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Thema: Ektomie oder AS

  1. #1
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    Ektomie oder AS

    Hallo zusammen,

    ich bin 68 Jahre alt und im Juli 2019 wurde bei mir Prostatakrebs festgestellt.

    Für mich stellt sich nun die Frage ob ich eine Ektomie durchführen lassen soll oder erstmal abwarte und die aktive Überwachung in Betracht ziehe.

    Chronologie:
    Mein Hausarzt stellte beim diesjährigen Check-up eine partielle (rechtsseitige) Verhärtung der Prostata fest und stellte mich nachfolgend einem Urologen vor.

    Auch dem Urologen erschien meine Prostata nach erfolgter DRU suspekt und riet mir zur Biopsie.

    (Den pathologischen Befund hänge ich am Ende an)

    Der PSA-Wert wurde erstmalig vor zwei Jahren (2017) mit knapp unter 5 ermittelt und im Juli 2019 mit 5,3 (verschiedene Labore)

    Über Antworten würde ich mich freuen.

    Beste Grüße
    Gerhard

    HISTOPATHOLOGISCHE BEGUTACHTUNG

    Makroskopie:
    1. (Apex medial re.): Ein 15 mm langer Stanzzylinder (HE).
    2. (Apex lateral re.): Ein 8 mm langer Stanzzylinder (HE).
    3. (Mitte medial re.): Ein 15 mm langer Stanzzylinder (HE).
    4. (Mite lateral re.): Ein 8 mm langer Stanzzylinder (HE).
    5. (Basis medial re.): Ein 5 mm langer Stanzzylinder (HE).
    6. (Basis lateral re.): Ein 15 mm langer Stanzzylinder (HE).
    7. (Apex medial li.): Ein 14 mm langer Stanzzylinder (HE).
    8. (Apex lateral li.): Ein 4 mm langer Stanzzylinder (HE).

    9. (Mitte medial ii.): Ein 12 mm langer Stanzzylinder (HE)
    10. (Mitte lateral li.): Ein 12 mm langer Stanzzylinder (HE).
    11. (Basis medial li.): Ein 3 mm langer Stanzzylinder (HE).
    12. (Basis lateral li.): Ein 15 mm langer Stanzzylinder (HE).

    Mikroskopie:
    12. Hyperplastische prostatische Drüsen innerhalb eines fibrosierten Stromagewebes. Daneben kommen mikroazinäre Proliferate zur Darstellung mit runden Kemen mit Makronukleolen. Keine Perineuralscheideninfiltration. Keine Gefäßinvasion. Diagnose:
    1. (Apex medial re.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 4,5 mm.
    2. (Apex lateral re.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 2,2 mm.
    3. (Mite medial re.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 9 mm.
    4. (Mitte lateral re.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 3 mm.
    5. (Basis medial re.): Tumorfreies Prostatagewebe.
    6. (Basis lateral re.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 9 mm.
    7. (Apex medial li.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 5,5 mm.
    8. (Apex lateral li.): Tumorfreies Prostatagewebe.

    9. (Mite medial li.): Azinäres Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 2,2 mm.
    10. (Mitte lateral li.): Tumorfreies Prostatagewebe.
    11. (Basis medial li.): Tumorfreies Prostatagewebe.
    12. (Basis lateral li.): s Adenokarzinom der Prostata Gleason 3 + 3 = 6, Tumorausdehnung 4,5 mm.


  2. #2
    DerBader Gast
    Hallo Gerhard,

    die S3 Leitlinien des Prostatakarzinoms sieht eine Active Überwachung bei maximal 2 positiven Stanzen mit einem Gleason von 6 vor.

    Bei dem Befund wäre ein kurativer Ansatz, Ektomie bzw. Bestrahlung, angebracht.

    Matthias

  3. #3
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    Verständnissfrage ? Sind das wirklich 15 mm lange Stanzzilinder ? Ist die Prostata so groß das dann so viele Gezogen werden ?

