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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Prostatakrebs mit Knochenmetastasen



Steffi82
21.07.2014, 09:12
Hallo,


Am Woende habe ich die Unterlagen gelesen, die erstellt wurden bevor es für meinen Vati nach dem Krankenhaus (Entfernung Tumor an der Wirbelsäule durch Prostatakrebs) und 5maliger Strahlentherapie vor 2 Wochen zur Reha ging- Prostatakarzinom hohes Resiko (cT2c), kein Lympfkonotenbefall, jedoch Fernmetastasen (M1) eben der entfernte Tumor an der Wirbelsäule im Juni, der auf das Rückenmark drückte. Als Nebendiagnose wurde ein Querschnittssyndrom (Schädigung Rückenmark) mit Paraparese beider Beine festgestellt. Mein Vati bekommt nun Physio und Ergotherapie, kann jedoch aktuell weder stehen noch selbstständig laufen. Behandelt wird er zudem seit Ende Juni mit der Bicalutamid- Therapie, die erste 3 Monats Spritze (Leuprorelin) gab es Anfang Juli.Der letzte PSA Wert lag bei >1500ng/ml (Ende Juni). Mir ist schon klar, dass die Werte alles andere als gut sind, habt ihr vielleicht noch einen Rat für mich, wie kann ich meinem Vati helfen? Leider spricht er kaum über die Krankheit, ich habe das Gefühl er will keinem zur Last fallen...
Kann man mit der Ernährung unterstützen- ich habe mal gelesen, dass die Entsäuerung der Körpers hilft- vielleicht auch mit Basica? Über jeden Rat bin ich dankbar.

Günter55
21.07.2014, 09:44
Hallo Steffi,

zunächst ist mit Bicalutamid und Leuprorelin (besser wäre Degarelix oder Abarelix gewesen) ein guter Anfang gemacht. Damit sollte der PSA ansinken. Regelmäßig monatlich PSA und Testosteron messen. Testosteron wird von den Ärzten oft vergessen, aber es dient der Kontrolle, ob das Leuprorelin anspricht. Testosteron muss in den Kastrationsbereich unter 0,2 ng/ml fallen. Je tiefer, desto besser. Sind die Brustdrüsen vorab bestrahlt worden? Wenn nicht, dann können sie schmerzen und sehr berührungsempfindlich werden. Wenn diese Hormonblockade versagt, steht ihr vor der Frage gleich Chemo oder vorher eines der neueren Medikamente wie Abiraterone oder Enzalutamid probieren.

Hier (http://www.prostatakrebse.de/informationen/pdf/Erster%20Rat.pdf) ist ein super guter Ratgeber im Forum abgelegt.

Zu begleitenden Maßnahmen, wie Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln NEM, findest du auch Informationen in diesem Ratgeber. Damit kannst du oder dein Vater höchstens unterstützend einwirken. Folgende NEM können unterstützend wirken: Granatapfelsaft, Vitamin D, Selen, Omega-3-Fettsäuren, Lycopin (in Tomaten-Produkten). Aber bitte mit einem Arzt absprechen. Dann viel Bewegung in frischer Luft (ist bei deinem Vater momentan wohl kaum möglich).

Liebe Grüße
Günter

LowRoad
21.07.2014, 09:58
Steffi,
zuerst einmal sollte man darauf hinwirken, dass dein Vater Hilfe annimmt, also nicht nur erduldet! Alles Weitere kommt dann später. Mache ihm klar, dass es viele Menschen gibt, die ihn dringend brauchen, und es seine verdammte Pflicht wäre, dafür zu sorgen, dass es das berücksichtigt, und ein Team immer leistungsfähiger ist, als ein Einzelkämpfer!

Steffi82
23.07.2014, 07:39
Danke für eure Antworten.
Mein VAti fällt gerade in eine sehr schlechte Stimmungslage, die letzten vier Wochen brachten keine deutliche Verbesserung- es wurde als Nebendiagnose ein Querschnittssyndrom mit Paraparese beider Beine diagnostiziert. Er bereut es die OP gemacht zu haben udn beziehcnet sich nun als "Krüppel". Wie kann ich ihm diese Gedanken nehmen und davon überzeugen, dass ohne OP jetzt alles viel schlimmer wäre? Hat jemand ERfahrungen von euch mit Paraparese?

Hvielemi
23.07.2014, 09:49
wie kann ich meinem Vati helfen? Leider spricht er kaum über die Krankheit,
ich habe das Gefühl er will keinem zur Last fallen...
Kann man mit der Ernährung unterstützen- ich habe mal gelesen, dass die Entsäuerung
der Körpers hilft- vielleicht auch mit Basica? Über jeden Rat bin ich dankbar.

Ach, liebe Steffi,

Es ist Dir schon klar, in welch schwieriger Situation Dein Vater steht.
Er ist ein alter Mann, der wohl noch alte Bilder vom Mannsein in sich
trägt. So bezeichnet er sich selbst nun als 'Krüppel'. Neusprachlich
wäre er ein "vom XY-Syndrom Betroffener" oder so was politisch
Korrektes. Das ändert aber nichts daran, dass er nicht mehr gehen
kann und auf fremde Hilfe angewiesen ist.
Die beste Hilfe für Deinen Vater ist, sicherzustellen, dass er diese
Hilfe bekommt, dass er das zu essen bekommt, was er mag, dass
diese Menschen, an denen ihm gelegen ist, ihn besuchen kommen,
dass er die Bücher auf dem Nachttisch hat, die er gerne liest und
die richtige Zeitung.

