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Thema: Kognitive Störung

  1. #1
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    Kognitive Störung

    Eine der Nebenwirkungen des Hormonentzuges, die nicht so im Vordergrund stehen wie Hitzewallung, Muskelabbau und Müdigkeit ist ein Nachlassen der geistigen Fähigkeiten nach längerem Hormonentzug, die kognitive Störung.
    Langfristig kann sich Demenz entwickeln, event. auch Morbus Alzheimer.
    Es gibt einiges an Literatur zum Thema, z. B.:

    https://www.wissenschaft-aktuell.de/...015590237.html

    Nachdem ich in letzter Zeit einige geistige Ausfälle hatte, deren Ursache Dehydrierung war (Im Laufe meines Hormonentzuges sind die Hitzewallungen stärker geworden, ich schwitze viel, das Durstgefühl fehlt mir seit Jahren) bin ich etwas nachdenklich geworden. Das Lesen längerer Texte strengt mich seit einiger Zeit mehr an als früher und einiges vergesse ich auch wieder schnell.

    Gegen Flüssigkeitsverlust läßt sich etwas unternehmen (tägliche Trinkmenge aufschreiben) aber gegen eine mögliche (schleichende) kognitive Störung?
    Hat jemand vom Forum nach längerem Hormonentzug kognitive Störungen bei sich bemerkt und gibt es Möglichkeit dieser Nebenwirkung entgegenzuwirken ?

    Franz

  2. #2
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    Habe keine eigenen Erfahrungen mit Hormonentzug, aber mit kognitiven Störungen:

    Depressionen (eine Art Burnout) haben bei mir vor 6 Jahren solche Störungen verursacht. Ein Hormonentzug kann ja eigentlich auch den ganzen Hirnstoffwechsel durcheinanderbringen und Depressionen auslösen. Ich konnte nur noch wenige Zeilen in einem Buch lesen, kein Suduko mehr lösen und erst recht kein Schach mehr spielen.

    Je mehr ich dies an mir merkte, umso mehr verstärkten sich die Angstgefühle und Panikattacken gesellten sich dazu. Auch heute noch nehme ich Psychopharmaka, weil ich diese
    a) gut vertrage und
    b) auf keinen Fall einen Rückfall riskieren will.

    Jeder Fall ist natürlich verschieden, und ob eine Art Depression bei Dir auch mitspielt kann ich nicht beurteilen (deinem Forumnamen nach eher nicht).
    Den Erhalt kognitiver Fähigkeiten soll man auch trainieren können durch entsprechendes Üben:

    - z.B. Schach spielen. Ich hoffe, bei mir hilft es.
    - Bewegung ist immer gut für eine gute Durchblutung, auch des Hirns (aber das machst Du ja auch schon).
    - Hinzunahme von Östrogen (ist glaub umstritten, da lasse ich mich nicht auf die Äste hinaus)

    So, nun noch zum einfacheren Thema: Trinken
    Meine Frau hat auch seit Jahren kein normales Durstgefühl mehr, was wir mit zwei Methoden angehen:

    - Sie hat einen Wecker (am Armband, Wecker in der Stube) der nach 2 Stunden anzeigt, 2 dl zu trinken.
    - Am Abend; Ich bringe ihr nach dem Abendessen, nach der Tagesschau und vor dem zu-Bett gehen 2 dl Wasser

    Tritus

  3. #3
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    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Langfristig kann sich Demenz entwickeln, event. auch Morbus Alzheimer.
    Und es gibt dem widersprechende Untersuchungen [1], die versucht haben Verzerrungen zu berücksichtigen.

    ...A regression model showed no statistically significant associations between ADT use and any form of dementia. Length of ADT use, whether 1 year or longer, did not alter the results. Investigators adjusted the model for demographics, Charlson Comorbidity Index score, and use of statins, antiplatelets, antihypertensives, alcohol, tobacco, and other substances...
    Ansonsten ist das Thema wahrlich nicht neu. Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit ist auch altersbedingt. Ich denke schon, dass dies durch eine langanhaltende ADT verstärkt werden kann, und empfehle auch hier wieder, den Erhalt des natürlichen Östrogenspiegels. Training der kognitiven Fähigkeiten ist dann natürlich immer sinnvoll, egal ob in ADT oder nicht.

    Erik Wibowo schreibt dazu in [2]:

    UNRESOLVED EFFECT ON COGNITIVE FUNCTION

    Based on data from females, E seems to reduce verbal memory impairment associated with menopause. However E is not cognitively protective in females when given years after the commencement of menopause. This suggests that the timing of E treatment is crucial, with the most benefit shown when E supplementation is initiated at the beginning
    of menopause.

    The literature on cognitive impairment in patients on ADT is inconsistent. A study of patients with PCa on ADT showed that E2 can be cognitively protective, although other studies did not support that finding. Collectively we believe that for men on ADT, E2 is more likely to be cognitively protective if given earlier rather than later. This is directly in accord with the critical period hypothesis of Sherwin for menopausal and postmenopausal women.
    -----------------
    [1]: Natasha Persaud; Dementia Not Linked to ADT for Prostate Cancer, Renal&Urology News Oct 2018
    [2]: Erik Wibowo, Paul Schellhammer, Richard J. Wassersug; Role of Estrogen in Normal Male Function: Clinical Implications for Patients With Prostate Cancer on Androgen Deprivation Therapy;
    [3]: Wassersug, Overcoming the Effects of Androgen Deprivation Therapy, YouTube 2012
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  4. #4
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    Lowroad,
    danke für die Literaturhinweise zum Thema.


    Tritus,
    eine Depression schließe ich aus, da bin ich viel zu aktiv und unternehmungslustig, ich sehe meinen PK als eine Herausforderung. Möchte möglichst lange Zeit bis zur Kastrationsresistenz gewinnen, daran arbeite ich. Ich weiß was kommt. Aber Angst habe ich bis jetzt keine davor.

    Studien zum geistigen Abbau, da habe ich nirgends in der Literatur gefunden, ob sich ein Patient nach einiger Zeit aufgegeben hat, das wäre ein interessanter Aspekt. Denn eine Abnahme des Lebenswillens könnte auch negative Auswirkungen auf die Denkfähigkeit haben.
    Insgesamt, bin ich seit Beginn der Hormontherapie träger geworden und körperliche Trägheit bewirkt durch schlechtere Durchblutung verringerte geistige Leistungsfähigkeit.
    Das wäre eine Möglichkeit meine Veränderungen zu erklären.

    Neues zur Thematik „ kognitive Störung"

    Testosteronentzug und Denken: wenn die Produktion in den Hoden heruntergefahren ist, wird immer noch Testosteron in der Nebennierenrinde gebildet, das ist bekannt.
    Neu und unbekannt war für mich:
    "Seit 1995 ist bekannt dass Steroide (Progesteron, Testosteron, Östradiol) auch im ZNS (Rückenmark und Gehirn) gebildet und auch die notwendigen Enzyme für den Steroidstoffwechsel dort vorhanden sind." (verkürztes Zitat)

    Quelle: Lehrbuch der Endokrinologie, Hormone und Hormonsystem; Kleine u. Rossmanith, 2014
    Kapitel 6.9 Steroide im Gehirn


    Daraus formuliere ich vorsichtig folgende Gedanken:
    - bei Hormonentzug könnte im Gehirn durch Eigenproduktion genügend Testosteron vorhanden sein.
    - die Denkfähigkeit bleibt durch Testosteron-Eigenproduktion bei Hormonentzug erhalten.
    - Bei Hirnmetastasen ist bisher nicht bekannt, dass sie auf Hormonentzug ansprechen, sie könnten von der Eigenproduktion der Steroide im ZNS profitieren.

    Eine für mich als Biologe sehr spannende Thematik, die ich weiterverfolgen werde.

    Franz



  5. #5
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    Auch ein niedriger Vitamin D-Spiegel wird mit Auswirkungen auf kognitive Störungen in Verbindung gebracht.

    Die Thematik wird öfter hier im Forum angerissen, konkrete Hinweise oder Literatur habe ich bisher im Forum nicht entdecken können.
    Ein eigenes Thema möchte ich dazu nicht aufmachen, Vitamin D und kognitive Störungen können auch hier diskutiert werden.

    Falls ich ältere Forumsbeiträge zu dieser Thematik übersehen haben sollte, bitte ich um Hinweise dazu.

