Seite 5 von 8 ErsteErste ... 34567 ... LetzteLetzte
Ergebnis 41 bis 50 von 73

Thema: Überraschungsdiagnose - Wie einzuordnen, was tun ?

  1. #41
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.019
    Zitat Zitat von maulwurf Beitrag anzeigen
    Und stattdessen vorsorglich lediglich mutmasslich infiltrierte Lymphknoten entfernt werden ?
    Ja, das heißt das. Der Operateur kann den Lymphknoten nicht ansehen, ob sie befallen sind und entfernt die, die er am besten bei der Operation entfernen kann. Das ist nur eine Stichprobe, die nach der Operation vom Pathologen untersucht wird.

    Mit Deinem Gleason 7b und PSA über 16 ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Lymphknoten befallen sind. Das bedeutet, dass nach der Operation der PSA Wert nicht auf Null zurückgeht und man Dir eine möglichst baldige Bestrahlung empfiehlt (Dauer 6 Wochen).

    Durch die radioaktive Markierung (ähnlich wie beim PSMA PET/CT), kann der Operateur während der Operation feststellen, welche Lymphknoten befallen sind. So können in der Regel die befallenen Lymphknoten gefunden und entfernt werden. Dies kann eine Bestrahlung nach Operation unnötig machen. Ich würde Dir also dringend raten, dies machen zu lassen. Es wird nicht regelmäßig durchgeführt, weil die Methode noch neu ist und der Operateur entsprechende Erfahrung haben muss. In Hamburg macht das Dr. Maurer, der weltweit die größte Erfahrung hat.

    Behandlungen im Rahmen von Studien werden in der Regel von den Krankenkassen bezahlt. Die von Ralf genannten Zusatzkosten fallen dann wohl nicht an, Du kannst ja fragen.

    Georg

  2. #42
    Registriert seit
    28.01.2019
    Beiträge
    69
    Hallo Georg,

    ich gehe mal davon aus, dass bei meinem Mann, der in diesem Jahr im Februar operiert wurde (ebenfalls Gleason 4+3) diese radioaktive Markierung nicht durchgeführt wurde.
    Da aber der PSA nach der OP mittlerweile schon 2x unter der Nachweisgrenze war, kann ich aber doch trotzdem davon ausgehen, dass der nach der OP ermittelte pathologische Wert von PN0 tatsächlich zutrifft, d.h. der Operateur keine befallenen Lymphknoten übersehen hat......oder?

    Liebe Grüße, Christel

  3. #43
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.019
    Hallo Christel,

    meine Frau sagt, ich sehe meistens schwarz. Wie soll ich von hier aus wissen, ob bei Deinem Mann in ein paar Jahren nicht doch der PSA Wert wieder steigt? Solange der PSA Wert unter der Nachweisgrenze ist, kann man davon ausgehen, dass keine Metastasen vorhanden sind. Man kann aber nicht ausschließen, dass sich irgendwann welche zeigen.

    Georg

  4. #44
    Registriert seit
    06.03.2017
    Beiträge
    1.037
    Das Nomogramm vom Memorial Sloan Kettering Center gibt Auskunft: https://www.mskcc.org/nomograms/prostate/post_op
    "Probability of Remaining Recurrence-free After Surgery"
    2 Jahre 93%

    5 Jahre 79%

    7 Jahre 72%

    10 Jahre 64%
    15-Jahresüberleben (krebs-spezifisch, andere Todesursachen nicht berücksichtigt): 98%

  5. #45
    Registriert seit
    22.02.2019
    Ort
    Montreal, QC - Berlin, DE
    Beiträge
    123
    Zitat Zitat von Espera Beitrag anzeigen
    Da aber der PSA nach der OP mittlerweile schon 2x unter der Nachweisgrenze war, kann ich aber doch trotzdem davon ausgehen, dass der nach der OP ermittelte pathologische Wert von PN0 tatsächlich zutrifft, d.h. der Operateur keine befallenen Lymphknoten übersehen hat......oderi
    Kann man nicht wissen. Aber bei einem PSA unter Nachweisgrenze kann nicht viel Tumorgewebe ausserhalb der Prostata gewesen sein, wenn überhaupt. Ob das unter der OP mit radiologischen Verfahren gefunden worden wäre, ist fraglich.

  6. #46
    Registriert seit
    25.10.2015
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    1.272
    Da hast du recht. Bei mir war es es vier mal unter Nachweisgrenze dann ist der PSA wieder angestiegen.

  7. #47
    Registriert seit
    28.01.2019
    Beiträge
    69
    Herzlichen Dank für eure fachkundigen Rückmeldungen.
    Letztendlich heißt es abwarten und Ruhe bewahren, heute ist wieder Tag der Wahrheit, die nächste PSA-Messung steht an.

  8. #48
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.019
    Prof. Schostak aus Magdeburg hatte sich früher in diesem Forum dazu geäußert, wann man bei einem Anstieg des PSA Wertes mit Hormontherapie beginnen sollte. Ich habe zwei Beiträge von ihm zu diesem Thema herausgesucht:
    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...7285#post87285
    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...1355#post81355

    Im zweiten Beitrag schlägt er eine intermittierende Hormontherapie vor, also mit Pausen. Dabei verweist er auf zwei Studien zu diesem Thema, die die Pause beendet haben, als der PSA Wert wieder 10 ng/ml erreichte. Dann schreibt er: "Mein Vorschlag betrifft also eine intermittierende Hormontherapie, allerdings beginnend mit der Pause." Beginnend mit Pause heißt, bei einem Anstieg des PSA Wertes erst bei 10 ng/ml beginnen.

    Es gibt auch eine Studie von Crook, die ebenfalls die Pause bei 10 ng/ml beendete: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1201546

    Damit sind Prof. Schostak und ich der Meinung, man sollte bei einem PSA Anstieg erst ab einem PSA Wert von 10 ng/ml mit der Hormontherapie beginnen. Es sei denn, man erkennt früher Metastasen - an sich gilt dabei auf der Basis dieser Studien nur CT und Knochenszintigramm als bildgebendes Verfahren und nicht ein PSMA PET/CT. Die niedergelassenen Urologen fangen aber meist viel früher an.

    Christel, ich glaube Dein Mann kann beruhigt abwarten, es dauert sicher noch "ewig" bis er einen PSA Wert von 10 ng/ml erreicht.

    Georg

  9. #49
    Registriert seit
    03.03.2017
    Beiträge
    46
    Hallo Georg,

    nicht ganz konform mit Prof. Schostak sind m.E. die Ergebnisse der TOAD Studie. Oder habe ich etwas nicht ganz verstanden?
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27155740
    Hier das Fazit auf Deutsch:
    Fazit der Autoren

    Die Studie gibt einen Anhaltspunkt dafür, dass durch einen frühzeitigen Start der Androgendeprivationstherapie (ADT) gegenüber einem späteren Beginn der ADT die Überlebensdauer verlängert wird bei:1
    1. Patienten mit einem neu-diagnostizierten, unheilbaren Prostatakarzinom ohne Symptome.
    2. Patienten, die schon früher wegen eines Prostatakarzinoms kurativ behandelt wurden und bei denen der PSA-Wert erneut ansteigt.
    Gleichzeitig zeigten Patienten unter früher ADT ein langsameres Fortschreiten der Erkrankungen und entwickeln seltener eine Kastrationsresistenz.1

    Gruß
    Johan

  10. #50
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.019
    Johann,

    diese Studie hatte viel zu wenige Teilnehmer, sie war "underpowered". D.h. die Ergebnisse sind dadurch statistisch nicht ausreichend belegt. Um die Teilnehmerzahl zu erhöhen, wurden außerdem sehr unterschiedliche Teilnehmer eingeschlossen:
    We divided men into two groups that had different eligibility requirements.
    Group one was composed of men who had a PSA relapse after treatment and
    group two was composed of asymptomatic men who were unsuitable for curative treatment because of age, comorbidity, or locally advanced disease.

    Also einmal Patienten, die einen PSA Anstieg nach Operation oder Bestrahlung hatten und auf der anderen Seite Patienten, die keine Behandlung hatten und sofort mit Hormontherapie anfingen. Das sind aber ganz unterschiedliche Ausgangssituationen. In einem Artikel habe ich gelesen, dass ohne die kleinere Gruppe 2 kein statistischer Unterschied zwischen früh und spät zu ermitteln wäre.
    Außerdem wurden die Patienten nach Empfehlung des jeweiligen Arztes sowohl mit intermittierender Hormontherapie als auch mit kontinuierlicher Hormontherapie behandelt. Teilweise konnten sich die Patienten auch wünschen, ob sie früh oder spät anfingen, soweit zur Randomisierung.

    Dann schreiben die Autoren in der Studie:
    We now plan to combine the group one data (also nur die größere Gruppe!) from TOAD with the equivalent Canadian trial ELAAT (NCT00439751); a protocol that was prospectively designed to allow this approach. This combination will provide about 350 men in total and increase the power of the analysis.

    Diese Kombination mit der ELAAT Studie wurde inzwischen durchgeführt um ein statistisch verbessertes Ergebnis zu erreichen. Dabei ergab sich, dass kein Unterschied mehr zwischen einem frühen oder verzögerten Beginn der Hormontherapie festgestellt werden konnte wenn man die Teilnehmerzahl wie geplant erhöhte:
    https://www.docwirenews.com/conferen...-after-rt/amp/

    Die TOAD Studie sollte man nicht zur Entscheidungsfindung heranziehen.

    Georg

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •