PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Radikaloperation oder Brachytherapie ?



hcbukowski
16.12.2013, 12:16
Ich hatte letzte Woche eine Biopsie. Es wurden 13 Stanzpräparate entnommen. 3 davon zeigten maligne Tumorzellen
Befund:
"Mehrteiliges seitengetrenntes Prostatastanzmaterial mit Mikroherden eines glandulären Prostatacarcinoms.
Malignitätsgrad 2b, Gleason Grad 4+3 (7b).
Tumoranteil rechts Mitte lateral und links basal medial unter 5%. ICD-O 8140/3
Übrige Stanzpräparate jeweils carcinomfrei mit high-grade-PIN:"

Vom Urologen wurde mir eine radikale Prostatektomie empfohlen.
Habe anschließend bei meiner Krankenkasse (TK) das "Zweitmeinungstelefon" kontaktiert. Hier riet mir der Arzt, mich auch noch mal bei
einem Brachytherapeuten beraten zu lassen.
Nun bin ich gänzliche verwirrt !

Die Frage ist nun, warum sollte ich eine Radikal-OP durchführen lassen, wenn eine Strahlentherapie/Brachytherapie schonender vonstatten geht und ebenso erfolgversprechend ist (sein soll) ??

Ich bin übrigens 54 Jahre alt und habe ansonsten keine krankhaften Leiden. Bin sportlich und aktiv.

Volkmar

Hvielemi
16.12.2013, 13:00
Nun bin ich gänzliche verwirrt !
Die Frage ist nun, warum sollte ich eine Radikal-OP durchführen lassen, wenn eine Strahlentherapie/Brachytherapie schonender vonstatten geht und ebenso erfolgversprechend ist (sein soll) ??

Ich bin übrigens 54 Jahre alt und habe ansonsten keine krankhaften Leiden. Bin sportlich und aktiv.


Lieber Volkmar

Deine Verwirrung ist verständlich.

Die OP ist bestimmt ein Weg, der erfolgversprechend ist, wäre also nicht falsch.
Aber auch von der perkutanen Bestrahlung und der Brachytherapie kann man
dasselbe sagen.

Du solltest also dem Rat deiner Krankenkasse folgen und dir weitere
Therapiekonzepte anschauen bzw. dich entsprechenden Ärzten vorstellen.

Wenn Du Deine Wohngegend nennst, wirst Du bestimmt per PN entsprechende
Empfehlungen von Mitbetroffenen aus Deiner Region erhalten.

Carpe diem!
Hvielemi / Konrad


Dies solltest Du gelesen haben vor jedem Entscheid:
http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/Patientenleitlinie_Prostatakrebs_1_01.pdf

RalfDm
16.12.2013, 13:31
Hallo Volkmar,

dies sind die Indikation und die Kontraindikation zur LDR-Brachytherapie:

Indikation

Lokal begrenztes Prostatakarzinom
PSA < 10 ng/ml
GS < 7 (gelegentlich auch bis GS=3+4)
Anzahl der positiven Stanzen x/y
Klinisches Stadium ≤ T2a
Lebenserwartung unter 15 Jahren (Rezidivrisiko für jüngere Patienten zu hoch)

Kontraindikation

Prostatavolumen (PV) > 60 ml
Mittel-/Hochrisiko-Prostatakarzinom
Obstruktive Miktionsbeschwerden
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
Ein Resektionstrichter nach TUR-P erschwert die Seedstherapie

Schon Dein Gleason-Score 7b (4+3) ist eine Kontraindikation. Die LDR-Brachytherapie ist also keine Option für Dich. Bezüglich der Entscheidung RP vs. externe Bestrahlung (XRT) solltest Du Folgendes bedenken: Tritt nach einer RP ein Rezidiv auf, lässt sich problemlos bestrahlen (die Prostataloge). Nach einer XRT aber operiert kein Chirurg gerne, weil er weit ins gesunde Fleisch gehen muss; bestrahltes Gewebe heilt nicht. Die Themen "Kontinenz" und "Potenz" können dann in den meisten Fällen abgehakt werden.

Mir scheint, dass der Krankenkassen-Arzt sich bei der Behandlung von Prostatakrebs nicht sonderlich gut auskennt. Er sollte sich vielleicht einmal die aktuelle Leitlinie (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-022OLk_S3_Prostatakarzinom_2011.pdf) ansehen, insbesondere den Abschnitt 5.3.3.

Ralf

Onni01
16.12.2013, 14:59
Lieber Volkmar, ich stand vor 5 Jahren vor der gleichen Frage und habe mich für die Op entschieden und die Entscheidung war trotz allen konzequenzen absolut richtig. Auch wenn sich Dein Leben verändern wird. Sport treiben war bei mir nach 6 Monaten wieder möglich . 1 Jahr danach war ich wieder mit dem Fahrrad in den Alpen.
Ich bin heute sehr froh mich für die OP entschieden zu haben, denn dabei stellte sich heraus das doch der Rand betroffen war.
Alles Gute und gute Nerven!

LudwigS
16.12.2013, 15:18
Vom Urologen wurde mir eine radikale Prostatektomie empfohlen.
Habe anschließend bei meiner Krankenkasse (TK) das "Zweitmeinungstelefon" kontaktiert. Hier riet mir der Arzt, mich auch noch mal bei
einem Brachytherapeuten beraten zu lassen.
Nun bin ich gänzliche verwirrt !

Hallo Volkmar, es gibt 2 Arten von Brachytherapie.

