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Thema: Kognitive Störung

  1. #11
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    Martin,
    es geht mir nicht darum wer besser denken kann, Frauen oder Männer.
    Da das Gehirn auch selbst Testosteron produziert, steht die im Blut zirkulierende Menge nicht in direktem Verhältnis zur Menge im Gehirn. Das ist mein Ansatz.

    1 - Es geht mir darum herauszufinden ob die Denkfähigkeit durch den gehirneigenen Steroidstoffwechsel (Neurosteroide) vom restlichen Steroidstoffwechsel im Körper unabhängig ist. Im Gehirn gibt es Zonen mit unterschiedlichen Konzentrationen der Neurosteroide.
    Und es findet ein ständiger Umbau statt. Auch von Testosteron zu Östradiol.

    2 - Und ich möchte herausfinden welches der Steroide die "Denkfähigkeit" beeinflusst.
    Bei Überlegungen zur Wirkungsweise von Testosteron im Gehirn ist immer sowohl die Wirkung des Hormons selbst, als auch die Wirkung seiner Metaboliten, und hier vor allem des Östradiols zu bedenken. Testosteron wird durch die reichlich im Gehirn vorhandene Aromastase CYP19 in Östradiol umgewandelt.

    Diese Thematik habe ich mir vorgenommen und werde mich zur gegebenen Zeit, wenn ich mir einen besseren Überblick über die Neurosteroide verschafft habe hier mit diesem Thema wieder melden.

    Franz


  2. #12
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    Franz, dein Ausgangspunkt waren kognitive Einschränkungen, als deren Ursache ADT bzw. Testosteronsenkung vermutet wurden.
    Wenn man annimmt, dass der bei Blutabnahme am Arm gemessene Wert mit dem im Gehirn korreliert, so ist aufgrund der Tatsache, dass bei Frauen der Wert ständig unter Kastrationsniveau liegt, diese Vermutung nur zu stützen, wenn man auch annimmt, dass die Gehirne geschlechtsspezifisch verschieden aufgebaut sind. Letzeres wäre wohl revolutionär.
    Wenn man annimmt, dass der Wert nicht korreliert und das Gehirn seinen Testosteronhaushalt selbst reguliert, ist die Vermutung ohnehin widerlegt.
    Also bleiben die zunächst akademischen Fragen, die du oben formuliert hast. Für PCa hat die Beantwortung ziemlich sicher keine Relevanz.

    Dass Testosteron Einfluss auf unsere Gefühle und Entscheidungen hat, ist bekannt: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4330791/
    Das hat jedoch nichts mit Denkfähigkeit zu tun. Diese bemißt sich nach der zur Verfügung stehenden "Rechenkapazität", also Anzahl Neuronen und Verknüpfungen und Nervenimpulse. Bei Demenz werden diese weniger, je nach Art nur Impulse oder Verknüpfungen oder alles zusammen, und ungenügend regeneriert.

  3. #13
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    Zitat Zitat von MartinWK Beitrag anzeigen
    Wenn man annimmt, dass der Wert nicht korreliert und das Gehirn seinen Testosteronhaushalt selbst reguliert, ist die Vermutung ohnehin widerlegt.
    Also bleiben die zunächst akademischen Fragen, die du oben formuliert hast. Für PCa hat die Beantwortung ziemlich sicher keine Relevanz.
    Martin,
    das hast du richtig formuliert. Wir sind hier in einen PK-Forum, da habe ich mich wohl etwas zu weit davon entfernt und erkläre das Thema hier im Forum für beendet.

    Trotzdem, ich finde die Thematik "eigener Steroidhaushalt im Gehirn" sehr spannend und werde sie in den nächsten Wochen weiterverfolgen.

    Franz

  4. #14
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    Lieber Franz, ich wollte keinesfalls andeuten, dass das nicht ins Forum gehört. Bei Osteoporose hat Testosteron eine ähnliche Wirkung wie Östrogen - vielleicht auch im Gehirn? Insoweit würden mich Erkenntnisse über Steroide im Kopf schon interessieren.

  5. #15
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    Martin,
    das ist ja der Punkt. Testosteron kann durch das Enzym Aromatase in Östradiol umgewandelt werden, auch im Gehirn.
    Ein sehr komplexes Thema und ich bin momentan noch beschäftigt Literatur zu sichten. Die Zusammenhänge zu verstehen, das ist, nicht einfach. Meine Biochemie-Ausbildung ist über 40 Jahre her und einiges wird heute anders gesehen.
    Wenn meine Erkenntnisse auf festen Boden stehen, melde ich mich wieder zu dieser Thematik.
    Aber das kann dauern, mein Gehirn braucht zur Verarbeitung von umfangreichen Informationen immer mehr Zeit. Da helfen ausgedehnte Wanderungen in herbstlichen Wäldern, das fördert das Denkvermögen.

    Franz

  6. #16
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    Statin reduces the risk of dementia in diabetic patients receiving androgen


    Hintergrund

    Die Androgendeprivationstherapie (ADT) erhöht nachweislich das Demenzrisiko. Die Verwendung von Statinen verringert das Demenzrisiko. Diese Studie zielt darauf ab, die Assoziation von Statin-Anwendung und Demenz bei Typ-2-Diabetikern (T2DM), die ADT erhalten, zu untersuchen.