Vergiss "Basica" und Körpersäure, quäl Deinen Vater nicht damit,
vom Schweineschnitzel abzusehen, zwing ihn nicht, gesunde Pülverchen
anzurühren, statt sein Glas Wein oder Flasche Bier zu trinken.

Er hat es verdammt schwer, musste sein Zuhause verlassen (für immer?)
und nun ist nicht die Zeit, ihm auch noch die verbliebenen kleinen
Freuden zu entziehen. Klar, wenn er Tomaten mag und gerne Fisch ist,
ist das sicher gesund, damit bekommt er "Lycopin und Omega-3-Fett".
Wenn er das nicht mag, wäre mit einer Zwangsmahlzeit von Fisch und
Tomate wieder ein Stück Lebensfreude kaputtgemacht.

Wenn er nicht über die Krankheit sprechen will, sprich mit ihm über
seine Themen, von Fussball bis Mathematik oder was auch immer.

Wozu willst Du ihn "davon überzeugen, dass ohne OP jetzt alles viel schlimmer wäre?"
Dazu sind die Ärzte da. Versuche, seinen beklagenswerten Zustand so
zu nehmen wie er ist - schlecht - und mach das Beste draus.
Es wurde auch "viel Bewegung in frischer Luft" angeraten. Richtig, aber nicht
weil das gegen den Krebs gut sei, sondern weil das Abwechslung vom drögen
Krankenzimmer ist. Klär ab, ob Ausflüge mit dem Rollstuhl möglich sind,
im Spitalgarten oder auch mit dem Rollstuhltaxi in seine Lieblingskneipe
oder an das Flussufer, an dem er so gerne angelt, oder was immer.
Engagier nötigenfalls einen Pfleger, wenn er das braucht auf so einem Ausflug.

Und dann wurde geraten "besser wäre Degarelix oder Abarelix gewesen".
Nein, das wäre wohl etwas bequemer gewesen, weil man das Bicalutamid
nicht hätte geben müssen. Ansonsten sind die Therapien gleichwertig
und individuell mehr oder weniger verträglich (Ich hab mit Firmagon
drei Monate lang gekotzt, andere haben keine Nebenwirkungen).
Und die Brustdrüsen muss er auch nicht bestrahlen lassen, weil er das
Bicalutamid ja längst wieder abgesetzt hat.

Du kannst ihm mit dem Krebs nicht weiterhelfen, aber das Leben mit
dem Krebs kannst Du ihm erleichtern. Aber bitte immer nur als
Angebot, denn in seiner Stimmung kann es möglich sein, dass er
den geringsten Druck als Übergriff versteht und sich dagegen sperrt.
Wenn er Nein sagt, meint er nein, ein 'trotzdem' wäre Entmündigung.
Und das ist das Allerletzte, was ein - verzeih - "Krüppel" bräuchte.

So, ich hoffe, in meinem Wortschwall wenigstens einen Hinweis
gegeben zu haben, wie Du deinem schwerkranken Vater helfen
könnest. Sonst verzeih bitte, dass ich mich eingemischt habe.

Carpe diem! (nimm den Tag!)
Hvielemi / Konrad

silver dollar
23.07.2014, 09:51
Moin Steffi,
schwierig wenn sich ein Betroffener nicht nur nicht helfen lassen will sondern sich teilweise aufgibt. Ohne hier Hoffnungslichter anzünden zu wollen Definition Paraparese bezeichnet die beidseitige inkomplette Lähmung (http://flexikon.doccheck.com/de/L%C3%A4hmung) (Parese) eines Extremitätenpaares (http://flexikon.doccheck.com/de/Extremit%C3%A4t), z.B. die Lähmung beider Beine.
Inkomplett bedeutet nicht für alle Zeiten jetzt schon definiert, es muss nicht aber kann sich bessern. Ansonsten ohne OP bei bereits vorhandener Wirbelsäulenkompression war der Rollstuhl und das voraussehbare
überschaubare Weiterleben absehbar und damit keine Option.

Steffi82
23.07.2014, 10:36
Ich glaube, das du recht hast, für mich als Tochter ist das schwer zu akzeptieren, ich liebe meinen Vati udn will ihn nihct verlieren, in 6 Wochen möchte ich heiraten, selbst wenn es möglich wäre, möchte er wohl nicht kommen, ob wegen des Rollstuhls oder der Krankheit allgemein, kann ich nicht sagen. Ich bin zwar enttäuscht, aber so wie du ausführlich geschrieben hast, sollte ich ihn jetzt wohl in in dem unterstützen was und wann er möchte. Ich versuche dies zu berücksichtigen, danke.

Steffi82
23.07.2014, 10:37
Hallo Günther,

cih geb die Hoffnung auch nicht auf, wenn er wieder etwas laufen kann, hätte er wenigstens sein selbstbestimmtes Leben zurück...

Steffi82
23.07.2014, 10:50
Hallo Konrad, ich hoffe nicht, dasser sein zu Hause für immer verlassen musste. Fakt ist aktuell, dass wir schauen müssen, ob die Hormontherapie anschlägt und ob die Reha die Lähmung der Beine (Empfindung und Kraftausprägung (rechtes Bein 2/5 linkes Bein 1/5)- wenn auch gering noch vorhanden) Besserung erzielt. Leider lese ich dazu kaum von Betroffenen, die einen ähnlichen Weg wie mein Vati gehen mussten- offenbar haben die meisten Leute nicht so lange gewartet bis ein Arzt aufgesucht worden ist.
Wie lange er in der Reha bleiben soll, konnte uns noch niemand final beantworten.