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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ist das Krebsrisiko durch rotes Fleisch auf ein Polysaccharid zurückzuführen?



RalfDm
31.12.2014, 18:27
Versuche mit Mäusen haben gezeigt, dass ein spezielles in rotem Fleisch enthaltenes Polysaccharid vom Körper aufgenommen wird und zu Entzündungen führt, die ihrerseits Krebs hervorrufen können. Wie Labormäusen, so fehlt auch Menschen dieses spezielle Polysaccharid im Körper. Unsere Antikörper können darum eine entsprechende Entzündung wie bei den Mäusen hervorrufen. Die Entzündung kann möglicherweise erklären, warum der Verzehr roten Fleisches das Krebsrisiko bei Menschen erhöhen kann.

Das spezielle Polysaccharid, Neu5Gc genannt, kommt im Fleisch der meisten Säugetiere vor, am meisten in Rindern, aber auch in Schweinen und Schafen, nicht aber in Hähnchen oder Fisch. Er findet sich in geringen Mengen auch in Molkereiprodukten. Kochen entfernt den Zucker nicht aus dem Essen.
Menschen haben dieses Polysaccharid normalerweise nicht im Körper, aber wenn wir Fleisch dieser Tiere essen, wird der Zucker vom Darm aufgenommen und über das Blut verbreitet. Da das Polysaccharid sehr einem anderen ähnelt, das natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt, erkennen die Körperzellen den Unterschied nicht und nehmen es auf. Die weißen Blutkörperchen aber erkennen den Unterschied und senden Antikörper aus. Damit entsteht eine Entzündungsreaktion, die wir nicht verspüren, sondern die in den Zellen stattfindet. Wenn wir regelmäßig rotes Fleisch verzehren, wird diese Entzündung chronisch. Solche chronischen Entzündungen können laut einer Mitteilung der University of California San Diego, die hinter der Entdeckung steht, zu Krebs führen.

Die Forscher glauben auch, dass das Polysaccharid andere auf eine Entzündung folgende Erkrankungen erklären kann, zum Beispiel Arteriosklerose, umgangssprachlich Adernverkalkung genannt, und Diabetes Typ 2, der oft Altersdiabetes genannt wird, obwohl er auch jüngere Menschen treffen kann. In den Versuchen wurden Mäuse mit diesem Polysaccharid gefüttert. Die Mäuse waren genetisch verändert, so dass sie, wie Menschen, das Polysaccharid nicht im Körper hatten. Damit bekamen sie Entzündungsreaktionen, und die Entwicklung von Krebsgeschwulsten in der Leber verfünffachte sich, einem Organ, in dem Mäuse häufig Krebs bekommen.

Das Polysaccharid sammelte sich besonders in diesen Geschwülsten an. Bei Menschen sind laut der in der Zeitschrift „Proceedings of The Natonal Academy of Sciences“ veröffentlichten Studie solche Ansammlungen häufiger im Dickdarm, der Prostata und den Eierstöcken. Dies ist das erste Mal, dass ein Zusammenhang zwischen Polysaccharid und der Entstehung von Krebs in einem lebenden Organismus gezeigt wurde, wenn auch vorläufig nur in einem Mäuseversuch. Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse nur teilweise auf Menschen übertragbar sind. Die Mäuse bekamen unter Anderem einseitige Kost mit dem Polysaccharid Neu5Gc, während Menschen sich normalerweise abwechslungsreicher ernähren.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Antigene, die in der Entzündungsraktion gebildet werden, tatsächlich beim Menschen Krebszellen bekämpfen können. Mehr Forschung dazu, wie der menschliche Körper den Zucker aufnimmt, ist nötig, schreiben die Forscher in der Studie. Der Mechanismus, den die Forscher an der University of California nachgewiesen haben, wirkt dessenungeachtet nicht auf andere fleischfressende Tiere als den Menschen. Diese haben nämlich das Polysaccharid Neu5Gc von Natur aus im Körper und bekommen vom Verzehr roten Fleisches keinen Krebs. Die Forscher glauben, dass der Mensch vor Millionen von Jahren die Fähigkeit zur Herstellung dieses Polysaccharids verloren hat.

Der Grund dafür, dass dies geschah, kann die Verteidigung gegen einen Malariatyp gewesen sein, der zu jener Zeit häufig vorkam. Er band sich an das Neu5Gc und gelangte auf diese Weise in den Körper. Diejenigen unserer Vorfahren, die dieses Polysaccharid nicht im Körper hatten, überlebten diesen Malariatyp besser. Jetzt hat allerdings ein neuer Malariatyp neue Wege in den menschlichen Körper gefunden, und die alte Anpassung, durch die das Polysaccharid entfernt wurde, macht uns möglicherweise empfänglicher für Krebs und andere Erkrankungen.
Literatur:

Kreftfaren fra rødt kjøtt kan skyldes et sukker, http://forskning.no/mat-sykdommer-kreft/2014/12/kreftfaren-fra-rodt-kjott-kan-skyldes-et-sukker
Annie N. Samraj et al.: A red meat-derived glycan promotes inflammation and cancer progression (http://www.pnas.org/content/early/2014/12/25/1417508112.abstract), Proceedings of The National Academy of Sciences, 29.12.2014, (Abstract)

Allen Forumsmitgliedern wünsche ich einen guten Rutsch und alles Gute für das neue Jahr!

Ralf

LowRoad
31.12.2014, 18:49
Ralf,
ich wünsche dir auch alles Gute für das Jahr 2015 – und Dank für die bisher geleistete Arbeit!

Zu "Neu5Gc" schreibt Mr. Scott (http://prostatecancerinfolink.net/2014/12/30/neu5gc-red-meat-dairy-products-and-risk-for-cancer/) treffend:

...
We would note that we have long argued that the development of prostate cancer, which may well take decades, may be stimulated by things we start to do in our childhood. This research would certainly seem to support that possibility, since high intake of red meat and dairy products is commonly initiated in childhood and continues over the next 40+ years until prostate cancer starts to become common among men in the 50s!