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Thema: Über den Tod und das Leben vorher (Steve Jobs

  1. #1
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    Über den Tod und das Leben vorher (Steve Jobs)

    Angeregt durch Hartmuts Zitat kürzlich anderswo:
    "Jeder weiss, dass wir geboren werden um zu sterben".

    habe ich die beeindruckende Rede von Apple Gründer Steve Jobs von 2005 wieder hervorgeholt. welche mich damals sehr beeindruckt hat,
    als ich sie das erste Mal nach seinem Krebstod entdeckte. Sie hat meine Lebenseinstellung wesentlich beeinflusst.

    Nicht nur für Apple Fans von Interesse. Wollte ihn nicht in die Plauderecke stellen, dafür ist das Thema zu ernsthaft.

    Steve Jobs, Rede Abschlussfeier Stanford University 2005 , ein Jahr nach seiner Bauchspeicheldrüsenkrebsdiagnose und vermeintlicher Heilung:
    https://www.youtube.com/watch?v=DpMwWaxoI4Y

    ab 8:40 - 11:15 über das Leben vor dem Tod
    ab 11:15 Gedanken über den Tod

    Tritus

  2. #2
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    Ach Tritus,
    sehe ich da die düsteren Nebel des Novembers kommen?

    Zitat aus der Rede von Steve Jobs:

    "Und doch ist der Tod unser aller Schicksal. Niemand entkommt ihm. Und so soll es auch sein, denn

    der Tod ist vermutlich die beste Erfindung des Lebens. Er ist der Motor des Wandels. Er räumt mit

    Altem auf, um Platz zu schaffen für Neues. Heute sind Sie das Neue, aber irgendwann werden Sie die

    Alten sein und abtreten. Entschuldigen Sie diese drastische Formulierung, aber so ist es nun einmal."


    Ich sehe den Tod nicht als Motor des Wandels. Nichts ändert sich, die Menschen bleiben immer die gleichen, auch wenn sie durch Neue ersetzt werden. Sonst hätten wir schon längst eine "bessere Welt". Neues ist nicht automatisch besser als Altes, vielleicht ist beides gleich belanglos, zumindest austauschbar.
    Ich sehe den Tod als eine Erlösung für einige schwer Erkrankte von ihrem Leiden. Nicht für alle, ich kenne etliche mit ihren Leben zufriedene Rollstuhlfahrer und auch Krebspatienten.

    Der Tod hat für mich keine Bedeutung, eher für andere die mich lieben oder die mich brauchen.
    Jeder der abtritt ist ein Verlust, für seine Familie, für seinen Freundeskreis. Diese Lücke kann ein Neuer schwerlich einnehmen.

    Franz



  3. #3
    SeppS58 Gast
    Ich stimme Tritus und Steve Jobs zu. Nur so gibt es Evolution!

    Als Dank für den Hinweis auf diese wunderbare Rede nochmal das

    Gedicht von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945) Dichter, Schriftsteller, Essayist und Musikwissenschaftler.
    Einer der Gründer der brasilianischen Moderne.
    __________

    Meine Seele hat es eilig.

    Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
    Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat:
    die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.
    Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
    Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.
    Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.
    Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.
    Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
    Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
    Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren.
    Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile.
    Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.
    Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.
    Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden.
    Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen.
    Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.
    Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
    Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.
    Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

    Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
    Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.
    Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
    Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

    Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

  4. #4
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    Hallo Zusammen,

    der Steve Jobs war mir sympathisch, auch wenn ich nie seine Geräte ausprobiert habe.
    Sie waren mir zu teuer. Smartphones von Samsung sind nicht viel schlechter.
    Ich habe seine Biografie in Spielfilmlänge gesehen. - Faszinierend!

    Lieber Sepp, Dein Gedicht ist auch faszinierend.
    Es regt zum Denken an.
    Den letzten Satz. Finde ich besonders anregend.
    Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.“

    Eine Depression ist natürlich nicht ohne, und auch nicht spaßig.
    Wir kennen die Krankheit hier an der Ostsee/Nordsee kaum.
    Als ich aus gesundheitlichen Gründen vor 15 Jahren in Rente ging, haben wir uns ein schönes Boot in Süd-Spanien gekauft.
    Damit war die Gefahr einer Deprie (die viele Rentner erleiden, weil sie plötzlich eine „0 Nummer“ sind ) vom Tisch.

    Gruss
    auch von Brigitte,
    die derzeit für 14 Tage in der Sonne Griechenlands schmort, und sich bestimmt auf das Treffen in Alicante freut.

    hartmut

  5. #5
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    Zitat Optimist:
    "Ach Tritus, sehe ich da die düsteren Nebel des Novembers kommen?"

    Nein, Franz. Diese Rede hat mich dazumal vor 6 oder 7 Jahren moralisch aufgebaut und tut es noch immer.
    Es ist in erster Linie ein Apell an die jungen Studenten, ihren Herzen zu folgen, und dabei keine Kompromisse zu machen.
    Einen Job zu machen nur des Geldes wegen, ohne innere Begeisterung, wird niemanden befriedigen.
    Aber, dies ist wohl nur einer privilegierten Minderheit vorbehalten.

    Dennoch die Kernaussage bleibt: Konzentriere Dich auf das, was Dir wichtig ist im Leben ! Mach das, was Dir am meisten am Herzen liegt!
    Wenn es halt im Job nicht klappt und Du aus welchen Gründen auch immer nicht weitersuchen kannst, versuch es wenigstens im privaten Bereich (meine Ergänzung).
    Nun kurz zum Tod. Franz, ich stimme Deiner Aussage uneingeschränkt zu, was einen selber oder den unmittelbaren Freundeskreis betrifft.
    Es fällt da wirklich schwer, auch nur den Hauch an Positiven am Tod abzugewinnen, ausser den Gründen wo Du oben erwähnt hast.

    Dennoch, und dies war auch das Überraschendste bei mir.
    Jeder redet über den Sinn des Lebens. Aber über der Sinn des Todes ?
    Darum hat diese Rede bei mir voll eingeschlagen. Ja, der Tod ist die wichtigste Erfindung des Lebens überhaupt !!
    Selbstverständlich alles nur im grossen Ganzen betrachtet, unabhängig von all den Schmerzen und Trauer, welche auch nur 1 Todesfall verursachen kann.
    Aber es muss sein.

    Ohne die Erfindung des Todes würde es wohl schon bald auch kein Leben mehr geben auf dieser Welt.

    Beweisführung durch Widerspruch:
    Würde keiner mehr sterben, würde wohl bald die 100 Milliarden Erdbevölkerung erreicht, was dann wohl endgültig die Menschheit auslöschen würde.
    Dies könnte man natürlich verhindern dadurch, dass bei Androhung der Todesstrafe kein weiterer Nachwuchs erlaubt würde.

    Tritus

  6. #6
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    Ok, einige mögen diese sogenannte "Beweisführung" blöd finden, finde ich selber ja auch.

    Gescheiter ist wohl einfach anzunehmen, dass der Tod, genauso wie das Leben und die Geburt einfach natürlicherweise dazugehört.
    Nichts ist ohne das andere denkbar und alles braucht es dazu, dass die Menschheit (inkl. die ganze Lebensvielfalt auf dieser wundervollen Erde)
    als ganzes weiter Überleben kann.

    An Sepp:
    Das Gedicht ist sehr schön.
    Habe ich schon gerne gelesen, als Du es das erste Mal hier im Forum eingestellt hast.
    Ich denke, die Aussagen in diesem Gedicht sollten nicht erst beherzigt werden, wenn nur noch wenige Bonbons übrig sind.
    Es braucht natürlich viel Zeit und viel Erfahrung zu erkennen, welche Menschen wirklich sehr menschlich sind, wie in dem Gedicht beschrieben.

