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Thema: 2018 ASCO Meeting Abstracts

  1. #11
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    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    nicht nur ist die Ausgangssituation bei Roland eine andere, sondern er hat auch therapeutisch mehr zu bieten. Ob ihn das gerettet hat? Wer weiß. Zumindest wird diese Studie nicht durch einen Einzelfall aus den Angeln gehoben, auch wenn man sich das zur Beruhigung persönlich noch so sehr wünschen würde.

    Meine Intention bei der Präsentation dieses Abstracts war, darauf hinzuweisen, dass eine einfache PSA Therapieüberwachung bei derartigen Patienten nicht ausreichend sein wird. Es ist zwar recht selten, aber es gibt Männer, die mit überbordender Metastasierung und einem PSA Wert von 0.9ng/ml versterben. Bis das symptomatisch wird wähnten sie sich in Sicherheit, ein fataler Fehler.
    Hallo Andi,
    du hast natürlich völlig recht mit deiner Argumentation und ich finde deine Beiträge zum ASCO Meeting 2018 sehr interessant, hilf- und aufschlussreich.

    Damals habe ich dennoch nicht gänzlich unüberlegt gehandelt.
    Bei meiner eigenen Ausgangssituation hatte ich postoperativ nach dem ersten Histologie-Bericht eine pathologische Nachuntersuchung erwirkt. Zu diesem Zeitpunkt war mein Kenntnisstand bzgl. PCa noch ziemlich limitiert. Dennoch hatte ich auf die Schnelle durch Recherche im Internet erfasst, dass meine Konstellation mit Niedrig-PSA <---> High Grade prognostisch schlecht beurteilt wurde und häufig nicht auf die üblichen therapeutischen Maßnahmen ansprach. Ärztlicherseits hätte sich darüber wohl niemand Gedanken gemacht. Die Initiative zur pathologischen Nachbetrachtung ging allein von meiner Person aus.
    Im histologischen Nachbefund wurde auf mein Drängen hin nach verschiedenen Zell-Entitäten unterschieden und der neuroendokrine Status sowie die Androgenrezeptor-Expression ermittelt. Ergebnis: sowohl Zellen azinären Ursprungs als auch duktale Komponenten vorhanden; keine neuroendokrine Differenzierung nachweisbar; der Androgenrezeptor wird von ca. 50% der azinären und ca. 80% der duktalen Karzinomkomponente exprimiert.

    Erst nach dieser pathologischen Einstufung standen für mich die weiteren Therapieschritte fest. Bei einer neuroedokrinen Entartung und einer Überexpression des AR hätte ich mir sicherlich Gedanken über einen anderen Behandlungsweg machen müssen.

    Roland
    Lerne mit Deinen Beschwerden zu leben, versuche gelassen zu bleiben und gehe friedvoll mit Deinen Mitmenschen um - dann hast Du schöne Tage.

  2. #12
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    Hallo Andi,

    die Latitude Studie schreibt:
    Patients were randomly assigned in a 1:1 ratio to receive androgen-deprivation therapy and abiraterone acetate (1000 mg daily, given once daily as four 250-mg tablets) and prednisone (5 mg daily) (the abiraterone group) or androgen-deprivation therapy and placebos (the placebo group).

    Dass die ADT+Placebo-Gruppe später noch Abiraterone erhielt, wird nicht berichtet. Es wurde im Mittel auch nur der Zeitraum von 30,4 Monaten betrachtet, da ist wahrscheinlich noch keine Resistenz eingetreten was Abiraterone erforderlich machen würde.

    Bei Stampede wird von einer "ADT-alone" Gruppe als Kontrollarm gesprochen, die teilweise auch Bestrahlung erhielt.

    Ich muss allerdings zustimmen, wenn Patienten so schwer betroffen sind, dass die Gefahr besteht, dass sie innerhalb von 30 Monaten nach der Diagnose sterben, so halte auch ich die Kombinationstherapie ADT+Abiraterone für angezeigt.

    Teilweise wird jetzt aber auch Patienten mit niedrigerem Risiko die Kombinationstherapie empfohlen, also z.B. keine Knochenmetastasen. Da würde ich wie bisher die Medikamente nacheinander einsetzen.

    Georg

  3. #13
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    Georg,
    es ist doch wohl selbstverständlich, dass Patienten, nachdem sie das Studienprotokoll durchlaufen haben, wieder nach dem Standard-of-Care behandelt werden. Die Rekrutierung bei LATITUDE lief von 2013 bis 2016, Abiraterone (Zytiga®) wurde 2013 zugelassen. Man darf also davon ausgehen, dass die Placebogruppe dann mit Verzögerung mit Abiraterone behandelt wurde. Weiterhin darf man sicher auch vermuten, dass andere, eventuell experimentelle Verfahren an ihnen erprobt wurden. Aus unterschiedlichsten Gründen werden aber auch nicht alle in einer Abiraterone Therapie enden. Ob und welches Verzerrungspotential sich daraus ergibt darf strittig bleiben.

