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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Psychoonkologie und Psychotherapie - wie seid ihr dazu gekommen?



FlorianM
07.12.2016, 11:07
Hallo beisammen!

Es wird ja bei unserer Krankheit gesagt, dass eine der Säulen der Behandlung eine Unterstützung durch einen Psychoonkologen ist, oder zumindest sein kann.
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es keineswegs so ist, dass im Falle fehlender psychotherapeutischer Behandlung - wie zum Teil suggeriert - es immer der maskuline Patient ist, der den psychologischen Support trotz allen guten Zurredens ausschlägt, weil er so stark ist.
Vielmehr erscheint es mir, dass bereits der Weg zu einer solchen Therapie recht holprig sein kann.

Mich würde interessieren, wie diejenigen unter euch, die durch einen guten Therapeuten unterstützt werden, zu diesem gekommen sind.
Sozusagen als Erfahrungssammlung - oder bei manch einem vielleicht auch ein Reisebericht.

Nebenbei fände ich interessant, welche Ausbildung - Psychologe, Psychotherapeut, Heilpraktiker, Krankenpfleger (ja, auch einen solchen wollte man mir nahelegen) - der Therapeut hat, für den ihr euch schließlich entschieden habt.

In erster Linie würde ich aber gerne den Weg wissen, den ihr gegegangen seid, bis ihr bei eurem Therapeuten / Psychologen angekommen seid.

Danke und viele Grüße
Florian

MD Weiss
07.12.2016, 11:51
Den schnellsten Weg zu einem Psychoonkologen oder einer Beratungstelle finden Sie:

- Über den Sozialdienst oder eigene psychoonkologische Angebote der behandelten Klinik.
- Über die Beratungsseite des dkfz https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php
- Mittels Beratungsangebote der Krebsgesellschaft e.V. (z.B. Rheinland-Pfalz) http://www.krebsgesellschaft-rlp.de/
- Über eine Beratungsgruppe des BPS
- Auf Empfehlung Ihres Urologen

Die Wartezeiten auf einen Termin sind sehr unterschiedlich und regional abhängig. Die Angebote beschränken sich hierbei nicht nur auf den Patienten sondern bieten auch Betreuungsmöglichkeiten für Angehörige.

Es handel sich i.d.R. um Psycho- bzw. Sozialtherapeuten mit Weiterbildung Psychosozialer Onkologie z.B.: http://www.wpo-ev.de/
(http://www.wpo-ev.de/)

MfG

Hvielemi
07.12.2016, 12:13
Einen 'guten' Psychotherapeuten hab ich noch nie erlebt.
Vielleicht bin ich ja nur ein schlechter Psychopatient ...

Mein Weg:
Ich ging auf Drängen des Onkologen im Onko-Ambulatoriums des KSSG
zwei Stockwerke weiter rauf - zweimal; Zweimal zuviel.
Die 'Therapie' bestand in der Absonderung von vorurteilsgestützten,
verallgemeinernden Sprechblasen, wenig Zuhören, noch weniger
Verstehen und einem Rezept für ein Psychofarmacum.
Dies, obwohl ich darauf hingewiesen hatte, bei einem früheren
Versuch mit solchen Pillen in einen grässlichen Angstzustand
geraten zu sein. 36 Stunden wagte ich mich damals nicht unter
der Bettdecke hervor. Die Pillen nahm ich diesmal nicht an.
Der Mann war Arzt und eben ausgebildeter Psychoonkologe, oder
wohl besser Onkopsychologe. Selbst ein Pfaffe könnte das besser.

Etwas Sonne und Wärme per Pauschalschnäppchen auf den Kanaren
hilft deutlich mehr und ist viel billiger.
Zu dumm nur, dass die Kasse das nicht zahlt.

Nimm den Tag!
Konrad

MD Weiss
07.12.2016, 12:41
Etwas Sonne und Wärme per Pauschalschnäppchen auf den Kanaren
hilft deutlich mehr und ist viel billiger.

Leider nicht bei jedem Patienten. Die Suizidrate spricht da eine andere Sprache.

Ein guter Psychoonkologe verschreibt keine Pillen.