1. Die LDR (low dose) Brachytherapie mit der Einbringung permanent verbleibender, etwa 1 Jahr schwach strahlender Partikel (Seeds), für Anfangsstadien.
2. Die HDR (high dose) Brachytherapie mit kurzer Verweildauer eines starken Strahlers in der Prostata, meist kombiniert mit externer Bestrahlung, für fortgeschrittene Stadien.

Beide haben den Nachteil, dass meist Lymphknoten unangetastet bleiben - im Gegensatz zur OP.
Und bei einem GS 4+3 muss man schon mit Lymphknotenbefall rechnen.

Gruß Ludwig

hcbukowski
16.12.2013, 23:05
Vielen Dank für eure bisherigen hilfreichen Beiträge.
Ich habe mich entschlossen, aufgrund des recht hohen malignen Gradings, meines Alters und der guten Folgeprognose, eine radikale Prostatektomie durchführen zu lassen.
Als Klinik habe ich mir die Universitätsklinik Eppendorf, in Hamburg, ausgesucht. Haben einen prima Ruf - auch was Kontinenz- und Potenzerhalt angeht ;) Dort habe ich am 06.01.2014 einen Beratungstermin.

werner m
17.12.2013, 16:05
Hallo,
Lies dir das folgende noch einmal vorher durch:
http://www.brachytherapie-hamburg.de/wp-content/uploads/2012/08/Ist-Strahlentherapie-effektiver-als-Operation-_-2012.pdf
Gruß

W. Werner
17.12.2013, 17:42
Bei der Quelle liegt eine brachytherapie-freundliche Veröffentlichung nahe. Ich denke, daß hcbukowski mit seiner Entscheidung nicht ganz verkehrt liegt - viel Glück dabei!

Harald_1933
17.12.2013, 17:45
Hallo werner m,

hab Dank für Deine Verlinkung, die Du schon in einem parallel laufenden Thread (thread) eingestellt hast. Ralf hat die Kriterien aufgeführt, die zu beachten sind, wenn man sich für eine LD-Brachy entschliessen würde, und Ludwig hat das ergänzt. Von Volkmar (hcbukowski) (http://forum.prostatakrebs-bps.de/member.php?10184-hcbukowski) ist im Profil noch nichts vermerkt. Wir wissen also auch nichts über's PV. Volkmar hat sich für die Ektomie entschieden, und das ist für einen 54-jährigen sicher in diesem Fall die richtige Therapiewahl.

"Lass dich gut beraten, bevor du beginnst; doch wenn du dich entschieden hast, handle sofort"
(Sallust)

Gruß Harald

nordymann
17.12.2013, 18:07
hallo volkmar,
die rpe ist für dich ein muss
bedenke bitte, dass der krebsstatus in der prostata sehr wahrscheinlich weiter als im biopsiebefund fortgeschritten sein wird
ich hoffe für dich, dass die op noch rechtzeitig für eine vollständige beseitigung des tumors aus dem körper kommt

werner m
18.12.2013, 10:01
hallo,
Es ist nicht wichtig wer auf eine Studie in seinem Webauftritt hinweist, sondern wer die Studie gemacht hat. Dabei ist es dann normal wenn diejenigen, die im Ergebnis Vorteile für sich verbuchen können, eher darauf hinweisen als die " Verlierer".
Hätte ich weiter gesucht, hätte ich sicherlich auch eine neutrale Veröffentlichung gefunden.

Gruß und viel Erfolg bei der Behandlung

Hvielemi
21.12.2013, 11:11
hallo volkmar,
die rpe ist für dich ein muss
bedenke bitte, dass der krebsstatus in der prostata sehr wahrscheinlich weiter als im biopsiebefund fortgeschritten sein wird
ich hoffe für dich, dass die op noch rechtzeitig für eine vollständige beseitigung des tumors aus dem körper kommt

Ich hatte die RPE im Beitrag #2 als "nicht falsch" bezeichnet.
Klar ist der Vorteil, dass der Krebs vom Pathologen genau
bestimmt werden kann, was allerdings bei GS 3+4 wenig hülfe,
falls er aggressiver wäre, als aufgrund der Biopsie angenommen.
Ebenfalls interessant ist die Entnahme von Lymphknoten.
Ich bin auch einer von denen, die WISSEN wollen.

Nur:
Könnten solche Knoten und ein allfälliges Rezidiv nicht nach
RT/Seeds bildlich dargestellt und ggf. lokal therapiert werden,
falls der PSA stiege?
Dass eine Brachytherapie auch bei mittlerem und gar hohem
Risiko eine Option sein kann, ist überhaupt nicht vom Tisch:

http://www.brachytherapie-hamburg.de/wp-content/uploads/2012/08/Ist-Strahlentherapie-effektiver-als-Operation-_-2012.pdf
(Schon klar: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing ...)

Metaanalyse Prostatakrebs:
Strahlentherapie effektiver als Operation?

Die effektivste Behandlungsform ist die LDR-Brachytherapie, die allerdings im
fortgeschrittenen Mittelrisiskostadium und im Hochrisikostadium durch eine externe
Strahlenbehandlung und ggf. sogar eine temporäre Hormondeprivation ergänzt
werden muss.
Die in Deutschland übliche Ansicht, dass die Radikaloperation der Goldstandard der
Prostatakrebsbehandlung sei, wird in keiner Risikokonstellation bestätigt.

Wie schon oben geschrieben:
Volkmars Entscheid ist richtig, denn viele Wege führen nach Rom,
doch ob man dort ankomme, weiss man ohnehin erst hinterher.

Carpe diem!
Konrad / Hvielemi