    Eine neuere Veröffentlichung zum Thema Vit D und Demenz findet sich bei "Littlejohns et al. ..."

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4153851/


    Franz

  6. #6
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    Literatur zur Thematik "Steroide im Gehirn"

    findet sich hier

    https://www.semanticscholar.org/pape...d0b45749981138

    nach Erscheinen der Seite auf "view pdf" gehen.

    Werde einige Zeit brauche um mich da durchzuarbeiten.

    Franz

  7. #7
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    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Daraus formuliere ich vorsichtig folgende Gedanken:
    - bei Hormonentzug könnte im Gehirn durch Eigenproduktion genügend Testosteron vorhanden sein.
    - die Denkfähigkeit bleibt durch Testosteron-Eigenproduktion bei Hormonentzug erhalten.
    - Bei Hirnmetastasen ist bisher nicht bekannt, dass sie auf Hormonentzug ansprechen, sie könnten von der Eigenproduktion der Steroide im ZNS profitieren.
    Ich behaupte mal:
    bei Frauen ist die Denkfähigkeit auch vorhanden (obwohl sie auf Kastrationsniveau sind!) und
    nach einer Geschlechtsumwandlung bleibt sie unverändert und
    die Biochemie der Geschlechter ist nicht so verschieden
    ---> Testosteron bestimmt nicht die Denkfähigkeit.
    Wenn man den jeweiligen Einsatz dieser Fähigkeit betrachtet, mag mehr Testosteron ein Antrieb sein, sich geistig intensiver zu betätigen (oder sich nackte Frauen anzuschauen...).

  8. #8
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    Zitat Zitat von MartinWK Beitrag anzeigen
    Ich behaupte mal:
    bei Frauen ist die Denkfähigkeit auch vorhanden (obwohl sie auf Kastrationsniveau sind!) ...
    Irrtum Martin,
    auch Frauen produzieren Testosteron z. B. aus Vorstufen, die in der Nebennierenrinde gebildet werden und außerhalb der Nebenniere zu Testosteron und Dihydrotestosteron umgebaut werden.
    Vor der Menopause wird diese Androgenproduktion durch Östrogene kompensiert, nach der Menopause, wenn die Östrogenproduktion stark gedrosselt oder eingestellt wird kommt es aufgrund der Androgene aus der Nebenniere zu einer Vermännlichung der Gesichtszüge, tiefere Stimme u. gelegentlich Bartwuchs.
    Und die dritte Möglichkeit über das ZNS Steroide zu bilden und diese durch die dazu notwendigen und im ZNS nachgewiesenen Enzyme in andere Steroide umzuwandeln, diese Möglichkeit ist auch bei Frauen gegeben.
    Ob die Denkfähigkeit vom Testosteron oder einem anderen Steroid (ständiger Umbau) unterstützt wird, da stecke ich noch mitten in der Fachliteratur.

    Franz

  9. #9
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    Irrtum Franz zurück,
    Testosteronlevel weibliche Erwachsene 0,06 - 0,8 µg/l
    Kastrationsniveau ist 50ng/dl = 0,05 µg/dl = 0,5 µg/l
    Die Frau kann also mit weniger Testosteron genauso gut denken wie wir.
    Oder auch: das Kastrationsniveau reflektiert das Testosteron, das nicht im Hoden hergestellt wird, und die Wege dazu hast du selbst ausführlich beschrieben.
    "Fachliteratur": vielleicht mal nachsehen, ob irgendwo "bewiesen" wird, dass Eunuchen und Frauen dümmer sind als Männer, es gibt ja Studien für alles Mögliche.

  10. #10
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    Zitat Zitat von MartinWK Beitrag anzeigen
    "ob irgendwo "bewiesen" wird, dass Frauen dümmer sind als Männer, es gibt ja Studien für alles Mögliche.
    Also, das kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschliessen. Franz, Du kannst Dir das Nachsehen in die Studien sparen.

    Wenn jemand nur dran denken würde, eine solche Studie aufzugleisen, geschweige denn zu veröffentlichen, in Anbetracht der unermesslichen Konsequenzen,
    würde ja schon als noch dümmer als eine Frau dargestellt werden :-)

    So jetzt müssen wir aber aufpassen, nicht jede Frau versteht Humor.

    Tritus

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