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Thema: Hormonentzugstherapie absetzen ?

  1. #1
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    Hormonentzugstherapie absetzen ?

    Hallo,


    ich habe mich im Forum angemeldet wegen meinem Dad ,-83 Jhr. .
    Er bekam mit 66 Jahren die Diagnose Prostatakrebs.

    Eine Operation lehnte er ab. Dafür bekam er alle 3 Monate eine Spritze (Hormonentzugstherapie).
    Die Zeit verging, ( 17 Jahre ) ging es ihm sehr gut , hatte chillige Jahre, Hobbys , Reisen usw.

    Letztes Jahr änderte sich das:
    Prostatakrebs rezidiv, Raumforderung in Lunge und Bauch. Es wurde diesbezüglich nichts mehr gemacht, keine Biopsie.
    Noch ein paar andere Baustellen:
    Rechtsherzinsuffizienz , Dauerkatheter, Demenz.

    Mehrere Krankenhausaufenthalte:
    Schwäche, Wasser in Beinen und Lunge, Natriummangel, Blutarmut, ( hatte schon mehrmals Bluttransfusionen )
    Sauerstoffmangel,Gewichtsverlust bei 1,85 m Größe wiegt er noch 60 kg.

    Sein Zustand ist Dank KH-Ärzte momentan stabil.
    Er bekommt Medikamente Amilorid /Diuretika , Torasemid für Bluthochdruck,
    Enalapril für das Herz und Tamsulosin für die Prostata.

    Das ist soweit okay, er ist gut eingestellt, es geht ihm zur Zeit körperlich nicht schlecht.
    Die Psyche ist eine andere Geschichte. Ein guter Tag wechselt mit einem schlechten Tag.

    Dazu kommt, dass der Urologe meinem Dad immer noch alle 3 Monate diese Hormonspritze geben möchte.
    Ich habe nun gehört, dass diese Antihormone nach 17 Jahren nix mehr bringen,
    keine Wirkung, dafür jede Menge Nebenwirkungen.

    Viell. kann mir hier jemand einen Tipp geben, ob es noch Sinn macht ?
    Wie gesagt, momentan ist mein Dad stabil, er hat auch keine Schmerzen.

    LG
    Iris

  2. #2
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    Zitat Zitat von Iris 2019 Beitrag anzeigen
    Letztes Jahr änderte sich das:
    Prostatakrebs rezidiv, Raumforderung in Lunge und Bauch. Es wurde diesbezüglich nichts mehr gemacht, keine Biopsie.Iris
    Hallo Iris,

    wie wurde das Rezidiv festgestellt?
    Allein durch mehrmalige Erhöhung des PSA-Wertes? Und hast du Zahlen vom PSA-Verlauf der letzten Jahre.
    "Es wurde nichts mehr gemacht" - auch keine weiteren Untersuchungen?
    Gibt es Hinweise auf Metastasen durch Untersuchungen wie Computertomographie (CT) und Skelettszintigraphie.

    Du schreibst "es wurde nichts mehr gemacht". War das der Wunsch deines Vaters oder ein Vorschlag des Urologen ?

    Franz

  3. #3
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    Hallo Iris,

    Ich habe grad in den letzten 2 Monaten meinen Vater (94-jährig) während seinen letzten Lebensmonaten begleitet.
    Natürlich ist jeder Fall anders, aber ich denke, hier wie dort geht / ging es hauptsächlich um Lebensqualität, und nicht um jeden Preis
    ein paar Monate oder Jahre Lebensverlängerung zu erreichen.

    Dies alles können wir hier von der Ferne nicht beurteilen.
    Zu Deiner ursprünglichen Frage Hormonspritze ja/nein ?
    Ich glaube, dass macht nach 17 Jahren keinen Unterschied mehr. Wenn sie nicht mehr wirken sollte, hat sie auch keine Nebenwirkungen mehr.
    Wenn sie immer noch "wirkt" und das Testosteron tief hält, so wird sich dies so rasch auch ohne Spritze nicht so rasch ändern (habe unterdessen auch grad
    Ralfs Antwort gelesen, wo dies noch besser erklärt wird).

