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Thema: Was sagt man zu einem Krebspatienten (besser nicht)

  1. #11
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    Zitat Zitat von Muggelino Beitrag anzeigen
    ...Das ist martialisch, das ist Krieg.
    Freilich macht das nur Sinn, wenn eine Chance besteht, diesen Kampf zu gewinnen - und sei sie noch so klein...
    Detlef,
    das kann ich natürlich auch nachvollziehen und wünsche Dir, dass Du Deinen Kampf erfolgreich führen wirst. Kannst Du Dir dafür nicht auch vorstellen, dass die Perspektive für jemanden, der die Chance nie hatte eine andere sein kann? Was nicht heißen sollte nichts mehr unternehmen als ein genussvolles Leben zu führen! Ich beispielsweise plage mich nun schon 9 Jahre mit einer palliativen Situation (wg. Knochenmetastasen) herum. Für mich ist es mehr Weg als Kampf und gute Ratschläge von Leuten, die diese Situation gar nicht nachvollziehen können ertrage ich mit zunehmender Gelassenheit. Und Angst macht mir diese Situation schon lange nicht mehr.
    if nothing's fails, it's not real life

  2. #12
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    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Ich beispielsweise plage mich nun schon 9 Jahre mit einer palliativen Situation (wg. Knochenmetastasen) herum. Für mich ist es mehr Weg als Kampf und gute Ratschläge von Leuten, die diese Situation gar nicht nachvollziehen können ertrage ich mit zunehmender Gelassenheit. Und Angst macht mir diese Situation schon lange nicht mehr.
    Oh je Andi. Darf man erfahren, wie deine Ausgangssituation und und was du bisher mit welchem Erfolg unternommen hast. :-) Leider steht ja nix in deinem Profil.

    BG
    Christine

  3. #13
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    @Muggelino
    Wenn hier einer kämpft, so ist es Dein Immunsystem, daß diese heroische Aufgabe innehat gemäß dem Naturprinzip: "Fressen und Gefressenwerden"
    Und dieses Immunsystem sollte man bestmöglich unterstützen so gut es im Einzelfall wie auch immer geht.
    Und dann ist da noch so ein geflügeltes Wort "Glaube versetzt Berge".. https://www.youtube.com/watch?v=CVB4Jws4-GM
    Ansonsten, wie schon gesagt, Kopf frei machen von dieser Krebs-Büberei

    Gruss in die Runde
    WJ

  4. #14
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    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Kannst Du Dir dafür nicht auch vorstellen, dass die Perspektive für jemanden, der die Chance nie hatte eine andere sein kann?
    Doch Andi, das kann ich mir vorstellen. Aber: prepare for the unexpected!
    Und kämpfst nicht auch du auf eine Art? Gegen Nebenwirkungen, gegen Schmerzen vielleicht? Für mehr Jahre? Durch das Lesen von Studien?
    Für mich ist es mehr Weg als Kampf und gute Ratschläge von Leuten, die diese Situation gar nicht nachvollziehen können ertrage ich mit zunehmender Gelassenheit. Und Angst macht mir diese Situation schon lange nicht mehr.
    Wissen denn die Leute von deiner Situation? Verstehen sie den Unterschied? Ich komme sehr gut klar mit Leuten, die selbst Krebs hatten. Die wissen sofort, wovon ich spreche.
    Bei den anderen heisst es schon manchmal, einem Blinden von Farbe zu erzählen, da hast du recht.
    Alles Gute auf deinem Weg!

  5. #15
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    @Wolf: unser Problem ist leider, dass die Tumorzellen dem Immunsystem entkommen. Man versucht ja jetzt mit den neuen Immuntherapien, dem körpereigenen Immunsystem beizubringen die Tumorzellen wirksam zu bekämpfen. Bis jetzt nur mit Teilerfolgen und erheblichen Nebenwirkungen.