    Tritus

  7. #7
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    Zitat Zitat von tritus59 Beitrag anzeigen
    Ohne die Erfindung des Todes würde es wohl schon bald auch kein Leben mehr geben auf dieser Welt.

    Beweisführung durch Widerspruch:
    Würde keiner mehr sterben, würde wohl bald die 100 Milliarden Erdbevölkerung erreicht, was dann wohl endgültig die Menschheit auslöschen würde.
    Dies könnte man natürlich verhindern dadurch, dass bei Androhung der Todesstrafe kein weiterer Nachwuchs erlaubt würde. Tritus
    Eine Anmerkung zum letzten Satz.
    In China wurde in der Zeit nach Mao die 1- Kind-Familie vom Staat gefordert. Wer mehr als ein Kind hatte, der wurde mit Arbeitsplatzverlust, Wohnungsverlust und finanziellen Nachteilen bestraft.
    Diese Politik gab man in China nach ca. 20 Jahren wieder auf, da die Bevölkerung zu überaltern drohte.

    Franz

  8. #8
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    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Diese Politik gab man in China nach ca. 20 Jahren wieder auf, da die Bevölkerung zu überaltern drohte.
    Genauso sehe ich das auch. So schwer es einem persönlich und dem Umfeld fällt, es braucht Erneuerung, es führt kein Weg daran vorbei,
    so muss es sein und ist gut so.

    Tritus

  9. #9
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    Der Tod gehört selbstverständlich zum Leben, aber der Tod wegen Prostatakrebs kann dabei in sehr unschöner Form auftreten. Wer da mal die Ansicht eines Arztes dazu lesen will, der schon mehr als 10.000 PCA Patienten behandelt hat kann sich das gerne mal anschauen – ABER Vorsicht! Das ist ganz harter Stoff und nichts für Wunschdenker! Etwas mehr Ehrlichkeit im Umgang mit dem Tod durch Prostatakrebs wäre, meiner Meinung nach, aber durchaus wünschenswert.

    Beeindruckend fand ich einen Kommentar eines Angehörigen dazu:

    as far as this being a ''negative article'' it's not. had i known, i would've insisted they let him go on as much morphine as they were willing to give him. instead, i pushed on, insisting he keep fighting...for me, now that i've read it, more than for him. my ability to grieve for him jumped instantly into the anger stage because no one ever told me it would go that route. after reading this, i now feel guilty for insisting he keep trying. he's only been gone a month, now, and to whomever wrote this, i am grateful. he was no quitter, life just quit HIM
    ...soweit wie ein "negativer Artikel" erscheint, er ist es nicht. Hätte ich dies gewusst, hätte ich darauf bestanden, dass sie ihm so viel Morphium geben, wie sie ihm geben wollten. Stattdessen ging ich weiter und bestand darauf, dass er weiterkämpft ... jetzt, wo ich es gelesen habe, für mich, mehr als für ihn. Meine Fähigkeit, um ihn zu trauern, sprang sofort in die Wutphase um, weil mir niemand je gesagt hatte, dass es diesen Weg gehen würde. Nachdem ich das gelesen habe, fühle ich mich jetzt schuldig, weil ich darauf bestanden habe, dass er es weiter versucht. Er ist erst seit einem Monat weg, und wem das auch immer geschrieben wurde, ich bin dankbar. Er war kein Drückeberger, das Leben hörte einfach auf.
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  10. #10
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    LowRoad,

    beim Thema hier geht es "um den Tod und das Leben vorher". Es geht darum ob der Tod einen Sinn hat als eine Möglichkeit zur Erneuerung oder zur Evolution.
    Ein eher philosophisches Thema, das auch ein bisschen Mut machen kann.

    Dein Beitrag mit Hinweisen auf die letzte Zeit und den oft schrecklichen Tod von PK-Patienten ist ein sehr wichtiges Thema über das wenig gesprochen wird. Es sollte besser als eigenes Thema behandelt werden.

    Franz

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