MfG

rolando
07.12.2016, 13:23
Kann hier nur meine persönlichen Erfahrungen wiedergeben. Ich habe in meinem Berufsleben und dann später in Zusammenhang mit meiner Krebserkrankung noch keinen Psychologen/Psychoonkologen getroffen, der nicht selbst verhaltensauffällig war. Ich hatte immer das Gefühl, dass diese Menschen mehr mit ihrem eigenen Leben und ihrem sozialen Umfeld zu kämpfen hatten, als mit den ihnen anvertrauten Personen eine vernünftige Strategie zur Bewältigung ihrer Probleme zu entwickeln.
Ich kann an dieser Stelle Konrad nur beipflichten, Aufenthalte im Süden mit Wärme und Sonne zur kalten tristen und grauen Jahreszeit hierzulande, haben mir persönlich am meisten gebracht. Sowohl meine Psyche, als auch mein körperliches Befinden bessert sich durch solche Unternehmungen.

Als möglichen Beleg für meine persönlichen Erfahrungen: http://m.aerzteblatt.de/print/165556.htm

Roland

FlorianM
07.12.2016, 14:09
Den schnellsten Weg zu einem Psychoonkologen oder einer Beratungstelle finden Sie:


Vielen Dank für die Übersicht. Einleitend zum Thema sicherlich nicht an falscher Stelle. Mir ging es aber viel mehr um die tatsächlichen Erfahrungen, die jemand als Betroffener gemacht hat,
bis er in guten Händen war.



Etwas Sonne und Wärme per Pauschalschnäppchen auf den Kanaren
hilft deutlich mehr und ist viel billiger.
Zu dumm nur, dass die Kasse das nicht zahlt.


Würde es die Kasse zahlen und der körperliche Zustand erlauben - ich wäre einem Versuch nicht abgeneigt :)

Dass der Psychoonkologe als solcher keine Berechtigung hat, möchte ich nicht glauben.
Nehmen wir einfach an ich/jemand möchte (auch zusätzlich zu all den anderen Ansätzen, die er für sich verfolgt) eine solche Unterstützung.
Ich glaube, diese Erfahrungsberichte sind schon - nicht nur für mich - interessant.

Georg_
07.12.2016, 21:03
Florian,

in München sind Dr. Doris Pouget-Schors (http://www.psychosomatik.mri.tum.de/mitarbeiter/klinik-und-poliklinik/wissenschaftliche-mitarbeiter/dr-med-doris-pouget-schors) und Dr. Herschbach (http://www.psychosomatik.mri.tum.de/mitarbeiter/klinik-und-poliklinik/ober%C3%A4rzte/prof-dr-peter-herschbach) bekannt. Du kannst doch einfach einen Termin machen und Dir einen Eindruck von dem Arzt/Ärztin verschaffen. Wenn Dir der Arzt nicht liegt dann machst Du einfach keinen neuen Termin aus oder sagst ihn später ab.

Georg

Hvielemi
08.12.2016, 19:53
Hvielemi:
Etwas Sonne und Wärme per Pauschalschnäppchen auf den Kanaren
hilft deutlich mehr und ist viel billiger.Leider nicht bei jedem Patienten.
Die Suizidrate spricht da eine andere Sprache.


Danke, Herr Weiss, für den zugespielten 'Suizid'-Ball.

Die grösste Hilfe gegen Depression und Angst nach der GS9-, N1-Diagnose
war eine Flasche Ballongas samt passendem Ventil, um mir jederzeit
und vor allem autonom ein Ende setzen zu können.
Dann, als elegantere Variante desselben, die Mitgliedschaft bei EXIT,
die allerdings die Autonomie einschränkt.

Nie bisher gedachte ich, 'es' zu tun, aber eine Krebsdiagnose der
heftigeren Art bedeutet auch einen Kontrollverlust. Mit diesen
drastischen Mitteln hab ich die Kontrolle wieder zurückergattert,
wenigstens über mein Ende. Religiöse Skrupel hab ich da nicht.

Der Befreiende Effekt war enorm: Ich schaue wieder vorwärts,
ohne die dräuende Wolke eines fürchterlichen Krebssterbens
vor mir zu sehen. Ja, ich bin glücklich!


Was die Psychologen angeht:
Gefragt wurde nicht nach der Einschätzung einer Zunft,
sondern nach persönlicher Erfahrung mit solchen Leuten.
Ich wurde schon öfter von Ärzten gedrängt, zu solchen
Schwätzern zu gehen und hab jedesmal dasselbe festgestellt:
Anamnese und Zuhören ist deren Sache nicht.
Die wollen immer nur aufgrund von Vorurteilen und
Fehlschlüssen "therapieren". Also Die, die ich kenne.

Ich hoffe für all jene PCa-Mitbetroffene, denen Spaziergänge
in kanarischen Kiefernhainen nicht so gut tun, dass sie kompatibler
sind zu ihrem Shrink, als ich es bin.

Noch was:
Es gibt keine Studien, in denen solche Spaziergänge mit
der Suizidrate von Krebspatienten abgeglichen werden.


Carpe diem!
Konrad

Muggelino
08.12.2016, 20:44
Hallo Florian,

Anfang 2005 überlegte ich, ob ich psychoonkologische Hilfe in Anspruch nehmen sollte und wandte mich an meine Krankenkasse.
Es kam dieses Antwortschreiben:

wie telefonisch besprochen erhalten Sie anhängend die Antragsunterlagen zur außervertraglichen Psychotherapie im Rahmen der Kostenerstattung.

Als Versicherter einer gesetzlichen Krankenkasse haben Sie Anspruch auf psychotherapeutische Behandlung. Das Wahlrecht erstreckt sich allerdings nur auf Ärzte und Therapeuten, die zur vertragsärztlichen Behandlung zugelassen sind.
Bis zum Behandlungsbeginn kann es zu langen Wartezeiten kommen. In dem Bereich von bis zu drei Monaten gelten die Wartezeiten jedoch grundsätzlich als zumutbar.

Gern prüfen wir auch, ob eine außervertragliche Psychotherapie genehmigt werden kann. Hierfür benötigen wir folgende Unterlagen:

§ formlosen Antrag des Versicherten zur Kostenübernahme einer außervertraglichen Psychotherapie
§ Nachweis/ Auflistung für das Bemühen um einen Therapieplatz bei mindestens 5 Vertragstherapeuten mit Kassenzulassung (mit Angabe der Wartezeiten)
§ Notwendigkeitsbescheinigung oder ein Konsiliarbericht Ihres Hausarztes mit Angabe einer Indikation/ Diagnose zur notwendigen Durchführung einer Psychotherapie (keine Überweisung)
§ formlosen Antrag des Therapeuten mit Angaben über Art, Umfang, Anzahl der Sitzungen sowie die Kosten je Sitzung
§ Qualifikationsnachweise: Kopie Ihrer Approbationsurkunde, Kopie des Auszuges aus dem Arztregister bzw. entsprechender Fachkundennachweis & ggf. Berichte

Um unnötige Verzögerungen im weiteren Bewilligungsverfahren zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen, sich bereits jetzt auf die Warteliste Ihres gewünschten Kassenzugelassenen Psychotherapeuten setzen zu lassen.
Sollte es zu einer Ablehnung der beantragen außervertraglichen Psychotherapie durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) kommen, würden Sie keine zusätzliche Zeit verlieren.

Soviel zum Thema "Weg zum Therapeuten".
Bevor ich weitere Aktionen in Angriff nehmen konnte, sank mein PSA wieder und das war natürlich die beste Therapie.
Sollte ich jemals wieder in Versuchung kommen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen (was ich nicht glaube), dann würde ich Wert legen auf eine gute psychologische/psychiatrische Ausbildung des Therapeuten, die halte ich für wichtiger als onkologische Kenntnisse. Von Bekannten weiss ich, dass es sehr gute und fähige Psychiater und Psychotherapeuten gibt - aber leider auch sehr schlechte.
Ich habe für mich andere Wege gefunden für einen ausgeglichenen Psychohaushalt. Dazu gehört Meditation, die Auseinandersetzung mit unserer Sterblichkeit (die ja jeden betrifft, nicht nur Kranke), und die Auseinandersetzung mit der Krankheit. Lange hatte ich Angst vor Schmerzen, vertraue aber nun denen, die sagen, es gäbe heute so gute Schmerzmittel, dass niemand Schmerzen erleiden muss. Und wenn gar nichts mehr schön ist, dann würde ich vielleicht auch eine Möglichkeit suchen, selbstbestimmt die Kurve zu kratzen.
Meist ist nicht die Gegenwart das Problem, sondern die Angst vor der Zukunft. Aber nur die Gegenwart ist real, nur in ihr kann man leben.

Detlef

FlorianM
10.12.2016, 10:20
Hallo Georg,

vielen Dank. Es ging mir tatsächlich nicht um eine Empfehlung sondern um Erfahrungen, deutschlandweit. :)

FlorianM
10.12.2016, 10:25
Guten Tag beisammen!

Nun, vielleicht habe ich mich doch getäuscht? Es scheint als möchte keiner, der nun zufrieden (oder auch unzufrieden..) psychologische Unterstützung erfährt, hier schildern, wie sein Weg dorthin war?
Gibt es tatsächlich niemanden, der seine Erfahrungen diesbezüglich teilen will?

Das überrascht mich nun doch ein wenig...

Hvielemi
10.12.2016, 10:54
Wie das?
Schon im dritten Beitrag hab ich Dir meinen Weg und meine
(Un)-Zufriedenheit mit dem Psychoonkologen beschrieben.
Das war KEINE Blödelei.

Mein Weg war vielleicht unüblich kurz, weil das KSSG gemessen
an deutschen Unikliniken sehr klein ist und auch viel weniger
bürokratisch funktioniert.
Der Weg ist aber immer derselbe:
Onkologe/Urologe empfiehlt, drängt vielleicht und schreibt eine
Überweisung oder schickt eben nach kurzem Telefonat zwei Treppen
hoch. Man zögert, sagt den ersten Termin ab, Arzt drängt immer
noch, und schliesslich geht man halt mal gucken.

Dann kommt es darauf an, ob es zwischen Patient und Psychologen
funkt, oder eben nicht.

Nimm den Tag!
Konrad

FlorianM
10.12.2016, 11:39
Ah Konrad,

nix für ungut :)

Ich habe deinen Bericht - ähnlich wie Detlefs - sozusagen als Weg nicht zum Psychologen, sondern sozusagen "von ihm weg" interpretiert.
Deine Erfahrungen klingen in meinen Ohren eher nach dem, was man sich auf keinen Fall wünscht!
Fehlendes Eingehen auf den Patienten, Standartphrasen und Standartmedikation - gegen ausdrückliche und begründete Bedenken - was kann man noch falsch machen?

Viele Grüße und Danke für deine Erfahrungen
Florian

RalfDm
10.12.2016, 13:32
Hallo Detlef,

Sollte ich jemals wieder in Versuchung kommen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen (was ich nicht glaube), dann würde ich Wert legen auf eine gute psychologische/psychiatrische Ausbildung des Therapeuten, die halte ich für wichtiger als onkologische Kenntnisse.
Onkologische Kenntnisse, also Kenntnisse über das Behandeln bösartiger organischer Erkrankungen, muss ein Psychoonkologe auch gar nicht haben. Auf dieser Seite (https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php) des DKFZ heißt es zu dem Thema:


"Eine Krebserkrankung hat nicht nur körperliche, sondern auch seelische Folgen. Anzeichen von Belastung können Ängste, Anspannung oder niedergeschlagene Stimmung sein. Solche Phasen erleben die meisten Patienten. Auch vielen Angehörigen geht es so.
Doch was tun, wenn die Belastung über lange Zeit anhält und den Alltag beherrscht? Wer hilft weiter, wenn die Lebenssituation bereits vor der Krebserkrankung angespannt war? Eine Psychotherapie geht über die psychosoziale Beratung hinaus, die beispielsweise in Reha-Kliniken (https://www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/rehabilitation-nach-krebs.php) oder Krebsberatungsstellen (https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/krebsberatungsstellen.php) möglich ist: Sie bietet regelmäßige Gespräche über einen längeren Zeitraum, meist in einer psychotherapeutischen Praxis."


Auf der verlinkten Seite gibt es außerdem eine Suchfunktion zu ambulant psychotherapeutisch arbeitenden Psychoonkologen, die alle eine von der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. anerkannte Weiterbildung in der Beratung und Behandlung von Krebspatienten haben.
Ich selbst habe keinerlei Erfahrung mit einer psychoonkologischen Behandlung.

Ralf

Heribert
10.12.2016, 14:15
Auf psychologische Gespräche muss man sich einlassen können, wenn der Therapeut verhaltenstherapeutische Ratschläge aussprechen soll, um Probleme zu bewältigen. Tiefenpsychologie ist selbst bei schweren Krebserkrankungen nur sehr selten erforderlich. - Für viele Menschen wird der Psychiater oder auch der Psychologe mit dem Therapeuten in der Klapse in einen Hut gesteckt. Das sind aber ganz andere Fälle.

Derjenige, der sich auf ein Gespräch einlässt ohne dabei das Innerste nach außen krempeln zu müssen, wird seine Probleme in eine bessere Richtung lenken können. Natürlich nicht nach der ersten Sitzung, aber nach und nach den angstgeprägten Umgang mit seiner Erkrankung verlieren.

Heribert

Muggelino
10.12.2016, 16:22
Hallo Ralf,


Onkologische Kenntnisse, also Kenntnisse über das Behandeln bösartiger organischer Erkrankungen, muss ein Psychoonkologe auch gar nicht haben.
Ich fände es schon gut, wenn er sie hätte.

Anzeichen von Belastung können Ängste, Anspannung oder niedergeschlagene Stimmung sein.
Denn er sollte zB unterscheiden können, ob die psychischen Belastungen einen realen Hintergrund haben oder völlig unangemessen sind.
Wenn ich zu Tode erschrecke, weil ich eine Schlange neben mir zu sehen glaube, dann hilft es mir am besten, wenn jemand sagt: "Schau hin, das ist doch nur ein Stock." Ich erwarte also vom Psychoonkologen, dass er die Ursachen für meine Ängste einschätzen kann, und dazu ist onkologisches Grundwissen sicherlich nötig. Ob das in der Ausbildung zum Psychoonkologen vermittelt wird, weiss ich nicht. Aber wenn ich erst anfangen muss, ihm den PSA, die PSA-VZ, den Gleason Score etc. zu erklären, damit er überhaupt weiss, wovon ich rede, dann nützt es mir wenig.
Dennoch würde ich einen gut ausgebildeten Psychologen mit onkologischer Zusatzausbildung einem Mediziner (hier wurde Krankengymnast genannt) mit psychologischer Zusatzausbildung vorziehen.

@Heribert:
Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten unterscheiden sich eher nach ihrer Ausbildung als nach ihrem Einsatzort.
Der Psychiater ist ein Facharzt, der nach dem Medizinstudium eine Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie gemacht hat. Er kann in einer Klinik tätig sein oder als niedergelassener Arzt (das Wort Klapse finde ich abwertend). Ausbildungsdauer mind. 11 Jahre.
Ein Psychologe ist einfach jemand, der Psychologie studiert hat.
Ein "Psychologischer Psychotherapeut" hat daran eine mind. 3jährige Weiterbildung angeschlossen, die ihn zur Therapie befugt. Er darf aber zB keine ärztliche Tätigkeit durchführen und keine Pharmaka verordnen.
Natürlich muss man sich auf eine Therapie einlassen können, sonst wird das nix :-).

Detlef

Hartmut S
10.12.2016, 17:04
Auf psychologische Gespräche muss man sich einlassen können, wenn der Therapeut verhaltenstherapeutische Ratschläge aussprechen soll, um Probleme zu bewältigen. Tiefenpsychologie ist selbst bei schweren Krebserkrankungen nur sehr selten erforderlich. - Für viele Menschen wird der Psychiater oder auch der Psychologe mit dem Therapeuten in der Klapse in einen Hut gesteckt. Das sind aber ganz andere Fälle.

Derjenige, der sich auf ein Gespräch einlässt ohne dabei das Innerste nach außen krempeln zu müssen, wird seine Probleme in eine bessere Richtung lenken können. Natürlich nicht nach der ersten Sitzung, aber nach und nach den angstgeprägten Umgang mit seiner Erkrankung verlieren.
Heribert
Das ist doch wirklich so gut geschrieben, dass es niemand besser erklären kann.

He, he, he - ich brauchte so einen Arzt zwar nur für meine vorzeitige Rente, aber ich würde immer sagen, diese Ärzte können dir helfen.
(ausgeschlossen sind natürlich "Eheberater".:)
. . . welche ja auch Psychologie oder Physiologie (die die biochemische Prozesse erklären können) studiert haben.

Gruss
hartmut

Heribert
10.12.2016, 23:48
@Detlef.
Die Ausbildungsgänge der Fachärzte für Psychiatrie als auch der Psychologen sind mir bekannt, wobei der Facharzt für Psychiatrie nach rund 12 Jahren auch psychotherapeutisch tätig sein darf und auch beurteilen kann/muss ob bei einem Patienten eine Psychotherapie erfolgreich verläuft oder besser gesagt verlaufen kann. Das wird beim sog. Erstgespräch ermittelt und in einem Behandlungsplan dargelegt, der dem Kostenträger zur Genehmigung vorgelegt wird.
Der Psychologe benötigt nur 6 Semester und natürlich dier Zusatzausbildung Psychotherapie. Er kann ebenfalls einen solchen Behandlungsplan erstellen, nachdem der Psychiater den Patienten an einen solchen Psychologen weiter geleitet hat. Denn psychotherapeutisch tätige Psychiater gibt es leider nicht genug. Das beantwortet auch gleich Deinen Einwand, dass es wünchenswert sei, dass der Psychotherapeut auch onkologische Fähigkeiten haben sollte. Onkologische Fähigkeiten haben Ärzte mit entsprechender Zusatzausbildung.

Den Audruck "Klapse" habe ich bewusst gewählt, weil zunächst fast jeder zweite Angst-Patient, wenn er nur das Wort Psychiater von seinem Arzt (Hausarzt, Urologe, Onkologe) hört, sich einer solchen Hilfe verschließen wird, da er mit psychisch Kranken, solcher Einrichtungen nicht verglichen werden will.
Ob es letztlich Psychiater oder Psychologen sind, die ihm Wege aufzeigen mit der Krebserkrankung ohne ständige Todesangst besser umzugehen, ist nicht erheblich. Die Fähigkeiten haben beide. Außerdem können Psychologen keine Pillen verschreiben.

Der Weg, den Du mit Deiner Krankenkasse aushandeln wolltest ist mir nicht geläufig. Es ist zwar richtig, dass man nicht unbedingt eine Überweisung von seinem Arzt mit der Fragestellung einer Psychotherapeutischen Behandlung benötigt, ist in diesem Fall aber sinnvoll, auch für privat Versicherte und ganz besonders für Beihilfeberechtigte.

Heribert

Muggelino
11.12.2016, 00:55
Nachdem wir nun die Ausbildung der Psychiater und Psychotherapeuten geklärt haben, noch ein paar Sätze zu meinem Briefwechsel mit der Krankenkasse.

Wer als Mitglied einer GKK eine psychologische Therapie von der Kasse bezahlt bekommen will, muss sich an die Therapeuten halten, mit denen die Kasse einen Vertrag geschlossen hat. Sie müssen eine Kassenzulassung haben, die viel Geld kostet.
Entsprechend gering ist die Anzahl dieser Therapeuten, und entsprechend lang sind die Wartezeiten bei denen.
Da einem Patienten mit akuten psychischen Problemen nicht zugemutet werden kann, 3 Monate oder länger auf einen Therapieplatz zu warten, gibt es die Möglichkeit einer außervertraglichen Therapie. Die Bedingungen dafür hat die Kasse mir in dem Schreiben (siehe #9) genannt. Zu guter Letzt muss auch noch der MDK die Therapie bewilligen. Für den Fall, dass es sie ablehnt, wird empfohlen, sich zusätzlich auf die Warteliste eines zugelassenen Therapeuten setzen zu lassen.
Das ganze dauert also so oder so ein paar Wochen und kostet viel Kraft und Mühe, die von den belasteten Betroffenen oft gar nicht aufgebracht werden kann. Böse Zungen behaupten, das wäre absichtlich mit so hohen Hindernissen versehen, um Kosten zu sparen.