    Georg

  6. #16
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    Zitat Zitat von Wolfjanz Beitrag anzeigen
    @Muggelino
    Wenn hier einer kämpft, so ist es Dein Immunsystem, daß diese heroische Aufgabe innehat gemäß dem Naturprinzip: "Fressen und Gefressenwerden"
    Und dieses Immunsystem sollte man bestmöglich unterstützen so gut es im Einzelfall wie auch immer geht.
    Ja, und das ist auch manchmal ein Kampf. Gegen den inneren Schweinehund, wenn ich viel lieber auf der Couch bleiben als joggen gehen will. Gegen die Versuchung, all die leckeren Sachen zu essen, die meinem Körper aber nicht gut tun würden.
    Gegen die Angst vorm nächsten PSA-Test, vor der Zukunft, vor dem Ende. Gegen alle Leute und Dinge, die mir Stress bereiten. Gegen Depression und Hoffnungslosigkeit. Gegen die Macht statistischer Wahrscheinlichkeiten. Gegen die eigene Uninformiertheit aufgrund mangelnden Wissens.
    Und der Glaube, der Berge versetzt, will auch erst mal erarbeitet werden. Der wurde mir auch nicht in die Wiege gelegt.

    Detlef

  7. #17
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    Hallo zusammen,

    Andi hat hier ein sehr interessantes und - wie ich finde - differenziert zu diskutierendes Thema erstellt.
    Mir persönlich sind die Sichtweisen zum Teil mit zuviel Selbstmitleid belegt. Unheilbarer und tödlich endender Prostatakrebs ist keine schöne Perspektive, insbesondere wenn man noch jünger ist, teilweise noch voll im Berufsleben steht und die persönlichen Lebensvorstellungen völlig über den Haufen geworfen werden. Bevor man von der Erkrankung getroffen wird, kann man sich nur schwer in eine solch belastende Situation hineinversetzen. Nachdem es mich selbst getroffen hatte, bekam ich einen neuen Zugang zum Verständnis von lebensbedrohenden - besser existenzbedrohenden - Situationen.

    Ich glaube, es gibt viele existentielle Notlagen, sei es eine Erkrankung, ein Unfall oder auch ein sozialer Niedergang, bei denen man als "Außenstehender" verunsichert ist und nicht so richtig weiß, wie am besten mit einem Betroffenen zu kommunizieren sei. Dafür gibt es auch kein Patentrezept, denn jeder Leidtragende tickt anders. Das Spektrum der Verarbeitung eines "Supergau" hat viele Ausprägungen (von - bis): absolute Verdrängung - ständiges Befassen, überzogener Optimismus/Euphorie - völliger Pessimismus/Apathie, Hyperaktivität/Aktionismus - Inaktivität/Lethargie, erhöhtes Mitteilungsbedürfnis - Ablehnung von Kommunikation, übersteigerter Drang nach sozialen Kontakten - soziale Isolation, ...,.
    Resultierend hieraus, dürfte es schwierig sein, die Frage nach "Was sagt man einem Krebspatienten (besser nicht)?" zu beantworten, denn je nachdem wie ein Betroffener seine existenzielle Bedrohung gerade individuell verarbeitet, können die an ihn gerichteten Worte eines "Außenstehenden" hilfreich oder aber auch total daneben sein.

    Aus einem Bauchgefühl dieser Erkenntnis heraus entspringt dann wohl auch die unverfängliche oberflächlich erscheinende Frage an einen Schwerkranken bzw. vom Schicksal Gebeutelten - "Wie geht es dir?".
    Je nach darauf folgender Antwort, versucht der "Außensehende" die Lage einzuschätzen und mit ihm ins Gespräch zu kommen oder eben auch nicht.

    Natürlich sind Äußerungen/Fragen wie "Kopf hoch!", "Wie geht's dir?", "Du schaffst das schon!", "Ach bist du arm dran!", "Du darfst dich nicht aufgeben!", "Da mußt du durch!" zum Teil auch reine und situativ unangebrachte Floskeln.

