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Thema: Radioligandentherapie mit 255Ac-PSMA-617

  1. #11
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    Ich lese in den "conclusions" der Studie:

    "In 70% of patients, a PSA decline of ≥50% was obtained" (=70% der Patienten hatten einen Rückgang des PSA Wertes von 50% und mehr)


    und weiter:


    "a PSA decline of > 50% proved significantly associated with OS and PFS" (=bei diesen zeigte sich ein Benefit in Bezug auf Gesamtüberleben und progressionsfreies Überleben (frei übersetzt)) Also hat die Therapie bei 70% der Patienten gut gewirkt. Das ist doch ein gutes Ergebnis.


    Es waren 73 Patienten in der Studie, davon hatten 14% (also 10 Patienten) vorher eine Lu177 Therapie gemacht. Ob diese Anzahl gesicherte, statistische Aussagen erlaubt bezweifle ich. Ich gehe auch davon aus, dass die Lu177 Therapie bei diesen Patienten nicht gut gewirkt hatte, darum war man auf Ac225 gewechselt. Es war nur eine Auswahl an Patienten, bei denen bereits eine Lu177 Therapie keinen Erfolg hatte. Dass Ac225 dann auch nur eine begrenzte Wirkung hat, kann man sich vorstellen. Das muss aber nicht heißen, dass eine vorherige Lu177 Therapie grundsätzlich die Ergebnisse der Ac225 Therapie verschlechtert.

  2. #12
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    @Franz
    Den bisweilen im Forum vertretenen Gedanken nach Lutetium-Therapie eine Actinium-Behandlung auf sich zu nehmen, sehe ich sehr skeptisch und möchte aufgrund der Ergebnisse dieser Studie davor warnen.
    Woher kommt Deine Skepsis? Die Studie liefert dafür nur eine vage Vorlage und eigentlich ist das Fazit von Georg #11 meiner Meinung nach zutreffend. Egal, wir beide sind mit multiplen Metastasen belastet und müssen unseren Weg finden. Da hast Du schon festgestellt, dass Lebensqualität ein wesentlicher Faktor bei der Therapieauswahl ist.
    eine Verlängerung der progressionsfreien Zeit (PFS) kann als ein wichtiger Zugewinn an Lebensqualität gesehen werden.
    Ein längerer Zeitraum mit verbesserter Lebensqualität sollte daher, das ist meine Meinung, bei einem sehr fortgeschrittenen Patienten ohne große Aussicht auf Heilung im Vordergrund der Therapien stehen.
    Und da bin ich voll und ganz Deiner Meinung.
    In diesem Sinne alles Gute.
    Arnold

  3. #13
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    Danke für eure engagierten Diskussionsbeiträge!

    Es freut mich dass einige zustimmende Rückmeldungen zur Bedeutung der progressionsfreien Zeit (PFS) gekommen sind.

    Ein Problem bei der Beurteilung von Behandlungserfolgen bei der Lutetium- und noch mehr bei der Actiniumtherapie sind sicherlich die überwiegend kleinen bis sehr kleinen Patientenzahlen bei den Studien.
    Ich verfolge die Entwicklungen mit Interesse und meine Skepsis nährt sich lediglich aus den Hinweisen zum schlechten Abschneiden der mit Lutetium vorbehandelten Gruppe in der Studie.
    und
    In dieser hier schon öfter im Forum zitierten kleinen Studie wurden Patienten mit sehr gutem Ansprechen auf eine Lutetium – Therapie für eine zweite Lutetium-Therapie ausgewählt.

    http://jnm.snmjournals.org/content/e...15715.abstract
    Conclusion: In a small patient cohort with initial excellent response 177Lu-PSMA rechallenge is still active, with lower efficacy and increased toxicity levels.”
    "Fazit: In einer kleinen Patientenkohorte mit anfänglich ausgezeichnetem Ansprechverhalten ist 177Lu-PSMA immer noch aktiv, mit geringerer Wirksamkeit und erhöhter Toxizität."

    Mit geringerer Wirksamkeit und erhöhter Toxizität, das ist aktuell das Problem, das ich bei einer wiederholten PSMA-Therapie sehe. Vielleicht lässt es sich künftig abmildern oder lösen. Warten wir die weitere Entwicklung ab.


    Kleiner Themenwechsel, aber zur Diskussion passend

    Zu den Therapieoptionen beim metastasierenden PCa ein aktuelles, sehr informatives Abstract aus Heidelberg
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31227054

    Einige Zitate:
    Early clinical studies demonstrate that regarding surrogate markers, such as >50% PSA reduction (60%) and radiologic response (80%), PSMA-therapy exceeds the antitumor activity of all approved or other recently tested compounds; for example, PSA-response was only observed in approx. a total of 10% of patients treated with ipilimumab, sunitinib, cabozantinib, or xofigo, respectively and in approx. 30, 40, 50% of patients treated with abiraterone, cabazitaxel, or enzalutamide. Also progression free and overall survivals of these single-arm studies appear promising when compared to historical controls.”

    "Frühe klinische Studien zeigen, dass die PSMA-Therapie bei Surrogatmarkern wie >50% PSA-Reduktion (60%) und radiologischem Ansprechen (80%) die Antitumoraktivität aller zugelassenen oder anderer kürzlich getesteter Substanzen übersteigt; so wurde die PSA-Reaktion beispielsweise nur bei ca. 10% der mit Ipilimumab, Sunitinib, Cabozantinib oder Xofigo behandelten Patienten bzw. bei ca. 30, 40, 50% der mit Abirateron, Cabazitaxel oder Enzalutamid behandelten Patienten beobachtet. Auch progressionsfreie und Gesamtüberlebende dieser einarmigen Studien erscheinen im Vergleich zu historischen Kontrollen vielversprechend."

    Academically clinical research is developing prognostic tools to improve treatment benefit by selecting the most appropriate patients in advance.
    "Die akademische klinische Forschung entwickelt prognostische Instrumente zur Verbesserung des Behandlungsnutzens, indem sie im Voraus die am besten geeigneten Patienten auswählt."

    Anmerkung:
    Patient und Therapie müssen zusammenpassen, dann sind zeitlich begrenzte Therapieerfolge auch bei sehr fortgeschrittenen Patienten möglich.
    Allerdings, eine Heilung beim fortgeschrittenen metastasierenden PCa, scheint auf absehbare Zeit vorerst in weiter Ferne.

    Franz


  4. #14
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    Zitat Zitat von Barnold Beitrag anzeigen
    ... wir beide sind mit multiplen Metastasen belastet und müssen unseren Weg finden.
    Arnold,
    es gibt zum Glück, zumindest im Forum nicht viele, die mit multiplen Metastasen und hohen Anfangs-PSA gestartet sind. Deshalb verfolge ich mit Interesse den erfolgreichen Verlauf deiner (für mich anfangs etwas gewagt erscheinenden) Therapie.

    Unsere Wege sind unterschiedlich, aber beide zeigen bisher sehr gute Ergebnisse.

    Weiterhin alles Gute
    Franz

  5. #15
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    Franz,

    meist wird die Lu177 oder Ac225 Therapie bei kastrationsresistenten Patienten nach Ende der Wirksamkeit von Zytiga bzw. Xtandi angewendet. Diese Patienten haben dann die Wahl zwischen einer Chemo mit Docetaxel und eben der PSMA Therapie. (An sich müssten Sie noch vorher die Chemo machen). Du hast ja einen Riesenerfolg mit der Chemo gehabt. Aber in der von mir beschriebenen Situation wählen viele Patienten die PSMA Therapie, weil sie weniger Nebenwirkungen und in der Regel eine bessere Wirkung als eine Chemo in dieser Situation hat. Sie kann aber nicht heilen, sie bremst das Tumorwachstum nur besser.

    Die in der von Dir angesprochenen Studie durchgeführte "Rechallenge", also Therapiewiederholung, zeigt immer noch bessere Ergebnisse als eine Wiederholung einer Chemotherapie mit Docetaxel. Diese Wiederholung mit Docetaxel spricht bei weniger Patienten an als die Erste. Jedenfalls wenn sie ein paar Monate nach dem ersten Zyklus gemacht wird. Man müsste dann Cabazitaxel nehmen, und eine Wiederholung von Cabazitaxel wird kaum gemacht.

    Ich bin auch dafür, so wenig Lu177 Infusionen zu machen wie möglich, ggfs. auf die Vernichtung kleiner Reste zu verzichten. Dann kann man mit weniger Nebenwirkungen die Lu177 Therapie in einem Jahr wiederholen. Ich habe in einer Studie gelesen, dass die Nebenwirkungen einer PSMA Therapie höher seien, wenn nur wenig Tumorzellen vorhanden sind. Die eingebrachten Liganden würden sich dann mehr an die gesunden Zellen ankoppeln, da sie keine Tumorzellen finden. Das ist jedenfalls der Grund für meine Meinung.

    Georg

  6. #16
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    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    Diese Wiederholung mit Docetaxel spricht bei weniger Patienten an als die Erste. Jedenfalls wenn sie ein paar Monate nach dem ersten Zyklus gemacht wird. Man müsste dann Cabazitaxel nehmen, und eine Wiederholung von Cabazitaxel wird kaum gemacht.
    Georg,
    deine Aussage zur wiederholten Behandlung mit Cabazitaxel muss ich korrigieren.
    Zu Cabazitaxel habe ich im Lauf der Zeit viel gesammelt und einiges an Literatur ins Forum eingebracht, darunter auch diesen Beitrag:
    "Efficacy of cabazitaxel rechallenge in heavily treated patients with metastatic castration-resistant prostate cancer"

    der Forumslink
    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...243#post113243
    enthält untergeordnete links, einen englischen und einen deutschen link zur “cabazitaxel rechallenge”.

    Zitat a. d. dt. link:
    "Etwa 80 Prozent der Patienten sprachen auf die wiederholte Therapie mit Cabazitaxel an. Die Nebenwirkungen hielten sich dabei in Grenzen."

    Klingt doch auch ganz gut!

    Franz

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