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Thema: Hormonentzugstherapie, ich erkenne meinen Partner nicht mehr wieder!

  1. #1
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    Hormonentzugstherapie, ich erkenne meinen Partner nicht mehr wieder!

    Hallo zusammen, ich bin verzweifelt. Mein Partner hat im Mai seine Prostata OP gehabt, Bestrahlung ist nun mittlerweile abgeschlossen und er befindet sich seit 4 Monaten in der Hormonentzugstherapie!
    Wir leben nicht zusammen und er zieht sich immer weiter zurück! Zuneigung geht von seiner Seite nicht mehr. Er kann mich wenn überhaupt nur einmal die Woche ertragen! Er ist sehr wechselhaft in seinen Launen und kann mir nicht mitteilen das er mich liebt! Er sagt alles wird gut wenn die Therapie beendet ist und es hätte sich nichts von seiner Seite mir gegenüber geändert. Ich weiß nicht wie ich mich verhalten soll! Sind auch erst seit 1,5 Jahren zusammen. Also bei Befund noch kein Jahr zusammen gewesen! Ich liebe ihn so sehr das ich trotz allem bleibe und auch die Konsequenz der op , sprich Impotenz im Kauf nehme! Nur ich fühle mich oft gekränkt und vorm Kopf gestoßen! Er ist öfter sehr ungerecht.... wie geh ich am besten damit um? Allein schon um ihm kein Stress auszusetzen?

  2. #2
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    Hallo Yvonne,

    eine schwierige Situation. Dein Freund ist offenbar sehr schwer erkrankt und macht sich Sorgen wie es mit ihm weitergeht. Eine Hormontherapie führt auch oft zu Depressionen. Ausserdem fragt er sich wahrscheinlich, wie er impotent eine Beziehung weiter gestalten kann.

    An Uni-Kliniken gibt es Psychologen, die sich auf die Betreuung von Krebskranken spezialisiert haben. Es gibt auch Paartherapeuten, die hier helfen können. So wie Du schreibst, habe ich Zweifel ob Dein Freund dazu bereit ist. Es ist aber nicht möglich die Probleme zu lösen, wenn man nicht offen darüber sprechen kann. Das gelingt mit externer Hilfe.

    Hat Dein Freund gesagt, wie lange die Hormontherapie dauern soll? Das kann über zwei Jahre sein. Danach wird man sich weiter Sorgen machen, wie es weitergeht. Für immer geheilt ist nicht sicher. Eine Beziehung braucht eine offene Kommunikation. Darauf zu warten, dass die Hormontherapie endet ist, glaube ich, keine Lösung.

    Georg

  3. #3
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    Hallo Yvonne,

    dazu ist natürlich aus der Ferne nicht so leicht was zu sagen.
    Dein Partner hat ein hartes Jahr hinter sich: Krebsdiagnose, OP, Bestrahlung, und nun noch Hormonbehandlung.
    Wer das nicht selbst erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie dadurch das ganze Leben und auch die Psyche durcheinander gerät.
    Man muss sich mit dem Tod auseinandersetzen, mit der Krankheit, mit der Impotenz, mit dem Sinn des Lebens, das nun plötzlich endlich erscheint, auch wenn es noch viele Jahre weitergehen kann.
    Dazu die Veränderungen im Hormonhaushalt, die über viele Wege auch die Psyche beeinflussen.
    Ihr kennt euch noch nicht lange, habt noch nicht viel Sicherheit, auf der ihr aufbauen könnt.
    Vielleicht hat er Angst, dich zu verlieren? Vielleicht macht ihm die Impotenz zu schaffen? Vielleicht hat er Depressionen?
    Es ist eine echte Belastungsprobe für euch. Es klingt, als wüsste dein Partner, wie schwer es mit ihm ist zur Zeit und als wolle er dich deshalb nur einmal pro Woche "ertragen". Wobei vielleicht du es bist, die ihn erträgt.
    Du brauchst jetzt gute Nerven. Sei für ihn da, aber dräng dich nicht auf. Versuch mit ihm über alles zu sprechen, was ihn bewegt. Versuch ihm emotional Kraft zu geben.
    Gib ihm ein wenig "Narrenfreiheit", damit er seine Gefühlsschwankungen nicht unterdrücken muss. Es hat ja nichts mit dir zu tun, nimm es nicht persönlich.
    Du entscheidest, wo für dich die Grenze zur Selbstverleugnung ist. Wie weit du seine Launen und Ungerechtigkeiten erträgst oder nicht (Stress hat er sowieso).
    Es wäre schön, wenn du das wettmachen könntest, was er zur Zeit nicht zu geben in der Lage ist. Wenn du ihn liebst, kann das gelingen.
    Ich wünsch euch beiden viel Kraft!
    Detlef

  4. #4
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    Hallo Georg,
    die Hormonentzugstherapie endet Ende des Jahres! Er hat diesen Monat seine letzte 3 monatsdepot Spritze bekommen!
    Er hat seinen Arzt angesprochen bezüglich seines Verhaltens, es sei normal und würde sich nach absetzen der Therapie geben!
    Ich weiß nur manchmal nicht ob ich mehr Aufmerksamkeit aufbringen oder mich besser zurück ziehen und ihn auf mich zukommen lassen soll... er ist öfter auch verletzend und Entschuldigen kann und möchte er sich nicht! Er sagt das er nicht depressiv wäre und Hilfe außerhalb möchte er nicht in Anspruch nehmen! Es gibt Tage da meldet er sich garnicht.
    Wenn er mir nicht soviel bedeuten würde könnte ich das nicht aushalten soviel steht fest! Nur was macht man? Rücksicht auf alles nehmen? Und schlucken? Oder auch eigene Bedürfnisse versuchen durch zusetzen? Er kann mich kaum anfassen, geschweige küssen oder was anderes! Ich vermisse seine Nähe so sehr und bisher stecke ich komplett zurück! Deswegen bin ich hier, glaube langsam selbst depressiv zu werden! Kann kaum noch schlafen geschweige ordentlich meine Gedanken sortieren. Er meint ich wäre nicht betroffen und redet nur sehr selten über seine Ängste...

    Gruß
    Yvonne

  5. #5
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    Hallo Detlef,

    ich denke er hat viele Ängste und macht das komplett mit sich aus! Wir hatten vor der Op ein sehr ausgefülltes sexual leben, das sieht er auch als Problem, er meint ich müsste unzufrieden sein, was garnicht der Fall ist! Andere Dinge sind wichtiger! Er hat öfter angedeutet das er sich zurück zieht um mich nicht zu schaden, aber ich kann sehr schlecht damit umgehen. Verstehe nicht das er dann bösartig wird und plötzlich jeglichen Kontakt abblockt, das tut dann sehr weh! Auch wenn es für ihn schadensbegrenzung ist! Ich versuche seinen jeweiligen Bedürfnissen nachzukommen! Sehen, ja bin da! Kein Kontakt ok bin weg! Das auf und ab ist aber wirklich sehr anstrengend und verlangt extrem viel ab! Nur ich versuche das alles zu verstehen! Er sagt für ihn gibt es mich zur Zeit nicht wirklich, nur ihn und sein Krebs! Mein Stellenwert hätte sich nicht geändert bei ihm nur er könnte grade nicht, meinen Bedürfnissen nachkommen, selbst so alberne Kleinigkeiten wie Smileys sind für ihn überhaupt nicht umsetzbar! An guten Tagen ruft er mich öfter an, dann wiederum gibt es Tage mit absoluter Funkstille.