    Ich finde es allerdings für einen "Außenstehenden" nicht immer ganz so einfach, die richtigen Worte im Umgang mit Menschen in einer lebensbedrohlichen/existenzbedrohenden Ausgangslage zu finden. Ich sage dies aus der Perspektive eines selbst Betroffenen heraus, der in der Zwischenzeit das Management seiner Lebenssituation gelernt hat und eben auch erkannt hat, in Abhängigkeit von Schmerzen, Nebenwirkungen und sonstigen Beinträchtigungen, nicht jeden Tag/jede Woche/jeden Monat gleich zu empfinden/zu denken/zu handeln. Insofern nehme ich es meinen Freunden/Bekannten und auch anderen Leuten nicht krumm, wenn sie - aus meiner jeweiligen situativen Wahrnehmung - mit ungeeigneten Ratschlägen, floskelhaften Äußerungen und oder einfach unpassenden Worten an mich herantreten. Auch wenn jemand die Straßenseite wechselt oder so tut, als würde er mich nicht bemerken/erkennen, nur um nicht mit mir reden zu müssen, habe ich dafür in der Zwischenzeit Verständnis - die Leute handeln wohl so aus einer eigenen Unsicherheit heraus.

    "Kämpfen" im Sinne von 'das Beste aus der verbleibenden Lebenszeit zu machen', würde ich jedem empfehlen.
    Ansonsten, ein bisschen weniger männliche Larmonyanz täte uns schwerbetroffenen PCa'lern gut, es gibt durchaus noch viele andere Lebenssituation, die ähnlich - oder sogar noch mehr - bedrohlich und beklagenswert erscheinen.

    Klar ist es nicht schön aus dem Munde eines Anderen empathielose unpassende Sätze zu hören, der Weltuntergang sollte dies jedoch nicht sein und gelegentlich trifft man ja auch auf Menschen die den richtigen Ton treffen.

    Roland
    Lerne mit Deinen Beschwerden zu leben, versuche gelassen zu bleiben und gehe friedvoll mit Deinen Mitmenschen um - dann hast Du schöne Tage.

  8. #18
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    Ich möchte nur einmal wissen ob einer diese Floskeln schon mal selbst gehört hat. Das kann doch höchstens sein wenn man selber vor anderen jammert, oder. Bei mir ist die Op 2,5 Jahre her auch eine Bestrahlung hatte ich schon meine Bekannten wissen das alle, aber irgend eine solche Bemerkung habe ich noch nie gehört. Aus welchen Büchern habt ihr das ?

  9. #19
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    Wir alle wissen, dass es zum höflichen Ton gehört, "wie gehts" zu fragen, wenn man einen Bekannten schon eine Weile nicht mehr gesehen hat. Nur wenige fangen dann das Jammern an, wenn es ihnen mal nicht so gut geht. Üblich ist dann aber zu sagen:"Mir gehts gut und bei Dir so hoffe ich, ist auch alles im grünen Bereich."
    Nur wenige nehmen solche "Höflichkeitsfloskeln" zum Anlass ihre Krankengeschichte breit zu treten. - Das gibts aber auch. - Allerdings würde ich mich dann nicht wundern mit den oben genannten Ratschlägen bombardiert zu werden. Solche Nachteile sollte man eben inkauf nehmen, wenn man seine Erkrankung öffentlich macht.

    Vollständige PK-Historie seit 2005 bei
    myProstate.eu
    Menschen sind Engel mit nur einem Flügel.
    Sie müssen sich umarmen um fliegen zu können.



    (Luciano de Crescenzo)

  10. #20
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    Zitat Zitat von Michi1 Beitrag anzeigen
    Ich möchte nur einmal wissen ob einer diese Floskeln schon mal selbst gehört hat. Das kann doch höchstens sein wenn man selber vor anderen jammert, oder. Bei mir ist die Op 2,5 Jahre her auch eine Bestrahlung hatte ich schon meine Bekannten wissen das alle, aber irgend eine solche Bemerkung habe ich noch nie gehört. Aus welchen Büchern habt ihr das ?
    Lieber Michi,

    in deiner Welt scheint es viele Themen und Probleme die hier diskutiert werden nicht zu geben, d.h. aber noch lange nicht, dass sie nicht existieren.

    Gruß Roland
    Lerne mit Deinen Beschwerden zu leben, versuche gelassen zu bleiben und gehe friedvoll mit Deinen Mitmenschen um - dann hast Du schöne Tage.

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