    Methoden
    Unter Verwendung der National Health Insurance Research Database von Taiwan führten wir eine populationsbasierte landesweite Kohortenstudie von T2DM-Patienten mit zwischen 1998 und 2013 neu diagnostiziertem Prostatakarzinom (PCa) durch. Um Statin-Effekte auf Demenz bei T2DM-Patienten, die ADT erhielten, zu testen, wobei ein 1: 1 Propensity-Score-Matched-Analyse Modell verwendet wurde. Wir unterteilten die Studienteilnehmer in eine Statin-Gruppe und eine Statin-naive Gruppe. Das primäre Ergebnis war Demenz.

    Ergebnisse
    Von den 9855 ausgewählten T2DM-Patienten, die zwischen 1998 und 2013 neu mit PCa diagnostiziert wurden, erhielten 5427 Patienten eine ADT für ihre PCa. Nach dem Propensity-Score-Matching wurden 1006 Statin-Benutzer und 1006 Nicht-Statin-Benutzer in die Studienkohorte mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,5 Jahren für die Statin-Gruppe eingeschlossen. Unter diesen Patienten wurde bei 179 (8,7%) eine Demenz diagnostiziert. Eine Propensity-Score-Matched-Analyse (Hazard-Ratio = 0,70) zeigte ein signifikant verringertes Risiko einer nachfolgenden Demenz bei den Statin-Anwendern mit einer absoluten Risikoreduktion von 1%. Eine signifikante Abnahme des Demenzrisikos mit zunehmender Statindauer wurde ebenfalls nachgewiesen.

    Schlussfolgerungen
    Die Anwendung von Statinen bei T2DM-Patienten, die ADT für PCA erhielten, hatte ein verringertes Demenzrisiko, wobei die Statineinnahme Konsistenz und -intensität diesen Nutzen erhöhten.



    Eigene Anmerkungen:
    Es ist halt immer das Gleiche: man könnte manche negativen Folgen des Testosteronentzugs durch geeignete Gegenmaßnahmen versuchen zu reduzieren, sei es durch Sport, Estradiol, Metformin oder eben auch Statine, die ja schon seit längerem im Verdacht stehen bei einer Prostatakrebserkrankung nützlich zu sein. Und ja, es handelt sich hier im Diabetiker und eine retrospektive Studie, mit allen Einschränkungen, die sich daraus ergeben.

    -----------------------------------------------------------------
    [1]: Liu; Statin reduces the risk of dementia in diabetic patients receiving androgen deprivation therapy for prostate cancer; NATURE-PCAN 2018
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  7. #17
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    Neben den bekannten Nebenwirkungen von Statinen (z.B. Muskelerkrankungen) gibt es auch genügend Hinweise dass Statine Demenz fördern.

    https://www.deutsche-apotheker-zeitu...ko-der-statine

    https://www.zentrum-der-gesundheit.d...gehirn-ia.html


    Übrigens haben sich meine kognitiven Fähigkeiten in den letzten Tagen wieder verbessert oder erholt, das könnte mit dem Anstieg meines Vit-D-Spiegels von 11,4 ng/ml auf mittlerweile 21 ng/ml durch Substitution zusammenhängen oder ...., was weiß ich, es gibt so viele Möglichkeiten.

    Franz

  8. #18
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    Zitat Zitat von LowRoad
    ... man könnte manche negativen Folgen des Testosteronentzugs durch geeignete Gegenmaßnahmen versuchen zu reduzieren, sei es durch Sport, Estradiol, Metformin oder eben auch Statine...
    Das erinnert mich an meine Hormontherapie, über die ich mich nachträglich ziemlich ärgere. Die Ärzte haben nie irgendwelche Nebenwirkungen erwähnt, geschweige denn, womit man diese reduzieren könnte. Sobald die Spritze gesetzt war sprang der Arzt auf, gab einem die Hand und verließ das Zimmer. Ist es den Ärzten denn so egal, unter welchen Nebenwirkungen der Patient leiden muss?

    Georg

    @Franz: zum Thema Östradiol zur Reduzierung der Nebenwirkungen einer ADT vielleicht diese Artikel:

    Estradiol for the mitigation of adverse effects of androgen deprivation therapy

    Short-term effects of transdermal estradiol in men undergoing androgen deprivation therapy for prostate cancer: a randomized placebo-controlled trial

  9. #19
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    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    Das erinnert mich an meine Hormontherapie, über die ich mich nachträglich ziemlich ärgere. Die Ärzte haben nie irgendwelche Nebenwirkungen erwähnt, geschweige denn, womit man diese reduzieren könnte. Sobald die Spritze gesetzt war sprang der Arzt auf, gab einem die Hand und verließ das Zimmer. Ist es den Ärzten denn so egal, unter welchen Nebenwirkungen der Patient leiden muss?
    War bei mir ähnlich. Im Gegensatz zur Chemo, bei der mich 2 Urologen ausführlich informierten, waren Hinweise auf die Nebenwirkungen des Hormonentzuges in der gleichen Praxis kein Thema. Lediglich das ich am Anfang Bicalutamid wegen des Flare-up erhalte wurde kurz erklärt.
    Vielleicht wird dem Arzt beim Hormonentzug nur das Setzen der Spritze und die Testosteronkontrolle vergütet.

    Danke Georg für die Literatur.

    Franz

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