  4. #4
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    Zitat Zitat von Michi1 Beitrag anzeigen
    Verständnissfrage ? Sind das wirklich 15 mm lange Stanzzilinder ? Ist die Prostata so groß das dann so viele Gezogen werden ?
    Ich habe lediglich den Befund hier rein kopiert. (Konnte dem Pathologen nicht über die Schulter schauen ;-) Die Prostata ist/war 42 ccm groß.

  5. #5
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    Zitat Zitat von DerBader Beitrag anzeigen
    Hallo Gerhard,

    die S3 Leitlinien des Prostatakarzinoms sieht eine Active Überwachung bei maximal 2 positiven Stanzen mit einem Gleason von 6 vor.

    Bei dem Befund wäre ein kurativer Ansatz, Ektomie bzw. Bestrahlung, angebracht.

    Matthias
    Hallo Matthias,

    Ich war letzten Monat erstmalig bei der Selbsthilfegruppe in Leverkusen wo auch ein Urologe anwesend war. Da mir das von Dir geschilderte Einschluss/Auschluss-kriterium auch bekannt war, habe ich ihn explizit darauf angesprochen. Seiner Meinung nach sind das lediglich "Leitlinien" und in meinem konkreten Fall würde nichts gegen AS sprechen.

  6. #6
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    Hallo Gerhard,
    Zitat Zitat von Gerhard H. Beitrag anzeigen
    Für mich stellt sich nun die Frage ob ich eine Ektomie durchführen lassen soll oder erstmal abwarte und die aktive Überwachung in Betracht ziehe.
    die Frage ist leider leicht zu beantworten:
    Die "Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms", kurz "S3-Leitlinie" genannt, sagt Folgendes zu den Kriterien für die Aktive Überwachung:


    • PSA-Wert ≤10 ng/ml,
    • Gleason Score ≤6,
    • klinisches Stadium cT1 ubnd cT2a,
    • Tumor in ≤2 von 12 Stanzen,
    • ≤50 % Tumor in jeder Stanze.


    Von Deinem PSA-Wert hast Du nichts geschrieben, aber es waren acht von zwölf Stanzen befallen, davon mindestens zwei zu über 50 %. Die AS ist damit definitiv keine Option für Dich.

    Ralf

    P.S.: Ich habe eben Deinen Beitrag von 12:40 Uhr gelesen mit der Meinung des Urologen. Der gute Mann erscheint mir etwas uninformiert. Zur Active Surveillance gab es drei international hochkarätig besetzte Konferenzen, in denen die Erfahrungen ausgetauscht und durchgeführten Studien diskutiert wurden. Die Quintessenz davon ist in die deutsche Leitlinie eingeflossen.

  7. #7
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    Zitat Zitat von RalfDm Beitrag anzeigen
    Hallo Gerhard,

    die Frage ist leider leicht zu beantworten:
    Die "Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms", kurz "S3-Leitlinie" genannt, sagt Folgendes zu den Kriterien für die Aktive Überwachung:


    • PSA-Wert ≤10 ng/ml,
    • Gleason Score ≤6,
    • klinisches Stadium cT1 ubnd cT2a,
    • Tumor in ≤2 von 12 Stanzen,
    • ≤50 % Tumor in jeder Stanze.


    Von Deinem PSA-Wert hast Du nichts geschrieben, aber es waren acht von zwölf Stanzen befallen, davon mindestens zwei zu über 50 %. Die AS ist damit definitiv keine Option für Dich.

    Ralf

    P.S.: Ich habe eben Deinen Beitrag von 12:40 Uhr gelesen mit der Meinung des Urologen. Der gute Mann erscheint mir etwas uninformiert. Zur Active Surveillance gab es drei international hochkarätig besetzte Konferenzen, in denen die Erfahrungen ausgetauscht und durchgeführten Studien diskutiert wurden. Die Quintessenz davon ist in die deutsche Leitlinie eingeflossen.
    Hallo Ralf,

    die Aussage des Uro aus Lev war mir ehrlich gesagt auch nicht geheuer. Deshalb auch die Anmeldung hier im Forum.

