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Thema: 17 Jahre

  1. #1
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    17 Jahre

    Im Mai vor 17 Jahren - im Mai 2000 - erhielt ich die Diagnose Prostatakrebs.

    Dieses "Jubiläum" ist für mich immer wieder Anlass, Bilanz zu ziehen, um die Gegenwart zu bewerten und die Zukunftschancen einzuschätzen.

    Leider hat sich meine Situation massiv verschlechtert. Ich kann kaum mehr laufen, komme nicht mehr aus dem Haus, bin inkontinent und als schwer behindert eingestuft.

    Ich schreibe diese Zeilen nicht, um mein Schicksal zu beklagen, sondern vielmehr, um meine Wertvorstellungen zum Thema Selbstbestimmung zu schildern, die im Übrigen auch von meiner Frau uneingeschränkt vertreten werden.

    Ich bin bald 88, habe ein erfülltes Leben hinter mir und akzeptiere meine Endlichkeit. Aber der Erhalt der Selbstbestimmung hat für mich absolute Priorität und ist mir deutlich wichtiger als weitere Lebensdauer. Deshalb wehre ich mich dagegen, den weiteren "natürlichen Ablauf" schicksalsergeben hinzunehmen.

    Die Natur betreibt einen unvorstellbaren Aufwand, um neues Leben zu schaffen, aber sie hat keine Vorsorge getroffen, um das "gelebte" Leben würdig zu beenden. Das Individuum verliert nach Erfüllung seiner biologischen Aufgabe seine Bedeutung und wird gnadenlos dem Verfall preisgegeben. Wie bereits früher berichtet, sehe ich im Verzicht auf Essen und Trinken eine praktikable Methode, diesem Schicksal zu entgehen.

    Auch sehe ich in allen vorhandenen Mängeln und Schwächen Bausteine für den laufenden Sterbeprozess!

    Viele Grüße
    Helmut

  2. #2
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    Helmut, mit deinem Bericht hast du mich perönlich aufgebaut. Bei mir wurde der Krebs mit 66 festgestellt. Nach OP und Bestrahlung lasse ich mir jetzt einen künstlichen Schließmuskel einsetzen. Wenn ich wie du 17 Jahre noch hier schreiben kann habe ich auch mein Leben lange genug geniesen können. Irgendwann gehört der Tod zum Leben.

  3. #3
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    Zitat Zitat von helmut (i)
    Die Natur betreibt einen unvorstellbaren Aufwand, um neues Leben zu schaffen, aber sie hat keine Vorsorge getroffen, um das "gelebte" Leben würdig zu beenden. Das Individuum verliert nach Erfüllung seiner biologischen Aufgabe seine Bedeutung und wird gnadenlos dem Verfall preisgegeben.
    Lieber Helmut,

    eben war ich noch einmal am Grübeln, ob ich nicht doch noch einmal versuchen sollte, Dich von einer möglicherweise fatalen Fehlentscheidung fernzuhalten oder nicht besser einfach im Hintergrund als stiller Mitleser zu verharren.

    Dein allzeit vorbildhaftes Verhalten in diesem Forum hat es aber verdient, dass man Dir Gehör schenkt. Ob man nun der Natur oder möglicherweise bei gläubigen Menschen dem lieben Gott im Himmel einen Vorwurf machen sollte, dass die oder er versäumt haben, Menschen ein würdiges Ableben ohne Dahinsiechen zu ermöglichen, ist ein heikles Unterfangen. Irgendwelche eher hirnrissige Tröstungen im Sinne von, es wird schon wieder werden, sind längst fehl am Platz.

    Du hast mitbekommen, wie wenig Mitgefühl, Anerkennung oder sogar Zustimmung man bekommt, wenn man mal so etwas wie eine Rückbesinnung auf einen erfolgreichen Kampf wider PCa formuliert.

    Deinen Verdruss wird niemand mehr lindern können. Zumindest ich wünsche Dir und Deiner Frau, dass irgendwo ein Lichtlein brennt, das Euch gemeinsam Abschied nehmen lässt, wenn Ihr das so beschlossen habt.

    Herzliche Grüße

    Harald


    "Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen"
    (Aristoteles)

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