    Liebe Grüsse
    Tritus

  4. #4
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    Hallo Iris,
    Zitat Zitat von Iris 2019 Beitrag anzeigen
    Eine Operation lehnte er ab. Dafür bekam er alle 3 Monate eine Spritze (Hormonentzugstherapie)...

    Letztes Jahr änderte sich das: Prostatakrebs rezidiv, Raumforderung in Lunge und Bauch. Es wurde diesbezüglich nichts mehr gemacht, keine Biopsie...

    Ich habe nun gehört, dass diese Antihormone nach 17 Jahren nix mehr bringen, keine Wirkung, dafür jede Menge Nebenwirkungen.
    ich glaube, hier geht begrifflich etwas durcheinander. Ein Rezidiv ist das Wiederauftreten des Krebses nach einer "Behandlung mit kurativer Intention", sprich einer Operation, Bestrahlung, HIFU usw. Das hat es, so wie ich es verstehe, nie gegeben. Der Krebs war immer da, nur jahrelang zurückgedrängt. Jetzt lässt er sich mit einer antihormonellen Therapie nicht mehr zurückdrängen. Er ist "kastrationsresistent" (castration resistent prostate cancer, CRPC) geworden und hat Metastasen gebildet.
    Nach 17 Jahren antihormonelle Therapie sind die Hoden "ausgebrannt" und dürften nie mehr Testosteron produzieren, auch ohne Spritze. Aber auch nach dem Absetzen der Spritze sollten die Nebenwirkungen (Hitzewallungen, Muskelabbau, Fettansatz, Gliederschmerzen usw.) bleiben. Sie sind keine "Nebenwirkung" der Spritze, sondern das Resultat des so gut wie nicht mehr vorhandenen Testosterons.
    Seit einigen Jahren gibt es Medikamente gegen CRPC: Abirateron (Zytiga®) und Enzalutamid (Xtandi®). Die sind in dieser Situation indiziert und werden von den Krankenkassen bezahlt. Es scheint vorteilhafter zu sein, wenn man mit Abirateron und nicht mit Enzalutamid anfängt. Sprecht mit den Ärzten darüber!

    Ralf

  5. #5
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    Hi Franz,


    der PSA -Wert war zuletzt 61,4 ug/l , also deutlich erhöht.
    Es wurde im Sept. 2018 ein CT gemacht. Auch eine Sonografie .
    Im Befund steht Rezidiv Prostatakarzinom.
    Raumforderung im Bauch und Lunge.

    Skelettszintigraphie war okay, keine Metastasen.


    Es ging ja alles so schnell, er war Anfang 2018 noch einigermaßen fit, soweit man das sagen kann für einen älteren Herrn mit chronischer Krankheit.
    Der Hausarzt sagt man soll nichts mehr machen. Im KH Befund steht ,
    aufgrund des Alters und des AZ keine weitere Therapie notwendig.


    Aber sein Urologe , bei dem er seit 17 Jahren in Behandlung ist, möchte ihm die Antihormonspritzen weiterhin alle 3 Mon. geben.
    Mein Dad hat eine Patientenverfügung , wenn ich ihn was frage, was wir jetzt tun sollen, sagt er, das überlässt er mir.


    Ihm ist es wurscht, denn es geht ihm " jetzt und heute " gut.
    Ja, woher soll ich wissen , was richtig ist ?
    Die nächste Hormonspritze wäre im März fallig.
    Termin absagen oder nicht, gute Frage .


    LG

    Iris

  6. #6
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    Hi Tritus,

    das sehe ich auch so, auch mein Dad:
    " Lebensqualität " und nicht um jeden Preis
    ein paar Monate oder Jahre Lebensverlängerung zu erreichen.


    Gruezi in die Schweiz

  7. #7
    Rudi61 Gast
    Zitat Zitat von Iris 2019 Beitrag anzeigen
    Mein Dad hat eine Patientenverfügung , wenn ich ihn was frage, was wir jetzt tun sollen, sagt er, das überlässt er mir.
    Hallo Iris,

    vielleicht sucht Du noch mal das Gespräch mit Deinen Dad und machst Ihm klar welche große Verantwortung er Dir damit aufbürdet, die Entscheidungen über sein Leben und über seine Therapien allein (ohne Ihm) zu Treffen.

