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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Mein Mann hat R1, Austausch



ilse-doris
05.12.2006, 14:17
Bei meinem Mann ( 50 Jahre) wurde in einer Vorsorgeuntersuchung ein PSA Wert von 7,7,ng/ml festgestellt, danach Bopsie, Diagnose Krebs.
Am 4.7.06 radiakle Prostataentfernung , nicht nervenerhalten möglich gewesen,
Laborwerte: pT2c pNO, MX GII R1, Gleason-Score 6.
Li-seitige Harnröhrenabsetzungsrand R1.
Bestrahlung wurde angeboten.
Kur am 25.7. nach 10 Tagen 0,02 ng/ml PSA, jetzt im Oktober 0,01 PSA wert.

Mein Mann sagt er ist gesund, aber er bekommt von allen Seiten die Meldung er soll sich bestrahlen lassen, ich habe Angst.
Kann mir jemand einen Rat geben?
Wann oder wie lange kann es brauchen oder auch nicht bis R 1 Befund wirklichkeit wird?
Danke für Eure Antworten
ilse-doris

Michael
05.12.2006, 14:25
Hallo,
ich würde wegen R1 Deinem Mann empfehlen, sich auf jeden Fall in der Radiologie bestrahlen zu lassen, auch wenn es bei mir nicht geglückt ist, aber meine Werte waren um einiges ungünstiger(s. mein Profil).
Viel Glück
Michael

spertel
05.12.2006, 14:56
Werte Angehörige
Auch wenn ich Sie jetzt vielleicht völlig verwirre und die Meinung von Michael nicht teilen kann, halte ich in Ihrem Fall eine Bestrahlung zum jetzigen Zeitpunkt für völlig überflüssig; es ist bei dem Befund nicht einmal gesagt, dass es zu einem (frühzeitigen) Rezidiv kommt. Warum wollen Sie vorzeitig einen "Pfeil aus Ihrem Köcher" verschießen ? Ich halte die vorgesehenen Intervalle zur Tumornachsorge (alle -3- Monate) für ausreichend; sollte der PSA-Wert ansteigen, können Sie immer noch handeln. Zum jetztigen Zeitpunkt gibt es überhaupt keinen Anlaß zu blindem Aktionismus, also Ruhe bewahren.

Ein frohes Weihnachtsfest aus Berlin

spertel

wowinke
05.12.2006, 15:09
Hallo
bei der Messung im Oktober mit einem Wert von 0,01 ng/ml, ist es wichtig auch die Nachweisgrenze des Messverfahrens zu kennen. Wenn hier
ein Verfahren zum Einsatz gekommen ist welches die Nachweisegrenze von 0,01 ng/ml hat (heute häufig erwendete Verfahren).

Dann kann die Angabe 0,01 oder < 0,01 ng/ml auch bedeuten,dass
die Konzentratione an PSA unter der Nachweisgrenze liegen bzw. nichts nachgewiesen werden konnte.

Aus meiner Sicht sollte erste reagiert werden wenn auch PSA nachgewiesen ist und ein Anstieg zu verzeichen ist.

Alles, alles Gute
Wolfgang

BurgerH
05.12.2006, 15:56
Hallo,

wie meine Vorschreiber schon ausführten, ein R1 Status muss nicht unbedingt zu einem Rezidiv führen, er stellt allerdings einen höheren Risikofaktor dafür da.

Wenn der PSA-Wert steigen sollte, mit der Bestrahlung nicht allzulange warten, so bis 0,8 oder 1,0. Denn je kleiner die Krebsmenge, um so wirkungsvoller die Bestrahlung.

Wenn der PSA-Wert ansteigen sollte, gibt die R!-Situation auch einen ziemlich sicheren Nachweis auf ein Lokalrezidiv. Und nur bei einem Lokalrezidiv wirkt auch die Bestrahlung.

Ob gleich oder später bestrahlen, ist auch eine Frage der Mentalität.

Ferner habe ich aus einem Vortrag in Erinnerung " Wenn Ihr Operateuer zur Bestrahlung rät, dann sollten Sie das tun, weil er weiß warum!"

Ich selbst habe mich vor 7 Jahren zur sofortigen Bestrahlung entschlossen, nachdem mein Schnittrand nicht einwandrei war. Und glücklicherweise bleibt der PSA-Wert bis jetzt unter der Nachweisgrenze
< 0,01.

Alles Gute!

Hansjörg Burger
Selbsthilfegruppe Prostatakrebs Rhein-Neckar

Michael
05.12.2006, 19:00
... sollte der PSA-Wert ansteigen, können Sie immer noch handeln. spertel

Tja, so ist es mit dem PSA-Wert. Bei mir lag das erste halbe Jahr nach der OP der PS-Wert, alle 4 Wochen gemessen, bei 0,00. Aber wahrscheinlich befanden sich schon damals einige Mikrometastasen außerhalb der Prostataloge.
Ich glaube, je jünger man ist, desto eher sollte man schon alle Chancen einer möglichen kurativen Behandlung nutzen.
Durch meine PSA-Werte wog ich mich in ziemlicher Sicherheit.
Alles Gute
Michael

wassermann
05.12.2006, 21:53
Hallo Ilse-Doris,

ich denke auch, mit dem Ergenis der OP kann man vorerst zufrieden sein. Auch ich habe eine (unklare) R1 Situation und meine Ärzte rieten mir allesamt zur Gelassenheit und aufmerksamen Beobachtung.
Einzelfälle sind zwar nie identisch, aber doch unter bestimmetn Gesichtspunkten vergleichbar. Insofern kann ich euch aus eigener Erfahrung zum Abwarten raten. War nach 6 Monaten auf 0,00. Neue Messung steht wieder an. Es wird sich im Dreimonatsrhythmus herausstellen, ob die Entscheidung richtig war. Zumindest bleiben uns/mir bis zum Ernstfall (er möge nie eintreten!) die Nebenwirkungen der Radiatio erspart.
Dennoch ist wichtig, was der Operateur sagt: er alleine hat die Situation einsehen können (s. Burger H).
Bei Michael liegt der Fall vielleicht doch etwas anders, als der Nullwert erst nach vorheriger HB ud Radiatio erreicht wurde, oder sehe ich das falsch?

Alles Gute

Wassermann

Patrick
05.12.2006, 22:12
Hallo Ilse-Doris,

a) R1 bedeutet noch nicht das sich ein Rezidiv bilden muß ! Es besteht halt
ein höheres Risiko.

b) Sollte es zu einem PSA-Anstieg kommen, kann man zu 99 % die Quelle
sehr genau eingrenzen.. ( halt das R1-Areal )

c) Eine der negativsten Folge der Bestrahlung ist die fast immer nach einer
gewissen Zeit eintretene Impotenz.
Nun konnte bei deinem Mann leider nicht nerverhaltend operiert werden
sodaß dies ja wohl schon eingetreten ist und man aus diesem Grunde
eine Bestrahlung nicht mehr ablehnen sollte.

d) Die Nebenwirkungen von heutigen Strahlentherapien sind nicht zu ver-
harmlosen aber auch nicht zu übertreiben ! Dafür stehen heute - zum
Glück wirklich hervorragende Apparate zur Verfügung.

Ich kann sagen, das ich bei meiner Strahlentherapie mit insg. fast 72 Gy
während der Behandlung und auch danach bis auf das Potenzthema
keinerlei Nebenwirkungen hatte / habe.

Ilse-Doris,
meine Meinung deckt sich mit einigen anderen hier. Momentan noch abwarten, aber sollte sich bei der PSA-Kontrolle ein Anstieg herausstellen
sofort bestrahlen.

Viel viel Glück für Euch und eure Entscheidung !

P.

Helmut
05.12.2006, 22:23
Hallo Ilse-Doris,

war - nach RPE im Januar diesen Jahres - in ähnlicher Situation (s.Profil). Musste allerdings wegen Harnröhren- und Enddarmproblemen den schon mehrmals feststehenden Bestrahlungstermin platzen lassen. Hatte deshalb auch genügend Zeit um mich weiter durch das bps- und KISP-Forum zu "wühlen" und habe dann, nach Rücksprache mit dem KH, meinem Uro und natürlich auch meiner Familie den Entschluss gefasst, meine Lebensqualität nicht noch weiter zu mindern und mich für Zuwarten und regelmäßige Kontrolle des PSA-Wertes entschieden. Im übrigen ist mein PSA-Wert nach
der OP (0,009 ng/mg 8 Wochen danach) in den niedrig normalen Bereich abgefallen, in dem wohl auch andere mit diesem Wert zu finden sind, die dauerhaft tumorfrei sind. Auch aus diesem Grund sah ich letztendlich keinen Grund zur Eile. Ich wünsche Euch für eure Entscheidung alles Gute.

Es grüßt
Helmut

Michael
06.12.2006, 00:34
Bei Michael liegt der Fall vielleicht doch etwas anders, als der Nullwert erst nach vorheriger HB ud Radiatio erreicht wurde, oder sehe ich das falsch?
Wassermann

Ich wurde am 2. Febr. 2004 operiert, danach lag das PSA am 20.02.04 bei 0,00, am 17.03.04 bei 0,00 bis zum 21.7.04 auch 0,00.
Die Bestrahlung begann am 3.5.04 also als mein PSA-Wert schon 3 Monate 0,00 betrug. Das nur zur Infomation.
Michael

wassermann
06.12.2006, 09:38
Danke, Michael, für die Richtigstellung.

Das habe ich deinem Profil wohl falsch entnommen.

Alles Gute dir!

Wassermann

ArminH
06.12.2006, 12:01
Ich wurde im Jahr 2000 in einer "berühmten" Klinik in Berlin totaloperiert. Mir hat niemand die Endergebnisse kommentiert oder erklärt, auch mein "nachsorgender" Urologe nicht! Ich wusste also überhaupt nicht, was die Abkürzungen, also auch R1 bedeuten.
Auch hat niemand von einer evtl. Bestrahlung gesprochen.
Erst durch unsere beiden Foren (jetzt also nur noch dieses) habe ich mich sachkundig machen können und danach den Urologen gegen einen Onkologen ausgetauscht.
Bei diesem lasse ich mich aller 3 Monate untersuchen, seitdem, also fast 6 Jahre PSA >0.01. Mein Onkologe meint, eventuell habe ich nicht R1, sondern R0 gehabt.
Wenn aber der Pathologe nach der Operation an den Schnitträndern Krebszellen gefunden hat, wo sind die dann hin? Schlummern die nur (ständige Rezidivgefahr!)? Oder sind die verkümmert, gestorben, also nicht mehr da?
Wer weiß etwas darüber?

Mit Gruß an alle Mitbetroffene
Armin

Michael
06.12.2006, 13:23
Hallo ArminH,
freue Dich einfach über den status quo.
Vielleicht ist auch Dein Immunsystem mit den verbliebenen PK-Zellen gut fertiggeworden, denn dafür haben wir es eigentlich.
Alles Gute
Michael

wassermann
08.12.2006, 10:43
Hallo,
ich möchte lediglich die Auskunft, die mir mein Operateur bei der Erläuterung des pathologischen Berichts gegeben hat, weitergeben:
" Etwa 50 % der R1 Patienten erleiden ein Rezidiv. Nicht zuletzt, um den OP-Erfolg (Kontinenz, Nervschonung) nicht zu gefährden, sollte man erst reagieren, wenn Anzeichen für ein Rezidiv auftreten, z.B. ungenügender PSA-Abfall bzw. -Wiederanstieg."
In der Situation des Mannes von Ilse-Doris kann man schon gelassen abwarten, ohne nachlässig zu sein.

Alles Gute

Wassermann