Aber man kann ja auch privat als Selbstzahler sich eine therapeutische "Begleitung" suchen.
Was einem da begegnet, ist hier aufgeführt:
http://www.psychoonkologisch.de/ausbildung-zum-psychoonkologischen-begleiter
Zitat: "In kleinen Gruppen mit max. 12-16 Teilnehmern bieten wir Ihnen an 6 Seminartagen die Möglichkeit, ganz in die Welt der psychoonkologischen Begleitung einzutauchen."
Nun ja. "Im Anschluss an das Seminar erhalten Sie eine schön gestaltete Ausbildungsbescheinigung." Das ist schon fast lächerlich.
Je nachdem, an wen man dann gerät, mag es dennoch hilfreich sein.

Noch ein Zitat daraus: "Die Psychoonkologie hat sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, den Betroffenen und die Angehörigen “Psycho-sozial” zu beraten. Sie umfasst auch die Beratung zu sozialen Fragen wie Rehabilitation, Rentenversicherung, Schwerbehinderung, Ernährung, Medizin und Pflege. Die Ausbildung zum Psychoonkologen ist ausschliesslich Hochschulabsolventen mit abgeschlossenem Studium vorbehalten. Die wesentlichen Aufgaben der Psychoonkologie wurden in der “Leitlinie Psychoonkologie” der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. in Kooperation mit weiteren Fachorganisationen aufgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.krebsinformationsdienst.de. (http://www.krebsinformationsdienst.de)
Die Aufgabe des Psychoonkologischen Begleiters ist leider in vielen Kliniken nicht anerkannt, obwohl sie wunderbare Arbeit leisten. Der “Nationale” Krebsplan fordert, dass jeder Krebspatient Anspruch auf eine psychoonkologische Betreuung haben sollte, nur wie soll das mit der bisherigen Anzahl ausgebildeter Psychoonkologen erreicht werden? Die wissenschaftliche Arbeit der Psychoonkologen ist mit Sicherheit sehr wichtig, da das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Krebs in der Gesellschaft wächst und evaluiert werden kann, welche Methoden hilfreich sind. "

Detlef

Muggelino
11.12.2016, 01:09
Schaut euch mal im Vergleich zur eben beschriebenen 6-Tage-Ausbildung die S3-Leitlinie "Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten" an:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html

Das ist ein anderer Schnack!

Muggelino
11.12.2016, 01:12
Und hier findet man die gut ausgebildeten Leute:
https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/adressen/psychoonkologen.php

FlorianM
15.12.2016, 18:04
Ich wollte mich nochmals für eure Beiträge bedanken.
Wenn es bei mir mal so weit ist, kann ich ja meine Erfahrungen in diesem oder einem neuen Thread beschreiben.

Viele Grüße
Florian

FlorianM
12.11.2017, 22:03
So eine kurze Rückmeldung nach fast einem Jahr.
Inzwischen sind mir Psychologen auf unterschiedlichsten Wegen begegnet:
Zum einen im Krankenhaus nach der RPE. Dort hat man mir zwei verschiedene Psychologen geschickt, wohl um Suizidgefahr und den allgemeinen Seelischen Zustand einzuschätzen. Man hat mir dort SSRI nahegelegt.
In der Reha einmal das Gespräch mit einer (für mich) völlig ungeeigneten Psychologin und dafür einer exzellenten Kunsttherapeutin. Diese hat sowohl mit ihrer Therapie, also auch mit den richtigen Worten vieles in mir geändert.
Zwei Psychologen bei der Krebshilfe, mit deren Hilfe ich mich auf die Wiedereingliederung vorbereiten wollte. Sondierungsgespräch super. Leider zweiter, unvorbereiteter Psychologe beim zweiten Termin - der die totale Katastrophe war.
Aktives Zugehen auf einen psychoonkologischen Dienst eines Krankenhauses. Keine Therapie aber pointierte Problemanalyse, gute Vorbereitung und Hilfe bei der Suche nach einer Therapie.

Viele Grüße
Florian

daniela3
13.11.2017, 16:36
Lieber Florian,
erstmal wünsche ich dir alles Gute bei der Bewältigung der Krankheit.
Ich finde, es ist sehr schwer einen guten Psychiater zu finden; da muss genauso wie beim Urologen (und eigentlich jedem Arzt) die Chemie besonders gut stimmen. Was ich so höre, sind die „guten“ restlos überlastet und man bekommt nur schwer Termine. Und man muss auch bereit sein sich zu öffnen, wenn das klappt dann bin ich überzeugt dass es eine große Hilfe wäre.