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Thema: Studie Testosteronabfall von Goserelin, Leuprorelin, Triptorelin

  1. #1
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    Studie Testosteronabfall von Goserelin, Leuprorelin, Triptorelin

    Zum Hormonentzug mit LHRH-Agonisten ist dem Basiswissen zu entnehmen:
    Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Behandlungsergebnisse deutlich schlechter sind, wenn ein Testosteronspiegel von ≤0,2 ng/ml nicht erreicht wird“.

    Zum Testosteronwerten, Testosteronnadir und Prognosen Infos auch in:
    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...558#post116558


    In dieser Studie
    https://www.google.de/url?sa=t&rct=j...Qd5UpcQPp3mc0R

    sollten Veränderungen des Testosteronspiegels und der Erfolg der chemischen Kastration nach einer Androgen-Entzugstherapie mit Goserelin, Triptorelin oder Leuprorelin über einen Zeitraum von 9 Monaten untersucht werden.

    Ergebnis:
    "Drei LHRH-Agonisten zeigten eine vergleichbare Wirksamkeit für die Erreichung der Kastration, wenn die Kastrationsschwelle 50 oder 20 ng/dL betrug. Triptorelin war jedoch der stärkste LHRH-Agonist, der die niedrigsten mittleren Testosteronspiegel und die höchste Rate der chemischen Kastration bei <10 ng/dL Testosteron erreichte."

    10 ng/dl = 0,1 ng/ml

    Franz


  2. #2
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    Franz,

    eine interessante Studie! Dazu ein paar Anmerkungen.

    In dieser retrospektiven Studie machte die Hälfte der Patienten eine ADT2, also eine Kombinationstherapie aus Bicalutamid und Leuprorelin etc. Wenn also nur 63 Patienten eine Monotherapie machten, so ergibt dies rund 20 Patienten pro verglichene Gruppe. Das ist eine ziemlich kleine Anzahl.

    In der Einleitung heißt es wie in vielen anderen Studien: die Wirkungsdauer der ADT liegt zwischen 12 und 30 Monaten (progression-free survival of 12 to 30 months). In der dazu angegebenen Quelle von Denis finde ich diese Aussage nicht. Jedenfalls hat Denis Patienten mit Knochenmetastasen untersucht, die als Primärtherapie keine Operation oder Bestrahlung, sondern Hormontherapie erhielten. Diese Hormontherapie bestand aus der Kombination von Bicalutamid mit Leuprorelin etc. Man kann diese Aussage zur Wirkungsdauer jedenfalls nicht bei Patienten ohne Knochenmetastasen oder nach einer Operation oder Bestrahlung anwenden.

    Jedenfalls ist es nach dieser Studie am wahrscheinlichsten, dass Triptorelin das Testosteron am stärksten absenkt.
    Sinnvoll wäre, wenn auch Degarelix mit untersucht worden wäre, dies hat auch eine starke Wirkung. Außerdem wurde Leuprorelin mit 11,25 mg angewendet. Das vielfach verwendete Eligard hat die doppelte Dosis. Man kann vielleicht erwarten, dass dies die Wirkung etwas verbessert. Die Differenz zwischen Triptorelin und Leuprorelin waren bei Monotherapie 6,2% (89,5% vs 83,3%). Diese Differenz könnte durch die doppelte Dosis wieder geringer werden.

    Georg

  3. #3
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    Franz, Georg,
    irgendwie wundert mich das nicht, dass Triptorelin am besten abschneidet. Ich hab mir mal die Mühe gemacht die jeweiligen molekularen Aufbauten zu vergleichen. Kann man in Wikimedia z.B. finden.

    Das Original GnRH: Pyr-His-Trp-Ser-Tyr-Gly-Leu-Arg-Pro-Gly
    Leuprorelin: 5-Oxo-Pro-His-Trp-Ser-Tyr-D-Leu-Arg-N-ethyl-L-prolinamid
    Goserelin: Pyr-Glu-His-Trp-Ser-Tyr-D-Ser(tBu)-Leu-Arg-Pro-Azgly
    Buserelin: Pyr-His-Trp-Ser-Tyr-D-Ser(tBu)-Leu-Arg-Pro-NH-Et
    Triptorelin: Pyr-His-Trp-Ser-Tyr-D-Trp-Leu-Arg-Pro-Gly

    Die Unterschiede zum Original sind fett hervorgehoben. Es ist unschwer zu erkennen, dass Triptorelin den geringsten Unterschied zum Original aufweist. Normalerweise hätte ich mich nach dem Versagen von Leuprorelin für Triptorelin (Pamorelin) entschieden. Ich fand aber einen Versuch mit Buserelin (Profact) interessant, weil Pamorelin normalerweise intramuskulär injiziert wird, Profact dagegen subkutan.

    Arnold

  4. #4
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    Danke Arnold,
    für die Erläuterung zu Pamorelin.

    Pamorelin wird bei mir und etlichen anderen Patienten subkutan verabreicht.
    Habe die Thematik Pamorelin subkutan/intramuskulär im unten verlinkten Beitrag vor einiger Zeit aufgegriffen und eine Studie zur Wirksamkeit der beiden Anwendungen gefunden: kein Unterschied bei Wirksamkeit und Verträglichkeit.

    siehe:
    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...morelinspritze

    Franz

  5. #5
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    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    .... Außerdem wurde Leuprorelin mit 11,25 mg angewendet. Das vielfach verwendete Eligard hat die doppelte Dosis. Man kann vielleicht erwarten, dass dies die Wirkung etwas verbessert.
    Studien die sich mit den unterschiedlichen Konzentrationen von Leuprorelin beschäftigen, gibt es nicht viele.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22315155

    In dieser kleinen Studie mit 60 Patienten ähnlichen Alters, wurden je 20 Patienten monatlich mit Leuprorelin 3,75 mg, Leuprorelin 7,5 mg und Goserelin 3,6 mg behandelt. Testosteron wurde vor der Behandlung und drei Monate nach Behandlungsbeginn gemessen.

    Einen Testosteronwert von weniger als 50 ng/dl erreichten nicht 26,3 %, 25 %, 35 % der Teilnehmer aus den Gruppen „Leuprorelin 3,75 mg“, „ Leuprorelin 7,5 mg“ und „ Goserelin 3,6 mg“
    Und einen Testosteronwert von weniger als 20 ng/dl erreichten nicht 68,4 %, 30 %, 45 % der Teilnehmer aus den Gruppen „Leuprorelin 3,75 mg“, „ Leuprorelin 7,5 mg“ und „ Goserelin 3,6 mg“.

    Betrachtet man nur die Gruppen mit den unterschiedlichen Leuprorelin-Gaben, gibt es beim Erreichen des Testosteronwertes von < 50 ng/dl kaum einen Unterschied, beim Erreichen des niedrigeren Testosteronwertes von < 20 ng/dl war Leuprorelin 7,5 mg dem Leuprorelin 3,75 mg überlegen.

    Allerdings sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu betrachten, denn es handelte sich um kleine Patientengruppen.

    Franz

  6. #6
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    Zitat Zitat von Franz
    beim Erreichen des niedrigeren Testosteronwertes von < 20 ng/dl war Leuprorelin 7,5 mg dem Leuprorelin 3,75 mg überlegen.
    Dies aber deutlich! Daher kann man erwarten, dass wohl zwischen Triptorelin ~3,75 und Leuprorelin 7,5 mg kein signifikanter Unterschied in der Wirkung ist. Es war ja nur ein kleiner Unterschied zwischen Triptorelin und Leuprorelin ~3,75.

    Man muss daher vom Urologen nicht Triptorelin statt Eligard verlangen.

    Georg

  7. #7
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    QUOTE=Georg_;116965]Man muss daher vom Urologen nicht Triptorelin statt Eligard verlangen.[/QUOTE]

    Mit Triptorelin fühle ich mich nach Leuprorelinversagen aktuell gut versorgt.
    Zur Zeit läuft (wie schon an anderer Stelle berichtet) ein Risikobewertungsverfahren bei Leuprorelinhaltigen Arzneimitteln einschließlich Eligard: Medikationsfehler bei Depotzubereitungen.

    https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risi...uprorelin.html

    Der Vollständigkeit halber hier eine Übersicht der KVB zu den monatlichen Kosten verschiedener LHRH-Analoga: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j...b18F0W65Bg7Eh1

    Das Behandlungsziel "Kastrationsniveau" wird in dieser Übersicht mit weniger als 1 ng/ml angegeben. Vgl. #1 (0,2 ng/ml).

    Franz

  8. #8
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    Du hast Recht, 1 ng/ml kann ich auch nicht nachvollziehen. Zumindest 0,5 ng/ml oder besser 0,2 ng/ml sollten erreicht werden. Noch besser 0,1 ng/ml. Die Leitlinie schreibt von 20-50 ng/dl (Erläuterung zu 6.28). Also 0,2-0,5 ng/ml.

  9. #9
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    Hier Studiendaten von 2017 mit einer größeren Patientenzahl zur Wirksamkeit von Eligard.
    https://ascopubs.org/doi/abs/10.1200...5_suppl.e16098

    Aus dem Abstract:
    "In Deutschland wurden in 2 Studien 1906 fortgeschrittene PCa-Patienten, die 3-Monats- (22,5 mg) oder 6-Monats-(45 mg) Spritzen Eligard erhielten, 12 Monate lang von 662 niedergelassenen Urologen beobachtet.
    In beiden Studien wurde der primäre Wirksamkeitsparameter PSA zu Studienbeginn und alle 3 Monate (für 22,5 mg Dosis) oder 6 Monate (für 45 mg Dosis) bis 12 Monate nach Behandlungsbeginn gemessen. Die Messung des Testosteronspiegels war nicht obligatorisch und lag im Ermessen des behandelnden Arztes.

    Ergebnisse
    Insgesamt wurden die medianen Serum-PSA-Werte 12 Monate nach Behandlungsbeginn um 96% von 12,0 ng/ml auf 0,5 ng/ml reduziert.
    Der mediane Testosteronspiegel wurde 12 Monate nach Behandlungsbeginn um 89% von 101,0 ng/dl auf 11,5 ng/dl reduziert.
    Die Testosteronreduktion unter das Kastrationsniveau wurde sowohl bei behandlungsnaiven Patienten als auch bei Patienten, die mit LHRH-Agonisten vorbehandelt wurden (43,2%), erreicht"


    Anmerkungen
    - Eligard senkte in den Studien die Testosteronspiegel auf 11,5 ng/dl = 0,11 ng/ml. Ein Wert der mit den guten Ergebnissen von Triptorelin vergleichbar ist.

    - Die Ergebnisse stammen von Routineuntersuchungen niedergelassener Urologen. Für die Patienten lag die Messung des Testosteronspiegels vor und bei der Behandlung beim Ermessen des Arztes. Eine Erfahrung die ich bestätigen kann. Die Testosteronspiegel wurden bei mir erst nach Nachfrage gemessen.

    Franz


  10. #10
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    Ergänzend eine Studie zu Orchiektomie versus GnRH-Analoga.

    Eine der wenigen randomisierten Studien zum Abfall des Testosteronspiegels nach subkapsulärer Orchiektomie im Vergleich zu GnRH-Analoga, in diesem Fall Triptorelin (Pamorelin). Es handelt sich um eine kleine Gruppe von 58 hormonsensitiven Patienten.
    Triptorelin zeigte sich nach 12 und nach 48 Wochen der subkapsulären Orchiektomie beim Absenken des Testosteronspiegels überlegen.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5433917/

    Zitat:
    Triptorelin-Injektionen führten zu 29% niedrigeren Testosteronwerten (95% CI 17.2-41.7) im Vergleich zur subkapsulären Orchiektomie (p <0.001). Ein signifikant höherer Anteil der Männer, die Triptorelin erhielten, hatten Testosteronspiegel von weniger als 20 ng/dl nach 12 und 48 Wochen im Vergleich zu Männern, die sich einer Orchiektomie unterziehen (97% vs. 79% und 100% vs. 87%, p <0,05). Bei der Reduktion des Nebennierenandrogens konnten wir keinen Behandlungsunterschied zeigen“


    Franz

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