    Gruß Yvonne

  6. #6
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    Hallo Yvonne,
    dein Freund scheint zu den Männern zu gehören, die Krisen mit sich allein ausmachen.
    Es scheint, dass du mit deinen Bedürfnissen (anfassen, küssen, reden...) im Moment eher eine Belastung für ihn darstellst.
    Er hat öfter angedeutet das er sich zurück zieht um mich nicht zu schaden,
    Das bestätigt meine Vermutung, dass er weiss, wie schwierig es zur Zeit mit ihm ist. Gut, dass er seinen Arzt darauf ansprach, es ist ihm also bewusst.
    Es kann besser sein, sich gar nicht zu begegnen, als seinen Partner oder seine Partnerin mit allen negativen Gefühlen und Gedanken zu konfrontieren. Er hat wohl Angst, dass er dir eine Last ist und weicht deshalb lieber aus.
    Er sagt für ihn gibt es mich zur Zeit nicht wirklich, nur ihn und sein Krebs!
    Er hat mehr als genug damit zu tun, sich selbst wieder auf die Reihe zu kriegen. Ich kenne nicht die Einzelheiten seiner Krebserkrankung, aber die Behandlungsfolge OP, Bestrahlung, Hormontherapie lässt auf einen aggressiven, fortgeschrittenen Krebs schliessen. Wie alt ist dein Partner? Wie ist seine Prognose? Krebs ist immer noch eine tödliche Bedrohung, auch an Prostatakrebs sterben jährlich ca. 13.000 Männer.
    Da sind Smileys wirkliche "alberne Kleinigkeiten", für die man keinen Sinn hat.
    Die Zurückweisung, die du erfährst, tut weh, das verstehe ich. Nochmal: Nimm es nicht persönlich. Gib ihm Zeit. Allein die Impotenz kann einen sexuell aktiven Mann bis ins Mark seiner Identität erschüttern.
    Du willst ihm helfen, liebst ihn und wirst zurückgewiesen. Ja, das verlangt extrem viel ab, da hast du recht. Versuche zu verstehen, in welchem inneren Aufruhr er ist.
    Weiss er von diesem Forum? Es wäre eventuell eine Möglichkeit für ihn, mit seiner Krankheit umgehen zu lernen. Hier ist er unter gleichen, die ihn verstehen.
    Ich glaube, je besser es dir gelingt ihn zu verstehen, desto besser kommst du auch mit der Situation klar.

    Gruß
    Detlef

  7. #7
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    Hallo Detlef,

    seine Prognose steht zur Zeit recht gut! Es wurden bei der op in den lymphknoten was gefunden, der Ganzkörperscreening verlief sehr gut, nichts weiter zu finden! Der PSA wert ist nicht mehr messbar. Bestrahlung abgeschlossen und Hormonentzugstherapie sechs Monate . Er hat diesen Monat seine letzte Depotspritze bekommen. Er ist 48 Jahre alt.... Januar Abschlussuntersuchung.

  8. #8
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    Moin Yvonne,

    dann habt ihr doch gute Aussichten, dass sich in absehbarer Zeit alles wieder einigermassen normalisiert.
    Wenn der Krebs besiegt ist, die Hormone wieder normal sind, der Schock überwunden ist, dann könnt ihr wieder zueinander finden.
    Und dann wird er vielleicht erkennen, wie schwer auch für dich diese Zeit war, und wird dir dankbar sein, dass du bei ihm geblieben bist und bleibst, und dass du seine Launen ertragen hast.
    Jede Krise, die ihr meistert, bringt euch einander näher und verbindet euch.
    Viel Kraft und Liebe für euch beide!

    Detlef

  9. #9
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    Vielleicht hilft dir das: Meiner Frau gings schon vor Jahren genau so als mein Tumor im Kopf operiert wurde. Ein halbes Jahr war ich nicht zu geniesen da ich ja nicht einmal Autofahren konnte da halbseitig gelähmt. Ich hab das späer selbst eingesehen und wir haben alles wieder nachgeholt und es hat uns aneinandergeschweißt. Jetzt nach der Prostata Op habe ich selber gewußt das ich nicht mehr so reagieren soll.

  10. #10
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    Vielleicht sagst Du ihm auch mal, dass er nicht glauben soll, dauerhaft auf Sex verzichten zu müssen. Selbst wenn die Nerven bei der OP durchtrennt wurden, gibt es nach de Ende der Wirkung seiner Hormontherapie noch Möglichkeiten.
    Vielleicht möchte er sich deshalb dir ersparen, weil er sich das nicht vorstellen kann.

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