    Die Patientenverfügung ist nicht dazu die Verantwortung über sein Leben aufzugeben.

    - Rudolf -

  8. #8
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    Hi Ralf,


    richtig, es gab keine OP, keine Bestrahlung, nur die chem. Kastration.
    Es war seine Entscheidung, seine Töchter hatten keinen Einfluss, wir waren damals sehr skeptisch .
    Naja, immerhin konnte er doch 17 Jahre gut damit leben und das zählt.


    >>>Jetzt lässt er sich mit einer antihormonellen Therapie nicht mehr zurückdrängen. Er ist "kastrationsresistent" (castration resistent prostate cancer, CRPC) geworden und hat Metastasen gebildet.>>


    Das leuchtet mir ein.

    Metastasen konnten im September keine festgestellt werden.
    Organe, Knochen,Kopf , waren im September 2018 sauber.
    Mir ist schon klar, dass das sehr, sehr schnell gehen kann.
    Ich habe leider in letzter Zeit von vielen Menschen Abschied nehmen müssen, das waren Mädels, sie waren noch nicht alt.
    Die Aussicht bei Frauen mit BK und bei Männern mit PK , hat immer noch die besten Chancen, trotzdem alt zu werden. Da kenne ich auch genug.


    Du meinst es wird kein Testosteron mehr produziert, woher kommt dann der hohe PSA -Wert 61,4 ?


    >>>Seit einigen Jahren gibt es Medikamente gegen CRPC: Abirateron (Zytiga®) und Enzalutamid (Xtandi®). Die sind in dieser Situation indiziert und werden von den Krankenkassen bezahlt. Es scheint vorteilhafter zu sein, wenn man mit Abirateron und nicht mit Enzalutamid anfängt.>>>


    Vielen Dank für den Tipp, ich werde es mit dem Doc besprechen.

    LG

    Iris

  9. #9
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    Cancer is a bitch und wenn ich das richtig verstanden habe, dann fängt der Tumor irgendwann selbst an "was Testosteronähnliches" zu produzieren und sich daran satt zu fressen und zu vermehren. Was somit auch zum PSA-Anstieg führt.
    Dein Vater hatte 17 wundervolle Jahre. Letztendlich ist es egal, ob er die Spritze bekommt oder nicht. Entscheide dich für das, was für ihn "am normalsten" erscheint. Und wenn er das Gefühl hat, "mit der Spritze geht das noch 17 Jahre weiter", dann sollte man ihn vielleicht nicht überfordern mit "neuen Therapieansätzen". Mit dem Doc sich zu besprechen ist nie verkehrt. Und Abi wäre durchaus ne Option. Ist aber nur meine eigene Meinung ;-)

  10. #10
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    Hi Rudolf,


    >>>Vielleicht sucht Du noch mal das Gespräch mit Deinen Dad und machst Ihm klar welche große Verantwortung er Dir damit aufbürdet, die Entscheidungen über sein Leben und über seine Therapien allein (ohne Ihm) zu Treffen.Die Patientenverfügung ist nicht dazu die Verantwortung über sein Leben aufzugeben.>>>



    Auch wahr !
    Aber die Demenz von meinem Vater tut das Seine.

    Es ist sehr schwierig, überhaupt manchmal sinnvolle Gespräche zu führen.
    Mein Dad lebt in seiner Welt, er ist in einem Seniorendomizil , wo es ihm gefällt und er sich geborgen fühlt.
    Ralf hat mir jetzt ein paar Medikamente genannt, viell. ist das was für meinen Dad .

    Mir ist nur wichtig, " sollte der Tag X " kommen und der Krebsteufel schlägt mit Schmerzen zu, dass ich auch die richtige Schmerz- bzw. Palliativversorgung einleite.
    Da werd´ich schon dahinter sein.
    Das Glück, "ALT werden" und in´s Bett gehen , einschlafen und nicht mehr wach werden hat leider nicht jeder.

    GsD kann man heutzutage doch einiges tun und erleichtern.


    LG
    Iris

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