Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 15

Thema: Befund vorhanden, welche Entscheidung?

  1. #1
    Registriert seit
    16.01.2018
    Beiträge
    2

    Befund vorhanden, welche Entscheidung?

    Hallo liebe Mitglieder!

    Meine Diagnose: PSA 7,9 Gleasonscore nach gezielter perinealer Fusionsbiopsie 4+3 (7), Tumorstadium T2a, keine Kapselüberschreitung, Prognosegruppe 3
    Alter 69, bester Allgemeinzustand, 60 Jahre lang Sport betrieben (Windsurfen, Schilauf, Mountainbiken, Tennis u.v.m.) prognostizierte Überlebenszeit bei Abwarten 5-7 Jahre

    empfohlene Therapie: Prostatektomie (Da Vinci)
    Ich habe wahnsinnige Angst vor Inkontinenz, Impotenz wäre noch verkraftbar. Bestrahlungen haben angeblich schlimme Spätfolgen.

    Wie lange kann ich mit der OP noch warten, ohne ein Risiko eines aggressiven Tumorfortschritts einzugehen?

    LG Fritz944

  2. #2
    Registriert seit
    28.11.2017
    Ort
    Zürich
    Beiträge
    95
    Hallo Fritz,
    ich bin 52, habe einen PSA von 12 eine Gleasonscore von 8 (4+4) und einen (3+5) Prognosegruppe 4, T3a. Mir sagte man auch wenn ich nichts mache 3 bis 7 Jahre bis es losgeht. Vorschlag vom Tumorboard, radikale Prostatektomie leider nicht nervenschonend möglich da 2 der 14 Tumorherde Kapselüberschreitend sind oder Perikutane Bestrahlung. 33 Sitzungen jeden Werktag. Alle drei Ärzte meine beide Verfahren sind gleich kurativ also gleich gut. Bei der Bestrahlung können die aber müssen die Nebenwirkungen eben erst nach Jahren auftreten. Dabei war die Rede von 5 bis 10 Jahren oder länger. Nun du bist 69, das wäre für mich bei deinem Gleasonscore 4+3 die richtige Entscheidung. Ich vermute einen PSMA PET / CT wurde nicht gemacht oder angesprochen da niemand befürchtet das dein Krebs metastasiert hat oder?
    Wenn ich du wäre, würde ich noch ein wenig warten, den PSA weiter alle 3 Monate beobachten ob sich was ändert. Wie hier viele bereits vorher gesagt haben die Richtlinie für Prostata Krebs in dem gelben Link (Findest du oben) ist eine sehr gute Lektüre. Aber mach dich nicht verrückt, du hast Zeit dich ordentlich zu informieren, einzulesen, zu verstehen und zu überlegen

    Nachtrag: Bestrahlung hat die selben Nebenwirkungen wie die OP. Während der Bestrahlung kann die Schleimhaut der Blase und Enddarm gereizt werden, das ist aber bei den meisten temporär und langfristig kann es in der Tat zu Impotenz führen und zu einem veränderten Harndrang. Natürlich können ca. 2% einen weiteren Strahlenkrebs entwickeln. Das bestrahlte Gewebe kann sich auch verändern, wie zum Beispiel verhärten etc. Aber jetzt nichts was nicht in den Griff zu bekommen wäre. Meistens wird eine Bestrahlung mit einer Hormon Therapie begleitet. Erkundige dich hier mal genau bitte bei einem entsprechenden Arzt. Die Urologen wollen immer operieren und natürlich auch mit Da Vinci, bringt sehr viel Geld. Die Radiologen wollen dafür natürlich gerne Bestrahlen. Rede mit beiden und mach dir dein Bild.

    Viele Grüsse
    Eric

  3. #3
    Registriert seit
    07.06.2011
    Ort
    CH 90... Appenzellerland
    Beiträge
    4.401
    Zitat Zitat von fritz944 Beitrag anzeigen
    Wie lange kann ich mit der OP noch warten, ohne ein Risiko eines aggressiven Tumorfortschritts einzugehen?
    Lieber Fritz
    Willkommen im Club!

    Deine Frage kann niemand beantworten, denn es ist die Frage nach einer bereits
    erfolgten Metastasierung, oder eben nicht. Wenn das bis jetzt nicht stattgefunden
    hätte, wäre es wenig wahrscheinlich, dass das ausgerechnet in den nächsten
    paar Wochen passiert. Mich hat es trotz jahrelangem PSA-Früherkennungs-Programm
    erwischt; Andere werden bei ähnlicher Ausgangslage durch eine OP oder Bestrahlung
    für immer geheilt.

