik haben, das Risiko in den nächsten 10 Jahren an dieser Krankheit zu versterben ist für Dich relativ überschaubar, d. h. unwahrscheinlich.

Solltest Du dennoch eine starke Abneigung gegen die Op haben, dann solltest Du vielleicht doch bei einem Strahlentherapeuten vorsprechen.

Die operative Entfernung meiner Prostata 2005 verlief im übrigen völlig problem- und schmerzlos, bei meinem Vater 2001 ebenfalls. Dieser erfreut sich bester Gesundheit ohne jegliche urologische Probleme und wird in Kürze 77 Jahre alt.

Solltest Du Dich für die Op entscheiden würde ich das Bicalutamid 50 sofort absetzen !!!

Bleib´stark

Gruss

Reinhard

Norbert52
09.12.2013, 19:04
Hallo Reinhold,

ganz unabhaengig von meiner persoenlichen PK Historie wuerde ich auf jeden Fall eine Zweitmeinung bei einem GS 4+4 in einem guten PK Zentrum einholen.
Prof. Martin Schostak / Magdeburg ist bestimmt eine sehr gute Adresse.

Gruss,

Norbert

SAGI00
14.12.2013, 16:06
Hallo Reinhold,
meine Werte waren zwar deutlich niedriger jedoch für mich auch ein Alarmzeichen dass ''das Ding'' raus muss. Das ist jetzt 5 Jahre her und ich erfreue mich guter Gesundheit (glaube ich wenigstens). Eine zweite Meinung ist sicher angebracht und dient auch der eigenen Rückversicherung nichts falsch gemacht zu haben. Such Dir (wenn raus) einen Operateur der genügend Erfahrung hat. Ich bin meinem Operateur heute noch dankbar.
Ich wünsche Dir ein beschauliches Weihnachtsfest und eine tragbare Entscheidung!
Gruss
Sigi

Ernst S.
14.12.2013, 16:07
So die Aussage meines niedergelassenen Urologen. Ich bin 69 Jahre alt (das Durchschnittsalter bei dem Männer PK bekommen). Alle kriegen ihn, nur ich nicht. Denkste!
Die Vorgeschichte: Innerhalb dieses Jahres, Messung alle drei Monate PSA-Anstieg von 3,9 auf 4,9 auf 7,2.

Biopsie.

Diagnosen: Adenocarcinom der Prostata pT1c, G3, Gleason Score 8 (4+4)
Histologie: 1. bis 3. Sechs jeweils getrennt aufgearbeitete Stanzzylinder der Prostata unterschiedlicher Lokalisation ohne Carcinomnachweis. 4. bis 6. Gering differenziertes azinäres Adenocarcinom der Prostata - G3,
Gleason Score 8 = 4+4 in beiden Stanzzylindern von links basal mit einem Infiltrationsgrad von 12 mm (60%) etc. etc. jeweils ohne Erreichen der tuschemarkierten Peripherie (Abstand mindestens 2mm)
Procedere: In der Histologie konnte ein Adenocarcinom der Prostata festgestellt werden. Wir empfehlen deshalb die radikale Prostatektomie mit Nervenerhalt rechts.

Klinische Untersuchung: Prostata linker Seitenlappen fester Knoten, gegen das Rektum abgrenzbar und verschieblich.

Verzeiht mir, wenn ich euch mit diese Details langweile, ich kann noch nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden.

Jetzt meine Frage an die Fachleute: Muss das Ding wirklich radikal raus und gut ist, oder soll ich Ärztehopping machen? OP-Termin steht für Januar schon fest. Bis dahin täglich eine Tablette Hormon (Bicalutamid 50 mg). Meine Nerven sind eh am Ende. Mein Urologe meint: Seeds kommen nicht in Frage, weil das Carzinom nicht genug abgegrenzt ist, Bestrahlung behalten wir uns als Zweitwaffe vor.


Danke für euren fachmännische Rat oder Meinung.


Ich wurde vor ca. 2 Jahren in D.dorf/Uniklinik mittels daVinci operiert (Gleason 4+3) und fühle mich (60 Jahre) gut und habe keinerlei Beschwerden. War von der ersten Stunde an kontinent und habe jetzt (ohne Tabletten) fast wieder die Potenz wie vor der OP (mit Tabletten, geringe Dosis, überhaupt kein Problem). Alle Nachuntersuchungen verliefen bislang ohne jeden Befund. Jeder muss natürlich für sich die Entscheidung selber treffen, aber ich denke schon, dass eine RPE-OP im frühen Stadium die "beste" Entscheidung ist.

Eheweib
22.12.2013, 14:06
Hallo Reinhold 2,
auch mein Mann (GL4+4) stand ratlos da usw. (PK Geschichte auf myprostate) er entschied sich für die Bestrahlung, es geht ihm gut, alles bestens. Ich darf gar nicht daran denken, was wäre, wenn er voreilig einen flaschen Entschluss gezogen hätte. Wir raten auf alle Fälle zu einer Zweit-Drittmeinung. Auch das Forum hat uns einen sehr, sehr grossen Dienst getan, wofür ich heute noch dankbar bin.
Keine Hektik, keine Panik, Familie und parteilose medizinische Kraft mit ins Boot holen und kreuz und quer lesen!
Liebe Grüsse
Carmen

Reinhold2
22.12.2013, 14:59
Hallo Carmen,
Danke für die Info. Leider fehlen Details über die genaue Art des Karzinoms, Größe, Lage, etc. Ihr Ehemann hat also etwas über ein Jahr gut überstanden. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt!

Hvielemi
22.12.2013, 17:17
Danke für die Info. Leider fehlen Details über die genaue Art des Karzinoms, Größe, Lage, etc. Ihr Ehemann hat also etwas über ein Jahr gut überstanden. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt!

Alles da, lieber Reinhold, nur den Link in der Fussnote von Eheweib klicken.
Darüber, ob alles so bleibe, kann man sich dort selbst ein Bild machen.
Hinterher ist man klüger, aber nur über den Verlauf von Carmens Mann.
Beim eigenen Krebs sieht es dann vielleicht ganz anders aus.

Aber: Egal ob RPE, externe oder mit Seeds kombinierte Bestrahlung,
es gibt eine Chance der Heilung. Die kann statistisch quantifiziert
werden. Eine Garantie gibt's nicht, und "dat Ding" muss nicht um
jeden Preis raus. Wie gross die Chance auf Heilung sei, lese man
mit fachlicher Hilfe aus Kattan-Nomogrammen, Partin-Tabellen.

Nur zwei Dinge sind klar:
Nichtstun ist bei GS 8 keine Alternative, Anti-Hormontherapie ist in
jedem Fall eine Sackgasse, aber die Länge dieser Gasse ist offen.

Ich hatte mich seinerzeit für die RPE entschieden, weil ich die Vorstellung
gut fand, die ganze Knolle samt Tumor raus aus mir zu haben und auf
dem Tisch des Pathologen, obwohl ich wusste, dass die Heilungschancen
nicht gerade berauschend waren. Und ich würde heute wohl auch wieder so
entscheiden - wenn ich den Ausgang der Geschichte nicht kennen würde.

Aber das ist wohl eher eine Frage der persönlichen Präferenz.
Also auf jeden Fall sich die verschiedenen Therapien vorstellen lassen.

Carpe diem!
Hvielemi / Konad

Reinhold2
09.01.2014, 05:14
Irgendwo hat ein User mir mal geschrieben, ich soll mich nach einem neuen Urologen umschaun. Inzwischen, nach einigen unliebsamen Gesprächen (er bügelt mich von oben herab ab, geht nicht auf meine Fragen ein), bin ich auch zu der Überzeugung gekommen. Jetzt, zwei Wochen vor der RPE mache ich das nicht. Aber für danach will ich den Urologen wechseln. Kennt jemand hier in Frankfurt/Main einen guten Urologen, den er empfehlen kann? Oder brauche ich für die Betreuung nach der RPE auch einen Onkologen? Danke für eure Hilfe.

Wolfjanz
09.01.2014, 11:43
Hallo Reinhold2
In FFM gibt es einen Prof. Sohn 069/9533-2641

Gruss,
WJ

Reinhold2
09.01.2014, 12:09
Danke WJ. Ich suche für danach einen niedergelassenen Urologen in Frankfurt/Main, der mich, nach der RPE und Reha, weiter langfristig betreut.
Gruß
R.

RalfDm
09.01.2014, 12:41
Zwar nicht in Frankfurt, aber in Bad Offenbach:

http://www.urologicum-offenbach.de/

Dr. Bieber war jahrelang mein behandelnder Arzt, ihn würde ich empfehlen.

Ralf

helmut.a.g.
13.01.2014, 14:30
@RalfDm:

Wie klein die Welt oftmals doch ist.

