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Thema: Akzeptanz für eine Alternative

  1. #11
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    Zitat Zitat von DerBader Beitrag anzeigen
    @Martin

    ...
    Bei allem was man heute über die Pathogenese des Prostatakarzinoms weiß rechtfertigt imo das Kontrollieren. Voraussetzung hierzu ist natürlich eine zuverlässige Diagnostik und möglichst eine Zweitmeinung, deren großer Befürworter ich bin. ...

    Matthias
    Das sehe ich auch so!
    Als direkt von der Krankheit Betroffener bin ich aber ja oft nicht nur körperlich, sondern auch psychisch geschwächt, so dass mir dann auch leicht die Energie fehlen kann, mich um eine Zweitmeinung zu kümmern. Da ist es dann sehr hilfreich, dass z.B. der behandelnde Arzt dies unterstützt. Leider funktioniert unser Gesundheitssystem wohl oft nicht so in der Richtung und ich als Betroffener fühle mich dann alleingelassen.
    Ich persönlich hatte bis jetzt das Glück, dass mein Arzt diese Unterstützung ableistet, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
    Lutz

  2. #12
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    Matthias, du hast nicht "Kontrolle" verwendet, sondern "unter Kontrolle halten". Das definiert auch der Duden anders. Das ist in diesem Fall beschönigend, so wie "Vorsorge" statt "Früherkennung". Sowas passiert in der Argumentation leicht, wenn man glaubt, eine "gute" Sache zu vertreten. Einem selbst wird das häufig nicht bewußt, dabei appelliert man an das Unbewußte des Lesers, und der Eindruck wird positiver als er sein dürfte.
    Zitat Zitat von DerBader Beitrag anzeigen
    Auf dem Markt der fokalen Therapien sind sicherlich sehr interessante Ansätze die sich aber erst einmal beweisen müssen. Auch hier gilt das obige, Erfolge sind Wahrscheinlichkeiten ohne Garantie.
    Um solche Beweise zu führen ist PCa eine undankbare Krankheit. Sie tritt zu spät auf und dauert zu lange bis zu einem vernünftigen Endpunkt (entweder stirbt man an etwas Anderem vorher oder die Studien müssen so lange laufen, dass Ergebnisse auf ein Verfahren nicht mehr zutreffen, weil es weiterentwickelt oder obsolet wurde). Eine Primärtherapie wird außerdem bei Progression von weiteren Therapien gefolgt, die dann viel stärker das krankheitsspezifische Überleben beeinflussen. Progression als Endpunkt ist auch wieder problematisch, wenn der Zeitraum kurz ist.

    Die RPE hat sich historisch nie beweisen müssen, man hatte nur das Messer. Die Strahlentherapie hat dann einen langen Weg gehabt, um anerkannt zu werden. Dass das überhaupt geschah, ist rückblickend seltsam, denn die Ergebnisse sind in den großen Studien kaum besser als AS, und schlechter als bei RPE. Die heutige Bildgebung wird das verbessern, weil treffsicherer bestrahlt werden kann; man braucht dann keine Untersuchung des entnommenen Organs, um R1 oder Samenblasenbefall oder andere Merkmale festzustellen.

    Es geht nicht so sehr um einen Vergleich der Wahrscheinlichkeiten des Erfolgs der unterschiedlichen Verfahren (wenn er denn möglich wäre). Man muss die Interessen und jeweils erreichbaren Vorteile sehen: Kliniken, die in Roboter investiert haben; Ärzte, die bestimmte Methoden perfekt beherrschen; Chefärzte, die beim Spagat zwischen Forschung/Fortschritt und Medizinbetrieb fast immer dem Betrieb zuneigen; Patientenängste, die alles befördern ("radikale Operation - das Ding bin ich endgültig los"); mangelnde Risikobereitschaft in einem voll regulierten Gesundheitssystem. Auf der extremen Gegenseite siedeln sich unvermeidlich die Scharlatane an, wenn genügend Menschen von dieser "Schulmedizin" enttäuscht sind. Dazwischen sitzen diejenigen, die sich den Zwängen dieses Systems eingermaßen entzogen haben, und in kleinen Kliniken oder in "Nischen", als niedergelassene Ärzte oder in der wirklichen Grundlagenforschung Verfahren erfinden, testen und schließlich anwenden. Wo keine Gelder für aufwendige Studien fließen (weil Pharma nicht im Spiel, oder die öffentlichen Mittel schon vom DKFZ abgeschöpft sind) ist man dankbar für Privatpatienten - und bekommt den Vorwurf, ein Geschäftemacher zu sein. Damit läßt sich allerdings gut leben, denn auch die größten Kliniken optimieren sehr präzise Richtung Mindestbelegungsdauer (jeder Tag mehr wird wegen Fallpauschale nicht bezahlt), die Nachsorge geht dann extra beim Hausarzt oder im Notfall in der Ambulanz oder über das Rettungswesen.

  3. #13
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    Martin, wenn das Forum dazu dient Wortklauberei zu betreiben bin ich hier fehl am Platz. Des Friedens willen möge man in diesen Fall das Wort "Kontrolle" in dem zitierten Satz durch "Beobachtung" ersetzen, damit keine Missverständnisse in meiner Darstellung entstehen oder meine Erfahrung fehl interpretiert wird.

    Deine Ausführungen sind jedenfalls sehr interessant und haben den Touch von politischer Philosophie. In manchen Ansätzen könnte ich dir sogar zustimmen.

    Wer kritisiert sollte aber auch Lösungen bieten können. Vielleicht hast du ja den Königsweg parat, auf jedem Fall bin ich auf einen Vorschlag sehr gespannt. Ich bitte aber um Fairness, es sind nicht nur die geldgierigen Kliniken und Ärzte, die Pharmafirmen und ein "voll reguliertes Gesundheitssystem. Vielleicht fangen wir dann auch mit der Anspruchshaltung der Patienten an und diskutierten über überfüllte Notfallaufnahmen. Warum muss ich am Wochenende einen Panaritium behandeln, dass schon seit 14 Tagen Probleme macht?

    Bei mir landen tagtäglich Menschen auf dem OP Tisch die meistens nichtsahnend, mit mir noch am selben Tag ein Date zu haben, aus dem Haus gehen. Polytraumatisierte, schwer kranke Menschen jeder Hautfarbe und Religion, deren Leben oft am seidenen Faden hängt. Bei meiner Arbeit kenne ich nur einen Patienten, ein Menschenleben, egal ob PKV, GKV, Selbstzahler oder Sozialamt. Auch unsere Klinik denkt in dieser Situation nicht an Budget oder Bonuszahlungen. Dies alles Dank unserem Gesundheitssystem. Ob dieser Patient dann nach überlebter ICU hinterher im Dreibettzimmer oder auf der Privatstation landet habe ich nicht zu verantworten, dies ist politischer Wille. Vielleicht lohnt es sich auch darüber einmal nachzudenken.

    Matthias

    PS: Vielleicht sollten wir den Diskurs an dieser Stelle beenden. Das Forum ist hierzu nicht die richtige Plattform, vor allem steige ich dann auch wieder aus. Der Befangenheit wegen... Achja nur noch eine kleine Anmerkung, mein Arbeitstag hat theoretisch 10 Stunden. Danach renne ich aber nicht aus dem OP und freue mich auf Frau, Hund und Kinder sonder mache weiter. Dann werden es mit Hintergrund-, Bereitschafts-, oder Rufdienst auch mal 14 oder 16 Stunden...

  4. #14
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    Lieber Matthias,
    ich fände es sehr schade, wenn Du im Forum nichts mehr schreiben möchtest. Vielleicht überlegst Du Dir das noch einmal.
    Ich lese Deine Beiträge jedenfalls sehr gerne und fände es auch besser, wenn wir mehr Personal in den Kliniken hätten und auch nicht Leute in die Notfallaufnahmen gehen, die da gar nicht hingehören.
    LG Lutz

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