    Blöd ist halt, dass der Tumor in der Prostata während des Abwartens unaufhaltbar
    wächst und dabei über die Prostata hinaus wachsen könnte, etwa in die Blase,
    was dann weitreichende Konsequenzen hätte. Es geht dabei wohl nicht um ein paar
    Wochen, sondern um längere Zeiträume.

    Bei geringaggressiven Tumoren wird durchaus mal auf eine Therapie verzichtet
    und die weitere Entwicklung aktiv beobachtet, mit PSA-Messungen und Re-Biopsien.
    Dein Tumor mit Gleason-Score 4+3 ist dafür aber nicht geeignet, weil der
    aggressivere Gleason-Grad 4 überwiegt gegenüber dem wenig aggressiven Grad 3.

    Egal ob OP oder Bestrahlung:
    Du hast wohl eine Heilungschance, die Du nicht verpassen solltest.

    Carpe diem!
    Konrad
    Meine Beiträge schreibe ich als CRPCa-betroffener Laie.

    [1] Mein PSA-Verlauf graphisch auf myprostate.eu
    [2] Meine PK-Historie auf Myprostate.eu
    [3] PSA-Verlaufsanalyse 2003-2013 nach Glättli (Was ist PSA-Alert?)
    [4] PSMA-PET/CT vom 04.07.2012: Paraaortale Lymphmetastase
    [5] PSMA-PET von 08.2016 vor PSMA-RLT, danach 03.2017, sowie 05.2017

  4. #4
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    2.287
    Hallo Fritz,

    das hört sich so an wie die Beratung meines Urologen. Die Strahlentherapeuten wären brotlos wenn die Bestrahlung immer schlimme Folgen hätte. Die Prognose zum Überleben ist grob geschätzt, ich denke es wäre länger. Trotzdem ist die Zeit irgendwann um und die letzte Zeit ist nicht mehr angenehm.

    Mehrere Jahre abwarten ist leider bei einem Gleason 4+3 keine Alternative, aber trotzdem kannst Du noch drei und mehr Monate überlegen, was Du nun machen sollst. Dieser Zeitraum macht keinen Unterschied.

    Das Inkontinenzrisiko senkt man am besten in dem man die Operation in einer großen Klinik mit vielen Operationen im Jahr macht. Es ist so, dass die Erfahrung des operierenden Arztes einen großen Einfluss hat. Ein Inkontinenzrisiko ist, glaube ich, bei einer Bestrahlung etwas geringer als bei einer Operation.

    Georg

  5. #5
    Registriert seit
    10.05.2016
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    614
    Hallo Fritz,

    vielleicht hilft diese Statistik, dir ein wenig die Angst vor Inkontinenz zu nehmen: https://www.martini-klinik.de/resultate/kontinenz/
    Such dir eine Klinik mit viel Erfahrung und guten Ergebnissen.
    Ich wurde operiert und bestrahlt und bin kontinent, solange ich nicht länger als 10 Minuten auf meinem Trampolin rumspringe...
    Die Potenz ist allerdings perdu.
    Näheres unter dem link in meiner Signatur.

    Alles Gute!
    Detlef

  6. #6
    Registriert seit
    21.01.2013
    Ort
    Köln
    Beiträge
    364
    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    Hallo Fritz,

    das hört sich so an wie die Beratung meines Urologen. Die Strahlentherapeuten wären brotlos wenn die Bestrahlung immer schlimme Folgen hätte. Die Prognose zum Überleben ist grob geschätzt, ich denke es wäre länger. Trotzdem ist die Zeit irgendwann um und die letzte Zeit ist nicht mehr angenehm.

    Mehrere Jahre abwarten ist leider bei einem Gleason 4+3 keine Alternative, aber trotzdem kannst Du noch drei und mehr Monate überlegen, was Du nun machen sollst. Dieser Zeitraum macht keinen Unterschied.

    Das Inkontinenzrisiko senkt man am besten in dem man die Operation in einer großen Klinik mit vielen Operationen im Jahr macht. Es ist so, dass die Erfahrung des operierenden Arztes einen großen Einfluss hat. Ein Inkontinenzrisiko ist, glaube ich, bei einer Bestrahlung etwas geringer als bei einer Operation.

