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Thema: PSA Anstieg nach Operation – was sind die Therapiemöglichkeiten?

  1. #11
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    Martin,
    ich stimme deinen Ausführungen zu und sehe die Situation bei der Letztlinientherapie ähnlich. Die Lutetium-Therapie als mögliche letzte Therapie habe ich für mich in Erwägung gezogen, bin dann aber wieder davon abgerückt, da Patienten mit viszeralen Metastasen wesentlich schlechter abschneiden als Patienten mit Knochenmetastasen. Darüber wurde hier im Forum in verschiedenen Beiträgen diskutiert.

    Dem Satz: "Wenn der Patient zuletzt gegen alle Mittel resistent geworden ist, setzt man derzeit mit Erfolg die PSMA Therapie ein (Leitlinie Punkt 6.45)" kann ich nicht zustimmen.Er steht für mich im Gegensatz zur ausführlichen Erläuterung in der Leitlinie und stellt die Situation falsch dar. Soweit bekannt hat ein Drittel der Patienten durch Lutetium einen Vorteil, mehr nicht. Lutetium-Therapie ist ein Ansatz den man weiter verfolgen sollte, einer von vielen.

    Franz

  2. #12
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    Der letzte Satz ist ohne Zweifel eine weite Interpretation von "Erfolg" und es ist gut, dass du das klargestellt hast.

  3. #13
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    Franz,

    die Leitlinie weist in den Hintergrundempfehlungen zu Punkt 6.45 darauf hin, dass noch keine großen, randomisierten Studien über die Wirksamkeit der PSMA Therapie vorliegen. Meine Ausarbeitung erweitert die Leitlinie aber gerade um Punkte, für die eine unerschütterliche Evidenz noch nicht vorliegt. Es sind Punkte, die ich auf Grund der vorliegenden Studien für sehr vielversprechend halte und die meist keine großen Nebenwirkungen verursachen.

    Was ich frei zitiert habe war:
    Zitat Zitat von S3 Leitlinie Punkt 6.45
    Für Patienten mit kastrationsresistenter, progredienter Erkrankung in gutem Allgemeinzustand kann nach Ausschöpfen der empfohlenen Therapieoptionen (siehe Empfehlung 6.40) ein Therapieversuch mit Lutetium-177-PSMA auf Basis der Empfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz angeboten werden.
    Wenn ich schreibe, dass man die PSMA Therapie mit Erfolg einsetzen kann, so heißt dies nicht, dass diese Therapie bei allen Patienten mit Erfolg eingesetzt werden kann. Dies ist bei anderen Therapien auch nicht der Fall, wie z.B. Bestrahlung, Chemo etc.

    Aber die PSMA Therapie scheint in diesem Stadium in fast allen Fällen zu wirken, wie sich aus dieser australischen Studie ergibt, die vor ein paar Tagen auf der ASCO vorgestellt wurde. Diese Daten stammen aus einem Poster, dass Dr. Hofman getwittert hat. Ich habe die Quelle angegeben:



    Von den 50 Patienten in der Studie hat die PSMA Therapie nur bei zwei Patienten keine Wirkung gezeigt. Bei den Patienten mit dem größten Rückgang des PSA Wertes ergab sich auch das längste Überleben nach der Therapie. Achtzehn Monate für austherapierte Patienten ist für mich ein Erfolg.

    Georg

  4. #14
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    QUOTE=Georg_;113648]Wenn ich schreibe, dass man die PSMA Therapie mit Erfolg einsetzen kann, so heißt dies nicht, dass diese Therapie bei allen Patienten mit Erfolg eingesetzt werden kann. Dies ist bei anderen Therapien auch nicht der Fall, wie z.B. Bestrahlung, Chemo etc.[/QUOTE]


    Georg,

    wenn du den Satz so wie in deiner nachträglichen Erklärung geschrieben hättest, wäre das für mich in Ordnung gewesen.

    Aber wie soll ich oder andere Leser erahnen, dass du mit dem Satz "Wenn der Patient zuletzt gegen alle Mittel resistent geworden ist, setzt man derzeit mit Erfolg die PSMA Therapie ein (Leitlinie Punkt 6.45) " den obigen gemeint hast ?

    Man sollte immer schreiben was man meint, ohne dass der Leser etwas in den Text hineininterpretieren muss. Ich lehne die PSMA-Therapie nicht grundsätzlich ab, mir gefällt aber nicht die unkritische Berichterstattung/Begeisterung, die oft damit einhergeht.

    Von Dr. Hofman habe ich schon einiges gelesen, gelegentlich verweist er auf Deutschland als Vorreiter in Sachen PSMA-Therapie. Vielleicht bietet sich hier der eine oder andere Diskussionspunkt an, jedenfalls Interessant zu lesen:
    https://www.google.de/url?sa=t&rct=j...ag5EmosLrdo2oL

    Franz

  5. #15
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    Lieber Georg,

    Danke für die aktuelle Zusammenstellung!

    Exkurs: Vielfach möchten Patienten auf eine adjuvante Hormontherapie auf Grund der zu erwartenden Nebenwirkungen verzichten. In diesem Fall ist Bicalutamid als Hormontherapie eine Alternative. Diese Tabletten haben deutlich weniger Nebenwirkungen als GnRH Analoga, denn sie reduzieren nicht das Testosteron und führen zu keinem Abbau des Knochengewebes. Dagegen ist mit einer Brustvergrößerung zu rechnen. Bicalutamid wird daher im Hinblick auf die Nebenwirkungen von den meisten Patienten bevorzugt (Nyman 2005). In der oben erwähnten Studie von Shipley wurde Bicalutamid als adjuvante Hormontherapie nach der Bestrahlung verwendet. Die Leitlinie erklärt eine Monotherapie mit 150 mg Bicalutamid als gleichwertig zu GnRH Analoga (Leitlinie Punkt 5.71). Vor allem bei Patienten mit wenigen Metastasen oder nur Lymphknotenmetastasen wirkt Bicalutamid gut (Iversen 1998, Kaisary 2001).
    Viele Patienten mit wenigen Metastasen erreichen einen großen Rückgang des PSA Wertes bereits bei einer Dosis von 50 mg, was die Nebenwirkungen weiter reduziert (Kolvenbag 1996). Es gibt auch eine englische Studie, die eine Gleichwertigkeit von Bicalutamid 50 mg mit GnRH Analoga festgestellt hat (Kaisary 1995). Andere Studien mit Patienten, bei denen im Knochenszinitgramm mehrere Knochenmetastasen nachweisbar waren, ergaben, dass 50 mg Bicalutamid nicht so stark gegen den Tumor wirkt wie die GnRH Analoga (Bales 1996).
    Es ist schon erstaunlich, dass diese Erkenntnisse bereits im Jahr 1995 vorhanden waren, und die Mono-Therapie kaum anwendung findet.
    Ich fühle mich mit den Bicalutamid recht wohl.


    (5) Hat man die Hormontherapie fortgesetzt und es tritt eine Kastrationsresistenz ein, so kann man zuerst versuchen, mit lokalen Therapien die resistenten Tumorzellen zu reduzieren um damit die Wirksamkeit der Hormontherapie wiederherzustellen. Dazu verwendet man an der Universitätsklinik Kiel die Lymphadenektomie (Osmonov 2016)
    Wie bekannt, habe ich zuvor die Lymphadenektomie von PD Dr. med. Daniar Osmonov durchführen lassen.
    Zusammen mit der Betrahlung, im Nachhinein mit Erfolg.
    Ob eine offene OP, statt DaVinci mir die Anschlussbetrahlung erspart hätte, lass ich mal offen.

    Hier noch mal der Link für die neuen User, meiner damaligen Lymphadenektomie:
    https://www.uksh.de/170510_pi_1000ste_davinciop.html

    Gruss
    hartmut

  6. #16
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    Georg,

    ich schließe mich dem Dank der meisten Leser an: Das ist eine sehr verdienstvolle Arbeit. Jeder, der schon mal ähnliche Zusammenstellungen verfasst hat, weiß, daß da ein Haufen Arbeit drinsteckt.

    Franz,

    ich bin ziemlich sicher, daß auch dem naivsten Leser klar ist, daß bei späteren Therapieschritten (= höheren “grünen Zahlen”) die Unsicherheiten zunehmen, d.h. die Therapieerfolge werden abnehmen bzw. weniger Patienten werden profitieren.
    Gruß, Rastaman

  7. #17
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    Zitat Zitat von Rastaman Beitrag anzeigen
    Franz,
    ich bin ziemlich sicher, daß auch dem naivsten Leser klar ist, daß bei späteren Therapieschritten (= höheren “grünen Zahlen”) die Unsicherheiten zunehmen, d.h. die Therapieerfolge werden abnehmen bzw. weniger Patienten werden profitieren.
    Rastaman,
    in meiner Chemozeit habe ich ein paar lockere Bekanntschaften mit Betroffenen geschlossen. Man trifft sich oder telefoniert, tauscht sich aus. Meine Erfahrung:
    umso fortgeschrittener der Patient, umso mehr glaubt er an der Erfolg der nächsten Therapie, auch wenn er u. U. schon zu schwach dazu ist.
    Umsomehr wenn diese Therapie in Zeitschriften und TV, wie im Falle des Lutetiums entsprechend angepriesen wird. z. B. über Lutetium im "Focus" vor ein paar Monaten: "Die Doktorarbeit, die Millionen Männer retten könnte."

    Deshalb habe ich die Empfehlung 6.45 der Leitlinie neben den bekannten Satz von Georg hier eingebracht. Es soll jeder die Möglichkeit haben sich objektiv zu informieren.

    Dein Hinweis auf den "naivsten Leser" stört mich nicht, habe hier im Forum schon anderes zu hören bekommen.

    Franz









  8. #18
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    Franz,

    mit dem "naivsten Leser" habe ich nicht Dich gemeint, sondern einen hypothetitischen Leser, der, sagen wir mal in ein paar Monaten, Georgs Zusammenstellung liest.

    Aber ok, Deine Präzisierung kann nicht schaden. Sorry, falls ich mich da missverständlich ausgedrückt haben sollte...
    Gruß, Rastaman

  9. #19
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    Moin Georg,

    auch ich verneige mich vor Dir. Ich kann recht genau erkennen, an welcher Weggabelung ich mich zurzeit befinde.

    Viele Grüße

    WernerE

  10. #20
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    Ich möchte mich bei allen für die positive Einschätzung bedanken und hoffe, dass der dargestellte Therapiealgorithmus für viele hilfreich sein wird.

    Georg

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