Dr. med. Bieber aus Offenbach/Main, Urologiezentrum, Berliner Str. (ohne "Bad", Offenbach ist keine Kurstadt, sondern "Vorort" von Franfurt/Main)
war ebenfalls mein erster Urologe in 2008. Hatte mal in einer meiner ersten Beiträge darüber geschrieben gehabt. Er hatte auch früher mal zu Veranstaltungen dieser Selbsthilfegruppe Vorträge gehalten im KKH-Offenbach.
Allerdings war mein Vertrauen zu ihm später nicht von besonderer Art, denn dieser Arzt wollte mich 2008 operieren. Aber es war der Arzt, der mich zum ersten Mal über das "freie und gebundene PSA" aufklärte. Sein erster Satz war nach dem meine PSA-Werte ihm vorlagen (eigenes Labor in der Praxis), "Wir Urologen unterscheiden zwischen freies und gebundenes PSA und der daraus resultierende Quotient zum Gesamt-PSA und dieser Quotient sieht nicht gut aus bei ihnen aus Herr...."

Gruß Helmut

RalfDm
13.01.2014, 14:59
ohne "Bad", Offenbach ist keine Kurstadt, sondern "Vorort" von Franfurt/Main
Weiß ich. Das war mal vor Jahren an einem 1. April morgens eine Meldung in den Nachrichten von HR3, dass Offenbach der Titel "Bad" verliehen worden sei. In den anschließenden Verkehrsmeldungen wurde folgerichtig ein "Stau am Bad Offenbacher Kreuz" genannt. Seitdem ist "Bad Offenbach" ein running gag zwischen meiner Frau und mir, wenn von Offenbach die Rede ist. Anscheinend erinnert sich nicht jeder Hesse mehr daran.

Wegen eines Arztes solltest Du vielleicht einmal den Leiter der Frankfurter SHG, Jörg Obe, kontaktieren. Vielleicht kann er Dir einen empfehlen.

Ralf

helmut.a.g.
13.01.2014, 15:43
Ups....ich bin zwar Hesse, gebürtiger "Frankforter", aber von diesem Aprilscherz hatte ich nichts mit bekommen. OK, ich lebe seit 1995 im Kreis Lörrach, bin aber öfters beruflich in Ffm, Offenbach, ( hatte und habe viel mit Degussa/Hanau zu tuen ) so auch in 2008, als ich eigentlich durch Zufall, wegen einer Penisverkrümmung, Dr. med. Bieber in OF konsultierte und er meinte, "da bestimmen wir doch gleich mal das PSA mit.." Daraus wurde dann die "Hauptbaustelle" für ihn. Er hatte es immer mit Baustellen gehabt..

Danke für Deinen Hinweis Ralf zu einem von mir benötigten Arztes. Sorry, auch von den SHG`s halte ich für mich persönlich nicht viel, kein Bedarf.

Ich habe keinen Urologen, nur meinen Hausarzt, und benötige vorerst auch keinen Urologen. Einmal im Jahr lasse ich mich am DKFZ-Heidelberg, urolog. Uni-Klinik, Prof. Hohenfellner, durchchecken. Sono, DRUS, alle 2 Jahre mpMRT, etc., das war es dann auch schon. Überweisungsscheine, Blutmarkerbestimmungen, durch Hausarzt.
Ansonsten bzgl. evtl. anstehende Therapien, Optionen, informiere und eroiere ich mich weiterhin persönlich und suche die Therapeuten und Institutionen entsprechend auf.
Viele Infos, Entscheidungshilfen aus Diskussionen, auch aus dem Forum natürlich.

Gruß Helmut

Reinhold2
13.01.2014, 15:57
Wegen eines Arztes solltest Du vielleicht einmal den Leiter der Frankfurter SHG, Jörg Obe, kontaktieren.

Danke Ralf. Aber wer oder was ist der Frankfurter SHG?

Gruß
Reinhold

WernerE
13.01.2014, 17:06
Hallo Reinhold,

SelbstHilfeGruppe.

Gruß Werner

Harald_1933
13.01.2014, 17:12
Hallo Reinhold,

Herr
Jörg Obe

Hügelstr. 200

60431 Frankfurt am MainTel: 069. 69 59 88 39
Fax: 069. 95 10 20 70
eMail: joergobe@t-online.de

Informationen zu den Gruppentreffen: (joergobe@t-online.de)Ort: Selbsthilfe Kontaktstelle Ffm., Jahnstr. 49
Zeit: Jeden 1. Mittwoch im Monat, 18.00 bis 20.00 Uhr
Keine SHG-Treffen: Durchgehend


In Kooperation mit:
Prostatakarzinomzentrum am Krankenhaus Nordwest
Krankenhaus Nordwest

Prof. Dr. Dr. Eduard Becht
Steinbacher Hohl 2-26
60488 Frankfurt am Main

069 / 76 01-1

"Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein"
(Gustav Knuth)
(joergobe@t-online.de)
Gruß Harald