    Georg
    Lieber Georg,

    wo kommt die Erkenntnis mit 3 Monaten oder länger Warten her? Dass man sich etwas Zeit für die Einholung von Meinungen und den Entschluss zu einer Behandlungsmethode lassen kann ist schon richtig, aber ich meine, diese Aussage impliziert, dass man die Erkrankung nicht so richtig ernst nehmen muss. Außerdem...wir schreiben hier häufig über wissenschaftlich belegte Fakten, Doppelblindstudien usw. Da ist mir so eine Aussage einfach zu kurz gesprungen.
    MMn ist ein Gleason 7b eben kein "Haustierkrebs" und sollte in absehbarer Zeit behandelt werden. Will man länger damit warten, würde ich (!) für diesen Zeitraum den Tumor medikamentös in Schach halten wollen. Das allerdings macht dem Operateur eine saubere OP ohne versehentlich Resttumor übrig zu lassen nicht gerade einfacher. Auch das sollte man vor seiner Entscheidung bedenken!

    Gruß Achim

  7. #7
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    2.287
    Lieber Achim,

    mit diesen drei oder sechs Monaten ernte ich regelmäßig Widerspruch. Die meisten Betroffenen wollen dem Tumor möglichst schnell zu Leibe rücken.

    Ich orientiere mich an dieser Studie. Es wurde darin geprüft wie hoch die Wahrscheinlichkeit für ein Rezidiv nach einer Operation ist wenn kurz nach der Diagnose oder erst sechs Monate nach der Diagnose operiert wurde. Es konnte kein Unterschied festgestellt werden. Dabei hatten unter den betrachteten Patienten 60% ein mittleres Risiko wie Fritz oder sogar höher. Unser Prostatatumor wächst eben langsam.

    Georg

  8. #8
    Registriert seit
    25.10.2015
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    931
    Wenn man sich zu einer Op entscheidet hat man ja auch Wartezeit. Die kann je nachdem man das KH aussucht auch schon mehrere Monate sein. Wenn man zuvor schon abgewartet hat weiß ich nicht ob das dann noch gut ist. Ich hatte von der PSA Feststellung beim Hausarzt bis zur Op ca 3 Monate warten "dürfen". Das ist eine harte Zeit.

  9. #9
    Registriert seit
    21.06.2012
    Ort
    Raum Stuttgart
    Beiträge
    694
    Hallo zusammen,
    ich sehe es ähnlich wie Achim und erinnere an meine Einwendungen gegenüber Georgs zitierter Studie und den von ihm daraus abgeleiteten unbedenklichen Zeiträumen für die Entscheidungsfindung. https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...365#post101365

    Roland
    Lerne mit Deinen Beschwerden zu leben, versuche gelassen zu bleiben und gehe friedvoll mit Deinen Mitmenschen um - dann hast Du schöne Tage.

  10. #10
    Registriert seit
    01.05.2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.454
    Zitat Zitat von Darkdiver Beitrag anzeigen
    Hallo Fritz,
    ich bin 52, habe einen PSA von 12 eine Gleasonscore von 8 (4+4) und einen (3+5) Prognosegruppe 4, T3a. Mir sagte man auch wenn ich nichts mache 3 bis 7 Jahre bis es losgeht. Vorschlag vom Tumorboard, radikale Prostatektomie leider nicht nervenschonend möglich da 2 der 14 Tumorherde Kapselüberschreitend sind oder Perikutane Bestrahlung. 33 Sitzungen jeden Werktag. Alle drei Ärzte meine beide Verfahren sind gleich kurativ also gleich gut. Bei der Bestrahlung können die aber müssen die Nebenwirkungen eben erst nach Jahren auftreten. Dabei war die Rede von 5 bis 10 Jahren oder länger. Nun du bist 69, das wäre für mich bei deinem Gleasonscore 4+3 die richtige Entscheidung. Ich vermute einen PSMA PET / CT wurde nicht gemacht oder angesprochen da niemand befürchtet das dein Krebs metastasiert hat oder?

    Viele Grüsse
    Eric
    Bei Gleason 5-Anteilen - und seien sie auch noch so klein - habe ich oft mittelfristig ein Versagen der Strahlentherapie gesehen ....
    ----------------------------------------------------------
    Meine Kommentare stellen keine verbindliche Auskunft dar,
    sondern spiegeln meine PERSÖNLICHE Meinung und Erfahrung
    wider und können keine direkte Beratung und Behandlung
    vor Ort ersetzen

    Gruss
    fs
    ----------------------------------------------------------

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •