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Thema: Radioligandentherapie mit 255Ac-PSMA-617

  1. #1
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    Radioligandentherapie mit 255Ac-PSMA-617

    Eine Übersicht zu aktuellen Erkenntnissen der Radioligandentherapie mit 255Ac-PSMA-617.

    http://jnm.snmjournals.org/content/e....full.pdf+html

    Zitate
    „…225Ac-PSMA-617 is a viable treatment option for patients with castration-resistant prostate carcinoma who have failed conventional therapy…”

    ….225Ac-PSMA-617 ist eine praktikable Behandlungsoption für Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom, die eine konventionelle Therapie nicht bestanden haben…

    und:
    In this study, a PSA decline of > 50% proved significantly associated with OS and PFS in multivariate analysis following treatment with 225Ac-PSMA-617.”

    In dieser Studie zeigte sich ein PSA-Rückgang von > 50% signifikant im Zusammenhang mit OS und PFS in der multivariaten Analyse nach der Behandlung mit 225Ac-PSMA-617.
    OS – Gesamtüberleben
    PFS – progressionsfreies Überleben


    Allerdings zeigt sich auch bei der Actinium-Therapie, ähnlich wie bei verschiedenen anderen Therapien, dass eine frühe Anwendung verträglicher und erfolgversprechender ist, als eine Anwendung beim geschwächten, sehr fortgeschrittenen Patienten:

    …In our study, these heavily pretreated patients had a significantly shorter duration to biochemical progression compared with patients in whom 225Ac-PSMA-617 was introduced earlier in their treatment history. On the whole, being heavily pretreated did not impact on the OS in our cohort.”

    …in unserer Studie hatten diese stark vorbehandelten Patienten eine signifikant kürzere Dauer der biochemischen Progression als Patienten, bei denen 225Ac-PSMA-617 früher in ihrer Behandlungsgeschichte eingeführt wurde. Insgesamt hatte die starke Vorbehandlung keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben in unserer Kohorte.


    Und ein sehr wichtiges Ergebnis:
    Eine vorherige Behandlung mit der 177Lu-PSMA- 617-Therapie schmälert den Erfolg einer 225Ac-PSMA-617-Behandlung.
    Man vermutet eine durch die 177Lu-PSMA-617-Therapie verursachte Strahlenresistenz.
    Zitat:
    ..."previous 177Lu-PSMA treatment may have induced an increased resistance to radiation."

    Zur Vorbehandlung mit Lutetium: siehe Diagramm 3B, S. 20


    Franz



  2. #2
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    Franz,

    vielen Dank für den Link zu dieser Studie. Die muss ich noch genauer lesen, mein Englisch ist halt nicht so doll. Offensichtlich tut sich auf dem Gebiet so langsam etwas. Soweit ich das aus der Studie ersehe, könnte ich mich da glatt einreihen. Mein PSA-Abfall war nach der ersten 177Lu-PSMA-Infusion auf <10% des Ausgangswertes gefallen, nach der zweiten Kombi mit 225Ac immer noch auf <25%. Dank Deines Artikels weiß ich jetzt vermutlich auch, warum der zweite Abfall geringer war. Interessant ist noch, dass die Dosis in der Studie von anfänglich 8 MBq 225Ac gemindert wurde auf 7,6 resp. 4 MBq, also letztlich immer noch deutlich stärker als bei mir mit 1,7 MBq 225Ac.

    Dir alles Gute.
    Arnold

  3. #3
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    Eine vorherige Behandlung mit der 177Lu-PSMA- 617-Therapie schmälert den Erfolg einer 225Ac-PSMA-617-Behandlung
    Danke Franz für die wirklich interessante Link!

    Die obige Feststellung ist allerdings keine neue grosse Erkenntnis. 177Lu und 225Ac sind beides Radioliganden Therapien. Dass das Ergebnis einer PRLT durch eine schon voran gegangene PRLT verschlechtert werden wird ist doch bekannt.
    Klaus
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Bericht in Myprostate.eu: http://www.myprostate.eu/?req=user&id=69&page=report

  4. #4
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    Hallo Klaus, schön Dich wieder zu Lesen:

    Die obige Feststellung ist allerdings keine neue grosse Erkenntnis. 177Lu und 225Ac sind beides Radioliganden Therapien. Dass das Ergebnis einer PRLT durch eine schon voran gegangene PRLT verschlechtert werden wird ist doch bekannt.
    177Lu ist ein Beta Strahler, 225 Actinium ein überwiegender Alphastrahler. Die beiden haben auch unterschiedliche Eindringtiefen. Im 225 Actinium ist das Radioisotop Franzium die Unbekannte.
    Die Halbwertzeit ist in diesem Anteil wesentlich höher und niemand weiß etwas Genaues darüber.
    Offenbar wirkt Ac 225 besser, leider kannte ich auch Mitbetroffene welche mit den Nebenwirkungen bis zu ihrem Tode zu kämpfen hatten. ( Malte, Frerich, Hvielemi )
    Ich bin mir sicher, dass hier die Entwicklung auch weiter geht.

    Gruss
    Hans-J.

  5. #5
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    Zitat Zitat von Hans-J. Beitrag anzeigen
    177Lu ist ein Beta Strahler, 225 Actinium ein überwiegender Alphastrahler. Die beiden haben auch unterschiedliche Eindringtiefen. Im 225 Actinium ist das Radioisotop Franzium die Unbekannte.
    Die Halbwertzeit ist in diesem Anteil wesentlich höher und niemand weiß etwas Genaues darüber.
    Doch, man weiss schon etwas darüber. Wegen des Franziums braucht man sich keine Sorgen zu machen, siehe Arnolds Recherche hier:

    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...444#post117444



  6. #6
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    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Allerdings zeigt sich auch bei der Actinium-Therapie, ähnlich wie bei verschiedenen anderen Therapien, dass eine frühe Anwendung verträglicher und erfolgversprechender ist, als eine Anwendung beim geschwächten, sehr fortgeschrittenen Patienten:

    …In our study, these heavily pretreated patients had a significantly shorter duration to biochemical progression compared with patients in whom 225Ac-PSMA-617 was introduced earlier in their treatment history. On the whole, being heavily pretreated did not impact on the OS in our cohort.”

    …in unserer Studie hatten diese stark vorbehandelten Patienten eine signifikant kürzere Dauer der biochemischen Progression als Patienten, bei denen 225Ac-PSMA-617 früher in ihrer Behandlungsgeschichte eingeführt wurde. Insgesamt hatte die starke Vorbehandlung keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben in unserer Kohorte.
    Franz, ohne jetzt die Arbeit ganz gelesen zu haben: aus dem Zitat läßt sich deine Schlußfolgerung nicht ableiten. Die Vorbehandlung hatte ja gerade keinen Einfluß auf das OS, und war insoweit nicht weniger erfolgversprechend. Progression als Endpunkt kann man wohl kaum als Mißerfolg betrachten; zumal die ausgiebig vorbehandelten Patienten vielleicht schon eine längere Krankheitsdauer mit fortgeschrittener Zellentdifferenzierung hinter sich hatten. Wenn kein Vorteil beim OS entsteht, läßt sich eine nebenwirkungsreiche Therapie wohl kaum bereits zu einem frühen Zeitpunkt rechtfertigen.
    Die Annahme, dass vielleicht Resistenz verantwortlich ist, würde eher die Kombitherapie fördern; oder man müßte über verbesserte Liganden oder Dosiserhöhung nachdenken, damit wirklich alle Krebszellen vernichtet werden.

  7. #7
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    Martin,
    hier noch einige Erläuterungen zum besseren Verständnis der Studie.

    Die Erklärung zu “less heavily treated” findet sich in der Diskussion (S.13), in der die Autoren ihre Studienergebnisse mit anderen, ähnlichen Studien vergleichen. Darauf bezog sich meine obige Einschätzung zur früheren Behandlung.

    Und dann gibt in der aktuellen Studie ebenfalls „less heavily“ und „heavily treated patients“!

    Compared with some previously reported patients population treated with PSMA-based radioligand therapy, our cohort appear less heavily pretreated. In our study, these heavily pretreated patients had a significantly shorter duration to biochemical progression compared with patients in whom 225Ac-PSMA-617 was introduced earlier in their treatment history. On the whole, being heavily pretreated did not impact on the OS in our cohort”

    “Im Vergleich mit den Berichten von einigen früheren Patientengruppen, die mit PSMA-basierter Radioliganden-Therapie behandelt wurden, erscheint unsere Kohorte weniger stark vorbehandelt (*1). In unserer Studie hatten die stark vorbehandelten Patienten(*2) eine signifikant kürzere Dauer der biochemischen Progression als Patienten, bei denen 225Ac-PSMA-617 früher in ihrer Behandlungsgeschichte eingeführt wurde. Im Großen und Ganzen, hatte die starke Vorbehandlung keinen Einfluss auf das Gesamtüberleben in unserer Studie."

    *1 Die Patienten der aktuellen Studie erscheinen insgesamt weniger stark vorbehandelt, im Vergleich mit anderen (früheren) Studien.
    *2 „die stark vorbehandelten Patienten“ bezieht sich hier auf Patienten (pts) dieser Studie mit höheren ECOG-Status (schlechterer Gesamtzustand).siehe S. 7. Allerdings liegt der ECOG-Status nicht für alle Teilnehmer vor.
    ECOG-Status: Fremdeinschätzung d. Patientenaktivität in 6 Stufen

    Anmerkung:
    Ob Actinium oder Lutetium eine bessere Option für einige oder evtl. viele Patienten ist, wird sich in einigen Jahren herausstellen. Eine Studie Lutetium versus Actinium ist mir nicht bekannt.
    Aktuell wird in der ANZUP-Studie in Australien Lutetium versus Cabazitaxel untersucht. Dauert aber auch noch.

    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...050#post115050

    Was mir Sorge macht und worauf ich hinweisen wollte, ist die Erkenntnis dieser Studie, dass Actinium-Behandlung, bei mit Lutetium vorbehandelten Patienten, keine großen Erfolge bringt (Abb 3B, Studientext).
    Patienten die auf Actinium ansprechen (PSA-Abfall um über 50 Prozent) haben in der Studie eine wesentlich günstiger OS-Prognose als Patienten mit geringerem PSA-Abfall (Abb. 2 Studientext). Woraus sich daher der folgender Satz begründet, ist mir nicht so ganz klar : "On the whole, being heavily pretreated did not impact on the OS in our cohort”

    Zu Patienten mit Lutetium-Vorbehandlung gibt es leider kein OS-Diagramm.

    Den bisweilen im Forum vertretenen Gedanken nach Lutetium-Therapie eine Actinium-Behandlung auf sich zu nehmen, sehe ich sehr skeptisch und möchte aufgrund der Ergebnisse dieser Studie davor warnen.

    Franz


  8. #8
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    Ich habe die Studie jetzt gelesen. Es handelt sich um 14 Patienten eines heterogenen Kollektivs, die mit Lu-177 vorbehandelt wurden. Die Zeit der Progressionsfreiheit verkürzte sich, aber das Gesamtüberleben blieb unverändert (alle Tode im Nachbeobachtungszeitraum konnten auf PCa zurückgeführt werden). Ich kann daher nicht erkennen, warum eine solche Therapiefolge ein besonderes Risiko darstellt. Dazu bedürfte es wie im Artikel erwähnt weiterer Studien, so wie die VISION-Studie (Phase III) zu Lu-177: "In line with the ongoing phase-three randomized VISION study, which will compares 177Lu-PSMA-617 plus best standard of care to best standard of care alone investigations using OS as primary endpoint, prospective-designed studies assessing potential benefit of 225Ac-PSMA-617 on PFS and OS are mandatory."

    Interessant an dieser Studie sind vor allem die geringe Toxizität und die Diskussion über die unterschiedlichen Wirkungen der Strahlung von Ac-225 und Lu-177. Die Berichte hier im Forum waren bisher nicht so positiv bezüglich Ac-225.

  9. #9
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    Martin,
    eine Verlängerung der progressionsfreien Zeit (PFS) kann als ein wichtiger Zugewinn an Lebensqualität gesehen werden.
    Ein längerer Zeitraum mit verbesserter Lebensqualität sollte daher, das ist meine Meinung, bei einem sehr fortgeschrittenen Patienten ohne große Aussicht auf Heilung im Vordergrund der Therapien stehen.

    Was nutzt eine längere Gesamtlebenszeit (OS), wenn es dem Patienten dabei immer schlechter geht?

    Die Actinium-Behandlung hat bei den Patienten, bei denen sie angesprochen hat, eine mittlere PFS von ca. 15 Monaten gezeigt. Actinium könnte damit u. U. eine Alternative zu Lutetium werden, das wird sich zeigen. Für eine Nachfolgebehandlung nach Lutetium erscheint Actinium jedoch, aufgrund der hier vorliegenden Studienergebnisse, aus meiner Sicht nicht geeignet.

    Wenn ein Patient beinahe austherapiert ist, kann in Bezug auf Lebensqualität und Lebenszeit auch eine palliative Therapie sinnvoll sein.
    Siehe Zitate in:
    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...482#post117482

    Franz

  10. #10
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    Franz, ich stimme dir zu, dass progressionsfreie Zeit als ein wichtiger Zugewinn an Lebensqualität gesehen werden kann. Da haben wir uns mißverstanden. Ich halte die Diskrepanz zwischen PFS und OS bei der Gruppe der Lu-177 vorbehandelten Patienten für ein Indiz, dass die Gruppe zu heterogen und/oder zu klein ist (Letzteres ist sie auf jeden Fall). Der "p-Wert" wird immer gerne berechnet, aber in der nächsten Studie ergibt sich dann ein völlig anderes Bild; solche Fälle habe ich hier und in der Recherche schon häufig gesehen.
    Ich kann daher deine Einschätzung nicht teilen: "...aufgrund der hier vorliegenden Studienergebnisse, aus meiner Sicht nicht geeignet." Der Plural ist übrigens unangemessen, da es sich nur um ein Ergebnis diser einen Studie handelt.

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