    Teilweise wird jetzt aber auch Patienten mit niedrigerem Risiko die Kombinationstherapie empfohlen, also z.B. keine Knochenmetastasen. Da würde ich wie bisher die Medikamente nacheinander einsetzen.
    Das ist eine Wahrnehmung, die ich auch schon gemacht habe. Im Überschwang des Moments wird auch meiner Meinung nach aktuell etwas zu freizügig mit Docetaxel in frühen Stadien umgegangen. Die aktualisierten Chaarted Daten haben aber klar gezeigt, dass kein Überlebensvorteil damit verbunden ist, wenn man es bei nur geringer Metastasierung einsetzt:

    The median OS for patients with high-volume disease (n = 513) was

    • 51.2 months for those receiving combination chemohormonal therapy
    • 34.4 months for those receiving ADT alone
    • With an HR of 0.63


    For patients with low-volume disease (n = 277)

    • No OS benefit was observed
    • The HR was 1.04
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  4. #14
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    Zitat Zitat von Weibsbild Beitrag anzeigen
    Da stehe ich jetzt auf dem Schlauch... was genau hat er "therapeutisch mehr zu bieten". Dem Profil entnehme ich die gleichen Schritte... oder übersehe ich da was?
    Aus meiner Sicht gibt es drei Unterschiede:
    1. ADT mit dem GnRH-Antagonisten Degarelix (Firmagon) und damit eine schnelle sowie sehr tiefe Absenkung des Testosteronspiegels ohne sogenannte Micro-Surges (kleine Ausschläge des Testosteronspiegels nach oben bei erneuter Injektion mit GnRH-Analoga); 2. sehr schnelle Abfolge der Therapieschritte; 3. zusätzliche Dauertherapie mit Prednisolon (Decortin H 5mg) wg. anderer Erkrankung. Letzteres ist nicht in meinem Profil hinterlegt.

    Roland
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  5. #15
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    Roland,
    hast Du nicht auch eine adjuvante RT hinter Dir? Das dürfte schon viel zu Deinem jetzigen Zustand beigetragen haben. Ganz viel Glück weiterhin! Mir war das Glück auch 9 Jahre ein zuverlässiger Begleiter, aber so langsam scheint es sich zu verabschieden, nun denn.
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  6. #16
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    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Roland,
    hast Du nicht auch eine adjuvante RT hinter Dir? Das dürfte schon viel zu Deinem jetzigen Zustand beigetragen haben.
    Genau Andi, du hast wieder recht - den Unterschied Salvage-RT <---> Adjuvant-RT hatte ich gerade nicht auf dem Schirm.

    Danke dir für die Wünsche!
    Ich hoffe, dass sich deine Befürchtungen hinsichtlich des eigenen "Glücks-Status" nicht bewahrheiten und bin davon überzeugt, dass du auch weiterhin Mittel und Wege finden wirst deine Erkrankung in Schach zu halten. Dir alles Gute.

    Roland
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  7. #17
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    Die Latitude Studie ist offenbar so abgelaufen: ab Studienbeginn rekrutierte man die Patienten, die einen kamen in die Kontrollgruppe, die anderen erhielten die Kombinationstherapie. Beide wurden im Schnitt über 30,4 Monate beobachtet. Ich denke nach diesen 30,4 Monaten erhielten die Patienten bei Bedarf Abiraterone, aber für die Studie sind die Therapien und die Ergebnisse dann nicht mehr relevant.

    Bei Stampede war der Kontrollarm offenbar gemischt und nicht nur ADT, wie ich annahm. Wie ich jetzt gelesen habe schreibt James:

    They also ask whether survival gains observed in the STAMPEDE and LATITUDE trials were boosted by inadequate access to abiraterone and enzalutamide on relapse. STAMPEDE was an open-label trial in which treatments in patients with disease that had relapsed were determined by the responsible clinician. During the trial, abiraterone and enzalutamide were widely available, as were docetaxel, cabazitaxel, and radium-223. These “life-prolonging” agents have similar effects on survival among patients with relapsed prostate cancer; there is no agreed-upon single standard of care. Among the patients in the control group (i.e., patients who received androgen-deprivation therapy alone) in the STAMPEDE trial who died of prostate cancer, 74% explicitly reported that they had received one or more of these five therapies.

    Die Patienten im Kontrollarm der Stampede Studie werden fortlaufend rekrutiert und es befinden sich zu Beginn eines neuen Therapiearms im Kontroll-Arm offenbar Patienten, die viel früher diagnostiziert wurden als die neu diagnostizierten im Abiraterone Arm. Nur so kann ich mir die angegebene Zahl der ergänzenden Therapien bei den verstorbenen Patienten erklären. Das weist auf einen Bias hin.

    Auch die GETUG Studie hatte überwiegend Patienten mit geringerem Risiko als die Chaarted Studie und konnte keinen Vorteil für eine frühe Chemo zeigen. Die allgemeine Begeisterung für die Kombination von ADT+Abiraterone oder Chemo führt auch zu einer Empfehlung in der Rezidiv Situation. Das sehe ich kritisch, meist ist ein Rezidiv erstmal ohne mehrere, sichtbare Knochenmetastasen.

    Georg

  8. #18
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    Ich habe weiter über Stampede gelesen. Sobald ein neuer Arm hinzugefügt wird werden damit auch nur jene Patienten im Kontroll-Arm verglichen, die ab diesem Zeitpunkt in den Kontroll-Arm aufgenommen werden. Meine im letzten Beitrag geäußerte Vermutung war also nicht richtig.

    Die untersuchten Patienten hatten vor der Therapie im Durchschnitt einen PSA Wert von 50 ng/ml.

    Georg

  9. #19
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    Pembrolizumab for recurrent or advanced prostate cancer.

    Hintergrund:
    Zwei früher durchgeführte Phase II Studien mit 38 Patientene legten nahe, das Pembrolizumab (Pembro) auch bei Prostatakrebs (PC) wirksam sein könnte.

    Methoden:
    54 Männer mit rezidivierendem oder fortgeschrittenem Prostatakrebs wurden mit 1 bis 9 Zyklen Pembro 200mg alle 3 Wochen mit oder ohne begleitender SBRT in einer privaten, auf die Behandlung von PCA spezialisierten medizinisch- onkologischen Klinik behandelt. Die Daten wurden retrospektiv auf Wirksamkeit und Toxizität überprüft. Definitionen:

    • Therapie Ansprechen (R) => 50% PSA-Abfall;
    • Progression der Krankheit (PD) => 50% PSA-Anstieg.
    • Stabile Krankheit (SD) = keine/kaum Reaktion oder Progression.


    Ergebnisse:

    43 Männer beendeten 3 Zyklen Pembro und waren hinsichtlich der Toxizität auswertbar. Toxizität war vergleichbar mit Berichten beit anderen Krebsarten, mit 30,2% (13/43) Grad 2 oder höherer Toxizität. 31 Männer absolvierten 4 Zyklen von Pembro und waren für eine Wirksamkeitsanalyse auswertbar. Für diese 31 war der Median Gleason-Score 4 + 4 = 8. Behandlung vor Pembro war Enzalutamid (26), Abirateron (18) und Sipuleucel-t (23) und Docetaxel (20). Alle außer 4 Männern waren kastrationsresistent (CRPC). 10 Männer bekamen eine auf Metastassen gerichtete SBRT kurz vor oder während Pembro. …
    17/31 (55%) waren Responder mit 19% Therapieabsprecher und 35% Stabilisierung der Krankheit. Die Charakteristika der zwei Untergruppen R (6/31) + SD (11/31) gegenüber PD (14/31) sind in der Tabelle dargestellt.

    Schlussfolgerungen:
    Eine Stabilisierung oder ein Therapieansprechen trat bei etwas mehr als der Hälfte der Männer auf, die mit 4 oder mehr Zyklen Pembro behandelt wurden.
    Diese positiven Reaktionen waren häufiger bei Männern mit niedrigerem PSA Werten, weniger Knochenmetastasen, weniger Mutationen, weniger früherer Chemotherapien zu sehen, und es gab einen Trend zu einem größeren Nutzen bei kastrationssensitiven Stadien…



    Eigene Anmerkungen:

    Diese von Mark Scholz und Kollegen durchgeführte Studie zeigt ganz gut, was man mit den aktuellen Immun Checkpoint Blockern beim PCA ausrichten kann. Es gang ein Therapieansprechen (≥50% PSA Abfall) bei etwa 19% der Patienten, die eherwenige Knochenmetastasen hatte, kastrationssensitiv waren und parallel eine auf die Knochenmetastasen gerichtete SBRT durchführten. Das ist soweit nicht aufregend, aber auch nicht belanglos.

    Was mich noch mehr interessieren würde wäre, ob ein verstärktes therapieansprechen bei Kombination mit einer Immuntherapie zu erreichen wäre. Dazu laufen Studien, wozu diese von Scholz durchgeführte Analyse gute Basiswerte liefern könnte.
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