    Ach ja, den PSA-Wert habe ich im Eingangspost angegeben: Vor 2 Jahren < 5, d.J. 5,3

  8. #8
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    Zitat Zitat von Gerhard H. Beitrag anzeigen
    Ich habe lediglich den Befund hier rein kopiert. (Konnte dem Pathologen nicht über die Schulter schauen ;-) Die Prostata ist/war 42 ccm groß.
    Mir kommen die Stanzzylinder eher zu kurz vor, vor allem bei 42ml). Ich nehme an, vorher wurde kein mpMRT gemacht? Keine gezielte Biopsie (Fusionsbiopsie)? Die PCa-Anteile sind jeweils beträchtlich und über die ganze Prostata verteilt. Es könnte sich irgendwo noch ein kleiner Gleason-4-Anteil befinden. Das wäre ein absolutes Ausschlußkriterium für AS.
    Der Urologe hat ansonsten einen gemäß Alter und PSA-Verdoppelungszeit sehr sinnvollen Rat gegeben. Mit 68 ist ein signifikantes PCa bei mindestens 50% der Männer zu erwarten (Obduktionsstudien). In den meisten Fällen macht das zu Lebzeiten keinen Ärger mehr. Die Leitlinie stützt sich auf Statistik und der Arzt ist gehalten, den Patienten entsprechend einzuordnen und dann zu entscheiden bzw. zu empfehlen. AS bedeutet zunächst einmal, die Verdoppelungszeit genauer zu bestimmen. Ich würde allerdings noch ein MRT oder PSMA PET/CT machen lassen, um die Ausdehnung zu bestimmen und eine eventuell höhergradige Stelle zu sehen. Und eine spätere Rebiopsie je nach PSA-Verlauf wäre wohl angebracht.

  9. #9
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    Hallo Gerhard,
    die Prostata enthält bei Dir eigentlich in allen Bereichen malignes Gewebe (lateral, medial, links und rechts). Es gibt, und das halte ich für sehr wichtig, eine positiven Tastbefund! Auch so etwas und nicht nur die Entwicklung des PSA-Wertes würde ich hier in die Beurteilung einbeziehen. Ich finde, genauso wie Ralf und Du selber ja auch, die Aussage des Urologen mehr als hinterfragenswert. Folglich würde ich mir eine zweite oder sogar dritte Meinung einholen. Ich vermute und befürchte, dass Du in deren Augen kein Patient für AS bist, was die Leitlinie auch so sieht. Oder gibt es vielleicht sogenannte Komorbiditäten, die eine AS rechtfertigen würden? Vielleicht bringen weitere Untersuchungen ja Klarheit (s.o.)?
    Viele Grüße
    Achim

  10. #10
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    Guten Morgen,

    bis hierhin erst einmal meinen herzlichsten Dank für Eure Antworten.

    Da naturgemäß auch in diesem Kreis hier die Meinungen divergieren bin ich mir über den weiteren Werdegang noch nicht sicher.

    Nächste Woche ist wieder Zusammenkunft der Selbsthilfegruppe hier vor Ort. Diesmal mit einem anderen Urologen und bin auf dessen Einschätzung gespannt.

    Des weiteren versuche ich einen Video-Chat mit meiner Krankenkasse für eine Zweitmeinung seit bereits über einem Monat. Allerdings kriegen die das bis dato nicht auf die Kette.

    MRT werde ich auf jeden Fall beim nächsten Arzttermin ansprechen.

    @buschreiter (Achim)
    Nein, keine Komorbiditäten. Fühle mich eigentlich fit wie ein Turnschuh. 79 Kg bei 1,86 m und imho durchaus sportlich.

    Gruß
    Gerhard

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